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Geistiges Schauen: Lebendiges Erleben von Bildern
und Geschehnissen aus dem Leben Jesu – Wie Christus sich den Seinen zeigt und ihren Eifer für die Erfüllung des Heilsplans anspornt – Von der Herrlichkeit einer persönlichen Begegnung mit dem König
und Geschehnissen aus dem Leben Jesu – Wie Christus sich den Seinen zeigt und ihren Eifer für die Erfüllung des Heilsplans anspornt – Von der Herrlichkeit einer persönlichen Begegnung mit dem König
Christuserlebnis
Beschreibung
In der jenseitigen Welt besteht die Möglichkeit, an speziell dafür bestimmten Orten das Leben Jesu Christi wie in einem Film mitzuerleben. Für einen jeden, der eine solche Schau haben darf, ist dies ein unauslöschliches Erlebnis, das ihn anspornt, an der Erfüllung des Heilsplans mitzuhelfen. Eine Schau aus dem Leben und Wirken Jesu kann die Gotteswelt auch einem Menschen ermöglichen. Sofern es für sein weiteres Leben bedeutsam ist, kann sie seinem Geist während seines Schlafes, also im Traum, ausgewählte Bilder von Christus zuführen, die ihn so nachhaltig beeindrucken, dass er es in sein Wachbewusstsein als Mensch mitzunehmen vermag.
Ein besonderes Ereignis ist es für einen aufsteigenden Geist, Christus persönlich begegnen zu dürfen. Der König der Geisterwelt geht nach eigenem Belieben durch alle Aufstiegsstufen, um sich seinen Geschwistern zu zeigen. Wenn der König zu den Seinen geht, spricht er zu ihnen Bedeutsames. Er spricht von der Erfüllung des Heils- und Erlösungsplans und von der Arbeit, die noch geleistet werden muss, um die Einheit mit allen Wesen zu erreichen.
Themenheft 2/2010: Christuserlebenis
Inhalt
Wie neu heimgekehrte und wie aufsteigende Geistwesen das Osterfest erleben dürfen
Josef, 18. März 1961
Wie neu heimgekehrte und wie aufsteigende Geistwesen das Osterfest erleben dürfen
Die christlichen Erinnerungstage wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten haben auch in der geistigen Welt eine grosse Bedeutung. Aufsteigende Geistwesen erhalten die Möglichkeit, an speziell dafür bestimmten Orten Geschehnisse aus dem Leben Jesu Christi wie in einem Film mitzuerleben. Für einen jeden, der eine solche Schau haben darf, ist dies ein unauslöschliches Erlebnis, das ihn anspornt, an der Erfüllung des Heilsplans mitzuhelfen. Diesen Eifer für den Heilsplan entfalten ganz besonders jene Wesenheiten, die Christus persönlich begegnen und vernehmen dürfen.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, immer näher rückt für euch das heilige Osterfest, und wieder verkündet man die Botschaft vom Sieg des Herrn und Erlösers. Und so wenige Christen sind es verhältnismässig, die sich wirklich bewusst sind, was dieser Sieg bedeutet und auf welche Art und Weise er zustande gekommen ist.
Die Jünger baten dazumal ihren Meister: “Lehre uns doch beten”, und er lehrte sie das wunderbare Gebet, das heute noch von der Christenheit gesprochen wird. Darin kommt doch auch das zum Ausdruck, was er ihnen gegenüber immer wieder erwähnt hatte: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Auch in diesem Gebet weist er auf das Reich Gottes hin – dass es kommen möge zu den Menschen. Von diesem Reich des Vaters, in dem er gelebt hatte und in dem er wieder leben sollte, sprach er doch so viel zu seinen Jüngern. Er wollte damit zum Ausdruck bringen: “An dieser Welt hier habe ich nichts. Doch die andere Welt, das Reich des Vaters, das gehört auch mir, nicht nur dem Vater – was dem Vater gehört, ist auch mein Reich.”
Wenn ihr nun heute im Gespräch mit euren Mitmenschen eure Gedanken über dieses andere Reich kundgebt und ihnen sagt: “In dieses andere Reich, von dem Christus sprach, werden wir einmal zurückgehen, und dort werden wir mit ihm wohnen; aus diesem andern Reich, aus dem Reich Gottes, bekommen wir aber auch die Unterstützung, den Beistand für unser Leben” – und wenn ihr dann den Mitmenschen noch sagt, dass man zu dieser andern Welt eine Verbindung haben könne, dann staunen sie, ja sie kommen sogar so weit, euch für irre zu halten. Und doch sind sie bereit, immer wieder in gewissen Zeitabschnitten die Botschaften aufzunehmen, sei es die Verkündung der Geburt des Herrn oder sei es nun die Botschaft von der wunderbaren Erfüllung seines grossen Werkes oder die Botschaft vom Pfingstfest. Auch sie selbst geben diese Botschaften weiter; sie tun es aber nicht aus der Tiefe ihrer Seele. Bei vielen kommt es rein geschäftsmässig zum Ausdruck, denn irgendwie haben sie die Möglichkeit, aus solchen Festtagen Kapital zu schlagen. Dann sind sie eben gerne bereit, es gross auszuschreiben, dass diese Festtage nahen und man sich bereit machen soll dafür. Dabei denken die Menschen ja viel mehr an ihre Vergnügen als an die ernste Stunde, zu der man immer wieder ermahnt wird – dass man in sich gehen und dankbar werden soll für das wunderbare Werk, das Christus erfüllt hat.
Einerseits sind die Menschen also bereit, diese Botschaften weiterzugeben, doch anderseits fangen sie an zu zweifeln und wollen nicht annehmen, dass man eine solche Verbindung zur andern Welt aufrechterhalten könnte. Demgegenüber sind sie aber geneigt, wiederum einerseits, die dunklen Mächte anzuerkennen, die womöglich ihren Einfluss auf den Menschen geltend machen könnten, anderseits wollen sie es aber nicht verstehen, dass auch die gute Geisterwelt ihrerseits das Mögliche beiträgt, dem Menschen beizustehen.
Dabei möchte ich auch auf Folgendes hinweisen: auf die Versuchung Christi durch Luzifer, als dieser an Christus heranging und glaubte ihn zu Fall zu bringen. Auch heute verkündet man die Botschaft davon, dass Christus in die Wüste ging und Luzifer ihn versuchte. Ja, die christliche Lehre, sie ist immer noch dieselbe geblieben – die wahre christliche Lehre mit ihren Erklärungen von Ursachen und Wirkungen. Aber die Christenheit hat etwas ganz anderes aus dieser Lehre gemacht; und sie will nur das glauben, was sie für möglich hält, was ihr gefällt, was ihr passt in dieser oder jener Hinsicht. Man verkündet es, dass Satan Christus versuchte und ihm diese vielen Versprechungen gab und dass Christus ihn nicht annahm, ihn von sich wies und nicht der Versuchung anheimgefallen ist, auch nicht durch die Persönlichkeit des Satans.
Nun, wenn der denkende Christ etwas versucht nach innen zu blicken und die geistige Lehre betrachtet und wenn er auf den Worten des Erlösers “Mein Reich ist nicht von dieser Welt” weiterbauen will, so muss er doch erkennen, dass es ein Reich gibt, das Christus gehört, in dem er die Herrschaft ausübt. Es ist eben dieses Reich, von dem er als Mensch sprach und sagte: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” (vgl. Joh. 14, 3). Angesichts dieser Worte sollten doch die Menschen wirklich mehr überlegen und glauben, dass ein solches Reich, das Christus und Gott gehört, existiert und dass man es für sich gewinnen muss, dass es zum Menschen kommen muss, wie man es im Gebet spricht: “Dein Reich komme zu uns.” Zugleich sollte es dem denkenden Menschen klar werden, dass es neben diesem Reich Gottes noch ein anderes Reich gibt. Christus hat ja der Menschheit die Befreiung und Erlösung gebracht – es gibt also zwei geistige Reiche; die Geisteswelt ist eben gespalten. Der andere Teil gehört Luzifer. Er regiert von seinem Reiche aus und versucht die Menschen zu Fall zu bringen. Und wenn es weiter im Gebet so wunderbar deutlich gemacht wird, indem man bittet: “Führe uns nicht in die Versuchung”, oder: “Führe uns aus der Versuchung”, oder: “Stehe mir bei in der Stunde der Versuchung”, so sollte auch hier ein denkender Mensch zur Erkenntnis kommen, dass neben dem Reich Gottes und Christi, das man für sich gewinnen soll, eben noch ein anderes Reich vorhanden ist, dass noch ein anderer in der Welt regiert, der seinen grossen Einfluss auf den Menschen ausüben kann.
Wie wenige denkende Christen gibt es, die alldem nachgehen. Menschen vermögen viele Dinge, die ihnen zum Vorteil scheinen, in allen Einzelheiten zu überprüfen, um sie für sich auszukosten und ihren Profit daraus zu gewinnen. Aber was diese religiösen Angelegenheiten betrifft, da sind sie so oberflächlich, und was sie nicht gerade fassen können, das wollen sie nicht bejahen.
Ich möchte nicht immer darauf hindeuten und erklären, dass doch dem Menschen in seinem täglichen Leben stündlich immer so viel Wunderbares entgegengeführt wird. Wenn man aber seinen Meister und Schöpfer nicht anerkennen will, wenn man nicht weiterdenkt, nicht sucht nach dem Woher und Wohin, dann kann auch die geistige Welt bei solchen trägen Menschen nicht viel dazu tun, denn diese sind nicht bereit, sie anzuerkennen. Die niedere Geisteswelt hat ja nur ein Interesse: ihr Reich in ihrer Macht und ihrer Gewalt entfalten zu können; sie will den Aufstieg der Menschheit verhindern; sie will nicht, dass das Reich Gottes zum einzelnen Menschen kommt. Und wenn nun Christus sagte: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt”, dann gab er damit zum Ausdruck: “Ich bin nicht der Herrscher dieser Welt. Der Herrscher dieser Welt, auf der ihr Menschen lebt, ist Luzifer.” Weil dem so ist, ist der Einfluss, der von dort kommt, so gewaltig. Denn Luzifer regiert, er behauptet sich, und er hat seine grossen Anhänger, die ausgehen und sein Recht verteidigen und so auf diese Weise den Menschen an seinem geistigen Aufstieg hindern. Und er, der Mensch, dem diese Botschaften von der Geburt des Herrn oder von der Erfüllung seines Erlösungswerks nach gewissen Zeitabständen immer wieder verkündet werden – er sollte sie kosten und geniessen, er sollte von ihnen leben, er sollte durch sie den Weg im Leben finden, sein geistiges Leben aufbauen, er sollte nun das Reich Gottes, das ihm immer wieder entgegenkommt, bejahen können; er soll es annehmen, darin wohnen, und er soll der niederen Geisteswelt den Zutritt verwehren.
