Fragebeantwortungen zur Geisteslehre
GL Zürich
Beatrice Brunner
Gemeinschaft
Wie nahm die Verbreitung der Wahrheit ihren Anfang, und wie entwickelte sich das Werk seit Beginn der Mittlertätigkeit von Beatrice Brunner?
Die Wahrheit muss ihre Verbreitung finden, und dazu muss eben ein Anfang gemacht werden. Dieser Anfang ist 1948 mit dem Beginn der Mittlertätigkeit von Beatrice Brunner im Kleinen entstanden und hat sich erweitert durch Bewährung – und durch den Willen Gottes ist es zu dem geworden, was es heute ist, und wird zu dem werden, was im Plane Gottes vorgesehen ist.
Was geschieht in der geistigen Welt parallel zum Aufbau und Wirken unserer Gemeinschaft?
Wie ihr nun diese Gemeinschaft aufgebaut habt seit ihrer Gründung, wurde auch schon in der geistigen Welt dementsprechend eine solche Gemeinschaft von Geistwesen aufgebaut. Denn wo Menschen etwas zu ihrer Höherentwicklung aufbauen, wird im Jenseits parallel etwas aufgebaut. Ihr seid derselben Gesinnung und versucht eure Kenntnisse zu verbreiten. Ihr möchtet weitere Freunde gewinnen. Ihr werbt um sie, und ihr möchtet ihnen helfen, sie auf das jenseitige Leben, auf die Verbindung mit den Geistern Gottes aufmerksam machen.
Jenseitige Lehrende
Wie kam es dazu, dass du in der geistigen Welt die Aufgabe übernahmst, durch Beatrice Brunner am Heilsplan Gottes mitzuwirken?
Jetzt möchte ich eine Erklärung geben, und dafür muss ich auch auf die Anfänge der Gemeinschaft zurückkommen, beziehungsweise ich muss zu meinen persönlichen geistigen Anfängen Bemerkungen machen. Ich hatte in der geistigen Welt eine Aufgabe gesucht. Man hat mir nun diese Aufgabe übergeben oder mich darauf aufmerksam gemacht: “Auf diesem Wege [der medialen Durchgaben] kannst du mithelfen im Heilsplan Gottes.”
Damals, in meinem menschlichen Dasein, war ich schon ein religiöser Mensch. In der geistigen Welt habe ich mich dafür begeistert, für den Heilsplan arbeiten zu dürfen. Nun aber: Ich war als gewöhnlicher Geist in die Jenseitswelt gekommen und hatte auch meine Reinigung, Besserung hinter mich zu bringen. Ich musste meine Fehler wiedergutmachen, die ich im Leben begangen hatte. Man hat mir auch gesagt, was ich alles falsch gemacht habe, und mir dann die Möglichkeit gegeben, im Heilsplan Gottes zu wirken.
So wurde auch ich auf meine Ausdauer hin geprüft, ob ich überhaupt fähig wäre, das Geplante durchzusetzen und durchzubringen. Der Erfolg hing ja nicht nur von mir ab, sondern man hatte mir eine Mittlerin oder ein Medium ausgesucht und mich aufmerksam gemacht: “Da sind für dich die besten Möglichkeiten vorhanden, das, was du erreichen möchtest, zu vollbringen.” Mit meiner Tätigkeit als Geist wollte ich also den Heilsplan zur Verbreitung bringen, und dazu brauchte ich eben eine Mittlerin. Und ich bin an dieses Medium, an diesen Menschen [Beatrice Brunner], herangeführt worden, bei dem die Geisterwelt Gottes erkannte, dass die Möglichkeit vorhanden ist, mit mir zusammenzuwirken.
Lebensfragen
Lebenshilfe
Du hast uns schon gesagt, dass keinem Menschen Unrecht geschehe. Wie ist das zu verstehen angesichts des vielen Unrechts, das man auf dieser Erde überall sehen kann?
Josef: Wenn ich euch sage, keinem Menschen wird Unrecht angetan, so ist das in erster Linie von der göttlichen Seite aus gemeint. Der Mensch selbst muss nicht eine Ungerechtigkeit von der Geisteswelt Gottes auf sich nehmen, sie wird nicht ungerecht an ihm handeln, sie wird ihn nicht ungerecht verurteilen. Ihr müsst das unterscheiden von dem, was Menschen alles fertigbringen durch ihre eigene Unvollkommenheit des Herzens und der Seele. Durch ihre neidischen Gefühle, durch ihre Habgier und Herrschsucht vermögen sie dem Mitmenschen Schaden zuzufügen. Der niedere Mensch verbreitet Übel. Hier kann man nicht die Geisterwelt Gottes dafür verantwortlich machen.
Wie kann ich mein Leben besser gestalten? Warum muss ich auf diese Weise durchs Leben?
Josef: Der eine Mensch muss einen steinigen Weg gehen, während es dem andern Menschen leichter geht. Der eine kann diese Steine selbst wegschaffen, beim andern kommen Engel Gottes zu Hilfe und schaffen diese Steine weg. Es sind also verschiedene Wege möglich, und verschieden kann einem Menschen Hilfe gegeben werden, wenn solche Steine vor ihm stehen. Du musst einmal in dich selbst gehen und dich fragen: “War dies ein Verschulden aus meinem jetzigen oder aus meinem letzten Leben? Dient es zu meiner geistigen Höherentwicklung?” Du selbst sollst in die stille Stunde gehen und um Erkenntnis fragen, denn der Mensch will an sich selbst nur das Gute sehen. Er will nicht glauben, dass er vielleicht in seinem letzten Leben einem Mitmenschen Steine in den Weg gelegt hat. Darum ist es Gott gefällig, wenn ein solcher Mensch reuig ist und alle Schuld auf sich nimmt. Ob du nun die Erkenntnis dafür hast, ob es dein Verschulden sein möge – bitte Gott, dass er dir alles Unrecht verzeihen möge, sei es aus diesem, aus deinem letzten oder aus deinem vorletzten Leben. Gehe als reuiger Diener zu Gott, bitte ihn, dass er dir die Wege zeige und öffne – dass er Engel zu dir sende und Kräfte über dich kommen mögen, die dir helfen aufzubauen –, dass du dein täglich Brot bekommst. Gehe diesen Weg wahrhaftig, und dir wird geholfen werden.
Habe ich eine Schuld abzutragen, da so viel seelisches und anderes Leid über mich gekommen ist, woraus ich keinen Ausweg finde?
Josef: Weisst du, in vielen Dingen brauchtest du eigentlich nur mehr Mut zu haben. Denn oftmals ist die Hoffnung, die Freude, das Glück in deiner Nähe, und du verstehst es nicht zuzugreifen. Du sollst nun deinen Engel, der dich behütet, bitten, dass er dich führen möge und dass du Freude empfangen darfst. Denn der Mensch soll nicht glauben, dass es immer eine Belastung oder ein Karma ist, wenn Leid über ihn gekommen ist. Oft entstehen solche Verhältnisse durch den Menschen selbst, weil er nicht die Kraft hat, aus sich herauszugehen, weil er nicht den Mut hat, einen Strick zu zerreissen, der schon längst morsch ist und wozu es keiner grossen Anstrengung mehr bedarf. Aber dieser Strick sollte zerrissen werden, und so wäre dann auch der Durchgang frei. So wird die Zeit kommen, wo eine solche Welle dich umgibt und wieder Freude zu dir kommt. Doch bitte inständig darum.
Wenn Ärgernisse an uns herankommen, fühlen wir unsere Seelen erregt. Kann aber unser inneres Licht überhaupt beunruhigt oder gekränkt werden?
Josef: Das innere Licht kann nur in Mitleidenschaft gezogen werden, und deine Seele kann nur davon beeindruckt werden, wenn du dich von dir aus in einen solchen Ärger hineingibst und dich recht lange damit beschäftigst, dass er tief in dich hineingeht. Das heisst, wenn du eine Zeit lang nicht mehr fähig bist, wieder harmonisch zu sein, sodass du von Ärger, von Unruhe erfüllt bist und diese Unruhe in deine Seele hineingeht. Dann ist es zum Nachteil für deine Seele.
Dies ist ja nur ein Fehler deiner eigenen Erziehung. Jeder Mensch sollte eben sich selbst in dieser Hinsicht erziehen können, jeder sollte selbst so stark sein oder so weit kommen, dass es für ihn gar keinen Ärger gibt. Ich möchte es anders ausdrücken: Es soll gar nicht an den Menschen herankommen. Der Mensch sollte es fertigbringen, in Ruhe eine Antwort zu geben, wenn etwas an ihn kommt, das ihm nicht genehm ist. Bis man dieses kann, braucht es eine lange Zeit und viel Überwindung.
Aber, liebe Freunde, das ist es gerade: Dieser Weg des wirklichen geistigen Lebens ist euch nicht leicht gemacht. So ist es mit allem: Was wertvoll ist, ist nicht so leicht zu erwerben – es kostet etwas. Am Verhalten eines Menschen kann man erkennen, wie weit er in seiner geistigen Entwicklung ist. So braucht es eben eine Schulung, und wenn einer sich die Mühe gibt, kann er sich selbst die Erziehung geben. Der Mensch sollte in jeder Lebenslage, trotz allem, eine gute Seele sein und andern ein gutes Beispiel geben.
Ja, meine Freunde, darum kehrt ihr doch immer wieder zurück auf diese Erde, weil ihr in diesem oder jenem Punkte eurer geistigen Entwicklung noch nicht weit fortgeschritten seid. So gibt es Menschen, die einerseits in ihrer geistigen Entwicklung und auf ihrem geistigen Wege auf einer hohen Stufe angelangt sind, aber irgendwo ist bei ihnen noch eine schwache Stelle. Und diese muss überbrückt werden, liebe Freunde. Also möcht ich zu euch sagen: Es gleicht einer guten Tat, wenn ihr es fertigbringt, ruhig zu sein in allen Lagen und Momenten, wenn ihr euch beherrschen könnt. Dies gehört zu eurer seelischen, zu eurer geistigen Erziehung, liebe Freunde. Dies ist eine teure Angelegenheit, ein schwerer Weg. Aber wenn das Ziel erobert worden ist, sind auch die Verdienste und Früchte dementsprechend.
Wir möchten gerne einer Schwester helfen, die es sehr schwer hat im Leben. Könntest du ihr etwas sagen, das ihr hilft?
Josef: Wenn ihr weiterhin – wie ich bereits geraten habe – sie durch gemeinsames Gebet zu stärken versucht und es der Wille Gottes ist, kann euer Wunsch Erfüllung finden. Ihr habt von mir schon so viele Erklärungen gehört, dass Menschen oft unternehmen können, was sie wollen, und immer wieder wird es ihnen zerschlagen, weil sie das tragen müssen, weil sie dafür gezeichnet sind. Wer aber das Leben trotzdem bejaht, der wird gewinnen. Wer aber immer hadert und sagt, wie schlecht es ihm gehe, verneint sein Schicksal, und es wird ihm nie besser gehen. Wer aber bereit ist, sein Los zu tragen, und sagt: “Ich will die Aufgabe erfüllen” – zu dem kann die Gnade Gottes kommen.
Das Schwere wird nicht länger dauern, als es unbedingt muss. Und so kann ich jedem sagen: Bejahe den Zustand, erst dann wirst du frei. Wie viel trägt doch der Mensch selbst die Schuld an seinem Zustand, durch unüberlegtes Handeln. Wenn auch die Engelswelt das Tun der Menschen benützt, um sie in die Bahn ihres vorgezeichneten Schicksals zu lenken, so kann doch jeder mithelfen, sein Schicksal zu erleichtern. Wer daraus aber nichts lernt und nichts aufnimmt, was ihm gesagt wird, wird den letzten Tropfen Bitternis auskosten müssen.
Und wenn nun diese Schwester oder jemand anders klagt, so sage ich wieder: Bejahe in deinem Herzen, was dir gegeben ist. Dann förderst du die göttlichen Kräfte und ebnest den Weg zur Hilfe. Denn jeder Mensch trägt das, was er muss. Und wenn er damit einverstanden ist und nicht hadert gegen den Willen Gottes, dann wird ihm Erleichterung gegeben. Darum kann ich dir sagen, liebe Schwester, bejahe das Leben, dein Schicksal, so wie es ist. Wenn du aus der Tiefe deines Herzens bejahst, dann wirst du spüren, wie die Besserung oder Genesung an dich herankommt. Erst dann.
Warum hat der edel denkende und handelnde Mensch oft so zu leiden?
Josef: Es ist möglich, dass er in der Gotteswelt diese schwere Aufgabe selbst gewählt hat. Es ist aber auch möglich, dass die Gotteswelt ihn dafür gezeichnet hat durch ein schweres Leben zu gehen, damit er geistig noch schneller aufsteigen kann. Im Reiche Gottes sind so viele dafür gezeichnet, im Verlauf von Hunderten von Jahren im richtigen Moment eingesetzt zu werden, damit sie wiederum die Stütze werden für ihre anderen Geschwister im Erdenreich.
So kommt es, dass sie also durch ein schweres Leben gehen mussten und in dem Falle den Beweis lieferten, dass sie trotz des Leidens und des beschwerlichen Lebens von Gott nicht abgegangen sind. Das wird seine Belohnung finden.
Man spricht von der Stimme des Gewissens, von der inneren Stimme. Was ist das eigentlich?
Josef: Gewissen und innere Stimme sind nichts anderes als der Laut der Seele, das Wort, das aus der Seele kommt, das mahnende, das tröstende, auch das vorwurfsvolle. Denn in der Seele – wenigstens des aufwärtsstrebenden Menschen – sollte doch eben ein höheres Bewusstsein vorhanden sein, und er sollte in diesem höheren Bewusstsein leben.
Der Geist des Menschen hat viel höhere Einsichten und Erkenntnisse als der äussere Mensch. Damit meine ich Folgendes: Der eigene Geist weiss über viele Dinge Bescheid und über die Wahrheit, aber das äussere, menschliche Bewusstsein stört diese Einsicht. Das menschliche Bewusstsein legt sich wie ein Schatten darauf. Es wird bestimmt durch die Äusserlichkeiten, die den Menschen umgeben und beeindrucken, durch seinen Willen. Der eine hat einen starken, der andere einen schwachen Willen, der eine neigt zur Religiosität, ein anderer nicht. Es spielen so viele Faktoren eine grosse, bedeutende Rolle dabei.
Und wenn ich sage, der Geist weiss mehr Bescheid, dann darf ich auch sagen, dass es eben der Geist des Menschen ist, der manchmal über sich selbst und seine Lebensweise sehr traurig ist, über die Handlungen, die der ganze Mensch vollführt. Dann erlebt der eigene Geist die schmerzliche Enttäuschung über diese oder jene Tat, die der Mensch begeht. Der Mensch kann ja auch zur besseren Einsicht kommen, er kann seine Fehler einsehen. Geschieht dies, so ist der äussere Mensch bereit, auf das innere Wort zu horchen und der Seele die Freiheit des göttlichen Bewusstseins zu geben.
Was muss man tun, um grosse geistige Fortschritte zu erzielen?
Josef: Ja, liebe Geschwister, wenn ihr grosse geistige Fortschritte machen wollt, kann ich euch diesen Rat geben: Ihr müsst euch aufopfern, ihr müsst verzichten, ihr müsst für den andern leben und euer Ich zurücksetzen.
Wie können wir erkennen, ob wir von guten Geistern inspiriert werden?
Josef: Es ist so: Der Mensch hat seinen freien Willen. Dieser freie Wille spielt eine ganz grosse Rolle, denn es ist das höchste und schönste Geschenk [Gottes]. Der Mensch muss ganz frei entscheiden können zwischen diesen verschiedenen Einflüssen, denn auch düstere Einflüsse der Tiefe sind da. Auch sie möchten, wie die gute Geisterwelt, das Äusserste an Kräften zur Beeinflussung hergeben. Dafür schenkte Gott den freien Willen, womit der Mensch entscheiden muss. Er kann auch vorher beten. Wenn es um eine grosse Entscheidung geht, soll er beten, richtig beten, so wie ich es euch gelehrt habe. Dann wird er geführt werden, wenn es so weit ist, dass er seinen Willen ausschalten kann und sich von der geistigen Welt führen lässt. Aber dies ist eben wieder ein Punkt: Die Menschen werden eben ihren Willen durchsetzen, wenn sie auf etwas sinnen oder wenn sie etwas möchten. Sie werden das tun, was sie gerne sehen. Deshalb ist zu empfehlen, dass sie vor irgendeiner Entscheidung beten. Es braucht auch etwas Mühe und viele Meditationen, bis es so weit ist, dass der Wille des Menschen ausgeschaltet werden kann und er sich dann führen lässt oder es so kommen lässt, dass es gut ist. Die Menschen aber, die ein geistiges Leben führen, werden dazu gedrängt, irgendeine Tat zu vollbringen; sie werden geführt und gedrängt. Dann sollen sie diesem Drang nachgehen.
Wie kann ich einen nahestehenden Menschen auf den Weg des Geistesglaubens bringen?
Josef: Kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen zu zwingen, etwas zu glauben oder eine Auffassung zu teilen, die ihm nicht passt. Ich möchte ganz besonders betonen: Wenn ein Mensch sich ablehnend oder abweisend verhält, dann darf man ihn nicht drängen. Dann soll man für ihn bitten. Die Wesen Gottes werden einen solchen Menschen führen.
Welche spezielle Bedeutung hat die Meditation für die geistige Entwicklung des Menschen?