Wir wissen, es ist nicht so einfach. Das Leben des Menschen ist ein grosser Kampf, denn er steht da in der Mitte – auf der einen Seite ist das Reich Luzifers, auf der andern das Reich Christi –, und er wird hin und her gerissen. So viele Eindrücke kommen auf ihn, und er weiss nicht, zu wem er Ja sagen muss. Er erkennt nicht immer den richtigen Weg, denn er ist oft zu kritiklos. Er vermag nicht das Recht vom Unrecht zu unterscheiden; er findet gleich gerade alles recht und gut, was irgendwie in fromme Worte gekleidet ist oder einen Hauch von Frömmigkeit hat. Die Menschen stehen da und vermögen nicht zu entscheiden. Und warum vermögen sie nicht zu entscheiden? Weil sie ihren Verstand nicht zu Hilfe nehmen, weil sie nicht demutsvoll und bescheiden genug dafür sind, weil sie zu weit entfernt sind von der Grenze des Reiches Gottes. Sie stehen unter der Herrschaft Luzifers, und hier, an diesem Reich, hat Christus keinen Anteil. Man muss Christus einen grossen Schritt entgegengehen, man muss sich immer wieder sagen: “Ich gehöre in das Reich Christi, denn er übt das Herrscherrecht aus über mich.” Aber wenn man so spricht, muss man sich bewusst werden, dass man die Gesetze seines Reiches befolgen muss; denn er ist der König, und er möchte, dass die Gesetze, die von ihm verordnet werden, befolgt werden, wenn er einen aufnehmen muss in sein Haus, in sein Reich.
Nun, liebe Geschwister, das ist etwas, was so wenig Lebendigkeit hat in der Christenheit. Man nimmt diese Feste immer wieder entgegen, aber man betrachtet sie nicht als das, was sie in Wahrheit sind: geistige Speisen, lebendiges Licht Gottes, das dem Menschen immer nahegebracht wird, damit er immer und immer den Weg sieht, den er gehen muss. Denn da kommen diese Worte wieder zur Geltung: “Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen” (Mat. 24, 35) – eben: Das Geistige, Unsichtbare, das vom Reiche Gottes, das wird nicht vergehen. Und diese Botschaften zu den christlichen Festtagen, sie werden immer wieder verkündet und verkündet, und dies wird nie aufhören, nie, bis die ganze Menschheit sich in dieser Harmonie geeinigt hat. Und wenn wir euch, liebe Geschwister, immer wieder auf die göttlichen Gesetze aufmerksam machen und man vielleicht da und dort von einem oberflächlich denkenden Menschen hört, wir hätten immer wieder dasselbe zu sagen, dann möchten wir ihm erwidern, dass er es nicht erfasst hat, dass diese Botschaft eine geistige Nahrung ist, dass aus diesen Botschaften lebendiges Licht leuchtet, dem man nachgehen muss, und dass er den Wert davon nicht erkennt. Das wird seine Folgen zeitigen, wenn man dann in die andere Welt hinübergekommen ist.
Sicherlich hat der eine oder andere von euch auch schon gedacht: “Wie werden denn in der andern Welt diese Festtage gefeiert?” Wenn vielleicht da oder dort einmal eines dahingegangen ist kurz vor solchen Festtagen, dann wagte man zu sagen: “Nun darf er im Himmel Weihnachten feiern”, oder: “Nun darf er im Himmel das Oster- oder Pfingstfest feiern.” Ja man spricht solche Worte und denkt nicht weiter darüber nach; aber man ist in einer leisen Hoffnung, dass in der anderen Welt doch etwas von dieser Botschaft viel wirkungsvoller wäre als auf Erden, wo sie in der Sprache des Menschen verkündet wird. Ja, liebe Geschwister, wenn ich euch nun einen Ausschnitt geben darf aus dem Geschehen und aus den Erlebnissen dieser Zurückgekehrten, dann muss ich mich doch darauf berufen, dass alles nach den wunderbaren Gesetzen Gottes geht, dass im Reiche Gottes dieses Gesetz auf das Genaueste befolgt wird. Kommen nun zu solchen Festtagen solche Seelen zu uns herüber, so sind sie sich dessen ja noch gar nicht bewusst. Die meisten, wie ich schon öfters erklärte, werden ja in ihre Ruhe geführt. Freilich wird der beschützende und der führende Engel seine Andeutung machen über das Fest, das die Menschen feiern, sowie auch über das Fest in der göttlichen Welt.
Wir möchten nun einmal eine Sphäre betrachten, wo solche Heimgekehrten zusammen sind. Die einen von ihnen sind noch sehr erdgebunden, die andern haben keinen Wunsch oder kein Verlangen mehr, in das Erdenreich zurückzukehren. Sie alle sind aber gemeinsam an eine Sphäre gebunden. Die einen mögen auf eine besondere Art recht tugendhaft sein, aber dafür sind sie auf einer anderen Seite in ihrer Entwicklung ziemlich zurückgestellt, sodass es dann im Grossen und Ganzen einen Ausgleich gibt und man sie so zusammen lässt; denn so wie ihr Menschen in eurer Ausdrucksweise, in eurer Eigenart verschieden seid, so seid ihr es ja auch, wenn ihr in der anderen Welt angelangt seid.
Nun, diejenigen, die so sehr erdgebunden sind, lässt man zu diesen Festtagen zurückkehren in das Erdenreich. Sie gehen wohl unter einer Führung, besuchen da oder dort ihre Freunde und teilen mit ihnen ihre Gedanken. Unter diesen Erdgebundenen gibt es aber auch ganz verschiedene. Es gibt welche, die die Kirchen aufsuchen und mit den Menschen beten möchten. Sie waren als Mensch gewohnt, immer wieder in die Kirche zu gehen, und so haben sie auch als Geistwesen noch das Verlangen, in die Kirche zu gehen, unter den Menschen zu weilen und sie zu beobachten. Sie freuen sich dann, mit diesen die Feiertage zu erleben. Anderseits sind wiederum welche, sie gehen nur durch die Strassen, begleiten Menschen, nehmen Anteil an ihren Interessen und fühlen sich glücklich; denn so haben sie das Gefühl, nun selbst wieder wirklich wie ein Mensch geworden zu sein, und so können sie einige Tage unter ihnen verweilen. Die einen besuchen also Kirchen, und andere gehen sozusagen als Strassengänger. Da hat es auch welche, die jenen Neigungen nachgehen, die sie als Mensch hatten: Sie besuchen Konzerte, sie besuchen Galerien, Museen, Unterhaltungsorte; und da feiern sie dann diese Festtage, eben jeder nach seiner Neigung. Der eine fühlt sich glücklich, an diesem Festtage ein schönes Konzert zu besuchen, unter den Menschen zu sein, es ist für ihn von grosser Bedeutung. Ein anderer, der diese Festtage jeweils dazu benützte, Reisen zu machen oder da und dort Kunststätten zu besuchen, er will es auch jetzt in gleicher Weise tun und davon seinen Genuss haben. Er fühlt sich glücklich und hat dann das Gefühl: “Jetzt hab ich schöne Ostern gefeiert” oder schöne Pfingsten oder schöne Weihnachten, eben wie es sich dann eingestellt hat. So ist es mit diesen Wesen, die so sehr an die Erde gebunden sind: Sie kehren zu ihr zurück und erleben das Fest mitten unter den Menschen. Der Geist Gottes oder die Geister, die jene in das Erdenreich begleitet haben, führen sie auch gemeinsam wieder zurück, wenn es wieder so weit ist. Und sie haben wieder ihre Aufgabe aufzunehmen.
Nun, glücklicherweise bilden diese ja nicht den grössten Teil der Wesenheiten. Sie sind ja solche, die in ihrer Läuterung noch nicht so weit fortgeschritten sind, die noch nicht allzu lange in der Geisteswelt sind und sich eben vom Erdenreiche noch nicht trennen konnten. Diese dürfen wieder zurückkehren, sie haben ja eine grosse Freiheit – in der geistigen Welt anerkennt man diese Freiheit. Auch möchte ich nicht unbemerkt lassen, dass da oder dort Eltern vielleicht ihre Kinder aufsuchen. Sie bitten darum, die Nähe ihrer Angehörigen aufsuchen zu dürfen, nur für kurze Zeit, denn sie möchten nicht die ganze Zeit über bei ihnen sein, sondern dann schnell wieder zu ihren Festen in der geistigen Welt zurückkehren. Auch dieses wird ihnen gestattet. Das ist nun auf der einen Seite das Erleben dieser Festtage von jenen, die noch so sehr in derselben Gesinnung leben wie die Menschen und noch so erdgebunden sind.
Nun betrachten wir aber die andern, die vielen, vielen Wesenheiten, die in ihrem Aufstiege sind. Und hier sind es die göttlichen Wesen, die für ein solches Fest in der geistigen Welt alles vorher so wunderbar aufgebaut und in seine Ordnung gebracht haben. Ihr könnt daraus sehen, dass dieses auch eine wundersame Arbeit ist für die göttlichen Wesen, denn das, was sie an solchen Festtagen wieder erleben dürfen, ist begrenzt in seiner Dauer – das möchte bedeuten, dass man nicht zu jeder Zeit diese Erlebnisse haben kann. Damit man sie haben kann, braucht es dementsprechend einen Aufbau, eine Umwandlung oder ein Eingreifen der göttlichen Wesen.
Ihr wisst, Sinnreiches gibt man im Reiche Christi allen Wesenheiten. Man ist darauf ausgerichtet, ihnen die Belehrungen zu geben, die ihnen vorwärtshelfen, die ihnen die Bedeutung der Verwirklichung des Heilsplanes nahebringen. Es geht nicht einfach darum, dass man nur in Jubel und Freude leben kann. Das erleben die Geschwister auch dann und wann, aber es hat seine Grenzen. Wenn nun aber diese wundersamen Erinnerungstage wie Ostern sind, die ja ihre grosse und gewaltige Bedeutung haben, dann wird dieses Geschehen von einst diesen Wesenheiten nahegebracht. So wird zum Beispiel ein Ort bestimmt, wo man dieses Schauen erleben kann: Man sieht das Abendmahl – da sieht man den Herrn und Erlöser mit den Seinigen zusammen versammelt in jenem Saale. Man sieht es genau so, wie es zum damaligen Zeitpunkt war; die Vergangenheit ist also Gegenwart geworden, man kann sie erleben. Dieses wahre Erlebnis macht doch auf die Wesenheiten, die dem Reiche Christi angehören und ihm doch nahekommen wollen, einen ganz gewaltigen Eindruck. Bedenkt einmal: Wenn man euch in einem Film das ganze Geschehen und Leben Jesu Christi in Wahrheit vor Augen führen könnte – welch tiefen Eindruck würde es bestimmt auf den frommen Menschen machen. Ich glaube, ihr könntet nie genug davon sehen; denn ihr wollt ihm angehören, ihr wollt seinem Reiche zugeteilt sein, also möchtet ihr immer wieder von ihm sehen und hören und erleben.
Und wenn auch das Schwere und Leidvolle, das geschehen ist, mit angesehen werden kann, da muss man sich auch bewusst werden, welchen Eindruck dies auf die Wesenheiten macht – dass man dann ganz anderen Eifer aufbaut in der Verwirklichung, in der Entfaltung zur Erfüllung dieses Heils- und Erlösungsplanes. Denn man sieht nicht nur das schwere Leiden des Herrn, sondern man kann dann auch die Einflüsse und die Gestalten des andern Reiches sehen, denn sie sind ja im Geistigen offenbar. Diese Gestalten waren vorhanden, und man sieht nun, wie sie jene Menschen damals beeinflusst haben. Man kann auch die Versuchung sehen, die Luzifer bei Christus unternommen hat. Nun, wenn man diese Erlebnisse haben kann, so kann man zugleich auch viel Freudvolles und Schönes aus dem Leben Jesu Christi sehen: Man kann ihn sehen, wie er aufgewachsen ist in seiner Familie, und man kann ihn sehen, wie er mit seinen Jüngern war, wie er alleine wanderte, wie er zu den Seinen sprach, wie die Menschen aus weiten Fernen kamen und sich sammelten. Man kann sehen, wie er die Kranken heilte, man kann es miterleben, wie Blinde sehend wurden. Man sieht es nicht mit denselben Augen, wie es dazumal die Menschen gesehen hatten, sondern man sieht hier den Geist Gottes, der herniederging auf jenen Menschen und wie er die Kraft brachte; man sieht nun die Geister Gottes, die verbunden waren mit Christus. Man kann so unendlich vieles und Wunderbares erfassen.
Ihr wisst, dass diese Seelen doch ihren Unterricht bekommen; man erzählt und erklärt ihnen von diesen Geschehnissen. Es gibt aber auch einen bildlichen Unterricht; es wird ihnen vor Augen geführt, auf welche Art und Weise es geschehen ist. Doch glaubt nicht, dass man in der geistigen Welt bereit ist, einer heimgekehrten Seele solches gleich vor Augen zu führen und zu sagen: “Du sollst nicht zweifeln, ich will es dir gerade beweisen.” Nein, zuerst geht man durch die bescheidenen, niederen Schulen, und die Engel Gottes geben einem zuerst die Erklärungen dazu. Erst später, wenn man sich dann dieses Wissen angeeignet und es bejaht hat, darf man in dieses Schauen hineinschreiten. Und wenn ich sage “in dieses Schauen hineinschreiten”, müsst ihr auch die richtige Vorstellung davon haben: Ich sagte anfangs, es würden ganz bestimmte Orte dafür ausgesucht – örtlich nun gemeint –, wo man dieses miterleben kann. Es muss nicht so sein, dass nun diese Wesenheiten auf die irdische Welt geführt werden müssten, um in jene Vergangenheit zurückzukehren, sondern ihr wisst: Alles Geschehen ist im Geistigen festgehalten; also im Himmelreich ist festgehalten, was geschehen ist. Die Bilder des Geschehens sind vorhanden, und sie werden jenen vorgeführt. Und so erleben sie diese Festtage, die dazu dienen sollen, diese Seelen eifriger zu stimmen, damit sie voller Mut und voller Zuversicht an ihre Aufgaben gehen und sie Mithelfer werden im Heils- und Erlösungsplan. Und überall, wo man da und dort dieses verschiedene Schauen erlebt, sind Engel Gottes und geben ihre Worte dazu und erklären das Geschehen aus jener Zeit.
Nun aber möchte ich es nicht unterlassen, genauer zum Ausdruck zu bringen, wie es zugeht. Unter diesen aufsteigenden Geistern sind doch auch solche, die es schon öfters erleben durften und aufgefordert wurden, in dieses Schauen hineinzukommen. Nach gewisser Zeit haben sie ein Gefühl der Selbstständigkeit, und sie gehen selbstständig einher im Himmelreich. Dabei wollen sie das erleben, was ihnen besonders oder am meisten zusagt. Vielleicht ist es etwas besonders Liebliches, etwas Erfreuliches aus dem Leben ihres Meisters und Erlösers, das sie mit anschauen dürfen. So vermögen sie die längste Zeit immer dasselbe zu betrachten und sind glücklich und selig, Christus zum Beispiel mit seinen Jüngern oder zusammen mit seinen Eltern zu erleben. Anderseits gibt es aber welche, die wollen nur jenes Schauen erleben, wo er am Kreuze sterben musste – weil sie glauben, sich dadurch noch mehr zu kräftigen, weil sie es für sich bedeutungsvoll finden, dass sie von diesem Christus-Erlebnis ganz durchdrungen würden, sodass es in keinem Menschenleben, das sie wieder mitmachen müssten, je aus ihrem Innersten weichen könnte.
So wählt jeder nach seiner Eigenart, jeder nach seinem Verlangen, und so gehen sie vom einen Ort zum andern. In grossen Gruppen lassen sie sich von den himmlischen Boten aufklären, obwohl sie dieses Schauen schon einige Male miterlebt haben und sie auch gut ganz alleine durch diesen Himmel schreiten und dort verweilen könnten, wo es ihnen gefällt. Aber nein, sie ziehen es vor, die Stimme eines erhabenen Engels Gottes mit anzuhören, weil für sie die Lieblichkeit seiner Worte schon von grosser Bedeutung ist und weil sie die Möglichkeit haben, solche Engel wieder zu fragen, um in ungeklärten Dingen weiter aufgeklärt zu werden. So möchten sie geschult werden und gereift werden. Dieses alles kann man erleben im Himmelreich, und es macht auf diese Seelen einen grossen und tiefen Eindruck – auf diejenigen, die reif geworden sind, das zu erleben.
Ich sagte euch: Die Erdgebundenen ziehen zu den Menschen; sie haben nicht das Verlangen und sind noch nicht so weit, in dieses Schauen hineinzugehen. Aber sie kommen nachher, wenn sie zurückgekehrt sind, ins Gespräch mit den andern. Und die einen haben dann den Wunsch, es auch bald zu erleben – aber wenn ihnen dann die Gelegenheit geboten ist, sind sie doch nicht bereit dazu ... Daran könnt ihr sehen, welch grosse Freiheit in dieser Welt des Aufstiegs den Seelen gegeben ist und dass es so sehr auf den Eifer des Einzelnen ankommt.
Wenn nun das einzelne Wesen einen so grossen Eindruck bekommen hat durch dieses Christus-Schauen, ja, dann wird dies nie auslöschen in seinem Innersten. Dieses Verlangen nach Christus wird auch später, wenn es wieder ins Menschendasein gehen muss, wieder zum Vorschein kommen. Man findet dann nicht so die richtigen Worte dafür. Gar mancher Mensch kann fanatisch werden in seiner Einstellung. Hier ist es ja wiederum notwendig, dass man auch darum beten würde, Gott möge einem den Verstand erleuchten, dass man klar erkennen kann, was recht und was unrecht ist. Dieses ist nämlich auch etwas, was die Menschen so vergessen: Es ist notwendig, um Klarheit zu bitten – dass die Kraft gegeben wird, klar zu unterscheiden, klar zu erkennen, was recht und was unrecht ist.
Nun aber möchte ich doch wieder zurückkehren in dieses Reich des Erlebens. Die Engel Gottes sagen da ihren Geschwistern: “Seht, was Christus in seinem Leben vollbracht hat, ist das wunderbarste Geschenk, das euch je gegeben werden konnte. Und dies gilt nicht nur für euch, die ihr zurückgekehrt seid, sondern es ist das wunderbarste Geschenk, das der ganzen Menschheit gegeben wurde. Dadurch dass Christus den Weg ins Himmelreich bereitet hat, hat er allen das Geschenk der Freiheit gebracht, die Erlösung ist ihnen gegeben worden. Und dieses wunderbare Geschenk sollte auch geachtet werden und soll seinen Wert nie verlieren.” Diejenigen, die da im jenseitigen Reich durch dieses geistige Schauen gegangen sind, wissen das wunderbare Geschenk des Königs zu schätzen, und so haben sie auch nur ein Verlangen: Sie möchten ihn nicht nur so in diesem Schauen erleben, sondern sie sehnen sich nach dem Zeitpunkt, wo sie ihm nahe sein und ihm gegenübertreten können. Und auch dieses wird den Reifgewordenen gestattet.
Der Himmel ist so wunderbar und voller Gnade, und so werden diejenigen, die diese geistige Reife erreicht haben, auch zu solchen Festen eingeladen, wo sie dies erleben können. Und wenn nun die göttliche Welt genau sondiert, wer fähig geworden ist, in diese Nähe Christi zu kommen, so geschieht ja auch dieses aus einer gewissen geistigen Berechnung heraus. Es ist eine grosse Gnade und Freude für einen jeden, der es erleben kann, ihm gegenüberzustehen. Aber glaubt nicht, dass Christus bei einem solchen Anlass nur mit einem Lächeln dastehen würde und sonst nichts zu sagen hätte. Genau wie ein jeder König, der auf Erden regiert, seinem Volke etwas zu sagen hat und jeden aufmuntert, seinem Reiche treu zu sein und seine Arbeit gewissenhaft auszuführen, damit man gross und stark wird und sich das Reich entfalten kann, so spricht auch Christus zu den Seinen. Ja mit noch viel grösserem Rechte steht er da und spricht von der Arbeit, die noch geleistet werden muss, um die Einheit zu erreichen, um in die Einheit mit allen Wesen zu kommen, auch mit jenen, die noch entfernt sind, die noch im anderen Reiche unter jenem anderen Herrscher sind – dass man jenem Herrscher seine Rechte schmälert, damit sich nun das Reich Gottes unter der Führung Christi entfaltet und sein Recht überall beanspruchen kann, und dass diese Gesetze, die von ihm ausgehen, auch erfüllt werden. Um das geht es.