Josef: Wenn ihr regelmässig meditiert, werdet ihr innerlich gekräftigt. Das heisst, dass ihr besser überwinden könnt. Ihr müsst durch die Meditation einen Erfolg haben. Dieser Erfolg liegt in der Ausdauer, in der Hingabe, im Verlangen, Besseres zu leisten. Versucht immer göttliche Kräfte aufzunehmen und sie im gegebenen Moment als solche anzuerkennen. Die Meditation hat zum Zweck, eine edlere Gesinnung aufzubauen.
Wir betrachten das Meditieren der Menschen, und ich möchte hierzu sagen: Jeder wird aus seinen besten Kräften herauszuholen versuchen, was nur möglich ist. Der geistig Fortgeschrittene wird tiefer eindringen, er wird die Dinge anders sehen. Er stellt Fragen – aber nicht Fragen in Bezug auf das materielle Leben, sondern Fragen in religiöser Beziehung. Er wird nicht sogleich mit der erstbesten Antwort einverstanden sein. Er wird wieder und wieder in die Meditation gehen und dieselbe Frage stellen. So wird er dies wiederholen und wieder Antworten erhalten. Er wird die Antworten gut in seinem Innersten bewahren und seine eigenen Betrachtungen darüber anstellen. Er wird dies so oft tun, bis es ihm ganz klar und deutlich wird, bis es immer ein und dieselbe Antwort bleibt.
So soll der Mensch, der durch die Meditation gestärkt wird oder etwas in Erfahrung bringen möchte nicht glauben, es genüge, einmal darum zu bitten, um sogleich die richtige Antwort zu erhalten. Es ist nicht so, dass man sogleich richtig geführt wird. Wenn man sich von dem führen lässt, was man zu vernehmen glaubte, ist es noch nicht die richtige geistige Führung.
Je ernster es dem Menschen um dieses Höhersteigen ist, desto schwerer sind die Prüfungen, und er hat sie immer wieder zu überwinden. Also wird ihm das Gewünschte nicht immer sofort in den Schoss gelegt. Denn ihr wisst, dass nicht nur die gute Geisterwelt das Recht hat, in die Nähe des Menschen zu kommen, sondern dass dieses Recht auch den unseligen Geistern zusteht. So muss man diese Wege zuerst allmählich vorbereiten. Hat man das getan, dann wird man erst die Stimmen aus den geistigen Höhen vernehmen.
In manchen Dingen, die eure täglichen Sorgen betreffen, vermögt ihr vielleicht sehr bald eine Antwort zu bekommen. Euer Schutzgeist ist darum bemüht, dass es euch gut ergeht. Ihr müsst jedoch auseinanderhalten, um was ihr bittet. Beispielsweise wenn ihr etwas wissen möchtet, was mit eurem täglichen Leben zusammenhängt und nicht besonders geistig geprägt ist. Man kann also im Geiste wandern. Man möchte Dinge erfahren aus früheren Zeiten und eine Klarstellung darüber erhalten. Dafür muss man immer wieder in die Meditation gehen, um den richtigen Anschluss zu finden und ihn dann auch festzuhalten.
Zwischenmenschliche Beziehungen
Muss man im Jenseits persönlich um Verzeihung bitten bei denjenigen Menschen, denen man zu Lebzeiten Unrecht getan oder Schmerz bereitet hat?
Josef: Ja, dies kann möglich sein, aber vielleicht auch nicht. Es ist dann möglich, wenn dieser andere, dem man Leid zugeführt hat, nicht verzeihen will, dass er dann zu ihm hingeführt wird und bei ihm Abbitte leisten und so lange vor ihn hintreten muss, bis er ihm vergibt.
Nun aber ist es auch so, dass in der Zeit, wo der Leib ruht, der Geist austritt, und dass sie sich miteinander verbinden und man zum Beispiel mit jenem Geiste – ich möchte es deutlich sagen: mit einem Menschengeiste – zusammenkommt, dem man ein Leid angetan hatte, wo aber der Geist dem andern nicht böse ist, ihm nichts nachträgt und erklärt: “Dies ist eben aus dem Geschehen entstanden und aus den Schwächen. Aus diesen vielen Umständen, die der Mensch in seinem Leben hat, hat sich das daraus ergeben.” Der Geist ist eben viel einsichtiger – zum grössten Teil, aber nicht immer.
Wenn ein Groll oder ein Hass so tief in den Einzelnen hineingeht, ist dieser Groll oder Hass auch im Geiste vorhanden. Dann kann es geschehen, dass man zu ihm hingeführt wird und Abbitte leisten muss.
Es gibt also verschiedene Möglichkeiten. Es kommt ganz auf die geistigen Führer und Lehrer des Menschen an, wie sie es für gut finden und wie sie den Menschengeist lenken. So können diese Menschengeister untereinander schon längst Frieden geschlossen haben – vielleicht aber auch nicht.
Ist die Toleranz ein Gradmesser der Entwicklung des Menschen?
Josef: Das könnt ihr anhand eurer Mitmenschen beurteilen. Sind sie grosszügig oder kleinlich? Wie ist ihre Geisteshaltung? Von einem geistig höherstehenden Menschen kann man grössere Toleranz und grösseres Verständnis erwarten. Von einem tieferstehenden, der also auf den untersten Stufen im Aufstieg begriffen ist, ist noch keine Toleranz zu erwarten. Er ist sozusagen in die Enge getrieben. Die Menschen müssen in jeder Beziehung toleranter werden und sich nicht wegen Kleinigkeiten bekämpfen. Sie müssen einander mehr vertrauen, ehrlicher sein und nicht über den andern herrschen wollen.
Kunst, Musik, Sport
Sucht
Gesundheit
Wie kann die Geisterwelt Gottes bei Krankheiten und Schmerzen helfen?
Josef: Wir haben im Geisterreich auch Medikamente. Ihr habt auf Erden für die Behandlung von Krankheiten wunderbare Pflanzen nebst chemischen Mitteln. Im Geisterreich aber ist das Ursprüngliche, die reingeistige Heilkraft, vorhanden. Ein Geist hat die Möglichkeit, dem Kranken ein geistiges Heilmittel zu bringen, was der Mensch natürlich nicht sieht. Er hat feinstoffliche Öle, Balsam zur Verfügung. Er bedient sich verschiedener Dämpfe und anderer Dinge. So nähert sich der Geist der Heilkraft seinem Schützling im günstigsten Moment und bringt ihm, was dieser braucht. Vielleicht taucht er seine Hände in dieses geistige Öl und bestreicht damit seine Stirn. Oder er bringt ihm ein geistiges Betäubungsmittel gegen die Schmerzen. Dies tun die Geister an euch ungeachtet der Arbeit, in der ihr eventuell gerade steckt. Sie nehmen die Behandlung also auch während des Tages vor, vielleicht inmitten eurer Arbeit. Sie tun es aber auch während der Nacht, wenn euer Geist sich vom Körper gelöst hat.
Wenn sich aber beim alternden Menschen Beschwerden einstellen, müssen wir sagen: Damit müsst ihr euch abfinden; denn von einem gewissen Alter an fängt der Leib an sich zu ‘zersetzen’. Es geht nach einem Gesetz. Da muss man darum bitten, dass einem die Kraft gegeben wird, das Leiden zu ertragen und die Aufgaben noch zu erfüllen, oder dass einem diese geistigen schmerzmildernden Mittel zugeführt werden. Dazu ist die geistige Welt auch bereit.
Wenn ein Kranker stirbt, ist die Krankheit auch nach dem Tode noch im Geistkörper sichtbar?
Josef: Dazu möchte ich Folgendes erklären: Ist zum Beispiel ein geistig nicht gehobener Mensch vor seinem Tode einige Jahre gelähmt gewesen, dann kann er dieses Empfinden mit sich nehmen. Hat er einen grossen Schmerz, fühlt sich ein solcher Geist immer noch krank. Aber nur jene fühlen noch [nach ihrem Tode] ihre Krankheit, die geistig noch nicht so gehoben sind, die nicht an ein Weiterleben nach dem Tode geglaubt haben, die es einfach nicht wahrhaben wollen, dass sie vom irdischen Körper gelöst sind. Sie leben noch in einer gewissen Wahnvorstellung oder fixen Idee, dass sie noch krank seien. Doch die Engel Gottes werden sie mit der Zeit darüber aufklären, dass sie von ihrem irdischen Körper gelöst und befreit sind und gar keine Schmerzen mehr haben. Bei vielen aber geht es recht lange Zeit, bis sie sich belehren lassen. In solchen Fällen kann man dann nicht von einer Krankheit in eurem Sinne sprechen, sondern es ist ein Durchdrungensein von einer fixen Idee und dem Glauben, dass es so sei.
Ich leide unter depressiven Verstimmungen. Was kann mir helfen?
Josef: Liebe Seele, ich kann dir empfehlen, du sollst jeden Morgen, wenn du dein Gebet verrichtet hast, sagen: “Heute will ich fröhlich sein – ich will den ganzen Tag fröhlich sein!” Bei allem, was dir begegnet, denke stets an diese Worte: “Nein, ich will fröhlich sein!” Diese Einstellung muss tief in deine Seele dringen, und du sollst nicht diesen Bildern und Dingen nachgehen, die an dich kommen. Du sollst dich immer an diese Worte erinnern: “Ich will heute fröhlich sein!” Ich will dir sagen, dass Engel Gottes sehr gerne um fröhliche Menschen sind. Doch bedenke, es müssen fröhliche Menschen sein, die die Grenzen der Fröhlichkeit kennen. Man kann fröhlich sein auf eine liebevolle Art, die den Nächsten anzieht, und dies ist es, wonach der Mensch trachten muss. Die wahre, reine Fröhlichkeit soll er von sich geben, dann kommen diese schweren Stunden oder Probleme gar nicht an ihn heran. Sie bekommen eine ganz andere Fassung. Du kannst diese Probleme ganz anders lösen, wenn in deiner Seele Freude ist. Du musst sie füllen mit Freude, denn wenn diese Freude nicht ist, kommen Geister der Trübsal, des Zweifels und alles Mögliche an dich heran. Sie aber kannst du fortsenden, wenn du deine Seele mit Freude füllst. Und Freuden kannst du erleben, wenn du einem Menschen etwas Gutes tust. Es muss gar nicht eine besonders grosse Sache sein, aber mache einem Menschen eine kleine Freude. Probiere es immer wieder, und dann wird auch deine Seele erfüllt sein mit Freude.
Wenn Gott durch seine Heilengel heilen kann, warum sind denn noch die Anstrengungen der Ärzte nötig?
Josef: Gott kann sich der Ärzte ebenso als seiner Werkzeuge bedienen. Und wie könnten denn die Heilengel an solche Menschen dringen, die Gott ablehnen, die von Gott und seinen Engeln nichts wissen wollen? Ja glaubt ihr, dass sie würdig sind, dass die Heilengel zu ihnen kommen?
So muss der Menschheit die Möglichkeit gegeben werden, dass ihr auf andere Art geholfen werden kann. So sind die Ärzte auch Werkzeuge Gottes. Denn nicht von sich aus haben sie diese Talente, sondern Gott hat sie ihnen gegeben. Und wenn sie sich in den Dienst des Nächsten stellen, sind ihre Talente und ist ihr Wirken besonders gesegnet.
Gibt es heilende Wasserquellen?
Josef: Es gibt Menschen, die mit einem solchen Vertrauen zu einer solchen Quelle hingehen, und ihr Glaube ist so gross, dort geheilt zu werden, dass dann wahrhaftig bei dem einen oder andern dieser Glaube stark genug ist, dass er geheilt wird.
So ist es eben oft so notwendig, dass der eine oder der andere Mensch an einen solchen Ort geführt werden kann, wenn er von diesem oder jenem Wasser Heilung erhofft. Wenn Menschen zusammen wirklich diesen Glauben in sich tragen, kann einer Quelle ein besonderer Segen gegeben sein. Es braucht aber nicht unbedingt so zu sein. Denn der Mensch erzeugt durch seine Willenskraft und sein Vertrauen diese Kraft in sich selbst; durch seinen Glauben an Gott erzeugt er in sich eine ungeheure Kraft, die ihm für seinen Körper zum Heile ist.
Es kann ihm auch zum Heile sein für seine Seele; denn im Menschen ist ein ständiger Antrieb durch seine Gedanken, seine Willensäusserungen. Und wenn er für das Gute wirkt, so treibt er dieses Rad ständig an und bringt es in die grösste Schwingung, und es gibt seinem Körper eine grosse Kraft und Energie, sodass er wieder gesundet.
Daher sage ich doch so oft zu den Menschen: Ihr habt in euch so ungeheuer viel Kraft. Und diese ist: Vertrauen, Mut – Mut muss der Mensch haben, Energie muss er aufbringen, und dann kann er so viel zu seinem Heile beitragen, und sein Heil liegt in seinem Körper wie in seiner Seele, wenn er dieses erkannt hat.
Sterben – Leben nach dem Tod
Kann ich einem lieben Freund geistig helfen, der nach jahrelangem Kampf verzweifelte und sich das Leben nahm?
Josef: Ja, du kannst ihm durch dein tägliches Gebet helfen. Denn diese Seele wird dein Gebet als Trost und Balsam empfinden; der Schmerz wird für sie nicht mehr so arg sein. So empfehle ich dir: Bete täglich für diese Seele, denn sie wird um dich sein, sie wird deine Nähe suchen. Du sollst mit ihr sprechen, sie im Geiste führen. Du sollst ihr den Weg zeigen und sie zuerst beten lehren.
Diese Seele wird sich dir auch tagsüber nähern, wenn du an deiner Arbeit bist. Dann gib ihr einen guten Gedanken, sprich ein Gebet für sie. Wenn du aber findest, dass sie dich belästigt, dann weise sie in aller Liebe fort und sage ihr, dass sie sich dann und dann, da und da einfinden soll, also in deinem Hause, wo du dann für sie beten willst. Auf diese Weise kannst du etwas Grosses tun. Aber ich möchte hier erwähnen, dass die Menschen nie glauben sollen, dass ihnen durch ihr Gebet die Macht gegeben sei, eine Seele von ihren Qualen zu befreien. Das Gebet der Menschen ist für sie Balsam, dass sie ihren Zustand leichter ertragen kann – aber das ändert ihren Zustand selbst nicht. Denn solche Seelen werden so lange nicht von ihrer Sphäre weggeführt, bis ein Engel Gottes dies für richtig hält oder die Zeit der Läuterung abgelaufen ist. Und so können alle Menschen für diese armen Seelen so viel wirken, indem sie ihnen ihre Gebete senden, die Trost sind für sie.
Meine Mutter ist unerwartet gestorben. Kann ich mit ihr in Verbindung kommen?
Josef: In der Regel ist es so, dass eine Mutter mit ihren Kindern doch sehr verbunden ist und dass sie, wenn sie im geistigen Reiche angelangt ist, nur den einen Wunsch hat: zurückzukehren zu ihren Kindern, sei es, um noch etwas in Ordnung zu bringen oder um etwas mitzuteilen.
Es kann sein – ich möchte dies als allgemeine Erklärung sagen –, dass ein solches Wesen schon gleich nach seinem Tode zu seinen Lieben zurückkehren und sich ihnen bekunden kann, ganz plötzlich, und dass es erst einige Wochen später zu dieser Ruhe, zu diesem [Anpassungs-]Schlaf kommt. Es kann aber auch sein, dass diese Seele sofort in diesen Schlaf geholt wird und so an einem Ort für einige Wochen, Monate oder Jahre zur Ruhe kommt. Es kommt hier auf die geistige Entwicklung an.
So geschieht es sehr oft, dass dann der Heimgegangene, mit dem der Mensch in Verbindung kommen möchte, während dessen körperlicher Ruhe die Nähe dieses Menschen aufsucht, um sich ihm zu bekunden. Wenn dann das Verlangen des Menschen so gross ist, eine Mitteilung zu empfangen, und wenn seine Art Strahlung [Schwingung] so ist, dass es möglich sein kann, in kürzester Zeit diese Mitteilung aufzunehmen, dann ist es – ich darf wohl sagen – auch eine besondere Gnade für ihn. Viele haben, um solche Kundgaben empfangen zu dürfen, viele Wochen darum zu bitten, oft viele Jahre. Auch dieses ist verschieden.
In deinem Falle, wenn dir daran gelegen ist, eine Verbindung aufzunehmen, sollst du, wenn du dich zur Ruhe legst, darum bitten, dass man es dir in das Bewusstsein geben möge, damit du es erleben kannst, dass man dir von deinen Verwandten Nachricht geben kann. Es kann ein Geistwesen auch einen dir nahestehenden Mitmenschen inspirieren, damit du auf diese Weise zu einer Antwort kommst. Denn auch auf diese Weise versucht die geistige Welt sich euch kundzutun. Die Menschen überprüfen solches viel zu wenig und glauben, wenn ein nahestehender Mitmensch ihnen etwas sagt, dies wäre nur seine eigene Idee – dabei kann er von der geistigen Welt dazu inspiriert worden sein.
So kann einem Menschen auf sein Bitten hin eine Antwort gebracht werden, und zwar so, wie er sie am besten verstehen kann. Er muss aber darum bitten, und sicherlich kann die Antwort auf eine Weise gegeben werden.
Wie aus deinen Belehrungen hervorgeht, gibt es zahlreiche Verstorbene, die während einer längeren oder kürzeren Zeit gar nicht realisieren, dass sie gestorben sind. Wie ist das zu erklären?