Christus ermahnt die Seinen, nicht untätig zu sein, sondern nun ihre Arbeit zu leisten, damit dieser grosse Plan in Erfüllung gehen könne, damit diese unzähligen Geschwister nicht allzu lange auf die Herrlichkeit zu warten hätten. Und er erklärt es ihnen, welche Wege man gehen müsse, um ein tüchtiger Helfer im Heilsplane zu werden, und dass auf den Einzelnen grosse Aufgaben und schwere Wege warten. Er macht ihnen deutlich, dass auch diejenigen von ihnen, welche zu einem weiteren Erdenleben aufgerufen würden, sich darin dann eben behaupten müssten und von diesem göttlichen Schauen und von diesem Zusammensein mit ihm im neuen Erdenleben doch etwas in ihr Bewusstsein tragen müssten, sodass dieser grosse Verführer Luzifer ihnen diesen Glauben an Gott und an ihn, den König der Geisterwelt, nicht mehr rauben könne – dieser tiefe Glaube solle durch alle Menschenleben gehen, damit es eine Erfüllung gebe. Und glaubt, dass Christus den Seinen auch zu sagen hat: “Ihr habt schwere Wege zu durchschreiten, es wird euch nicht leicht gemacht.” Doch gleichzeitig gibt er ihnen die Zusicherung, dass sie nicht in Verlassenheit und Einsamkeit diesen schweren Weg zu gehen hätten. Er verspricht ihnen die Beihilfe seiner Getreuen, er stellt sie ihnen vor und zeigt auf diese Scharen von Engeln Gottes, deren Aufgabe es ist, den Menschen in seinem Leben zu begleiten, ihm in seinen schwierigen Aufgaben beizustehen, ihm die Kraft zu geben.
Aber dieses kann ja nicht alleine zum Ausdruck kommen – es ist der Mensch selbst, der etwas in seiner Seele haben muss, das ihm diese innigste Verbundenheit mit Gott, mit der ganzen Geisteswelt, mit seinem König zum Ausdruck bringt. Es müssen Tugenden entfaltet werden können, ja, es müssen jene Tugenden der geistigen Welt zu ihrem vollen Rechte gekommen sein. Der Mensch muss erprobt worden sein, er muss auch durch Versuchungen geschritten und auf diese Art und Weise erfolgreich geprüft worden sein. Er muss stark und kräftig aus diesen Prüfungen hervorgehen können. Nur dann, wenn er die Prüfung bestanden hat und in der Zeit der Schwere, des Leidens in dieser Prüfung stark geworden ist, dann traut man ihm höhere und schwerere Aufgaben zu. Man gibt nicht irgendeinem eine Aufgabe zur Erfüllung. Wenn einer von der göttlichen Welt eine Sendung hat, ist er zuvor geprüft worden, ob er fähig ist, sich zu behaupten.
Wenn ihr nun durch diese Erklärung, die ich euch diese Stunde gegeben habe, erkennen könnt, wie viele Wesenheiten doch in den Genuss dieses geistigen Erlebens gekommen sind und nun in ihrem menschlichen Leben die Möglichkeit haben, ihren Glauben unter Beweis zu stellen, ihre Treue zu Gott zum Ausdruck zu bringen, da müsst ihr auch sehen: Wenn sie als Menschen in dieser Welt stehen und nicht immer wieder ermahnt werden und diese wiederkehrenden Botschaften vernehmen können, wie schnell ist es vergessen, wie schnell kettet man sich wieder an diese Welt, wo jener andere sein Herrscherrecht ausübt. Wie notwendig ist es, dass dieses lebendige Wort, das immer wieder zum Ausdruck gebracht wird – diese Botschaften zu den christlichen Festtagen –, seine wirkliche Bedeutung findet beim Menschen und er dementsprechend lebt und wirkt.
Ja, liebe Freunde, so kennt auch ihr euren Weg, und ihr wisst: Wenn ihr eure Aufgaben hier erfüllt habt, dann braucht ihr euch nicht zu fürchten vor der letzten Stunde. Ihr könnt euch freuen auf den Heimgang, denn die Geister des Himmels freuen sich mit euch. Sie sind bereit, euch dahin zu führen, euch das Weitere dazuzugeben, das es noch braucht, um euch noch kräftiger zu machen im Glauben, um euch diese wirkliche Lebendigkeit zu geben, damit auch ihr im Reiche Gottes mit dieser grossen Kraft wirken könnt, die nie erlahmen soll – und damit auch ihr, wenn es euch beliebt oder für euch notwendig wird, unter den Menschen eine Aufgabe zu erfüllen, sie auch wirklich zur Zufriedenheit Gottes ausübt. So soll auch die Freiheit des Geistes, die durch Christus und durch Gott allen Wesenheiten gegeben wird, richtig verstanden werden; man soll den wahren Sinn dieser Freiheit kennen und sie zu einem kostbaren Idol machen. Sie ist etwas Wunderbares.
So, liebe Geschwister, schreitet ihr nun immer näher diesen Festtagen entgegen. Und der Himmel strahlt seine heilsame Kraft aus, denn der Himmel strahlt die Botschaft aus vom Sieg über den Tod. So möget ihr alle es doch erfassen; ihr alle sollt doch diese Kraft aufnehmen, für euch und für eure Mitmenschen. Ihr sollt in dieser Liebe und dieser Beharrlichkeit, in dieser Lauterkeit in eurem Denken sein, damit ihr Gott gefällig werdet – damit man euch mit Recht als Streiter Christi ansprechen kann, die in das Reich Christi gehören. Das ist unser Wunsch.
So möge der Segen Gottes über euch alle kommen. Möget ihr alle glücklich und froh werden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 18.3.1961 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Glaube, Gerechtigkeit, Güte und Wohlwollen gereichen Körper und Seele zur Gesundung
Josef, 31. Januar 1959
Glaube, Gerechtigkeit, Güte und Wohlwollen gereichen Körper und Seele zur Gesundung
Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von zwei Brüdern, die vom Vater das Geschäft erbten. Der eine Bruder war materialistisch eingestellt und verliess seine Familie, während der andere, lungenkranke Bruder tiefgläubig war und in seiner Familie wie auch in der Verwandtschaft und in seinem Umfeld viel Gutes tat. Dieser gütige Bruder war ein ehrlicher Geschäftsmann und wurde wohlhabend. Der Wohlstand war für seine geistige Entwicklung kein Hindernis, vielmehr nutzte er ihn, den Mitmenschen zu helfen. Seine Treue zu Christus – verbunden mit einem Christuserlebnis – ermöglichte es diesem tiefgläubigen Menschen, wunderbare Begegnungen mit der Geisterwelt Gottes zu haben. Dank den guten Werken, die der Bruder tat, und dank seiner Gottestreue wurde er ganz gesund. Diese Heilung war für das Umfeld ein Wunder, und sie achtete und verehrte diesen gütigen Menschen sehr.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, reich beladen mit geistigen Schätzen trat eine Seele ins Jenseits ein – sie wurde von den Engeln umjubelt. Man tat frühzeitig Kunde in die hohen Himmel; und sie stiegen hinunter, um die Seele zu umarmen, zu grüssen und sich mit ihr zu freuen über das Wunderbare, das durch ein Erdenleben erreicht werden konnte. Diese Seele durfte in einen herrlichen Himmel eingehen und Freude und Seligkeit erleben. So möchte ich von dieser Seele sprechen – was notwendig war für diesen Empfang, für diese reichlichen geistigen Schätze.
Es waren zwei Brüder. Nach dem Tode des Vaters erbten sie das Geschäft. Der eine von ihnen war sehr gütig und hatte einen Glauben, während der andere materialistisch eingestellt und weit von Gott entfernt war. Während der gottgläubige kränklich war, war dem andern eine starke Gesundheit beschieden. Dieser andere, der so materialistisch eingestellt war, wollte das Geschäft allein führen. Daher gab es Uneinigkeiten, und der Gütige war bereit auszutreten, wenn man ihm wenigstens einen geringen Teil seines Gutes überreichen könnte. Dieses wurde getan – ein geringer Teil wurde ausgehändigt mit dem Versprechen, den restlichen Anteil recht gut zu verwalten und diesen dann zum gegebenen Zeitpunkt auch auszuhändigen. Der kränkliche Bruder hatte sich eine neue Existenz aufzubauen, und er musste dies mit gewissen Beschwerlichkeiten tun. Der andere Bruder verblieb einige Zeit in seinem Geschäft; da er aber erkannte, dass es ihm nicht so viel abwarf wie gerechnet, verkaufte er es. Und statt dass er den Teil, der dem Bruder gehörte, aushändigte, behielt er ihn. Er verliess sogar seine Familie und ging weit fort. Er gab keine Nachricht; man wusste nicht, wo er war, und das ganze Geld – alles, was ihm möglich war – hatte er mitgenommen. Somit blieb seine Familie mittellos zurück.
Der gütige Bruder erachtete es als seine Pflicht, auch für seine Schwägerin und deren Kinder aufzukommen. Er betete jeweils zu Gott: “Gib mir die Kraft, gib mir Gesundheit, und ich will Dir das Versprechen geben, auch für jene Familie so zu sorgen wie für die meine.” Er war kränklich, und es bereitete ihm Mühe, seinen Geschäften nachzugehen; er raffte sich jedoch auf und trieb Handel. Er musste grosse Reisen tun, um diesen Geschäften nachzugehen, um sie aufzubauen. Er blieb teils Wochen, ja Monate von zu Hause weg, kehrte jedoch nie mit leeren Händen zurück. Von diesen so beschwerlichen, unangenehmen Reisen wurde er müde; er aber tat seine Pflicht, seiner Familie und der Familie des Bruders gegenüber. Er betete immer wieder zu Gott, er möge ihm die Kraft und die Gesundheit geben, um sein Versprechen zu halten. So wurde ihm dieses wunderbare Arbeiten gesegnet. Er verdiente genügend, um seine Familie und die Familie seines Bruders zu unterhalten.
Seinen Glauben an Gott suchte er jeweils zu vertiefen. Da hatte er einmal einen ganz besonderen Traum. In diesem Traume sah er Christus, angetan mit einem weissen Kleide, an den Ärmeln Blutflecken, die Dornenkrone auf seinem Haupte, das Kreuz auf seinen Schultern. Christus blickte ihn mit blutunterlaufenen Augen an und sagte zu ihm: “Hier siehst du meine Last; ich trage sie zum Ziel. Du hast auch eine Last; trage die deine auch zum Ziel.” Nun, dieser Traum wurde in ihm so lebendig, dass dieser ihm am Morgen, als er erwachte, bewusst war. Er war darüber teils ergriffen, teils sehr erfreut, auf diese Weise eine Antwort zu bekommen für seinen festen Gottesglauben und seinen Glauben und Dank an den Erlöser Jesus Christus. Dieses gab ihm neuen Mut, seine Aufgabe zu erfüllen, denn er erkannte ja seine Last. Er betrachtete nicht die Hilfe, die er den Verwandten zu spenden hatte, als eine Last, sondern seinen kränklichen Körper – er wurde ihm eine Last. Nun hatte er dieses Erlebnis und hatte von Neuem Vertrauen gefasst: “Du hast auch ein Kreuz – trage es zum Ziel.” Ja, er hatte ein Kreuz: seine Krankheit; er sollte sie als Kreuz betrachten. Den Verlust des materiellen Gutes, das ihm ein besseres, angenehmeres Leben ermöglicht hätte, wollte er nicht als eine Last betrachten und auch nicht seinen kränklichen Körper. Und doch war das Ganze eine Bürde für ihn, die er zum Ziel zu tragen hatte. Es ging also darum, nicht zu verzagen – er durfte nicht nachlassen. Er musste ausharren, und so ging er von Neuem seinen Geschäften nach und unternahm grössere Reisen.
Seine Frau wie auch seine Kinder wurden von der Güte und dem Wohlwollen des Vaters so durchdrungen. Nicht nur, dass diese andere Familie gut zu leben hatte, sondern auch der eigenen Familie ging es gut. Darüber hinaus hatte er Frau und Kinder dazu erzogen, gütig zu wirken unter jenen Menschen, wo sie lebten. Es gab für sie wahrlich genug Gelegenheit, diese Güte zu beweisen; man hatte da und dort einer Familie beizustehen und zu helfen. Man musste kranke und alte Leute pflegen, ihnen Lebensmittel geben. Dies wurde auf Veranlassung des Vaters getan, weil er darum bat. Er hatte seinen Lieben so deutlich zum Ausdruck gebracht, welch wunderbaren Traum er gehabt, welch Glück es für ihn bedeute, ein solches Erlebnis zu haben. Es gebe unendlich viele Menschen, die den Wunsch hätten, ein solches Erlebnis zu erhalten, und es nie erreichen würden. Dieses sei ihm nun gegeben worden, und er fühle sich zu Dank verpflichtet, gütig zu sein, und sie alle hätten ihm in dieser Güte und in seiner Gesinnung zu folgen. Daher bat er sie, überall Nachschau zu halten bei jenen armen und bedrängten Menschen, ihnen mit Rat und Tat beizustehen und zu helfen.
Kam er jeweils wieder nach Hause, wollte er genau Bescheid wissen, ob man auch wirklich den Ärmsten geholfen habe. Wenn die Kinder und seine Frau erklärten, sie hätten alles getan und es sei doch wohl ihr gutes Recht, von dem Gute, das sie erübrigen könnten, etwas zur Seite zu legen – dass ja auch diese andern selbst zum Rechten zu schauen hätten –, mussten sie sich immer wieder vom Vater belehren lassen; er wünsche, dass man in der Umgebung, wo er wohne, immer Nachschau halte und helfe, wo es notwendig sei. Und wenn es auch manchmal geschehe, dass sie zu Unrecht angefleht würden und sie da und dort Gutes getan hätten, wo es nicht von Notwendigkeit gewesen sei, solle man sich deshalb nicht darüber aufhalten. Sie seien verpflichtet, mit ihm die Bürde zu tragen und mit ihm ans Ziel zu kommen. Diesen Einfluss übte er auch auf die Familie des Bruders aus, und jene fühlten sich zu grossem Dank verpflichtet, taten es und entsprachen nach besten Kräften seinen Wünschen. So blieb er wiederum einige Zeit zu Hause, um nach dem Rechten zu sehen und um seine Geschäfte aufzubauen und zu erweitern.
Gewisse Stunden widmete er immer dafür, in die Stille zu gehen und über jenen Traum nachzudenken. Es kam so wunderbar über ihn – wunderbare Kräfte waren es. Er verstand diese Begegnungen nicht, die er in dieser stillen Zeit hatte, in der er sich dem Geistigen widmete. Er ging in die Kirche, aber nicht nur das: Er behauptete, dass die Kirche überall sei – dass er auch zu Hause in einem stillen Winkel beten könne. Es würde für ihn genauso viel bedeuten. Aus dieser überaus grossen Ruhe und Stille schöpfte er so unendlich viel Kraft.
Nun geschah es aufs Neue, dass er wiederum einen sonderbaren Traum hatte. Denn ich muss wiederholen, dass er immer auch in der Zeit, wo er diese Stille pflegte, betete: “Vater im Himmel, gib mir Gesundheit und Kraft, dass ich meinen Verpflichtungen nachkommen kann – dass ich meine Aufgabe auch zu deiner Zufriedenheit erfülle und nie wankelmütig, nie schwach werde.” So wusste er doch genau, dass er seine Augen immer nach oben zu richten und emporzublicken hätte, wenn er diese Kraft wirklich empfangen sollte. Durch sein wunderbares, heiliges Streben durfte dieser Mensch erneut ein Erlebnis haben. Er sah, wiederum im Traume, ein wunderbares Wesen. Dieses prachtvolle Wesen hatte eine sonderbare, stark riechende Blume in seinen Händen und sagte: “Nun sollst du tief atmen.” Es hielt die sonderliche Blume nahe an das Gesicht des Menschen. Dieser Mensch tat im Schlafe tiefe Atemzüge und nahm so diesen sonderlichen Geruch auf. Das prachtvolle Wesen sprach: “In dieser schönen Blume findet sich das Medikament, das du brauchst, um gesund zu werden. Es genügt aber nicht, dass ich nur einmal zu dir komme, sondern siebenmal musst du von dieser Blume riechen – dann solltest du gesund sein.” Und das Wesen verschwand. Am Morgen, als er erwachte, war auch dieser Traum so lebendig in ihm. Er freute sich darüber, doch teilweise bedauerte er, dass er nicht wiederum dieselbe Begegnung gehabt hatte wie das erste Mal. Er wusste ja noch nicht so genau Bescheid, was man ihm geben wollte. Er ging seiner Arbeit nach und dachte an das Erlebnis. Er pflegte die stillen Stunden, und so hatte er Gelegenheit, an diese nahe Verbindung zur Geisteswelt Gottes anzuknüpfen. Er fragte: “Was ist es, was man mir gegeben hat? Was hat es für eine Bedeutung? Ist es wirklich so, dass ich gesund werde? Kann ich diese Blume im Erdenreiche auch finden?” – denn er wusste, dass man ihm auf Erden kein langes Leben vorausgesagt hatte.
Nun, je mehr er in die Stille ging, umso mehr Fragen hatte er. Er wollte nicht zweifeln – ja, er wollte seinen Glauben festigen. Diese Dinge kamen ihm sonderbar vor, und er erzählte seiner Familie wiederum von diesem Erlebnis, das er gehabt hatte. Nun, da er so viel von diesen Dingen sprach, glaubten seine Verwandten, dass er nicht recht bei Sinnen wäre. Sie ängstigten sich um ihn, doch durfte er ihnen sagen: “Ihr könnt sehen, dass ich fähig bin, euch zu erhalten – nicht nur eine Familie, ich erhalte zwei, und ich kann noch weit darüber hinaus viel Gutes tun. Gott gibt mir die Kraft. Ich hätte sie nicht, wenn ich mir der Hilfe Gottes nicht bewusst wäre, wenn ich nicht um diese wunderbarste Verbindung von Gott zu mir wüsste.”
Er wollte genau beobachten, wann es das zweite Mal wäre. Das Wesen aus der Gotteswelt hatte ihm ja deutlich gesagt: “Siebenmal werde ich kommen, siebenmal musst du riechen.” Er hatte Hoffnung. Beim ersten Erlebnis war ihm gesagt worden: “Du musst deine Bürde zum Ziele tragen.” Ihm wurde also bewusst, er würde das Ziel erreichen. Es kam immer mehr an ihn, dass er gesunden und seine Aufgaben erfüllen würde und dass die Reisen, die er tun musste, nicht mehr so beschwerlich würden. Schon nach dem ersten Male fand er eine leichte Besserung. Mit viel Vertrauen und Hoffnung ging er wieder hinaus in die Welt und suchte seine Aufgaben zu erfüllen. Er vergass aber nie das Erlebte; er vergass nie, Gott zu bitten: “Gib mir Kraft, um meine Aufgabe zu erfüllen. Schenk mir Gesundheit, und ich will tun, was du von mir verlangst.”
Er beobachtete die Zeitspanne vom ersten zum zweiten Male – es ging sehr lange. Als er nach einigen Monaten wieder zurückgekehrt war, durfte er es ein zweites Mal erleben; er sah jedoch diesmal keine Gestalt wie das erste Mal, sondern am Morgen, als er erwachte, hatte er wiederum diesen Geruch um sich wie dazumal, als dieses Wesen die Worte zu ihm gesprochen hatte. Er dachte nach, ob es wohl wieder dieses Wesen gewesen sei. Er bejahte die Begegnung und merkte sich genau das Datum. Nun ging er wieder in die Stille; er betete und dankte Gott. In dieser Stille war es ihm, als ob vor seinem Auge dieses wunderbare Wesen stehen würde und ihm von Weitem diese Blume zeigte. Er sollte sie sehen. Und das Wesen lächelte ihm zu. Riechen konnte er die Blume nicht. Nun dachte er über all das nach, und es wurde ihm bewusst, dass es ein Engel des Himmels war. Ihm wurde bewusst, dass es auf wunderbare Weise möglich ist, eine Verbindung zur himmlischen Welt zu erhalten – dass diese heiligen Wesen gar nicht so unendlich weit entfernt sind und man sie sehen und erleben kann.
So pflegte er immer wieder in die Stille zu gehen – in der angenehmen Hoffnung, dieses geistige Erlebnis zu haben. Es kam aber nicht so, wie er es wünschte und wie er darum flehte, dass es kommen möge – nein. Nun kam die Zeit, wo er wieder auf Reisen gehen musste. Er wusste, dass es dann schwer war, in der Weise eine solche Verbindung zu finden, wie er es zu Hause in seiner wunderbaren Atmosphäre hatte. Er erkannte aber die Notwendigkeit, dass er gehen musste, und so freute er sich einfach wieder auf seine Rückkehr. Jedes Mal, wenn er nach Wochen oder Monaten zurückkehrte, hatte er dieses Erlebnis.
Siebenmal nacheinander empfand er diesen seltsamen Geruch, und jedes Mal ging er darüber in die Stille. Doch dieses Wesen erschien vor seinem geistigen Auge nicht wieder. Er aber fühlte sich gestärkt und vollauf gesund. So unternehmungsvoll wie nie fühlte er sich in seinem Leben und konnte mit vermehrten Kräften seine Arbeit tun. Auf diesem Wege war es ihm möglich, ein gutes Geschäft zu errichten. Er vergass nie, für jene Familie zu sorgen, und stand ihnen niemals mit Vorwürfen gegenüber wegen des Verlusts, den er trug – im Gegenteil: Er hatte jene zu trösten.