Josef: Dies betrifft nur jene, die zu Lebzeiten nichts von dieser geistigen Verbundenheit wissen wollten. Wenn sich ein Mensch mit diesen Fragen zum Weiterleben befasst, dann wird es für ihn viel leichter sein, sich im geistigen Reiche zurechtzufinden. Die erste Zeit nach dem Übertritt ist besonders für jene eine Zeit der Verwirrung, die nicht an ein Weiterleben glauben konnten. Für jene aber, die als Mensch an dieses Weiterleben glaubten und auch verbunden waren mit der göttlichen Welt, ist es viel leichter, sich zurechtzufinden, weil ihr Geist in dieser Beziehung von diesem Wissen geläutert und durchdrungen ist. So erlebt ein solcher seine neue Umgebung sofort in ihrer Wirklichkeit, von der er als Mensch so viel geahnt hat. Die andern leben in einem gewissen Traumzustand und finden keine Erklärung für all das, was sie dann im Jenseits umgibt.
Sind bei jedem Unglücksfall helfende Geistwesen, Missionsgeister da, die den Sterbenden helfen?
Josef: Es sind immer Missionsgeister da. Wenn ein Mensch bei einem Unglücksfall ums Leben kommen wird, so weiss sein Schutzgeist darüber Bescheid. Er kennt den Ablauf des Tages, wenn sein Schützling von zu Hause weggeht; er weiss, wie es geschehen wird. Und dann wird er dementsprechend bereits seine Geschwister orientieren, und sie werden dann schon bereitstehen, wenn es geschieht. Denn so ist die Vorschau der Geister Gottes; sie können Stunden, ja Wochen oder Monate schon zum Voraus Einblick in einen Tag haben.
Welche Mission erfüllen die führenden Schutzgeister bei Unglücksfällen?
Josef: Die Führer und Schutzgeister sind eigentlich auch in den meisten Fällen bei Anliegen tätig, wenn es nottut oder etwas Unerwartetes kommt. Denn in der Geisteswelt sind ja alle in ihre Arbeit eingeweiht. Sie sind sozusagen Spezialisten in ihren Aufgaben und stellen so ihre Dienste zur Verfügung. Der führende Geist ist vielmehr dafür besorgt, wohin der Betreffende geführt wird, wie er beurteilt wird, in welche Sphäre er kommt. Man nimmt sich so seines geistigen Lebens an: des höheren Lebens und des Eintritts in seine Sphäre. Das ist die Aufgabe der führenden Geister, und es ist auch ihre Aufgabe hinsichtlich der Läuterung. Sie werden in dieser Weise einschreiten bei den Heimgekehrten.
Dann sind also bei jedem Unfall oder Unglücksfall – sei es auf der Strasse, bei der Bahn, auf See – überall Missionsgeister anwesend?
Josef: Es sind immer Missionsgeister da. Ihr müsst euch Folgendes bewusst werden: Wenn ein Mensch von zu Hause weggeht, so weiss sein Schutzgeist den Ablauf des Tages. Dann wird er schon dementsprechend seine Geschwister orientieren, und sie werden bereitstehen, wenn etwas geschieht. Denn so ist die Vorschau der Geister Gottes: Sie haben schon im Voraus Einblick in einen Tag, in Stunden, ja in Wochen oder Monate. Es kommt ganz darauf an, ob ein Unglücksfall für sein Leben festgesetzt war, ob es Bestimmung für ihn war oder ob es etwas ist, das sich eben plötzlich ereignen würde, das nicht im Plane steht, das nicht einberechnet ist.
Wie findet eine verstorbene erdgebundene Seele den Weg zurück zur Erde?
Josef: Wenn wir von geistigen Sphären und Ebenen und deren Entwicklungen reden, müsst ihr euch nicht vorstellen und meinen, es seien gewaltige Distanzen von einer Entwicklungsebene zur andern. Diese Erdgebundenen sind nicht allzu weit von der Erde entfernt; sie können im Luftraum ihre Ebene haben. Von dort ist es nicht weit, um wieder auf die feste Erde zu gelangen. Da werden diese erdgebundenen Seelen wie durch einen Magneten von der Erde angezogen. Einige Tausend Kilometer Entfernung von dem Ort, wo man gelebt hat, bedeuten da keine Distanz.
Mein Bruder starb vor zwei Jahren dreiundsechzigjährig. Sein Leben lang wollte er von Gott nichts wissen, ja er haderte gegen ihn. Erst auf seinem letzten Krankenlager hat er sich gründlich bekehrt. Konnte seine Reue kurz vor dem Sterben sein Schicksal in der geistigen Welt wesentlich verbessern?
Josef: Wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang ohne Gott lebt, so zeichnet er sich damit selbst und stürzt sich selbst in eine gewisse geistige Dunkelheit. Wenn er in letzter Stunde reuig war, so kommt es darauf an: War er nur in oberflächlicher Weise reuig, aus einem Angstgefühl heraus, indem er sich sagte: “Verlieren kann ich nichts, vielleicht aber damit gewinnen”, dann hat ihm diese Reue nichts genützt. Hat er aber wahrhaftig seine Gesinnung geändert und aus wirklich grosser Reue heraus wahrhaftig den Weg zu Gott gefunden, hat er eingesehen, ein gottloses Leben geführt zu haben, und es tut ihm leid, dann hat er dazu beigetragen, seinen Zustand etwas zu ändern, sodass ihm Gnade gegeben wird, wenn er vor den Richterengel Gottes schreitet. Diese Gnade wird dann darin bestehen, dass ihm Gelegenheit gegeben wird, in einem neuen Erdenleben gutzumachen. Das heisst, es wird ihm eine Aufgabe für ein neues Erdenleben übertragen.
Die Hauptsache ist doch wohl, ob ein Mensch recht gelebt hat?
Josef: Es sind so viele Dinge zu berücksichtigen. Es kann zum Beispiel ein Mensch genau wissen, was recht und unrecht ist, auch wenn er Gott noch nicht gefunden hat. Er wird eben dementsprechend in der geistigen Welt eingeordnet werden. Jede Seele wird schon auf Erden ihre Umgebung selbst schaffen. So wie der Mensch in seiner Welt lebt, so lebt er eben weiter in der geistigen Welt. Ist er gut, so schafft er um sich eine gute Welt und wird mit all dem selbst geschaffenen Lichte zu dem weiteren, herrlichen Lichte geführt.
Karma, Wiedergeburt
Wiedergeburt & Inkarnation
Wie oft ungefähr muss der Geist als Mensch auf dieser Erde inkarniert werden?
Josef: Das kommt ganz auf das Leben des Menschen an – wie er sich bemüht. Wenn er in kurzer Zeit viel zu überwinden vermag und geistig aufbaut, verkürzt oder erlöst er sich von diesem Wiederkommenmüssen. Mitunter ist einem Geistwesen die Möglichkeit gegeben, sich im geistigen Reiche weiterzuentwickeln, wenn es als Mensch im irdischen Reich grosse geistige Verdienste erworben hat.
Wenn ein Mensch seine Fehler überwunden hat, kommen sie dann im nächsten Leben nicht mehr zum Vorschein?
Josef: Wenn er bis zum letzten Tage seines Lebens immer überwunden hat, dann hat er die betreffende Untugend auch für sein nächstes Leben überwunden. Er wird vielleicht einmal zurückfallen, aber nur so, dass es für ihn keine Überwindung mehr kostet, diesen Fehler ganz zu lassen. Er ist dann einfach einmal gestrauchelt, aber er wird nicht immer wieder diesen Fehler tun oder sich besonders zusammennehmen müssen, um ganz zu überwinden.
Aus welcher Tierstufe kann man direkt als Mensch inkarniert werden?
Josef: Ich habe früher schon erklärt, dass das Pferd zu den höchstentwickelten Tieren gehört; auch der Hund nimmt eine hohe Stufe ein. Ihr dürft aber nicht vergessen, dass Gott die Möglichkeit hat, auch Veränderungen in diesem Plan zu machen: Es werden Tiere ausgerottet, es werden Tiere sozusagen gezüchtet über das Natürliche hinaus; dementsprechend muss sich auch der Heils- und Erlösungsplan einschalten. Und wenn auf der einen Seite etwas erlischt – also wenn es keine Möglichkeit zur Inkarnation oder zum Aufstieg gibt – werden andere Möglichkeiten zum weiteren Aufstieg wieder geschaffen. Die geistige Welt wird immer tätig sein und ist immer in engstem Kontakt mit dem Menschen, mit seinem Wirken, wie er die Dinge gestaltet, was er fördert und was er unterdrückt. Dementsprechend muss sich die geistige Welt ja einschalten.
Wie lange dauert im Allgemeinen der Aufenthalt einer Seele in der geistigen Welt vom Tode bis zu ihrer Wiedergeburt?
Josef: Es können bis zur Wiedergeburt hundert bis fünfhundert Jahre vergehen, es kann aber auch tausend Jahre dauern. Es gibt keine Bedingung, dass man sagen könnte, es dauere so oder so lange. Alles geschieht nach den Gesetzen Gottes, so wie er es anordnet, dass diese Seelen wieder inkarniert werden. Wenn zum Beispiel eine Seele in der geistigen Welt in ihrer Entwicklung nicht vorwärtskommt, also keine Möglichkeit hat, sich Gott zu nähern, kann die Gnade Gottes so weit gehen, dass er sie schon nach zwanzig Jahren auf diese Erde inkarnieren lässt.
Wenn ein Mensch wiedergeboren wird, so weiss er doch selbst nichts von seinen früheren Erdenleben. Wie kann er nun vermeiden, erneut Fehler zu begehen, wo er doch im Jenseits versprochen hat, sich zu bessern?
Josef: Dass der Mensch nichts davon ahnt, liegt in der Gerechtigkeit und in der Liebe Gottes. Denn bedenkt einmal: Wüsste einer, dass er vielleicht in seinem letzten Leben eine ganz hohe Stellung eingenommen hatte, vielleicht ein König gewesen wäre, würde er sich in diesem Leben immer noch als König aufspielen und von den Menschen verlangen, dass sie ihm diese notwendigen Ehrbezeugungen geben.
Andernfalls: Ist einer ein Verbrecher und ein Mörder gewesen und die Menschen müssten dies sehen, würden sie von ihm Abstand nehmen, und er hätte nicht die Möglichkeit, sich in der Weise wieder hinaufzubringen. Er könnte sich aus dieser Erkenntnis heraus selbst das Leben nehmen, indem andere Menschen ihm dieses Leben so schwer machen – ihn also im geistigen Aufstieg behindern.
Hier macht Gott keinen Unterschied. Alle haben die Möglichkeit, in den gleichen Erkenntnissen wieder von vorn zu beginnen. Die Lehre Christi ist so verbreitet und wird dem Menschen nahegebracht. Wenn er hinausblickt in all dieses wunderbare Geschehen, muss er zur Erkenntnis gelangen, dass es einen Schöpfer gibt und dass er sich aufmachen und anstrengen muss, wieder zu ihm zu gelangen.
Wenn ihr glaubt, dass es von Schaden wäre, wenn er nichts davon wüsste, und dass er Versprechen gemacht hätte für ein besseres Leben, dann ist hier wiederum die Antwort: Jeder Mensch betet zu Gott, dass er im Vertrauen und im Glauben an ihn gestärkt und erleuchtet werde. Jedem Menschen sind die Gebote Gottes klar und deutlich vorgelegt. Nach diesen Geboten und Gesetzen soll er leben. Das ist für ihn der Wegweiser ins Leben. Denn in diesen Gesetzen heisst es, was du tun und lassen sollst, und dass du an Gott glauben sollst. Wenn einer kein Vertrauen und keinen Glauben an Gott hat, dann erfüllt er schon nicht diese geistigen Gesetze.
Gott hat es für jeden gleich getan: Für den, der vorher ein Verbrecher und ein Mörder war und der wiederum die Gelegenheit hat, in ein neues Leben hineinzugelangen – das liegt in der Gerechtigkeit und in der Liebe Gottes. Bei ihm gelten dieselben geistigen Gesetze. Und für jenen, der in seinem früheren Leben vielleicht als angesehener oder frommer und edler Mensch gelebt hatte: Er soll wiederum von neuem beginnen.
Nicht nur diese geistigen Gesetze sind für die Menschen von grosser Wichtigkeit, sondern sie stehen ja auch der irdischen Gesetzmässigkeit gegenüber – sie haben auch die irdischen Gesetze zu befolgen. Sie fliessen im gewissen Sinne ineinander hinein. Nur sind die geistigen Gesetze viel gewissenhafter, viel feiner ausgearbeitet, und sie stehen allen offen vor ihren Augen.
Du hast einmal von einem Geist berichtet, der in seinem letzten Erdenleben nicht an Gott glaubte, während er im vorhergehenden Erdendasein ein gläubiger Mensch gewesen war. Ich war bisher der Ansicht, dass der Glaube und andere Erkenntnisse nicht mehr verloren gehen können in einem neuen Leben.
Josef: Nein, das ist nicht richtig. Der Mensch, der in diesem Erdenreich lebt, steht so vielen Anschauungen gegenüber. Und immer wieder kann er vom irdischen Gut geblendet werden. Er kann einfach fallen durch diese Schönheiten oder durch das Geld, das in dieser Welt eine grosse Rolle spielt. Er wird von seiner geistigen Entwicklungsstufe im Jenseits nicht zurückfallen; er wird einfach wieder dahin zurückkehren, von wo er ausgegangen ist, und wird im Jenseits wieder dementsprechend seinen Unterricht bekommen.
Ihr müsst das auseinanderhalten: Der Mensch kann von den äusseren Dingen so beeindruckt werden, dass er eine verneinende Stellung einnimmt, während aber sein Geist Gott bejaht. Diese Gottbejahung kommt nicht zum Durchbruch infolge seiner falschen Anschauung. Würde nun ein solcher Mensch etwas mehr in sich gehen und etwas mehr meditieren oder das Innenleben besser pflegen, würde er bestimmt zu besserer Erkenntnis kommen.
Weshalb finden wir in den Reden von Christus selbst nicht mehr Hinweise auf die Wiedergeburt?
Josef: Zu jener Zeit war es so, dass ein Grossteil der gläubigen Menschen an eine Wiedergeburt glaubte. So musste es eigentlich von Christus gar nicht besonders betont werden. Es gab seinerzeit Glaubensrichtungen, die an die Wiedergeburt glaubten. Es ist vergleichsweise so, wie es heute Völker gibt, denen es doch ganz selbstverständlich ist, dass es eine Wiedergeburt gibt.
Denkt an die Frage der Jünger betreffend den Blindgeborenen: “Wer hat gesündigt, er oder seine Eltern?” Jene Menschen hatten also Kenntnis von der Wiedergeburt. Sie wussten darum, dass ein grosses und bedeutendes Verschulden eines Menschen ihn so bestrafen würde, dass er es in einem folgenden Erdenleben wiedergutmachen müsste, sie glaubten also an die Wiedergeburt.
Anderseits waren zur Zeit Christi die Menschen in ihrem Gottesglauben etwas zerrissen. Christus erkannte doch all dies und wusste, dass er den Menschen noch vieles hätte sagen können. Deshalb sagte er ihnen seinerzeit: “Ihr könnt es heute noch nicht begreifen und verstehen; aber ich werde dafür sorgen, dass ihr über diese Dinge unterrichtet werdet.” Damit meinte er: “Ich werde den Geist der Wahrheit senden, der euch in alle diese Dinge einweihen wird.” (Joh. 14, 26 und 16, 12–13.)
Schicksal & Karma
Wiedergeburt und Karma werden von vielen Religionslehrern abgelehnt, obwohl man alle Fragen, die von diesen Religionslehrern umgangen werden, durch dieses Wissen lösen könnte.
Josef: Ja es wird einmal die Zeit kommen, wo dieses Wissen allgemein ist. Wenn diese Menschen behaupten, es gäbe keine Wiedergeburt, dann deshalb, weil sie ihnen nicht passt. Aber Christus hat doch gesagt: “Du kannst nicht ins Himmelreich eingehen, wenn du nicht wiedergeboren wirst. Du musst wiedergeboren werden, um ins Himmelreich einzugehen.” Nicht mit einem Leben allein kann das geistige Feld eines Menschen so hell und klar gemacht werden; es muss in weiteren Leben durch die Erfüllung von Aufgaben gereinigt werden.
Kann der Mensch sein Schicksal selbst formen?
Josef: Es ist für jedes Menschenleben das Schicksal gezeichnet. Wie es sich erfüllt, ob in seiner ganzen Schärfe oder etwas gemildert, darüber entscheiden die Engel Gottes, je nachdem, wie sich der Mensch benimmt. Aber dass es sich erfüllt, dafür sorgen sie bestimmt. Nun kann aber der Mensch viel dazu tun, um sein Schicksal zu erleichtern. Einmal dann, wenn er selbst vernünftig lebt und die Dinge gut überdenkt. Wenn die Menschen nicht so oberflächlich wären, sondern sich alles besser überlegen würden, hätten sie weniger Schaden zu tragen.
Ist es für den Menschen besser, sein Schicksal einfach anzunehmen, oder soll er darum bitten, dass er davon befreit wird?
Josef: Freilich soll der Mensch bitten, dass er davon befreit wird, und er soll sein Möglichstes tun, dass er befreit wird von Schuld und Sühne. Er soll an sich arbeiten, und er muss Gott um Verzeihung bitten. Und wenn Gott sieht, dass es richtig ist, dass man dem Menschen verzeihen darf, dann wird ihm auch wirklich eine grosse Hilfe zuteil.
Wenn für einen Menschen ein Schicksalsplan gezeichnet ist, wird die geistige Welt eingreifen, damit sich etwas Bestimmtes ereignet? Wird das Unterbewusstsein des Menschen auf irgendeine Weise beeinflusst?