Nun verstrichen die Jahre, und die Kinder wurden gross. Nun, die Kinder – der Verwandten und des Vaters – kannten nichts anderes als die Güte und das Wohlwollen. Er hatte seine Kinder in seine Geschäfte mit einbezogen und ihnen immer deutlich den Unterschied von Recht und Unrecht vor Augen geführt. Er erklärte ihnen auch von den Verhältnissen zu seinem Bruder. So hatte er einen grossen Segen mit seinen Kindern und den Kindern seines Bruders.
Dieser gütige Bruder durfte gesund werden, und die Leute, die ihn kannten, konnten nicht verstehen, dass ein Mensch, der so krank war, wirklich gesunden konnte. Überall, wo er hinkam und gefragt wurde, was denn mit ihm geschehen wäre, was er gemacht hätte, von welcher Seite er denn Hilfe bekommen hätte, antwortete er: “Meine Hilfe habe ich von Gott erhalten. Ich bin durch Gottes Hilfe, durch seine Kraft gesund geworden.” Die Leute aber dachten nicht an die geistige Hilfe, sie dachten zuerst an die menschliche Hilfe. Denn dieser Mensch war lungenkrank gewesen.
Bestimmte Menschen, die in seiner Umgebung lebten, beteten auch zu Gott; sie waren krank und behaupteten, auch einen grossen Glauben zu haben. Sie wurden aber nicht so gesund. Nun musste er ihnen sagen: “Euer Glaube ist viel zu wenig tief. Ihr pflegt nicht diese heilige Verbindung, wie ihr sie haben solltet.” Er nahm jeweils solche Kranke bei sich zu Hause auf. Er betete mit ihnen, und er breitete seine Hände aus. Nun durfte er wiederum im Geiste ein wunderbares Wesen sehen, das jeweils in ihrer Mitte stand. Dieses Wesen aber kam nicht etwa mit der Blume, von der er die Heilung empfangen hatte, sondern es stand da, in wallenden Kleidern, mit offenen Händen; mit einem gütig lächelnden Gesicht breitete es seine Hände zum Segen aus und ging von einem Kranken zum andern, um bei ihm die Hand aufzulegen. Dieses sah nur er selbst mit seinem geistigen Auge. So betete er in grosser Ehrfurcht und Dankbarkeit. Und die Kranken, die da waren und die in so grosser Ehrfurcht vor diesem gütigen, grossen Menschen standen, staunten. Sie blickten ehrfurchtsvoll zu ihm herauf; der Glaube an ihn war so gross, dass er helfen würde. Sie glaubten mehr an ihn als Mensch und richteten sich mehr an ihm auf als an Gott. Er musste ihnen daher immer wieder sagen: “Eure Gesinnung ist nicht ganz richtig; ihr sollt nicht vor mir diese Ehrfurcht haben – ich bin ein Mensch wie ihr –, sondern ihr sollt Ehrfurcht haben vor Gott und inständig zu ihm beten, dass er euch gnädig ist und hilft.” Und so konnte da und dort einem Leidenden geholfen werden. Ich sage: da und dort – nicht allen konnte geholfen werden.
In seiner Umgebung hatte sich dies gleich herumgesprochen. Sie nannten ihn nur den gütigen, grossen Menschen, denn er war der Wohltäter weit und breit. Sie kamen teils scharenweise zu ihm, ohne krank zu sein, einfach im Verlangen, von ihm begrüsst zu werden, weil sie eine solche Ehrfurcht vor ihm hatten und glaubten, dass er ein heiliger Mensch wäre. Immer wieder musste er dieses richtigstellen: Er sagte ihnen, dass sie zu Gott zu beten hätten.
Er wusste, dass die Zeit kommen würde und er wieder auf Reisen gehen musste. Er ermöglichte diesen Menschen daher Folgendes: Er stellte den Kranken einen Raum zur Verfügung, wohin sie kommen konnten, wo man sie betreute und nun seine Lebenskameradin mit ihnen betete. Sie gab ihnen das Notwendigste, was sie brauchten – Kleider und Essen. Man musste ihnen aber erklären, dass nicht nur Kleider und Medikamente das Notwendigste zu ihrer Heilung seien, sondern dass sie sich zu Gott aufrichten müssten. Zu ihm müsse man aufblicken und dort um Hilfe flehen. So sammelten sich die Kranken immer wieder in diesem Hause und beteten. Es durfte da und dort geholfen werden – auch in Abwesenheit dieses so angesehenen, gütigen Menschen.
Es war für ihn stets eine grosse Freude, wieder zurückzukehren. Und er sah, welch gewaltiger Segen über sein ganzes Wirken ausgedehnt war – dass das, was er da und dort gab, ihm reichlich wieder zufloss. Er vergass nie, jeden Tag Gott zu danken für das Gegebene, und er vergass nie jenes Erlebnis, jene Worte, die gesprochen wurden: “Trage deine Bürde zum Ziel.” Er hatte ja keine Bürde mehr, er war gesund. In seiner Bescheidenheit wollte er nicht annehmen, dass er das Ziel erreicht hatte. Denn vor seinem Auge sah er das Bild jenes leidenden Christus, jenen traurigen Blick, und er wollte seinen Anteil leisten und mitwirken im Erlösungsplane. Christus trug das Kreuz zum Ziel. Und unser Bruder wusste, dass er das Ziel erreichte. Nun erlebte er es auch, und diese Dankbarkeit sollte immer in seinem Herzen sein. Er wurde reich und angesehen; aber der Reichtum wurde ihm nicht zum Verhängnis. Er wusste, dass er damit so viel Gutes tun konnte.
Als er wieder zurückgekehrt war in die Mitte dieser vielen Kranken, betete er mit ihnen. So durfte er wiederum diese wunderbaren Begegnungen haben mit der Geisterwelt Gottes. Er sah sie kommen, nicht nur einzeln, sondern in Scharen. Er sah nun aber nicht nur diese herrlichen, schönen Gestalten aus den Himmeln, er sah auch jene betrüblichen Geister der Krankheit, wie sie sich an diese Menschen heranmachten, wie sie sie quälten und wie sie da und dort Missmut in den Menschen hineinlegten. So erlebte dieser Bruder die Geisteswelt. Er aber sah nun genau, bei welchem Menschen welcher Geist in die Nähe trat. Dementsprechend wusste er, dass er zu diesen bedrängten Menschen hinzugehen hatte, um ihnen ihre Hände zu nehmen, um mit ihnen zu beten, dass sie vom Geiste der Krankheit befreit werden. Es wurde ihm klar, was das heisst, wie es in der Schrift steht, dass ein Geist der Krankheit den Menschen überfalle. Es wurde ihm bewusst, dass sich auf diese Weise die Geister an die Menschen heranmachen und es nur gewisse Menschen sind, die diese Gabe des geistigen Sehens haben und die Wesenheiten erkennen. So wollte er einem jeden helfen, und bei jenen kranken Menschen, die zu ihm kamen, konnte er die Wesenheiten erkennen und in welcher Umgebung sie waren. Er konnte diesen Menschen ihre Fehler sagen und sie aufklären: “Du sollst jenes, was du gestern oder letzte Woche getan hast, gutmachen. Du sollst jenem verzeihen und vergeben.” So vermochte dieser Mensch, der eine wunderbare, heilige Gabe besass, ihnen beizustehen und zu helfen. Er kam nie in Konflikt mit irgendwelchen Menschen, denn er war zu angesehen. Er tat so viel Gutes, und die Menschen hatten Achtung vor ihm.
Nach vielen Jahren kam der leibliche Bruder dieses gütigen Menschen aus der weiten Ferne zurück. Er kam mittellos, krank und trat zu ihm in das Haus. Er staunte über sein Wohlhaben, und er staunte, zu vernehmen, wie dieser für seine Familie gesorgt hatte. Noch viel mehr staunte er, dass man ihn mit offenen Armen empfing und man ihm keine Vorwürfe machte über all das, was er an Unrecht getan hatte, sondern dass man nur die Worte zu ihm sprach: “Du musst dein Unrecht erkennen. Gott muss dir vergeben, was du Unrechtes getan hast. Es liegt nicht an uns, über dich zu richten – Gott soll über dich richten.” Der gütige Bruder öffnete seine Hand und ermöglichte es ihm, dass er ein anständiges Leben fristen konnte. So konnte er nur staunen, aber er vermochte nicht, diesen Gottesglauben zu finden wie sein Bruder, obwohl er sah, wie gut und ehrfurchtsvoll so viele Menschen von ihm redeten. Er verstand es nicht, und man liess ihn machen. Man machte ihn darauf aufmerksam, dass er doch wenigstens die Nähe Gottes zu suchen und zu Gott zu beten hätte.
Der gütige Bruder sah auch die Geister, die um jenen Menschen waren, und nicht nur das: Er hörte die Worte jenes Schutzgeistes, der für den Bruder bestellt und der in weitem Abstand war. Er vernahm im Genauesten die Anweisung, und diese gab er genau so weiter. Sein Bruder musste nun mit ihm durch diese Tiefen hindurchgehen. Er sollte zur Erkenntnis kommen, dass durch des Bruders gütiges Herz so viel Herrliches geschaffen wurde – in seiner eigenen Familie, mit seinen Kindern. Er sollte sehen, wie viel Gutes in der Umgebung geleistet wurde und welchen Erfolg der gütige Bruder durch seinen Einsatz erhalten hatte. Und dieser betonte immer wieder: “Nur im Vertrauen und im Glauben an Gott und den Erlöser erhielt ich Gesundheit, Kraft und Wohlstand.”
So hatten sich die Wege dieser beiden Brüder gekreuzt. Jeder ging seinen Weg, für jeden war gesorgt. Das möchte bedeuten: sowohl für die Familie des Bruders wie auch für den materialistisch eingestellten, nun kranken Bruder. Aber dieser gütige und wohlwollende Mensch vergass nie seine Erlebnisse. Mit der Zeit erkannte er auch, dass er nicht mit allen seinen Mitmenschen darüber sprechen durfte – dass auch Neid und Misstrauen da und dort aufstieg. So wusste er am richtigen Orte zu schweigen, und er wusste die richtigen und oftmals auch gestrengen Worte zu geben, um den Menschen den gerechten Weg zu weisen.
So war sein Leben wunderbar erfüllt mit den herrlichsten Aufgaben. Reich waren die geistigen Früchte, die er mit ins Jenseits nahm. So könnt ihr verstehen, mit welch grosser Freude die Geisteswelt ihn umjubelte – dass man frühzeitig Kunde in die hohen Himmel tat und sie kamen, hinunterstiegen, ihn umarmten, sich mit ihm freuten über ein so erfolgreiches Leben. Jetzt, als er in die Geisteswelt kam, standen sie da, diese Engel, die einst vor sein geistig Auge hintraten und ihm diese Kraft gaben. Nun wurde ihm alles verständlich gemacht. Er sah den Engel mit jener heilsamen Blume, der ihm diese Kraft, diesen Balsam brachte und das Unmögliche möglich machte, dass er gesundete. Er sah jenen Geist, der in jenen Stunden der Stille vor ihn hintrat, und er sah Weitere, die ihn auf seinen Reisen begleiteten, die mit ihm redeten und von denen er eigentlich nur spürte und ahnte, dass er sich in einem wunderbaren, göttlichen Schutze befinde. So durfte er vernehmen, wie sie sagten: “Reich gesegnet soll er sein. Seine Kinder und die Kinder seines Bruders wollen wir segnen. Und wenn es Zeit wird, soll er wieder für ein neues Erdenleben bestimmt werden: Gesegnet soll er sein, und alle, die mit ihm zusammenleben, sie sollen reich an seinem Segen beteiligt sein.”
So freute sich dieser Geist an jenen Worten. Und er äusserte den Wunsch, dass die Menschen doch mehr Kenntnisse von dieser Geistesverbindung hätten – dass es ihnen ermöglicht würde. Die Gotteswelt musste ihn aufklären und ihm sagen, dass als Erstes der Mensch der Geisteswelt die Hand zu bieten hat und dass es in seinem Herzen liegen muss. Der glühende Funke kann sich dann dementsprechend entwickeln, wenn der Mensch das tut, was in den göttlichen Gesetzen verankert liegt. Dann werden die Engel des Himmels ihm zu Hilfe eilen und ihm das geben, womit er viel Unangenehmes überwinden kann und sein schweres Kreuz bis zum Ziele tragen kann, wenn es sein darf.
Wenn da und dort Unklarheiten in diesen Erklärungen sind, werdet ihr Gelegenheit haben, Fragen zu stellen. Ich möchte betonen, dass es immer wieder Menschen gibt, die ein Christuserlebnis haben, und dass es so ist, wie ich schon früher erklärte: Alles Geschehen, auch das leidvolle Wirken unseres Herrn und Heilands Jesus Christus, ist festgehalten und kann wieder hervorgebracht und vor die Augen eines Menschen geführt werden, damit er ihn genau so erlebt, auf seinem Wege, wo er geschritten war – dass der Mensch einen kleinen Einblick erhält. Und wenn er solche Worte oder Ähnliches hören darf, so ist es so, dass die Geisterwelt Gottes doch mithilft, dies alles in der Weise zu vollziehen – dass die Engel des Himmels die Worte sprechen, die notwendig sind. Sie geben sie dem Menschen, damit er genau erkennt – es ist so, wie Christus gesagt hatte: “Folget mir nach.”
Es sollte dem Menschen klar sein, dass es nicht umsonst ist, wenn man ein Kreuz zu tragen hat – dass man immer wieder die Kraft findet und es nie zu schwer ist. Wenn man glaubt, das Kreuz würde zu schwer, dann kommt ein Engel und hilft es tragen. So man im Glauben und im Vertrauen auf Gott ist, wird es erleichtert – der Zustand, die Bürde wird leichter. Solche Worte sind jedoch nur wertvoll für Menschen, die ihre Augen und ihr Herz nach oben gerichtet haben und offen sind. So möge es auch mit euch geschehen. In welchen Problemen und Nöten ihr auch seid, richtet euch immer auf und versucht, euch im Glauben an Gott und den Erlöser zu stärken. Die Wege werden sich ebnen, und die Kraft und den Segen werdet ihr empfangen, denn die Geisteswelt Gottes ist bereit, ihre Segnungen ihren Geschwistern zu überreichen.
So gehet alle hin, begleitet vom Segen Gottes, begleitet von den Kräften des Heils. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 31.1.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Wie Christus sich den Seinen zeigt
Ausschnitt aus dem Vortrag vom 21. September 1962 (Meditationswoche 1962, 6. Abend)
Wie Christus sich den Seinen zeigt
Lene: Ihr alle seid christusverbundene Menschen. Und ihr wisst, vielleicht hat das eine oder andere auch schon ein persönliches Christuserlebnis gehabt. Ihr habt eine tiefe Zuneigung und Verbundenheit zu ihm. [...]
Unser Bruder erklärte euch schon, dass Jesus Christus die Möglichkeit hat und sie wahrnimmt, durch alle Aufstiegsstufen zu gehen, und er sich so seinen Geschwistern zeigt. Nun aber möchte ich euch erklären, dass Jesus Christus, der in seinem Glanz und in seiner Herrlichkeit neben Gott thront, sich aufmacht und, ich möchte fast sagen, auch in einem sogenannten bescheidenen Aussehen unter seine Geschwister geht. Ihr dürft mich aber nicht falsch verstehen: Wenn ich sage “in bescheidenem Aussehen”, so meine ich damit nur seine Bekleidung. Aus seinem Wesen, aus seinem Antlitz, aus seinem Schreiten kommt eine unbeschreibliche Harmonie. Ein Glanz leuchtet aus seinem Antlitz, eine Anziehungskraft geht von ihm aus – auch wenn ich sage, dass er ganz bescheiden angezogen sein kann. Er liebt es dann und wann, in dieser Erscheinung zu seinen Geschwistern hinzutreten – und zwar geht er so in die unteren Aufstiegsstufen und besucht seine Geschwister. Die einen können ihn von Nahem sehen, andere stehen in einem gewissen Abstand. Er durchschreitet ihre Dörfer, ihre Städte, ihre Täler, und sie können kommen. Ihnen wird die Nachricht gegeben, dass der Herr kommt. Dann vermögen die einen nahe an ihn heranzukommen, und andere können ihn von Weitem erblicken. Wenn ich sage, Christus zeige sich in einem bescheidenen äusseren Aussehen, so ist es für euer Auge gleichwohl etwas Aussergewöhnliches, Schönes.
Nun, Christus macht sich auf, zu diesen Geschwistern zu gehen, wann er will. Er hat ein grosses Gefolge, aber dieses grosse Gefolge begleitet ihn nicht auf allen Wegen. Er bestimmt, wer ihn begleiten soll oder wie gross das Gefolge sein soll, je nachdem, was er gedenkt zu tun. Und so wiederholt es sich öfters, dass er plötzlich den Wunsch ausspricht: “Ich durchschreite jetzt diese und jene Sphären und trete vor meine Geschwister hin.” Wenn er dies tut, geschieht das ja, um seinen Geschwistern nahe zu stehen, ihnen die Freude zu bereiten, ihnen zu sagen: “Ja, ihr seid in meinem Reich, im Reich meines Vaters, in unserer Wohnung, und ich bin euer Hausherr.” So tut er dieses, wann er will. [...]
[Nun kann es auch sein, dass Christus von seinen höheren Geschwistern zu einem Fest eingeladen wird.] Wenn er zum Feste geladen ist, dann erscheint er in voller Pracht, in einer Pracht, die sich der Mensch nicht ausdenken kann und wovon er keine Vorstellung hat – das Menschenauge hat so etwas noch nie gesehen. Wenn er geladen ist, erscheint er in seiner Pracht und Herrlichkeit unter den Seinen, er kommt mit seinem Gefolge und mit seinem Reichtum. Und seine Geschwister bewundern diesen Reichtum, denn dieser Reichtum, den Christus zur Schau bringt, ist auch der Reichtum der Engel Gottes – er gehört sozusagen in die Familie. Aber Christus selbst, er selbst trägt diesen Reichtum zur Schau. Gott will es, und so geschieht es auf diese Weise, so erscheint Christus in seiner Pracht und Herrlichkeit.
Wenn er aber, wie ich anfangs betonte, ganz weit hinuntersteigt zu jenen Geschwistern, die im Aufstiege sind, begegnet er ihnen nicht in dieser Pracht, er zeigt seinen Reichtum nicht. Schlicht sieht er aus, schlicht und doch wunderschön, strahlend schön mit einer enormen Anziehungskraft. Aber den Reichtum bringt er nicht in die Tiefen, es sei denn, es wäre ein besonderes Ereignis, ein Fest, zu dem er mit seinem ganzen Gefolge kommt und wo er sich so seinen Geschwistern zeigt. In der Regel geht er aber in einer Weise, wie es jene aufsteigenden Geschwister verstehen können, wie sie ihn im Geiste verstehen – so in seinem bescheidenen Aussehen. Er will ihnen damit doch zeigen: “Ich stehe ganz nahe bei dir.” Er geht nämlich dann unter diese Wesenheiten, wenn es sein muss. Welche unter ihnen können das Glück haben, dass er ganz in ihre Nähe kommt – er kann von einem zum andern gehen. Christus zeigt sich ihnen in dieser bescheidenen Weise, denn die Geschwister in den unteren Aufstiegsstufen könnten mit ihrem geistigen Auge dieses unendliche Licht und diese Pracht gar nicht ertragen. Gleichwohl ist die Anhänglichkeit und die Verehrung dieser Wesen, die in den unteren Stufen sind, ungeheuer gross, und sie finden ihn wunderschön und strahlend. Ja, sie sehen ihn so, wie es ihr geistiges Auge erfassen kann. So erscheint Christus den Seinen je nach den Verhältnissen. [...]
Nun, ich sprach ganz am Anfang davon, dass es Menschen gibt, die ein Christuserlebnis haben können. Wie kann es geschehen? Es wurde euch auch schon erklärt. Christus weiss, dass so viele Menschen ihn erleben möchten, dass sie ihm ganz nahe sein möchten. Und er, wenn er so durch diese Aufstiegsstufen, durch seine Himmel schreitet, da besucht er auch jene Tempel, in denen zu Gottes Ehre gesungen wird und wo Gott verehrt und angebetet wird. Er besucht jene Tempel, und es hat solche in allen, allen Aufstiegsstufen. Das Aussehen dieser Tempel unterscheidet sich je nach den Künstlern, die in diesen Sphären sind. So gibt es wundervolle, herrliche Gebäude, und es gibt schlichte und einfache Gebäude, die ja auch zur Ehre Gottes gebaut wurden und wo Gott verherrlicht, gelobt und gepriesen wird. Und auch da besucht er seine Geschwister. Er besucht die Tempel in den hohen Sphären des Himmels, er steigt aber auch hinunter. Er geht nicht nur unter die Seinen, um sich ihnen zu zeigen, sondern er geht in diese Tempel, wo sich die Seelen zusammengefunden haben und Gott bitten: “Vergib mir meine Schuld”, wo sie ihn um Erlösung anflehen und wo sie ihn zugleich verherrlichen und seinen heiligen Willen preisen. Christus durchschreitet manchen solchen Tempel, und manche Seele blickt voller Freude zu ihm auf und sagt: “Er hat mich gesehen, er hat mich aufgenommen, er ist zu mir gekommen.” Er ist in den Tempel gegangen und hat sie alle begrüsst, er hat mit ihnen gemeinsam zum Vater gebetet, und so haben sie ihn erlebt. Jene Seelen, die im Aufstiege sind, können Christus auf diese Weise erleben.