Josef: Nein, ich möchte dazu Folgendes sagen, ich nehme jetzt ein allgemeines Beispiel: Der Mensch hat ein Schicksal auszutragen. Das Schicksal ist ihm auferlegt, ist in seinem Lebensplan. Nun heisst das, dass auch ein Plan im Laufe des Lebens abgeändert werden kann. Diese Abänderung kann folgendermassen zum Vorschein kommen:
Erstens einmal durch den Menschen selbst: Durch seinen freien Willen, durch seine Handlungen, durch sein überlegtes Denken kann er sein Schicksal entweder mildern oder durch, sagen wir, Willensschwachheit wird er sein Schicksal noch mehr vergrössern oder erweitern – er wird sich noch mehr ins Unglück hineinbegeben durch seine Willensschwäche, durch sein unüberlegtes Handeln, seine Uneinsicht, seine Verschlossenheit und Unbelehrbarkeit, durch seinen Eigensinn. Das sind alles Dinge, die im Leben eine Rolle spielen.
Wenn einer ein Schicksal hat und jemand will ihm einen guten Rat geben und er nimmt ihn nicht an, dann ist er eben selbst schuld. Er hat die Möglichkeit, sein Schicksal etwas zu erleichtern. Das ist einmal das, wo der Mensch durch seinen freien Willen die Möglichkeit hat zu handeln. Darum hat Gott dem Menschen, der gesund denken kann, diese Selbstentscheidung gegeben. Er muss sein Lebensschifflein lenken.
Andererseits ist die Geisterwelt Gottes wohl dafür da, dass sie in das Leben des Menschen eingreift, indem sie ihn versucht zu führen, ihn aus dem Schicksal herauszunehmen. Das ist ein besonderer Eingriff der Geister Gottes. Sie kann es, so gut wie sie euch mit dem Segen bedenkt jeden Tag, so gut wie sie euch führt, euch behütet und beschützt. Sie beschützt und behütet euch, wenn ihr euch beschützen lasst; wenn ihr nicht gegen dieses Beschütztwerden eingreift durch persönliche Unvorsicht. Oder durch eine spontane unüberlegte Handlung kann der Segen Gottes nicht wirksam werden. Da greift der Mensch wieder ein.
Darum sagen wir auch: Ihr sollt mit euren Überlegungen nicht immer so eilig sein, lasst euch Zeit. Wenn ihr euch zum Überlegen Zeit lasst, hat die geistige Welt Zeit zum Handeln; handelt ihr spontan, so kann die Geisterwelt nicht immer spontan eingreifen. Sie hat wohl auch in gewissen Beziehungen die Möglichkeit, ein spontanes Eingreifen zum Ausdruck zu bringen, aber das kann nicht auf jedem Gebiet und überall verallgemeinert werden. Also kann durch Verdienste eines Menschen, oder wenn er sein Schicksal abgetragen hat, die Geisterwelt Gottes eingreifen. Sie hat verschiedene Möglichkeiten dafür. Es gibt also ein Eingreifen durch die Geisterwelt Gottes in das Schicksal, wenn es erlaubt ist. Dieses Schicksal, dieses Verschulden je nach Mass ist in seinem geistigen Felde festgeschrieben. Ein Geist Gottes, der an einem Menschen vorübergeht oder vor ihm steht, weiss genau: “Hier ist es mir nicht erlaubt, einzugreifen”, oder er sieht die Möglichkeit, diesem Menschen beizustehen, weil sein Schicksal nun abgetragen ist.
Es kommt also immer wieder von Fall zu Fall darauf an. Der Mensch selbst tut vieles für sein Schicksal, und die Geisterwelt Gottes tut das Ihrige und kann eingreifen.
Aber überdenkt euch immer wieder – und ich weiss, unter euch gibt es Menschen, die es einfach nicht begreifen und verstehen wollen – sie werden es dann verstehen, wenn sie bei uns sind und viel genauer noch belehrt werden über die geistigen Gesetze. Denn es ist ja ein grosser Segen für den Menschen, dass er durch seinen freien Willen handeln kann, dass er Geschicklichkeit anwenden und so sein Schicksal mindern kann. Er kann aber auch Ratschläge bei anderen Menschen einholen – das ist doch wohl auch etwas. Es kommen doch auch Leute zu euch und fragen um Rat. Und was sagt ihr denn, wenn diese Leute euch ins Gesicht sagen würden: “Deinen Rat befolge ich nicht, das ist sinnlos” – ihr würdet euch von solchen Menschen abwenden. Ihr gebt ihnen aber den Rat, in der Hoffnung, ihnen zu helfen. Und wenn sie klug genug sind, werden sie den Rat des Anderen befolgen, der viel besser und klarer über die Dinge sieht als derjenige, der jetzt im Schicksal drin ist. Aber wenn der Andere das Gegenteil tut von dem, was man ihm empfiehlt, dann ist er doch selbst schuld.
In vielen medialen Kundgebungen wird gesagt, dass keinem Menschen Unrecht geschehe. Wie lässt sich das erklären angesichts des vielen oft offensichtlichen Unrechts, das man auf dieser Erde überall sehen kann? Ist das Karma – oder handelt es sich um Lastenträger?
Nichts dergleichen. Liebe Freunde, wenn ich euch sage, keinem Menschen wird Unrecht angetan, so ist das in erster Linie von der göttlichen Seite auf den Menschen gemeint. Der Mensch selbst muss keine Ungerechtigkeit von der Geisteswelt Gottes auf sich nehmen. Sie wird ihn weder ungerecht behandeln noch verurteilen. Ihr müsst einen grossen Unterschied machen, was geistig weit weg entfernte Menschen von Gott alles fertigbringen durch ihre eigene Unvollkommenheit des Herzens und der Seele. Durch ihre neidischen Gefühle vermögen sie dem Mitmenschen Schaden zuzufügen. Das ist nun eben Ursache und Wirkung unter den Menschen.
Ein gehobener Mensch wird niemals einen anderen Menschen in irgendeiner Art und Weise beleidigen und ihm weh tun. Es kann Momente geben, wo er vielleicht in Nervosität einmal ein Wort zu schnell sagt oder irgendwelche abschätzige Bemerkungen oder dergleichen macht; er wird sich aber sogleich darüber bewusst, was er gesagt hat, und versucht sich auch zu verbessern oder zu entschuldigen. Das ist der geistig gehobene Mensch.
Der niedere Mensch hingegen verbreitet Übel. Hier kann man nicht die Geisterwelt Gottes dafür zur Rechenschaft ziehen und sagen: “Niemand hat Unrecht zu erleiden”, das wäre nicht richtig und so weiter, man müsste wegen diesen Menschen Unrecht ertragen.
Ihr bewegt euch in einer Welt von geistig niedrigstehenden, geistig aufsteigenden und geistig gehobenen Menschen. Es ist also ein buntes Durcheinander. Unwillkürlich sind eben diese Untenstehenden, die Sorgenkinder, die Unangenehmes verbreiten, wie kleine Kinder viel Unruhe und Geschrei machen zum Ärger der Erwachsenen. So sind diese Erwachsenen nichts anderes als kleine Kinder, die viel Geschrei machen zum Ärger ihrer Mitmenschen.
Wenn man glaubt, von einem Menschen beleidigt worden zu sein, hat man das Recht, sich diesem Menschen zu stellen und ihm die Meinung zu sagen. Das ist euch schon öfter erklärt worden. Man soll den Nächsten fragen, was er von einem halte. Ihr könnt sagen: “Was glaubt ihr, wie ich bin?” Doch es sind ja wenige Menschen, die die Wahrheit vertragen können.
Nun aber zurück: Wenn man glaubt, dass man beleidigt wird oder dass andere einem wirklich sichtbaren Schaden zufügen, hat der Mensch das Recht, sich für das Unrecht zu wehren. Er muss nicht alles einfach über sich ergehen lassen und sagen: “Ja ich bin geistig eingestellt, ich lasse mir das einfach gefallen, ich sage nichts.” Das kann auch seine Grenzen haben.
Man kann oder soll, sagen wir – bei nichtigen Dingen – so denken: “Das geht vorüber, das berührt mich nicht.” Sind es aber bedeutungsvolle Angelegenheiten und geschieht einem wirklich Unrecht, darf man sich wehren und seine Meinung sagen. Wehrt man sich nämlich nicht, wird in gewisser Beziehung der andere – in eurer Ausdrucksweise gesagt – immer frecher: Er erlaubt sich immer mehr.
Die göttliche Welt bannt diese Geister auch, die sich nicht in eine Ordnung fügen; sie macht es ihnen unmöglich, sich weiter zu betätigen. Sie werden abgesondert. So hat der Mensch in gewisser Hinsicht sein Recht dafür.
Doch soll es nicht wegen irgendwelchen kleinen Dingen geschehen. Es muss schon etwas Bedeutungsvolles sein. Es ist besser, wenn der Betreffende, der glaubt, ihm sei Unrecht geschehen, in sich geht und Gott bittet: “Zeig mir den rechten Weg, wie ich mich diesem Menschen gegenüber verhalten muss.” Er soll nicht spontan handeln, sondern öfters darum beten. Dann hat die geistige Welt die Möglichkeit, vielleicht das, was uneben ist, wieder eben zu machen.
Wenn man so sehr darum bittet, kann die gute Geisteswelt schlichten, was in ihrer Macht steht, und so vielleicht eine Versöhnung herbeiführen. Es kommt auch immer von Fall zu Fall darauf an. Man soll die Geisterwelt Gottes bitten: “Schafft Klarheit. Zeigt mir den Weg.” Aber man soll nicht seinen eigenen Weg selbst zeichnen und sich selbst sagen: “Das ist mein Weg”, sondern man soll ihn von der Geisteswelt Gottes zeigen lassen.
Erde, Planeten, Sterne
Hat die materielle Welt schon vor dem Geisterabfall existiert oder wurde sie erst für den Erlösungsplan geschaffen?
Josef: Nach dem Sturze hatten die Geister unendlich lange in der Finsternis zu verweilen, die bereits da war. Dann haben Gott und Christus zusammen überlegt, wie man ihnen helfen könnte, das Himmelreich wieder gewinnen zu können. Ihr könnt nicht ermessen, wie ungeheuer lange es dauerte, bis die Erde so geschaffen war, dass die Menschen heute auf ihr leben können. Sie wurde nach dem Abfall so geschaffen, wie sie ist. Aber es dauerte unermesslich lange, bis es so weit war.
Zwischendurch hatte Gott den abgefallenen Geistern andere Wege geebnet für die Wiedergutmachung. Es waren geistige Sphären, wovon erzählt wird, dass dort die ersten Menschen zusammenlebten. Jenes Paradies war nicht auf dieser Erde; es war eine geistige Sphäre. Dort aber hatten sie die Prüfungen nicht bestanden – sie hatten sich nicht bewährt. So mussten andere Möglichkeiten für eine viel langsamere Entwicklung geschaffen werden, die mit der Zeit gewiss zum Erfolg führt. Und das ist euer Leben hier auf dieser Welt.
Man spricht heute (im Jahre 1953) so viel von der Möglichkeit einer direkten Verbindung der Menschen zu unseren nächsten Himmelskörpern. Besteht dazu Aussicht, dass die Menschheit dies erreichen könnte?
Josef: Das kann ich euch nicht im Detail sagen. Wenn Gott es will, kann es sein, doch dann kommt es sehr auf die Entwicklung der ganzen Menschheit an. Die Erde hat ja an und für sich diesen besonderen Hauch, wie ich erwähnte, der auch jeden Menschen umschliesst. Auch ist der Mensch in so verdichteter Form, dass, wenn er aus diesem Bereich heraus in andere Verhältnisse hineinkäme, er dort nicht ohne Weiteres leben kann. So müssten die Menschen so weit kommen, dass sie eine Möglichkeit finden, dieses Hindernis zwischen einer Welt und der andern zu überwinden [vgl. Mondlandung vom 20./21. Juli 1969]. Denn da der Hauch der anderen Welten ganz anders ist, kann sich sein Körper dem Hauche eines anderen Gestirns nicht anpassen. Er könnte dort nicht leben. Er gehört in seinen Bereich. Hier kann er wirken und leben.
Ob der Mensch je Mittel und Wege finden wird, diese Schwierigkeiten zu überbrücken, kann ich jetzt gerade [1953] nicht erkennen. Ich kann nur diese verschiedenen Schwingungen und all das separat Gezeichnete von einer Welt zur andern erkennen. Wenn diese Schwingungen nicht zusammenpassen, nicht harmonieren, wird keine solche Verbindung stattfinden können. Der Mensch wird von den Schwingungen nicht mehr getragen werden, wenn er seinen Punkt verlässt.
Ist es euch Geistern möglich, zu erkennen und zu sagen, wie die Gestirne sich gegenseitig beeinflussen, da sie unseres Wissens alle ihre bestimmten Bahnen gehen?
Josef: Wir sehen alles – im Grossen wie im Kleinen – von einem wunderbaren Hauch umgeben, wie ich es nennen möchte. So wie auch der Mensch für sich wieder von einem solch wunderbaren Hauch Gottes umgeben ist. Ein feiner, dünner Nebel liegt da. In diesem Hauch um euch sind eure Gedanken enthalten. Was man aufnimmt, bleibt, und immer Neues schichtet sich auf. Neue Eindrücke, neue Gedanken und Erlebnisse kommen immer wieder hinzu. Es ist genug Platz. Nichts vergeht. Jeder Gedanke, jedes Wort bleibt. Unaufhörlich kommt diese Kraft hinzu und wartet nur darauf, Neues festzuhalten.
So wirkt auch dieser Hauch bei den Himmelskörpern wie ein Magnet. Jeder Himmelskörper hat seinen bestimmten Hauch, seine bestimmte Kraft und verbindet sich dadurch mit der Erde wie auch mit anderen Himmelskörpern und Sonnensystemen. Damit diese allseitige Verbindung aufrechterhalten bleibt, braucht es alle diese Fäden – diesen Hauch Gottes. Sie ergänzen sich auf verschiedene Weise, bilden ein Ganzes und halten sich gegenseitig fest.
Damit dieser ganze Aufbau wieder verändert oder gewandelt werden könnte, müsste Gott selbst eingreifen. Die Menschen versuchen so sehr, die Distanzen der Sterne in Lichtjahren zu berechnen. Doch sie kommen nie zum Ziel. Sie erkennen nicht, wie das alles in Wirklichkeit fest zusammengehalten wird von diesem Band oder Hauch. Er ist so fein und zart, aber so unzerreissbar und zäh.
Leben auf dem Planeten Mars – ähnlich wie hier auf der Erde – auch Tiere, Pflanzen und Menschen?
Josef: Die Erde ist der einzige Ort, wo Menschen in dieser materiellen Gestalt leben. Auf den verschiedenen Planeten sind aber Geister, die in die verschiedensten Entwicklungsstufen eingeteilt sind. Allein diese Erde wurde geschaffen für den Menschen, und Christus lebte auf dieser Erde, um die Menschen zu erlösen. In der Weise – in materieller Form – gibt es nur auf dieser Erde Menschen.
Du hast auf die Genauigkeit der Geburtsstunde hingewiesen. Nun sind ja diese Planetenkräfte von Fall zu Fall immer wieder von anderer Art.
Josef: Wenn der Lebensplan des Menschen bestimmt ist, kommt es so sehr auf den Menschen selbst an, was er mit dem macht, was man ihm auf den Weg gegeben hat. Das ist sehr wichtig. Es kommt ganz auf den Willen des Menschen an. Wenn gesagt wird, dass der Betreffende auf jene vorbestimmte Bahn geführt wird, so wird einmal von diesen Planeten oder von diesen geistigen Kräften eine ganz bestimmte Strahlung auf ihn einwirken. Sie wird sein ganzes Wesen zeichnen und somit auch sein Leben. Der Mensch selbst bleibt jedoch der Lenker seines Schicksals; er kann es abwenden, wenn er gut überlegt, wenn er klug ist. Vergesst nicht, dass es beim Menschen unabänderliche Schicksale gibt, die sich unbedingt erfüllen werden; aber der grösste Teil dieser Schicksale ist so, dass der Mensch selbst sie entweder verschärfen oder entschärfen kann.
Können die guten Geistwesen auch andere Planeten besuchen?
Josef: Ja, wenn es ihnen erlaubt ist, dorthin zu gehen. Denn im Allgemeinen haben sie in ihren Sphären zu leben, denen sie zugeteilt sind. Es kommt ganz auf die geistige Entwicklung an, ob ein Geistwesen an seine geistige Sphäre gebunden ist und nur seinen ihm zugewiesenen Platz zur Verfügung hat. Je nach der geistigen Entwicklung und seinen Aufgaben kann es durch diese verschiedenen Welten und Sphären gehen – eben dann, wenn es darin seine Aufgaben erfüllt.
Ich denke an die für unsere Begriffe unermesslichen Entfernungen in der Sternenwelt, die doch ein Geist mit transzendentaler Geschwindigkeit zurücklegen muss.
Josef: Diese Entfernungen erscheinen nur euch als eine solche Unendlichkeit, doch für das geistige Auge ist dem nicht so. Die Verhältnisse sind ganz anders, und es geht in einer riesigen Schnelligkeit. Es ist alles so leicht. Alles ist in Schwingung und geht so rasch vor sich, wovon ihr euch keine Vorstellung machen könnt, denn ihr selbst spürt nur eure Schwere, euren schweren Körper. Diese Schwere werdet ihr der Erde wieder zurückgeben. Je leichter und schöner eure Seele ist, je schneller und schöner geht sie in die geistige Welt ein und wandert durch die Sphären. So wird sie eben als unbelastetes, helles, lichtes Wesen schneller durch diese Sphären ziehen, als wenn noch so viel Schweres und Düsteres an ihr haftet, was sie ständig in die Tiefe niederzieht.
Tiere, Natur, Evolution
Hat das Tier nebst einer Seele auch einen Geistfunken wie der Mensch?
Josef: Ja natürlich hat das Tier einen geistigen Funken. Es ist das, was Gott dem Leib zur Lebendigkeit geschenkt hat. Es ist wieder eine Angelegenheit für sich, in was für ein Kleid dieser Funke gegeben wird. Es ist so, wie der Apostel Paulus sagt: “Verschieden ist der Leib des Tieres, der Pflanze, des Menschen” (1. Kor. 15, 39). Hier handelt es sich um die Entwicklung, um den geistigen Aufstieg, von dem ich schon so oft gesprochen habe: von diesem Auswechseln der Leiber, von diesem Eingreifen Gottes im geistigen Aufstieg eines Wesens.
Was geschieht mit den Seelen edler Haustiere nach ihrem Tode, mit denen wir verbunden waren?
Josef: Jede Tierseele findet je nach ihrer Gattung zu ihrer Familie zurück, und von dort entwickelt sie sich wieder weiter. Wenn ein Mensch einem Tier viel Liebe gegeben hat, so war dies seine Pflicht; er hat damit etwas Göttliches getan. Dass man diese Haustiere liebt und pflegt, das ist des Menschen Pflicht. Für diese Wesen, die so von unten aufsteigen, soll es ein Glück und eine Freude sein, in eine solche Zeit hineingeboren zu werden, wo liebende Menschen sie umgeben und ihnen durch ihre Liebe auch zum geistigen Aufstieg verhelfen.
Beim Menschen ist der Sinn des Leidens erkennbar. Aber wie verhält es sich beim Tier?
Josef: Es ist schwer, diese Frage für jeden verständlich genug zu beantworten. Dem Menschen ist das Tier untertan, es steht in seiner Gewalt. Wenn er aber das Tier quält, verstösst er gegen das göttliche Gesetz; er belastet sich und hat dies wiedergutzumachen. Er wird dafür bestraft, wenn er in die geistige Welt kommt, wie für ein anderes schweres Vergehen.
An und für sich muss aber das Tier eben denselben Entwicklungsweg gehen, der ihm bestimmt ist. Der Mensch aber sollte wissen, dass auch das Tier eine Seele hat und Schmerz und Leid empfindet. Tiere sind dem Menschen anvertrautes Gut, und Gottes Diener werden ihn einst zur Rechenschaft ziehen; denn auf die Misshandlung von Tieren steht Strafe wie auf die Misshandlung von Menschen.
Muss normalerweise jedes Wesen alle materiellen Daseinsformen durchwandern, bis es Mensch wird, das heisst, alle vorkommenden Pflanzen- und Tiergattungen?
Wenn es dazu bestimmt wurde, seine Entwicklung auf dieser Erde durchzulaufen, dann ja – und selbstverständlich, wenn es ein gefallener Engel ist.
Haben Erdbeben und andere Naturkatastrophen ihre einzige Ursache im naturgesetzlichen Ablauf des Prozesses der Erdentwicklung?
Josef: Liebe Seele, ich möchte sagen, dass diese Erdbeben und Katastrophen teilweise zur Auslösung kommen müssen; es ist festgezeichnet im Plane Gottes, dass diese oder jene Ereignisse geschehen werden. Es können sich aber [im Erdinnern] auch Gase bilden, was – ich möchte betonen – nicht im Besonderen eine Festlegung Gottes in seinem Plane ist, doch werden dann diese Ereignisse keine Unglücke oder Katastrophen für die Menschen bringen.
Die katastrophalen Ereignisse dieser irdischen Welt sind dem göttlichen Plane unterstellt. Es mag für die Menschen grausam sein, wenn solche Katastrophen über die irdische Welt hereinbrechen. Aber von der göttlichen Welt wird das anders beurteilt. Denn wenn Gott seinen Engeln befiehlt, solches zu vollziehen, so hat es seinen Grund und dient dazu, jene betroffenen Menschen auf einem schnelleren Wege der Höherentwicklung zuzuführen, indem sie von der irdischen Welt abtreten müssen. Diese Seelen haben dann [nach einer geistigen Schulung im Jenseits] wieder zur Erde zu gehen, wo sie im nächsten Leben schneller weiterschreiten können. Denn mit jedem Leben wird doch den Menschen die Möglichkeit gegeben, Gott näher zu gehen.
In der Natur ist ein fortwährender Kampf ums Dasein. Viele Menschen stossen sich eigentlich daran. Was sagt denn die geistige Welt dazu?
Josef: Wisst ihr, liebe Freunde, für euch – nicht für alle – ist das schwer zu verstehen. Es ist eben der Kampf um den geistigen Fortschritt, um das Höhersteigen. Es ist notwendig, dass das Leben der Tiere oder auch von Menschen – so grausam es für euch klingt – sehr oft nur von kurzer Dauer sein darf. Sie müssen sterben, um geistig aufzusteigen, um wieder neu geboren zu werden. Nur auf diesem Wege kann die Entwicklung schneller gehen. Wenn dieser Kampf nicht wäre, würde die Entwicklung langsamer vor sich gehen.
Dazu möchte ich aber noch sagen: Es ist dem Menschen verboten, Menschen und Tiere zu quälen; tut er es, belastet er sich.
Gesellschaft & Weltgeschehen
Wissenschaft
Politik
Krieg
Bibel, Christentum
Altes Testament
Es sind oft streng religiöse Menschen, die jede Verbindung mit der Jenseitswelt verurteilen mit dem Argument: “In der Bibel steht, man soll die Toten nicht befragen” (5. Mos. 18, 11–12).
Josef: Die Toten? Nein, ein wahrer Geistgläubiger will von den Toten, die hier gemeint sind, nichts wissen. Aber man soll heute endlich verstehen können, wer mit diesen Toten, von denen in der Bibel steht, gemeint ist – dass darunter etwas ganz anderes zu verstehen ist als die verstorbenen Menschen.
Wenn es heisst: “Du sollst nicht die Toten befragen”, so sind damit die unseligen Geister gemeint, jene, die für Gott tot sind. So wäre es heute doch wohl an der Zeit, solche Bibelworte für das Verständnis des heutigen Menschen in seine Sprache zu übersetzen und so auszudrücken, wie es wirklich gemeint ist: Es sind jene Geistwesen gemeint, von denen Gott sich selbst abgewandt hat, weil sie Luzifers Handlanger und Werkzeuge sind. Diese soll man nicht befragen. Es gibt nicht nur den irdischen, es gibt auch den geistigen Tod. Aber man könnte es heute doch einfacher sagen. Anstatt “die Toten” sollte es heissen: “Man soll unselige Geister nicht befragen.” Und das tut ein Geistgläubiger auch nicht.
Neues Testament
Im Neuen Testament heisst es: “Und es werden sich noch viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen” (Mat. 24, 11). Woran erkennt man die falschen Propheten?
Josef: Hierzu könnte man auch bestimmte Menschen rechnen, die eine besondere Glaubenslehre verbreiten. Betrachtet einmal diese vielen Sekten, diese vielen Gemeinschaften. Solltest du einmal Gelegenheit haben, von einer Gemeinschaft zur andern zu gehen und mitzuhören, so könntest du mit deinen Erkenntnissen, die du dir erworben hast, erkennen, welches falsche Propheten sind.
Wenn du in eine solche Gemeinschaft gehst, und es wird dort von Liebe gesprochen – die Liebe ist ja in jeder Religion enthalten –, wenn aber nur davon gesprochen und dir diese Liebe nicht gegeben wird, sei es von dem Propheten oder sei es von den Menschen, die sich diesem Propheten anschliessen, dann bist du nicht am richtigen Ort.
Wenn man dich schon zu materiellen Beiträgen zwingt, wenn du dich schon zu verpflichten hast, es sozusagen mit dem Stifte, mit der Feder bestätigen musst, dass du jener Gemeinschaft angehörst, dann bist du auch nicht am richtigen Ort. Denn die Kirche Gottes muss in der Seele eines jeden Menschen sein. Der Mensch muss solche Erkenntnisse erwerben, dass er erkennt, dass die wahre Kirche Gottes in ihm selbst ist, dass er aus dieser Kirche in seinem Innern schöpfen kann, dass er glücklich sein kann mit sich in seiner Kirche. Wenn du an einen Ort geführt wirst, und jene Propheten schimpfen und spotten über Menschen, die nicht gleicher Meinung sind, dann bist du auch nicht am richtigen Ort.
Nun, liebe Seele, ich brauche darüber keine weiteren Worte mehr zu geben, denn so sehr erkläre ich immer die Toleranz in allen Dingen. Sie ist auch zu finden in einer reinen Gemeinschaft, wo die Worte Gottes verbreitet werden und den Menschen Trost und Liebe gespendet wird. Wenn von euch etwas Unrechtes getan wurde, das nicht dem entspricht, was ich euch lehre, so wisst ihr genau: Ich tadle oder verurteile die Menschen nicht, sondern ich spreche ihnen Mut zu, ich versuche, sie zu trösten. Ich versuche sie auf die richtigen Wege zu führen, ich versuche allen Freunden die Freude am Leben einzuprägen, und dies kann nur geschehen, wenn der Mensch wirklich seine Aufgabe erkennt und Freude daran hat, in diesem Heilsplan Gottes zu leben, und er mithelfen kann, ihn zu erfüllen.
Was bedeutet das Christuswort: “Wer mich sieht, sieht den Vater?” (Joh. 12, 45).
Josef: Damit meinte Christus seine Einheit mit dem Vater – in der Liebe, in der Wahrheit; dass die Wahrheit bei ihm ist, wie sie beim Vater ist.
Wie sind die Bibelworte zu verstehen: “Himmel und Erde werden vergehen” (Mat. 24, 35) und “Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde”? (Off. 21, 1).
Josef: Ihnen liegen die göttlichen Gesetze zugrunde, nach welchen es Gott wohl möglich wäre, die Welt zusammenstürzen zu lassen. Aber die geistigen Gesetze würden dieselben bleiben. Das heisst: Wenn nun alle Menschen von dieser Welt abtreten würden, hätten die geistigen Gesetze in der jenseitigen Welt weiterhin Bestand. Nach diesen Gesetzen würde über sie gerichtet. Es würde also nichts verändert werden. So ist es gemeint. Eher würde die ganze Welt zusammenstürzen, als dass die Menschheit diese Gesetze auflösen könnte. Doch hat die Gotteswelt alles Interesse daran, dass diese Welt, in der der Mensch leben und aufwärtssteigen muss, erhalten bleibt. Sie wird alles tun, damit der Menschheit nicht ein solch gewaltiges Unheil widerfährt.
Die Geisterwelt Gottes wirkt dementsprechend bei den massgebenden Menschen. Es können solche sein, die nicht religiös fühlen, die misstrauisch sind und schlechte Absichten hegen. Auch über ihnen wacht die Gotteswelt, um sie zu lenken. Denn der ganze Entwicklungsplan der Erde mit all ihren Geschöpfen ist im Hause Gottes offenbar. Darin sind jene Stationen gezeichnet, die Hunderte und Aberhunderte von Jahren von einer Entwicklung zur anderen umfassen. Dabei ist dem Menschen grosse Freiheit gegeben. Doch wird die Gotteswelt darüber wachen, dass die Menschheit von diesen Linien ihrer Entwicklung nicht abkommt.
So wird nichts in so grossem Ausmasse geschehen dürfen auf dieser Welt, ohne dass Gott seine Zustimmung dazu geben würde. Das will heissen: Wenn heute die Menschen Mittel besitzen, womit sie die ganze Menschheit vernichten könnten, so hängt diese Möglichkeit doch vom Willen Gottes ab. Das letzte Wort liegt nicht bei den Menschen, sondern bei Gott. Wie aber, wenn Gott sich sagen würde: „Ja, wenn der Mensch in seinem Denken so tief gefallen ist, so ist es besser für ihn, er tritt ab von dieser Welt, und wir werden andere Möglichkeiten der Entwicklung für ihn finden.”
Ein solcher Entschluss wird aber nur dann von Gott ausgehen, wenn er im Voraus erkennt, dass bessere Möglichkeiten vorhanden sind. Und nach unserer Ansicht weiss es Gott wunderbar zu lenken. Denn wir Geister gehen im Auftrage Gottes aus, um den Frieden unter den Menschen zu verbreiten und sie von ihren verwerflichen Gedanken abzubringen. Und es sind ganz hohe Fürsten des Himmels unter den Menschen an der Arbeit, die sie in gewissem Sinne beraten. Denn diese Vorschläge und Gegenvorschläge, werden auch von der göttlichen Welt aus überwacht. Luzifer darf nicht die alleinige Macht über die Menschheit erringen; er hätte nur die grösste Freude an ihrem Verderben.
Es stehen gewissen Menschen Fürsten des Himmels mit gewaltigen Kräften zur Seite, und diese inspirieren und führen sie. Doch nur langsam ist dieses Einvernehmen unter den Menschen zu bewerkstelligen. Ihr möchtet es so gerne sehen, dass sich alle zum Frieden bekennen würden und dass vereinbart werden könnte, diese schrecklichen Waffen nicht zu benutzen.
Es ist aber so, dass der Geist des Hasses, des Neides, der Unzufriedenheit, der Falschheit, der Lüge so weit verbreitet ist. Und diese Geister der Finsternis treten nicht ab von dieser Welt. So haben sie immer wieder die Möglichkeit, das Feuer zu schüren. Doch die höheren Boten Gottes bewachen das Tun dieser niederen Wesen genau und lenken alles so langsam, ganz langsam in die richtige Bahn hinein.
Wenn man nach Bibelstellen gefragt wird, die die Wiedergeburt belegen – welche ist die wichtigste?
Josef: Es ist schwer, Menschen, die nicht an eine Wiedergeburt glauben wollen, auf diese Weise [anhand der Bibel] davon zu überzeugen. Ihr kennt ja die Worte, die Christus zum ungläubigen Thomas sagte. Diese Menschen verlangen nach Beweisen. Es können dem einen oder andern auch Beweise gegeben werden; aber wenn sie nicht glauben können, genügen ihnen die gegebenen Beweise nie. Denn wer [auch der Bibel] nicht glauben will, hat ja wieder die Möglichkeit, die betreffenden Bibelstellen anzufechten; er sagt dann einfach, es könnte eine falsche Übersetzung sein, oder er sagt, es könnte so und anders heissen. Der Mensch muss also den Willen haben, daran zu glauben. Um das zu können, muss er, wenn er es nicht schon von innen heraus bejahen kann, selbst um Erleuchtung bitten und eben diese Meditation pflegen.
Der Mensch sollte doch, wenn er vom Erlösungsplan weiss, sich darüber klar werden, dass ein Erdenleben allein nicht genügen kann, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Freilich kann man sich auch in der jenseitigen Welt emporarbeiten, aber die Möglichkeiten dafür sind viel geringer als hier. Wer in die himmlische Heimat zurückwill, muss rein und geläutert sein. Er muss durch viele Prüfungen und Enttäuschungen hindurchgegangen sein, denn dadurch wird der Geist gereift und für das höhere Leben gestärkt.
Wohl kann man die Menschen auf Bibelstellen verweisen, beispielsweise als die Jünger Jesus auf seine Frage, für wen ihn die Leute denn halten würden, antworteten: “Etliche sagen, du seist der wiedergeborene Elia” (Mat. 16, 13–14). Es gibt verschiedene solcher Bibelstellen, doch möchte ich nicht im Besonderen weiter darauf hinweisen. Wenn der Mensch nicht glauben will, hat er so viele Ausreden. Hier gibt es nur eines: Suche und du wirst finden.
Geschichte des Christentums
Paulus schreibt im 1. Korintherbrief (Kap. 14), die Gemeinde solle sich eifrig um Geister bemühen. Daraus geht doch hervor, dass in den urchristlichen Gemeinden aufgrund medialer Durchgaben Gottesdienste gehalten wurden?
Josef: Ja, die ersten Christen waren doch noch so verbunden mit der Geisterwelt Gottes. In den Versammlungen der ersten Christen hatte ein besonderer [medialer] Mensch in gleicher Weise gesprochen wie hier; denn wie am Pfingstfest bei den Aposteln ein Geist Gottes über jeden einzelnen herniederkam, geschah es auch in den Gemeinschaften der ersten Christen, dass ein Geist Gottes auf einen medialen Menschen kam, durch ihn sprach und seine Belehrungen und Anweisungen gab. Es wurden aber verschiedene Diener oder Helfer von der geistigen Welt auserwählt, und in gleicher Weise wurde Besitz genommen von diesen Menschen, das heisst also, heilige Geister sind herniedergekommen zu ihnen und haben das Wort Gottes durch sie gesprochen. Auf diese Weise bestimmte jeweils ein Geist Gottes einen Leiter für die Gemeinde. Sie nannten ihn Bischof [von griech. epískopos, Aufseher, Hüter, Wächter]. Dieser Bischof hatte besondere Rechte. Ihm wurde Geld und Gut anvertraut, auf dass er es den Armen und Bedürftigen weitergebe. Damals wurde von der geistigen Welt aus bestimmt, welcher Mensch dieses Amt als Bischof zu erfüllen hatte.
Der Bischof hatte der Gemeinde auch mit Rat und Tat beizustehen; denn wenn ein Mensch eine Schuld auf sich geladen hatte, durfte er zum Bischof gehen, um ihm seine Sünden zu bekennen. Der Bischof gab ihm dann zu erkennen, wie er seine Schuld gutzumachen und was er zu verbessern habe. Der Bischof aber, der nun sein Amt empfangen hatte durch einen Geist Gottes, konnte auch erkennen, ob ein Mensch wirklich reuig war. Doch nicht als Mensch konnte er die Sünden vergeben – der Geist Gottes sprach, ob einem Menschen die Sünden vergeben waren oder nicht. Und erhalten blieben sie ihnen, wenn sie nur lässig, gleichgültig, ohne tiefe Reue ihre Schuld bekannten. Solchen Menschen wurden die Sünden nicht vergeben. So also wollen diese Worte verstanden sein: “Wem ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen, und wem ihr sie behalten werdet, denen sind sie behalten” (Joh. 20, 23). Aber nicht der Mensch kann Sünden vergeben!