Auch Christus weiss um das Verlangen des Menschen, und da möchte man auch dem Menschen etwas geben. Es kann ihm im Traume gegeben werden, dann, wenn sein Geist sich vom Leibe gelöst hat, wenn er sich in seiner Schwingung etwas gehoben hat – da kann es möglich werden, ihm sein Bild zu zeigen. Es kann möglich werden, dass ihm jenes Bild vor die Augen geführt wird, wo Christus den mahnenden Finger erhebt; es kann aber auch sein, dass Menschen das Bild erleben, wo er seine Hände zum Segen erhebt. Sie können mitunter aber ein solches Bild sehen – das heisst, es wird ihnen vor Augen geführt –, wo er seine Hände ausbreitet und sagt: “Lasst sie alle zu mir kommen. Kommet doch alle zu mir in mein Reich.” Und so wird nun das Bild wie ein Film vor das geistige Auge des Menschen hingetragen, und er sieht, wie Christus seine Hände bewegt, er sieht, wie er seine Hände ausstreckt, er sieht, wie er seine Hände zum Segen ausbreitet. Es ist das Bild, das ihm zugeführt werden durfte, das Bild, das die Geistwesen ausgewählt und für das sie den Weg geebnet hatten, auf dass es möglich wurde, ihm dieses persönliche Erlebnis zu geben. Und Christus will, dass es jenen Menschen gegeben wird. Er erklärt seinen getreuen Engeln: “Tragt es hin zu meinen Geschwistern, denn zeigt ihnen, dass ich mit ihnen verbunden bin, dass ich auf sie warte und die Wohnung für sie bereitet habe. Tragt mein Bild zu ihnen hin, und erfüllt jene Menschen mit Kraft, dass sie ihr Leben wandeln und sich erheben zu mir und zu meinem Vater, zu unserem Vater.”
Geistlehrer Josef schildert uns sein Erlebnis, als er zum Mahle mit Christus geladen
Ausschnitt aus dem Vortrag vom 3. Januar 1954
Geistlehrer Josef schildert uns sein Erlebnis, als er zum Mahle mit Christus geladen
Josef: Ihr empfindet eine grosse Verehrung für Christus. Wir stehen ihm im göttlichen Reiche noch näher und sind noch enger mit ihm verbunden. Immer wieder aufs Neue erleben wir ihn, seine grosse Liebe, seine Güte, seine Bescheidenheit.
So durften wir uns bereithalten, unsere Belohnung in Empfang zu nehmen, und wir wurden in eine zuvor noch nie geschaute, noch herrlichere Welt geführt, die zu schildern mir die Worte fehlen, da ihr nichts dergleichen kennt. Wir sind eingezogen in eine himmlische Stadt, die unbeschreiblich schön ist. Was aber für unser Interesse besonders im Mittelpunkt stand, das sind zwei herrliche Bauten. Alles andere, die leuchtenden Farben, der Glanz, die Blumen und so weiter, das haben wir auch in unserer Welt, und wir erleben diese Herrlichkeiten immer wieder. Was aber hier an Herrlichkeiten und Kunstvollem zu erblicken ist, das alles zusammen erleben wir nicht immer.
So wurden wir von einem erhabenen Engel, unserem geistigen Führer, in diese wundervolle Stadt begleitet, und wir erblickten zwei herrliche Gebäude, ganz aus weissem Marmor erstellt. Das eine hat grosse Ähnlichkeit – um es euch verständlicher zu machen – mit einem Schloss oder Palast, wie ihr sie habt. Ein herrlicher Eingang und viele Säulen aus blendend weissem Marmor, viele Türme, herrliche Blumenanlagen und Bäume voll zierlicher Vögel und Teiche, von farbig glitzernden Fischen belebt, entzückten unser Auge.
Noch bevor wir aber diesen Palast erreichten, haben wir auch ein anderes Gebäude erblickt, ebenfalls mit vielen Säulen, doch einfacher in seiner Gestaltung. Es ist ein Tempel, ebenfalls aus blendend weissem Marmor gebaut. Der Zugang ist von allen Seiten frei bis auf eine, das heisst, wo der Zugang frei ist, ruht das Gewölbe auf Säulen. In diesem Tempel bereiteten uns Engel Gottes einen Empfang. Wir mussten eintreten und erhielten dort unsere Geschenke. Es waren wunderschön leuchtende farbige Edelsteine, die wir nun an unseren Gewändern tragen, jeder die ihm bestimmten Farben. Ich habe die roten und blauen empfangen, und meine geistigen Freunde haben wieder andere Farben, zum Beispiel so, wie ich jetzt sage: Ich habe sie in Rot und Blau, andere haben sie in Violett und Weiss, wieder andere in Grün und einem schwachen Rosa erhalten; so ganz verschieden sind die Farben. Wir wurden, jedes einzeln, aufgefordert, vor einen erhabenen Engel Gottes zu treten, der einer kostbaren Truhe diese funkelnden Steine entnahm und uns damit schmückte. Bei jedem Stein nannte er die Verdienste, die wir erworben hätten.
Wir freuten uns sehr, als wir von den anwesenden herrlichen Engeln Gottes erfuhren, dass wir in verdienter Weise geschmückt nun diesen Palast betreten dürften, und zwar nur in dieser geschmückten Weise. Als dann alle ihren Schmuck erhalten hatten, sind wir zu diesem Palast gezogen, wieder von andern Engeln begleitet. Und unter ihrem Gesang hatten sich zwei herrliche Tore geöffnet, durch die wir in einen grossen Saal gelangten, wo ein langer Tisch stand. Zuoberst am Tische stand Christus mit ausgebreiteten Händen. Freude strahlte uns aus seinem Antlitz entgegen zu unserem Empfang. Da es uns nicht zukam, selbst einen Platz zu wählen, wurden uns die Plätze zugewiesen von den Engeln, die mit Christus waren. Wir wurden alle beim Namen aufgerufen und an unsere Plätze geleitet. Dann, als wir alle unsere Plätze eingenommen hatten, brachte ein Engel aus den Reihen um Christus eine kostbare Truhe mit vielen Bechern. Nun, Christus selbst reichte jedem von uns einen der Becher, die mit Edelsteinen von derselben Farbe geziert waren wie das Kleid derer, die ihn erhielten. So erhielt jedes von uns seinen Becher, und es wurde uns bewusst, dass wir nun ein Mahl feiern würden mit unserem grossen Meister. Ein jedes von uns durfte ihm dann den Becher wieder reichen, damit er von ihm gefüllt würde mit göttlichem Wein. Es ist Wein, doch göttlicher Art, der im geistigen Reiche gekostet wird. Und wir hatten dazu noch Früchte geistiger Art, doch gemeint sind nicht jene, die ihr erwerben könnt und die euch zieren, sondern wahrliche geistige Früchte, die wir alle zusammen mit Christus essen durften.
Während all dieser Zeit, da wir mit Christus zusammen sein durften, sangen und musizierten Engel, andere tanzten Reigen. Und so umfing uns alle grosse Freude. Wir mussten uns dann auf ein Zeichen eines Engels, dem die Ordnung anvertraut war, erheben und durften uns verabschieden von unserem grossen Meister, jedes persönlich, begleitet von Worten der Liebe und der Aufmunterung, ein jedes. Mit grosser Freude sind wir wieder in unser Reich zurückgekehrt, erfüllt von all der göttlichen Kraft, die wir wieder in vermehrtem Masse zum Ausdruck bringen werden. Wir hatten eine Belohnung erhalten für unsere grosse Ausdauer. Und dies erlebten auch jene Geistwesen mit mir, die sich euch dann kundtun werden, wenn die Zeit dafür herangerückt ist. So hat jedes seine Aufgabe erhalten, begleitet von Christi Worten der Liebe.
Meine lieben Freunde, ihr könnt euch kaum vorstellen, wie viel uns ein solches Erleben bedeutet. Verschiedentlich schon durften wir Christus sehen, ihm begegnen, doch nie hatten wir so direkten Kontakt mit ihm bekommen, noch nie waren wir so persönlich an seiner Seite wie bei diesem Erleben. Dies alles ist eine Belohnung.
Eure Schutzgeister, das heisst die Schutzgeister einiger Freunde der Gemeinschaft, haben das Recht erhalten, ihre Schützlinge im Geiste zu dieser Stadt zu führen, wenn ihr Geist frei und gelöst vom Körper ist; doch wird Christus nicht mehr dort anwesend sein. Es stehen aber noch von seinen Engeln dort, die ihnen alles gerne in Erinnerung rufen, das ganze wundervolle Geschehen, wie es sich dort mit Christus abgespielt hat. Vielleicht ist es dem einen unter euch vergönnt, etwas von diesem Erlebnis in sein Bewusstsein mitzunehmen. Dieses Führen wird in einer Nacht geschehen, wo diese Freunde tags zuvor in einem vollkommen harmonischen Verhältnis gestanden sind. Dann, wenn ihr euch an einem Tag geistig so erhoben habt, werdet ihr leicht in diesen wunderschönen Himmel hineingeführt werden können, sodass auch ihr etwas davon erlebt, was ich und meine geistigen Freunde miterleben durften.
Ich möchte noch etwas über die unbeschreibliche Schönheit Christi sprechen. Denn so herrlich an Gestalt, so schön und strahlend ist er; sein Gewand, schneeweiss, ist übersät mit Tausenden von Edelsteinen in allen Farben. Ich glaube, dass es nicht noch welche geben kann, die er nicht an sich hätte. Es sind alle Farben, wie man uns erklärt hat, die alle den Thron Gottes zieren. Auch die Engel teilen sich stufen- oder chorweise in diese Farben. Es ist keine Farbe im geistigen Reiche, deren Ursprung nicht im Throne Gottes selbst ist.
Über diese Dinge zu sprechen, ist immer gewagt, weil viele Menschen nicht begreifen, dass es das alles im Geistigen gibt, und weil sie von Gott eine ganz andere Vorstellung haben. Deshalb ist man unsererseits mit solchen Schilderungen auch etwas zurückhaltend, weil viele es einfach nicht begreifen und verstehen.
Heft 2/2010
21 Seiten, 21 × 29,7 cm