Liebe Freunde, ich möchte den Unterschied der Kirche Christi von dazumal und heute euch vor Augen führen. Wo sind heute die Bischöfe, die Priester, die von der geistigen Welt aus bestimmt wurden? Und wo spricht ein Geist Gottes durch sie? Und wie kann heute ein Mensch überzeugt sein, dass bei einem Priester ein Geist Gottes ist und einem die Sünden durch ihn vergeben sind? Meine lieben Freunde, es gibt nicht nur einen Geist Gottes, es gibt unendlich viele Geister Gottes. Christus ist der höchste und schönste Geist nebst Gott. Michael ist ein Geist Gottes, Gabriel ist ein Geist Gottes, Raphael ist ein Geist Gottes. Und Luzifer war auch einmal ein treuer Geist Gottes. Heute noch, wie dazumal, sind die Geister Gottes bereit, wieder zu kommen, doch muss der Mensch das Seinige dazu tun.
War es nicht die kirchliche Lehre, die das Wissen um die Reinkarnation unterdrückt hat? Denn es gab ja Kirchenväter – wie beispielsweise Origenes im dritten Jahrhundert –, die die Wiedergeburt noch vertreten hatten.
Josef: Ja, jene andern hatten eine bedeutende Stellung und behaupteten sie. Dadurch hatten sie die Möglichkeit, ihre persönliche Meinung in der Weise gewaltsam durchzusetzen. So sind diese Irrtümer verbreitet worden.
Die Menschen müssen sich einmal im Klaren sein beziehungsweise darüber unterrichtet werden, dass Christus ihnen den Weg ins Gotteshaus geebnet hat – dass aber jeder das, was er in seinem Leben falsch getan hat, wiedergutzumachen hat. Er ist also nicht mehr fern von Gott, er ist kein Knecht Gottes mehr, wie er es vor der Erlösung durch Christus war, sondern Christus hat der Menschheit die Kindschaft Gottes wiedergebracht. Das Kind kann wieder heim zum Vater, und das ist durch Christus geschehen.
Kirche, Religionen
Frage von Pfarrer Max Huber: Lieber Josef, ich war überrascht und beglückt zugleich, als du einmal gesagt hast, dass ein besonderes Eingreifen Gottes in einigen Jahrzehnten stattfinden werde. Nun habe ich im letzten Jahr mehrfach in der Predigt gesagt, dass nach dem Niedergang der Kirchen, der gegenwärtig schon begonnen hat, im nächsten Jahrhundert eine neue Zeit, ein Neuanfang, kommen werde, den die heutigen jungen Leute wahrscheinlich erleben werden, wir vielleicht aber nicht mehr. Handelt es sich dabei um dasselbe, was auch du damals gemeint hast?
Josef: Ja, das ist alles auf derselben Ebene. Das muss und wird so kommen. Heute ist einmal der Anfang. „Heute tut sich was“, wie ihr sagt. Es muss ein Anfang geschaffen werden, und dieser Anlauf zu diesem neuen Leben geht nicht so schnell vor sich. Es muss zuerst ein Anfang gemacht werden, und so langsam wird sich dies durcharbeiten. Aber es wird auch noch viele grosse Enttäuschungen geben. Man soll ja nicht glauben, diese Bahnen zu den geistigen Höhen würden ohne Weiteres geebnet werden. Nein, ihr kennt ja den Einfluss der niederen Geisteswelt, die bereit ist, all das aufzuhalten.
Es wäre ja eine wunderbare geistige Entwicklung, dass nach so kurzer Zeit nach Christi Leben und Tod alles schon erfüllt werden könnte. Ihr wisst aus meinen früheren Erklärungen: Das dauert noch Millionen von Jahren. Und davon ist ja auch das religiöse Leben und die Einstellung zum religiösen Leben abhängig.
Natürlich wird es geschehen, dass die Menschen auf den wahren Weg geführt werden können und dass eben diese Kirchen nicht mehr die Möglichkeit haben, so mächtig zu sein und ihr Machtwort zu sprechen, sondern dass es aus einem inneren Verlangen des Menschen herauskommt und er seinen eigenen Weg geht, den er gut findet. Dies gehört eben zum Anfang. Die Menschen werden sich mit der Zeit mit dem Gedanken vertraut machen müssen, dass das, was ihnen in den vielen Hunderten von Jahren gelehrt wurde, zum grossen Teil eine Irreführung war, und dass man die Bibel auf eine wunderbare und einfache Weise verstehen kann. Dafür braucht es eine gewisse Kraft vom Menschen, sich durchzusetzen und sich im Glauben zu bewähren. Diese Zeit ist im Anrollen. Neues kann nur kommen und sich entfalten, wenn das Alte vernichtet wird.
In unserer Zeit entfernen sich viele – auch besonders intellektuell ausgerichtete Menschen – von der Kirche und der Religion und wollen alles Religiöse nicht wahrhaben. Besteht nicht die Gefahr, dass durch diese Lücke ein zunehmender moralischer und geistiger Zerfall entsteht?
Josef: Nein. Es wurde euch schon gesagt: Wenn ein Mensch tiefen Glaubens ist und zu tiefem Glauben kommt, dann wird sein Geist erleuchtet. Ihr müsst euch immer vorstellen: Die geistige Welt hinter dem Menschen spielt eine bedeutende Rolle. Die sogenannten intellektuellen Menschen können dies nicht fassen – das mag eine gewisse Zeit hinweg der Fall sein. Aber alle Menschen – ob sie nun, intelligent oder weniger intelligent, intellektuell oder weniger intellektuell eingestellt sind – können von einem Geist Gottes erleuchtet werden, damit sie zu höheren Erkenntnissen kommen.
Lieber Josef, in einer bestimmten Kirche wurde darüber gesprochen, ob das Zölibat abgeändert oder aufgehoben werden soll. Ist das eine Frage, die die geistige Welt auch interessiert?
Josef: Ja, es interessiert die geistige Welt auch. Denn im Grunde genommen sind die Priester der katholischen Kirche zur Ehelosigkeit gezwungen worden. Dies war jedoch früher nicht so.
Und da möchte ich doch eines sagen: Einerseits ist man so streng auf die Bibelstellen bedacht – man zitiert genau die Bibelstellen. Aber warum zitiert man dann nicht jene Bibelstelle, in der von einem Bischof die Rede ist? Damals hatte dieser Name jedoch einen anderen Sinn als heute; seine Funktion entsprach nicht der eines heutigen Bischofs, der sozusagen über einer Anzahl von Priestern steht. (vgl. Tit. 1, 5–9; 1. Tim. 3, 1–7).
Bei den ersten Christen wurde von der geistigen Welt eine Person dazu auserwählt, um sich um die Gemeindeglieder zu kümmern, und diese Person war gewöhnlich auch medial veranlagt. Dann konnten die Sorgen, die es dazumal genauso gab wie heute, diesem betreffenden Menschen eben vorgetragen werden; und dieser Betreffende sollte dann geistig – da er ja medial war – so inspiriert sein, dass er dem Menschen, der zu ihm kam und Rat holte, eben die richtige Antwort geben konnte. Er sollte ihn, wenn es notwendig war, zurechtweisen, er sollte ihn trösten. Er hatte auch, wenn er hungern musste, dafür zu sorgen, dass er eben auch seine Unterkunft und sein Brot hatte. Das waren damals die Verhältnisse. Es sollte einer sich um den Einzelnen, der in einer Notlage war, kümmern, aber er sollte auch die Aufsicht über die ganze Gemeinde haben. So stand über einer Gemeinschaft, wie ihr sie seid, eben auch ein medialer Mensch von der geistigen Welt, der sich nun seiner Gemeinschaft annehmen musste.
Nun hiess es eben ja gerade damals: Es sollte jemand, der ein solches Amt ausübt, eines – wie es in jener Sprache hiess – eines Weibes Mann sein, ehrlich, zuverlässig, gastfreundlich, kein Zecher, kein Prahler und so fort. Wenn er eine Familie hat, muss er in der Familie den Beweis erbringen, dass er seine Familie führen kann, dass er für sie sorgen kann, dass er Verständnis für die Not und Probleme hat, dass er sich mit ihr auseinandersetzt und die Familie führt. Wenn er ein gerechter Mann ist, dann soll er auch die Fähigkeit haben, die Gemeinschaft zu verstehen, ihr zu helfen, ihre Probleme zu lösen und auf diese Art und Weise eben die Gemeinschaft zu führen. Aber dies kann er ja in erster Linie zum Ausdruck bringen, indem er selbst seine eigene Familie führt und leitet, für sie sorgen kann und die Probleme löst. Dann hat er ein grösseres Verständnis für eine grössere Gemeinschaft und für die Not der einzelnen Menschen, die sich in der Gemeinde ergeben. So war es damals gemeint.
Warum ist denn die Kirche dazu gekommen, die Ehe abzuschaffen? Das könnt ihr euch ja leicht vorstellen. Einmal wollten sie die Menschen ganz in ihrem Besitz haben, unter ihrem Zwang, unter der Herrschaft jener Kirche und jener Gewalten. Und dann wollten sie auch das Geld. Denn damals – gerade in der frühen Zeit oder in den ersten Jahrhunderten, möchte ich sagen – wurde dieses Priesteramt sehr oft von Adeligen eingenommen. Und die Kirche war sehr auf das Vermögen jener bedacht. So konnten sie ihr Vermögen eben einkassieren. Hätte aber eine Familie bestanden, wären sie nicht zu diesen Vermögen gekommen. Auf eine schlaue Art und Weise ist es eben – wie vieles andere – getan worden.
Dann ging es auch so mit den Nonnen?
Josef: Ja.
Wenn im Jenseits nur das Christentum herrscht, wie steht es dann um die anderen Religionen?
Josef: Die Seelen dieser anderen Religionen werden dementsprechend unterrichtet werden. Denn jene Religionsstifter, zu denen sie aufblicken und die sie als Meister betrachten, sind die Vorläufer von Christus. In der geistigen Welt werden sie zu dieser Erkenntnis kommen. Sie werden in Schulungen geführt, es wird ihnen der Heils- und Erlösungsplan erläutert, und sie werden dann dieselbe Lehre auch annehmen. Denn es ist so, wie Christus gesagt hat: “Nur durch mich werdet ihr zum himmlischen Vater kommen.” (Joh. 14, 6). Alle diese anderen sind im gewissen Sinne die Stützen und die Vorläufer Christi.
Was hältst du vom Fasten, von Schweigeübungen und dergleichen, die in gewissen Lehren zur geistigen Höherentwicklung empfohlen werden?
Josef: Früher hatten die Menschen gefastet, da waren die Verhältnisse ganz anders. Damals konnten sie nach dem Fasten die Verbindung mit Gott besser finden. Heute sind die Verhältnisse aber so: Wenn sich der Mensch höherentwickeln will, so muss er von sich aus so viel Gutes tun, geben und wirken im Guten, dass ihm das mehr Verdienst einbringt als Fasten. Was nützt es einem Menschen heute, der für sich selber einfach fastet, ohne einen Gottesstrahl für den Nächsten abzugeben? Er erfüllt damit keine Aufgabe. Nur jenes dient zur Höherentwicklung, was dem Nächsten dient, was der Allgemeinheit dient.
Schweigen ist immer gut, da, wo man einen Menschen verletzen könnte mit vielem Sprechen. Wenn der Mensch im richtigen Moment schweigen kann, nützt ihm das mehr, als wenn er tagelang nicht spricht.
Gebet & Glaube
Worin liegt der Nutzen des Gebets?
Josef: Wir ermahnen die Menschen immer wieder zum Gebet; sie sollen darin nicht nachlassen. Der Mensch muss so weit kommen, dass er ohne dieses Gebet gar nicht mehr leben kann. Er muss die Kraft des Gebets spüren. Dadurch dass er oft betet, muss er befähigt werden, das Unrecht zu lassen. Er muss die Kraft bekommen, erkennen zu können, was er nicht tun darf. Diese Kraft wird ihm auch übermittelt, indem er eben das Gute tut, die Werke tut. Beten allein nützt nichts. Wenn göttliche Werke getan werden, dann ist das Gebet wirkungsvoll.
Wer einmal einen gewissen Punkt des geistigen Aufstieges erreicht hat, weiss, was er mit einem Gebet gewinnt. Deshalb wird er dies immer mehr pflegen, denn durch die Kraft, die so aus dem Gebete gewonnen wird, kann viel Unreines im Menschen vernichtet werden. Er wird gesünder an Leib und Seele. Denn die Feinheit, die er zu sich führt, hat die Kraft, das Unreine des Körpers aufzulösen. Der Mensch kann um sich ein wunderbares, herrliches Paradies erschaffen. Er zieht all diese herrlichen Fäden und all diese heilenden Kräfte in seine Nähe durch sein edles, göttliches Leben.
Darf man den Schutzgeist um etwas bitten, oder soll man immer direkt Gott darum bitten?
Josef: Wenn du dem Schutzgeist etwas zu sagen hast, darfst du es ihm sagen. Er ist der Vermittler. Du bist mit Gott verbunden, und der Schutzgeist wird die Bitten weitertragen. Er wird es da tun, wo er selbst nicht entscheiden darf und kann. Es gibt aber auch Dinge, worüber einem Schutzgeist das Recht zusteht, frei von sich aus über eine Bitte zu entscheiden. Es gibt aber Angelegenheiten, worin sich ein Schutzgeist an höhere Boten zu wenden hat, um dort den Entscheid entgegenzunehmen.
Du hast gesagt, Gott führe die Menschen nicht in Versuchung. Aber im Vaterunser steht: “Und führe uns nicht in Versuchung.”
Josef: Das ist nur ein Fehler, der durch die Übersetzungen entstanden ist. Gott führt die Menschen nicht in Versuchung, sondern es sind diese tiefen Mächte, die immer bereit sind, an den Menschen heranzudringen, um ihn in Versuchung zu führen.
Wenn der Mensch bittet: “Führe uns nicht in Versuchung”, so könnte er ebenso gut beten: “Führe uns in der Versuchung.” Denn diese Versuchungen sind Prüfungen, die Gott zulässt. Sie kommen zu den Menschen, und der Mensch muss beweisen, dass er stark und fähig ist, eine höhere Aufgabe zu lösen. Wenn der Mensch bittet: “Führe uns nicht in Versuchung”, so will er damit bitten: “Lasse diese Prüfung von uns.” Christus hat mit diesen Worten gemeint, dass Gott nicht solch grosse Prüfungen senden möge, dass er den Menschen Stärke senden und sie in den schweren Stunden der Prüfungen führen möge. Christus meinte mit diesen Worten weiter, dass Gott die Engel zu den Menschen sende, um ihnen alle Kraft zu geben, auf dass die Engel Gottes Sieger bleiben und nicht diese düsteren Wesen aus der Tiefe. Ihr sollt wissen, dass diese düsteren Mächte immer bereit sind, zu jedem Menschen zu gehen. Wenn aber der Mensch darum bittet, wird er eben gestärkt mit der Gotteskraft. Engel Gottes werden bei ihm wohnen, und so wird die Versuchung an ihm vorübergehen können. Denn wenn so viele Engel Gottes einen Menschen beschützen, getraut sich ein solch düsteres Wesen nicht oder viel weniger an diesen Menschen heran. Es wird es schon probieren, doch es wird immer wieder zurückweichen müssen. Denn die Engel Gottes können einem Menschen Schutz geben und eine grosse Macht ausüben. Sie werden um ihn eine Mauer bilden und sie so feurig machen, dass diese düsteren Wesen mit ihrer Versuchung nicht an einen solchen Menschen herankommen können.
Wirkt das gemeinschaftliche Gebet stärker als das Gebet eines Einzelnen? Wir erkennen die momentan gefährliche Weltlage (1956). Erachtest du es für notwendig, dass wir uns abendlich in Harmonie dafür zusammenfinden?
Josef: Diese Anregung wollte ich euch geben, dass ihr es tun sollt, soweit es euch möglich ist. Mit euren Gebeten unterstützt ihr die gute Geisterschar in ihrem Kampfe gegen das Böse, denn sie muss gegen die anderen den Kampf aufnehmen. Es muss so sein. Gott muss sehen, dass soundso viele Menschen Anteil nehmen am Leid jener Schwergeprüften. Wenn den Mächten der Tiefe gezeigt werden kann, dass so viele Menschen den Weg zu Gott gefunden haben und das Böse verwerfen, dann werden sich jene anderen Geister geschlagen zurückziehen.
Es wurde gesagt, dass in den frühen Morgenstunden die innige Verbindung mit der Geisterwelt besonders gut zustande komme. Sind dann noch nicht so viele weltliche Schwingungen um uns?
Josef: Ja, weil der Mensch selbst in früher Morgenstunde noch nicht so davon beeindruckt ist. Er ist noch viel freier, hat noch keinen Ärger erlebt. Er ist noch viel gelöster, er ist mit einem Fusse noch im geistigen Reich, er kann also besser davon aufnehmen. Dagegen ist es abends viel schwieriger, all diese Gedanken und Ereignisse des Tages loszuwerden, um dann in Andacht beten zu können. Für viele ist es fast eine Unmöglichkeit, zu beten, wenn sie zuvor ein geschäftliches Gespräch geführt haben. Es ist auch so, dass dieses Gebet dann nicht so kraftvoll ist. Es wäre gut, wenn der Mensch sich vorher entspannen, ausruhen und dafür sorgen würde, dass alle seine Nerven sich entspannen – dass alles an ihm ganz ruhig und gelöst ist.
Wenn man betet, wie soll man sich Gott vorstellen?
Josef: Wenn der Mensch betet und das Wort “Gott” ausspricht, dann soll er sich einen Lichtstrom vorstellen: unendliche Strahlen von allen Farben. Wenn nämlich ein Mensch wirklich andächtig betet und die Worte so spricht, dann ist er nicht imstande, sich noch weitere Bilder zu machen, sondern er selbst muss sich in diese glühende Schwingung hineinbegeben – dass er selbst gehoben wird in das Licht, dass alles eins wird mit dem Lichtstrome Gottes.
Wenn der Mensch Gott um Kraft bittet und darum, dass er alles Unreine von ihm nehme, soll er sich diese Kraft so vorstellen: als unendliche Strahlen oder Fäden. Denn die Gotteskraft ist doch überall verbreitet. Diese Farben, diese goldenen Fäden – das ist die Kraft Gottes, und in diese soll der Mensch sich heben, wenn er betet, dann hat er auch Erfolg.
Soll für die Verstorbenen gebetet werden?
Josef: Oh ja. Das Gebet für Verstorbene wirkt für sie wie Balsam. Die unseligen Geister streben nach diesem Balsam, nach diesem Gebet. Sie werden oftmals dahin gebannt, wo Menschen zusammenkommen und beten. Auf diese Weise kommt es ihnen zugute, dass sie durch dieses Gebet vorübergehend in ihren Schmerzen und ihrem Unbehagen Erleichterung finden. Sie selbst werden im Gebet Trost finden und sich auch aufmachen, um zu beten. Dementsprechend soll das Gebet mit Innigkeit ausgesprochen werden. Dann wird sich die Gotteswelt ihnen nähern und ihnen Gelegenheit geben, den Weg zu zeigen, wie sie aufsteigen können.
Es fällt auf, dass man im Jenseits eigentlich sein irdisches Leben kaum mehr begreifen kann. Andererseits weiss man nichts mehr vom geistigen Leben, wenn man hier auf Erden ist. Wie ist dies aus höherer geistiger Sicht zu verstehen?
Josef: Es ist so, dass man in dem Leben, in das man hineingeboren wird, sich von Neuem behaupten muss. Es wird doch vom Menschen erwartet, dass er einen Glauben an Gott hat und dass er nach den Gesetzen lebt. Und das ist es ja gerade: Im menschlichen Leben vermögen viele nicht zu glauben, weil sie behaupten, es fehle ihnen an Beweisen. Dabei müssen die Menschen eben durch die Entfernung von Gott von innen heraus selbst die Kraft aufbringen und ihren Glauben zum Ausdruck bringen.
Wenn nämlich der Mensch wegen dieser Entfernung nicht glauben kann, dann wird er eben keine bedeutende Stellung im Geistigen einnehmen. Er wird wohl vielleicht auf der einen Seite einen höheren Entwicklungsgrad haben, andererseits fehlt es ihm am Glauben, und dadurch, dass ihm dieser Glaube fehlt, vermag er die Höhe nicht einzunehmen, die er einnehmen könnte, hätte er den Glauben und das andere dazu.
In der jenseitigen Welt ist es klar, dass man sich Vorwürfe macht und sagt: “Man hat doch immer davon erzählt. Man hat immer vom Heilsplan Gottes und von Christus gesprochen.” In der Jenseitswelt kann man es wahrhaftig nicht verstehen, dass man als Mensch über viele Dinge nicht mehr nachgedacht hat. Denn zum Beispiel ist das Werden eines Menschen doch ein Wunder. Die Menschen sollten doch über dieses Werden mehr nachdenken. Aber nicht nur über das Werden, auch über das Vergehen, über das Sterben des Menschen und das Sterben in der Natur überhaupt. Wenn sie sich mehr anstrengen, mehr denken würden, dann müssten sie eben auf das Göttliche kommen.
Nun sollen die Menschen aus dieser Entfernung glauben... In der göttlichen Welt ist man dann enttäuscht, wenn man trotz der vielen schönen Beweise und Wunder nicht glauben konnte, weil man es nicht annehmen wollte und es angeblich keinen Beweis gab.
Träume & Schlafleben
Was geschieht mit unserem Geist, wenn wir schlafen – wo befindet er sich in dieser Zeit?
Josef: Lieber Freund, euer Geist ist mit eurem Körper verbunden durch eine feine Schnur. Man könnte sie vergleichen mit einer Spirale. Der Geist ist immer verbunden mit diesem Körper, und diese Spirale ist so unendlich elastisch, dass sie überall hingezogen werden kann, das heisst nur in die begrenzten Orte, wohin der Geist gehen darf. Wenn ihr im Schlafe erschreckt werdet, so wird diese Spirale in einer unendlichen Geschwindigkeit wieder zurückgeschnellt. Das Bewusstsein kommt dann schnell wieder – manchmal geht es länger, manchmal wisst ihr zuerst selbst nicht, wo ihr seid. Ganz langsam kommt es dann wieder, eben dann, wenn der Geist wieder ganz Besitz genommen hat von euch. Und so kann eben der Geist in eine für ihn begrenzte geistige Welt eingehen und von dort Belehrungen und Kräfte holen. Er kann sich nur in jenen Sphären aufhalten, die seinem Wirken und Schaffen entsprechen; er kann nicht eindringen in die höchsten Ebenen, in das Haus Gottes. So wie der Mensch sich beschäftigt, so beschäftigt sich auch sein Geist und geht in die ihm entsprechende Sphäre.
Welche Bedeutung haben unsere Träume für uns? Sind sie alle wichtig?
Josef: Nein, es sind nicht alle wichtig. Viele entstehen aus einer gewissen geistigen Verwirrung oder aus einer Unsicherheit heraus. Wichtig mögen da und dort solche Träume sein, bei denen es sich um geistige Erlebnisse handelt, die der Mensch in sein Bewusstsein mitnehmen darf, damit er seine Wege etwas beleuchtet sieht. Hiervon aber könnte den Menschen mehr in den Meditationsstunden gegeben werden.
Warum können wir uns nach dem Erwachen nicht an die Erlebnisse in Stunden der Belehrung erinnern?
Josef: Ja es ist deshalb nicht möglich, weil dann der Geist wieder in vollem Masse von seinem Körper Besitz nimmt und er dann nicht mehr klar erkennen kann, weil durch den Körper seine göttliche Schau verdunkelt wird. Ich könnte auch sagen, dass der Körper den Menschen geistig blind macht; er kann diese Dinge so nicht mehr erfassen. Warum kann er sie nicht mehr erfassen? Weil er zu sehr an das Materielle gebunden, zu sehr von diesen Dingen eingenommen ist, sich zu sehr damit beschäftigt. Mit der Schwere der Erde, die er an sich gezogen hat, zieht er auch in gewissem Sinn selbst einen Vorhang über sich, alles verdunkelnd. Er lebt in seiner materiellen Welt, wird von ihr beherrscht und beeindruckt.
Möglich ist es jenen Menschen, von der göttlichen Schau und von göttlichen Erlebnissen mitzunehmen, die sich nicht in der Weise an das Materielle gebunden haben, die sich in gewissem Sinne davon gelöst, ich möchte sagen, die ihren Leib selbst so veredelt, so verfeinert haben. Nicht sehr viele Menschen sind so beschaffen. Je stärker und enger die Verbindung zu ihren geistigen Führern und Schutzengeln ist, desto grösser die Möglichkeit, dann und wann etwas zu hören.
Doch glaube nicht, dass du nun Morgen für Morgen wissen müsstest, was du des Nachts erlebtest und wo du im Geiste warst. Notwendig ist nur, dass du dann und wann die Antwort hörst, dass du dann und wann eine Frage stellst und bittest, dass man sie dir beantworten möge. Um gut zu hören, hast du jedoch selbst die Bedingungen zu erfüllen, indem du dich geistig betätigst, dich veredelst und dich von der Schwere der Erde hebst. So möchte ich dich wieder daran erinnern, wie notwendig es ist, dass diese göttlichen Gefühle von innen nach aussen dringen.
Erst wenn ihr versucht, das Verhältnis von euch zu euren Schutzgeistern besonders eng zu knüpfen, und es in harmonischer Weise ausbaut, werdet ihr in den Besitz von wunderbaren Kräften und Erlebnissen gelangen. Ihr müsst euren Schutzgeist fragen, wenn ihr über irgendwelche Dinge nicht im Klaren seid. Gebt ihm Gelegenheit, euch zu antworten. Aber ich warne euch davor: Nicht ihr selbst sollt euch die Antwort geben, die ihr gerne hörtet. Denn denkt daran, dass die Engel Gottes euch die Wahrheit bringen, und oft ist es etwas, das euch nicht genehm ist.
Können höhere Wesen auch heute noch durch Träume zu uns Menschen sprechen?
Josef: Ja, wenn es im Plane Gottes liegt. Wenn darin eine Aufgabe liegt und es einer guten Sache dient, wird es von der geistigen Welt aus gefördert, und dazu besteht die Möglichkeit. Aber nicht immer, wenn der Mensch einen schönen Traum hat, soll er glauben, dass nun die höchsten Engel zu ihm gesprochen hätten. Was vom Hause Gottes kommt, hat einen Zweck und muss eine Aufgabe erfüllen. So wird von der geistigen Welt aus wohl dann ein besonderer Traum gegeben, wo die Möglichkeit besteht, dass dadurch zum Wohle weiterer Menschen eine Aufgabe erfüllt werden kann.
Sind die Gestalten, die man im Traume erlebt und die man nicht kennt, Fantasiebilder oder wirkliche Geistwesen?
Josef: Beides ist möglich. Es kann sein, dass solche Bilder aus einer gewissen Verwirrung heraus geformt werden, aber es können auch Wesen sein, die mit dem Geiste des Ruhenden verbunden sind, und dass diese Begegnung so stark ist, dass der Mensch sie ins Bewusstsein nehmen kann. Hier spielt eine grosse Rolle, in welcher Weise solche Gestalten gesehen werden, welche Formen es sind, welche Zustände und so weiter. Zur Erkenntnis, was diese Gestalten zu bedeuten haben und ob sie der Fantasie entspringen oder wirkliche geistige Führer sind, gelangt man auch auf dem Wege der Meditation. Hier muss man immer sehr vorsichtig sein.
Wie sind Träume zu beurteilen, die wir nachträglich als Unsinn empfinden?
Josef: Oftmals produziert sich der Mensch dieses Durcheinander von unförmigen und bedeutungslosen Formen selbst. Wenn der Mensch so in seinem Alltag und Geschäftsleben steht, wo er so zu kämpfen hat und so viele unreine Dinge an ihn herandringen, werden aus diesen Kräften diese bedeutungslosen Formen gestaltet, die der Mensch aber selbst als solche erkennen kann. Wenn er darum bittet, dass er wirklich im Guten geführt wird, und es versteht, seine Sorgen wegzulegen, ehe er zur Ruhe geht, und wenn er ein Gebet spricht, so wird er viel weniger solche Träume haben.
Du hast uns schon erklärt, dass der Geist während des Schlafes aus dem Körper austritt und in geistige Sphären gehen und Erlebnisse haben kann. Wo ist denn der Unterschied zwischen dem Schlaf und dem Tod?
Josef: Wenn der Mensch schläft, bleibt sein Geist durch ein Band, durch die silberne Schnur, mit dem Körper verbunden.
Durch dieses Band fliesst die Lebenskraft des Menschen. Ist sein Organismus in den lebenswichtigen Funktionen gestört und verletzt, so wird der Tod eintreten. Das Band, diese silberne Schnur, wird verletzt, und es wird zur vollständigen Trennung kommen, wenn das Letzte von dieser Lebenskraft zum Geist und zur Seele hinübergeflossen ist.
Ist aber die silberne Schnur durchschnitten, dann gibt es für den Geist kein Zurück mehr in den irdischen Körper – dies könnt ihr auch in der Bibel lesen (Pred. 12, 6). Dann ist der Leib tot, und der Geist bleibt in der Welt der Wirklichkeit, von wo er hergekommen ist.
Dürfen und können uns wenig entwickelte Geistwesen nachts in unseren Träumen anleiten?
Josef: Ja, das können sie auch. Ich meine, der Mensch ist den geistigen Gesetzen unterworfen. Und wenn auch solche Geister ihren Einfluss auf einen Menschen ausüben, soll das für einen intelligenten Menschen, der auf Gott ausgerichtet ist, auch eine Belehrung sein. Er soll dann versuchen, von dem, was ihm gegeben wird, zu lernen. Und vielleicht muss er oft lange Zeit hindurch immer wieder für die Deutung eines Traumes um die Erkenntnis bitten.
Ich möchte aber schon meinen Freunden sagen, dass ihr in euren Träumen vieles erlebt, was man nicht Geistern zuschieben kann. Also hier muss man auch genau die Grenzen kennen. Denn es formen sich Bilder vor dem Geiste eines Menschen, die zusammengestellt werden durch seine innere, persönliche Unruhe. Bestimmt habt ihr schon die unmöglichsten Dinge geträumt, an denen selbst ein niederes Geistwesen kein Interesse hätte, solche Bilder in der Weise zu bringen. Freilich ist es so, dass die Geister ihre Worte bildlich zum Ausdruck bringen. Aber wenn es für den Menschen sinnvoll sein muss, sollte er nun auch die Lösung des Rätsels, das ihn umgibt, mit der Zeit erkennen können. Wenn ihr, sagen wir, an einem Tage besonders unruhig und aufgeregt oder ihr vielleicht gesundheitlich nicht so auf der Höhe wart, dann geschieht es sehr oft, dass solche Träume wirr durcheinanderkommen, wobei man ihnen keine Bedeutung beimessen sollte.
Etwas Wunderbares ist es, und dies möchte ich doch meinen Freunden empfehlen: Diejenigen, die sich auf die geistige Welt ausrichten, sollen, wenn sie sich zur Ruhe legen, folgendem Gedanken hingeben: „Lieber Vater im Himmel, gib mir deutlich zu verstehen, was du mir in dieser Nacht zu sagen hast.” Glaubt mir, wenn ihr immer wieder das tut, werdet ihr dieses Erlebnis haben. Ihr könnt einige Male hintereinander dieselben Träume haben, oder ihr werdet von den Geistern für die Lösung dieses Traumes inspiriert. Es gibt viele Möglichkeiten, die Antwort zu bekommen, sogar durch einen Menschen. Wenn ihr diesen Traum jemandem erzählt, kann euch dieser Mensch auch die Antwort geben. Das ist dann wieder eine Art von Medialität, wie ich betonte, die man doch auch entwickeln sollte. Und dass auf so vielen Gebieten noch wunderbare Geistesgaben darauf warten, ausgeschüttet zu werden.
Medialität – Verbindung zum Jenseits
Worauf hat man bei der Verbindung mit der Geisteswelt zu achten?
Josef: Es heisst: “Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind!” (1. Joh. 4, 1). Denn so wie es Menschen gibt, die andere täuschen, belügen, gibt es auch solche Geister. Ihr könnt ihnen aber mit eurem materiellen Auge nicht begegnen, nicht sehen, wie solche lachen oder sonst ihr Antlitz verzerren. Es braucht also eine Erfahrung, um auseinanderhalten zu können, welches nun gute und welches Lügengeister sind, die sich durch Menschen kundtun. Darum fordern wir euch immer wieder auf, alles sorgfältig zu prüfen, was durch einen Geist gegeben wird. Ihr prüft die Mitmenschen auch, wenn es um wichtige Dinge geht. Denn wenn ihr auch in einem kleinen Kreise gute Gedanken pflegt und betet, so bietet euch dies noch keine sichere Gewähr, dass nicht doch etwas Irriges gesprochen wird. Ich möchte euch bei solchen Gelegenheiten empfehlen, immer Folgendes zu beachten:
Die guten Geister Gottes sind sich alle darin einig, den Menschen zum Guten zu führen. Sie sind sich einig, dass er sich durch die Verbindung mit der Geisterwelt nicht verlieren darf. Er darf den Boden unter seinen Füssen nicht verlieren. Es muss ihm auch bewusst bleiben, dass der liebe Gott die Erde mit all ihren Schönheiten auch mit Nöten und Sorgen geschaffen hat, damit der Mensch mit ihnen fertigwerde, damit er sich herausarbeiten kann zu seinem geistigen Wohle. Und dass er nicht einfach darüber hadert und klagt, sondern dass er dieses Leben bejaht und zu erforschen sucht.
Die gute Geisterwelt Gottes ist sich darin einig, den Segen über die Menschen auszugiessen. Und die im Jenseits in einen Plan, in eine Familie eingereihten Geister haben ihre gestrengen Richtlinien, wie sie den Menschen zu begegnen haben, wie sie ihnen dienen müssen. Diese Richtlinien sind in der ganzen Gotteswelt ein und dieselben. Sie achten darauf, dass durch ihr Sprechen die Menschen in keiner Weise Schaden erleiden, dass sie ihre Worte richtig verstehen und etwas damit anfangen können.
Die gute Geisterwelt wird niemals verletzende Worte über einen andern Geist oder über einen Menschen sprechen. Sie wird sich darüber äussern, ihre Worte aber so fein einkleiden, weil zugleich an den Verstand der Hörer appelliert werden muss, zu verstehen, was gemeint ist. Wenn ihr wieder um Erleuchtung bittet, wird es euch klar werden. Es geschieht so oft, dass wir einem Menschen persönlich etwas sagen, und er spricht es weiter in seiner Umgebung, aber ganz anders, als wir es ihm sagten und als wir es meinten. Er aber legt es so aus, wie er es in seiner Bedrängnis am liebsten hört. Es braucht auch eine geistige Schulung, so viel Ehrlichkeit zu haben, um unsere Worte wahrheitsgetreu zu verstehen und wiederzugeben. Denn es ist so, dass jeder alles gerne so hören möchte, wie er es wünscht.
Woran erkennt man einen guten Geist?
Josef: Ein Geist, der von Gott kommt, hat doch die Möglichkeit, den Heils- und Schöpfungsplan Gottes zu durchschauen, ihn mitzuerleben. Und er weiss auch, dass nur das den Menschen dargelegt werden soll, was sinnvoll ist und heilsam für seine Seele. Dies war ja auch bei den ersten Christen so. Sie wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es sinnlos sei, wenn ein Geist in einer fremden Sprache rede und niemand da sei, der es auslege (1. Kor. 14, 9–13) – also dieses wurde schon dazumal verworfen. Das heisst also: Was die Geisterwelt Gottes dem Menschen zu sagen hat, soll ihm zur Belehrung dienen, für seine Seele heilsam werden. Auf diese Weise erkennt der Mensch die Notwendigkeit der Verehrung für Gott und der Dankbarkeit Christus gegenüber. Er lernt so den Sinn des Lebens kennen. Und er erkennt auch, dass es mit einem einzigen Menschenleben nicht getan ist.
Die Geister Gottes, die doch das Leben der Geisterwelt kennen, die das Gehen und Kommen ihrer aufsteigenden Geschwister sehen und miterleben, sie können doch von diesem Kommen und Gehen Erklärungen, Darlegungen geben; sie können doch auch von den Gesprächen, die [mit den aufsteigenden Geistwesen beispielsweise vor ihrer Einverleibung oder nach ihrer Heimkehr] geführt werden, etwas erklären. Auf diese Weise kann man Menschen im Glauben an Gott festigen. Und zwar soll es ein solcher Glaube sein, der die Tiefe der Seele erfasst, sodass der Mensch imstande ist, sein Leben dementsprechend auszurichten für seine Zukunft, für sich selbst und für die Mitmenschen. Denn es sollte ja jeder auf seine Art ein Pionier werden in der Verbreitung dieses geistchristlichen Glaubens.
Und trotzdem müssen wir sagen: Man kann keinen Menschen zwingen, diesen Glauben zu bejahen. Denn die Geisterwelt Gottes liebt keinen Zwang, Gott hat dem Menschen die Freiheit im Denken und Wollen gegeben. Doch bis anhin ist in der Christenheit auch Zwang im Glauben ausgeübt worden. Man sollte aber das Wort Gottes so verbreiten können, dass der Mitmensch von diesem Wort Gottes gefesselt wird, dass es ihn anspricht und er dementsprechend anfängt, sich für dieses Wort Gottes zu interessieren, und er sich näher damit befasst. Dann wird auch der einzelne Mensch es fertigbringen, seine Seele zu läutern, sich geistig zu verfeinern und zu veredeln. Und das soll doch so sein; denn der Mensch ist hier auf dieser Welt, um Gott schneller nahezukommen.
Nun, liebe Geschwister, in der Regel gebe ich euch Erlebnisberichte; ich lege dar, wie es den Heimgekommenen ergeht, ich schildere ihren Zustand. Es geht ja in der Hauptsache darum, dass man den Menschen erfasst. Ihr lebt hier auf dieser Erde, ihr habt hier eure Prüfungen, und was liegt da näher, als dass man euch klarer macht, was auf euch wartet, was ihr nach eurem Tode zu erwarten habt. Indem euch solche Erklärungen gegeben werden, vermögt ihr euer Leben auch besser nach Gottes Gefälligkeit zu gestalten. Und wenn euch dazu noch vieles andere erklärt wird, was ihr bis anhin nicht verstanden habt, dann werdet ihr noch mehr gefestigt im Glauben an Gott. Darum liegt eigentlich das Hauptgewicht darauf, euch einerseits nun dieses Geschehen oder diese Einkehr der verstorbenen Menschen zu schildern und anderseits das, was unklar ist in den heiligen Schriften, darzulegen, wie es wirklich ist, und es euch verständlich zu machen.
Wie kann ich die Stimme meines geistigen Begleiters vernehmen?
Josef: Es gibt Menschen, deren Äusseres und deren geistiges Feld so fein ist; es fällt ihnen leicht, diese Stimme hören zu können. Dann gibt es Menschen, die schwer sind; es ist wie eine Mauer vor ihren Ohren oder vor ihrem geistigen Feld, sodass die Stimme nicht durchdringen kann. Es soll nichts erzwungen werden in dieser Art und Weise; das könnte sie auf ganz falsche Bahnen führen. Zuerst kommt das Gebet und das Bitten, Gott möge den Körper stärken und so viel Kraft geben, damit die Stimme [des geistigen Begleiters] gehört werden kann. Denn ein jeder Mensch besitzt diese Stimme, aber sie wird von mehr als der Hälfte der Menschen nicht gehört. Die meisten wollen ja nur das hören, was ihnen angenehm ist, was ihnen im Moment passt, was sie gerne hören möchten; und so sind denn auch immer gleich Mächte an der Arbeit, die sofort jene Worte einfliessen lassen, die der Mensch gerne hört. Aber mit Ausdauer und Gebet kann diese gute innere Stimme gehört werden. Bete inbrünstig, bitte Gott, dass er die Stimme in dir stärke, damit du sie erkennen lernst.
Gibt es in der Geisterwelt besondere Gesetze, wonach sie an Menschen mit besonderen Fähigkeiten Dinge offenbart, die anderen verborgen bleiben?
Josef: Die Geisterwelt Gottes, die sich den Menschen nähert, wird da und dort einen betrachten. Wenn sie sieht, hier könnte eine solche Aufgabe erfüllt werden, dann geht sie, infolge ihrer Erfahrungen mit den Menschen, sehr sorgfältig vor. Denn es ist so: Man hat schon von jeher die Hoffnung auf den Menschen gesetzt, dass man glaubte, ihn auf Grund seiner Fähigkeiten für eine höhere Aufgabe aufrufen und erwecken zu können. Nun kommen aber Versuchungen an ihn im Leben; er hat sich mit Dingen zu befassen, die nicht besonders geistig sind, aber einfach zu seinem Leben gehören.
Darin liegen viele Gefahren, die manche wieder hinunterziehen. Manch einer, auf den wir keine grossen Hoffnungen setzten, mag sie überbrücken. Dann sehen wir, auf diesen können wir bauen. Ein anderer, in den man mehr Vertrauen gesetzt hat, kann in eine Situation geraten, wo er nicht mehr nach dem Willen Gottes handelt, sondern so, wie es ihm am besten passt.
So kann er nicht mehr Werkzeug sein für uns. Und so kann man also nicht sagen, dass es von besonderen Gesetzen abhängt. Ihr müsst euch einmal auf Christus besinnen, wie auch er von sich aus frei entscheiden musste. Der Mensch muss doch auch immer geistig geführt werden. Er ist immer von so und so vielen Geistern begleitet. Dieses Begleiten und Inspirieren geht nur dann in wunderbarer Weise vonstatten, wenn er seinen Willen dem Willen Gottes unterstellt. Also braucht es immer eine gewisse Demut, Bescheidenheit und Hingabe.
Wo dies nicht im Charakter eines Menschen liegt, wird er handeln, wie es ihm gefällt. Mit ihm hat dann die Geisterwelt Gottes nichts mehr zu tun, und es kommen die anderen, die ihm einflüstern: „Du hast richtig gehandelt, du hast vollkommen recht.“ Darum können wir eben nichts im Voraus sagen.
Würden wir im Voraus sicher wissen, dass sich ein Geist im Menschenleben bewährt, dann müsste er ja gar nicht Mensch werden, um Prüfungen zu bestehen. Es würde dann nur auf den guten Willen ankommen. Wir würden sagen: „Bei diesem ist es ganz klar, dass er alle Prüfungen bestehen wird. Er wird seine Aufgaben zur Ehre Gottes erfüllen.“ Ja, dann müssten die Geister ja gar nicht diesen schweren Weg der Prüfungen gehen, wenn wir im Voraus wüssten, wie ihr Leben als Mensch verläuft.
Oftmals hatten wir auf einen Menschen nicht gesetzt und glaubten, dass er zu schwach wäre, weil er schon so und so oft in früheren Leben versagt hatte. Und wir sagten uns, jetzt besteht noch keine Möglichkeit für eine besondere Aufgabe. Er hat noch nirgends durchgehalten, ich würde nicht mit ihm rechnen. Und plötzlich kann es geschehen, dass er doch zur Einsicht gelangt und das erfüllen kann, was man gar nicht von ihm erwartet hätte, dass er es fertigbrächte.
Das ist etwas, worin sich die Menschen irren, wenn sie glauben, ein Geist wisse alles im Voraus. „Er kennt mein Leben, meine Zukunft genau, alles aus den früheren Leben, und er müsste mir sofort sagen können, was ich zu tun und zu lassen habe.“
Ja, darum ist der Mensch auf der Welt: Aus eigener Verantwortung heraus muss er handeln. Er kann aufwärts gehen, in die Weiten, oder in die Tiefe. Er entscheidet von sich aus. Sonst würde er ja Klage führen und sagen: „Ich hatte ja keinen freien Willen“, und er würde behaupten, man hätte ihn ja gezwungen, dieses und jenes zu tun. Also muss der Mensch für sich selbst entscheiden, wohin er gehören will.
Kann jeder Mensch ein Medium werden?
Josef: Nein. Es kann nicht jeder Mensch Medium werden, weil er sich einfach nicht dazu eignet. Es kann auch nicht jeder Sänger oder Maler werden, wenn er das nötige Geschick dazu nicht hat. So ist es auch bei der Medialität. Und ich möchte sagen, solche Menschen sind noch viel empfindsamer.
Doch die Menschen sind eben schneller in einer Verbindung, die ihnen nicht zum Heil ist. Es muss immer ständig geprüft werden, ob die Geister aus der Herrschaft des Herrn kommen – das ist die Grundbedingung. Und die irrenden, uneingereihten Geister vermögen zu täuschen und zu lügen. Darum prüft die Geister, ob sie von Gott sind (1. Joh. 4, 1), und prüft sie immer wieder und fragt, was ihre Beschäftigung ist und was sie tun.
Es kommt immer wieder vor, dass da und dort auf medialem Wege widersprüchliche Aussagen gemacht werden. Wie ist das zu erklären?
Josef: Ja, das hat doch seine Ursache. Ihr sollt unterscheiden können, was für ein Geist mit euch in Verbindung ist. Denn die Entwicklung der Geister ist doch sehr verschieden.
Ein Geist, der noch stark an die Erde gebunden ist, kann doch niemals das Wissen haben wie ein hoher Geist des Himmels. Ein Geist, der noch nicht in die Ordnung Gottes eingereiht ist, kann nur durch bestimmte Sphären gehen und dort etwas erfahren. Die weiteren, höheren Sphären sind ihm verschlossen. Solche Geistwesen erklären die Sachen, wie sie es sehen, wie sie es erleben, und sie glauben, es sei richtig so. Es fehlt ihnen an höherem Wissen. So behauptet der eine, es gebe keinen Gott, ein anderer behauptet, es gebe keine Wiedergeburt ...
Ja, liebe Geschwister, ein Geist kann nur das erzählen, was er selber erlebt und was er gelernt hat. Das grosse Wissen kommt aus einer hoch entwickelten Sphäre. Hohes Wissen vermitteln kann nur ein Geist, der selber durch die verschiedenen Sphären gegangen ist und von geistigen Führern unterrichtet wurde, sodass er in den Anschauungen so weit ist, dass er die Dinge richtig beurteilen kann.
Es ist eine falsche Auffassung der Menschen, wenn sie meinen, dass jeder Verstorbene gleich nach seinem Eintritt in die Geisteswelt ein Wissen hätte und über die letzten Dinge Bescheid wüsste. Dem ist nicht so. Daher sollte eben auch eine Grundregel der Geisteslehre vorhanden sein und verbreitet werden, woran die Aussagen der Geister geprüft werden können, um zu wissen, woher sie kommen. Prüfet sie, die Geister (vgl. 1. Johannesbrief 4, 1)!
Warum wird im Neuen Testament von Christus nicht nachdrücklich auf den Verkehr mit der höheren Geisterwelt hingewiesen und dieser verlangt?
Josef: Liebe Freunde, Christus hat seinen Jüngern doch gesagt, er werde ihnen den Geist der Wahrheit senden (Joh. 14, 16–17 und 26; 15, 26). Dieser Geist der Wahrheit ist an jenen Pfingsttagen über sie gekommen (Apostelgeschichte 2, 1–13). Es war für Christus so schwer, jene Menschen zu belehren; sie waren nicht fähig, so viel aufzunehmen. Denkt euch in jene Zeit zurück, wo das Menschenleben noch so wenig galt, wo Hass mit Hass vergolten wurde. Wie viel bedurfte es da, um nur einmal die Gesinnung dieser Menschen zu ändern, dass sie nun all das Böse mit Gutem zu beantworten hätten, dass sie den böswilligen Menschen mit Sanftmut zu begegnen hätten. Schon das war etwas ganz Gewaltiges, das sich zuerst durchsetzen musste. Und es war schon viel für jene Menschen.
Auch sollt ihr nicht vergessen, dass es schon damals Menschen gegeben hat, die um die Verbindung zur Geisterwelt wussten. Doch pflegten sie den Götzendienst, sie dienten den Götzen, die mit bestimmten Namen benannt waren. Vor Christus waren sie mit diesen teuflischen Mächten in Verbindung getreten. Es waren nur wenige Gottesmenschen wie die Propheten, die in Verbindung waren mit der Gotteswelt. Diese Propheten hatten Kenntnis von der Geisterwelt Gottes. Es ist also nicht so, dass die Menschen damals gar keine Kenntnis gehabt hätten von einer Verbindung zu diesen guten Wesenheiten. Wohl hat Christus nicht im Besonderen auf diese Verbindung hingedeutet; aber er hat gesagt, dass die Geister Gottes kommen und die Menschen inspirieren und führen würden. Das haben die Jünger und Apostel ja dann selbst erlebt; und sie haben es gelehrt, dass sie selbst geführt würden und der heilige Geist durch sie spreche.
Dazu möchte ich noch erwähnen, dass diese Verbindung zur göttlichen Welt in vermehrtem Masse ja erst dann möglich wurde, als die Erlösung durch Christus stattgefunden hatte, nachdem Christus mit seinem einstigen Bruder Luzifer im Reich der Finsternis abgerechnet hatte. Somit steht Christus das Recht zu, unter den von ihm selbst aufgestellten Bedingungen mit seinen ihm treu gebliebenen, guten Geistern auf die Menschen einzuwirken, oder wie er es als notwendig erachtet, dass die teuflischen Mächte auch ihrerseits mit ihren Kräften wirken können. Denn der Mensch hat zu entscheiden, welchen Weg er gehen will – Gott zu oder noch weiterhin durch die Sphären der Tiefe.
Gestützt auf das Alte Testament rät ein Priester davon ab, mit Geistern zu verkehren. Was soll man dabei denken?
Josef: Ich könnte natürlich vieles darüber sagen: Einmal sind es die Priester – oder die Seelsorger, möchte ich sagen –, die den Menschen warnen möchten und glauben, dass es immer nur schlechte Geister wären, die den Weg zu den Menschen finden. Denn sie glauben nicht, dass Gott die Möglichkeit schafft, dass auch gute Geister in der Weise durch den Menschen wirken können und ihn so in den Segen einhüllen. Daher raten sie ab aus dem einen Grund, weil sie sagen: “Es heisst, man soll die Toten nicht befragen.” (3. Mos. 19, 31).
Ja nun, ihr wisst, unter den Toten sind jene, von Gott Getrennten, gemeint, die geistig Toten. Die Menschen sollen sich nicht mit den geistig Toten beschäftigen, sondern mit den geistig Lebendigen, jenen, die der Herrschaft des Herrn angehören, seiner Kirche. Die einzige Kirche, die es gibt, ist die Kirche Gottes.
Gott, Christus
Ursprung & Heilsplan
Schöpfungsgeschichte
Luzifer
Der Engelsturz
Die Erlösungstat
Heilsplan
Geistiges Leben
Geist
Wie verhält sich unser eigener Geist im täglichen Leben? Ist alles, was wir tun und sprechen, der Ausdruck unseres höheren Selbst?
Josef: Wenn der Mensch auf gehobener Stufe steht, vermag sein Geist viel besser zum Ausdruck bringen was er wünscht, denn er hat grössere Macht über den ganzen Menschen. Diejenigen hingegen, die in ihrer Entwicklung noch tief stehen, haben einen Geist, der noch dunkel und schwach ist, und sie können nur das zum Ausdruck bringen, was in ihnen ist.
Natürlich ist es so, dass auch ein gehobener Mensch immer wieder in Versuchung kommt, denn so viele Dinge sind um ihn, die ihn ansprechen und verlocken. Es sind ihm die Prüfungen gegeben, denn wer den Weg zu Gott kennt, muss auch wissen und erkennen, was er darf und was nicht. Er sollte sich immer sagen: “Ich will nur Sinnvolles tun, ich will mit meinem Leben Gott dienen und meinen Mitmenschen eine Stütze sein.”
Wer so sein Tun überdenkt, ermöglicht seinem Geist, der in aller Reinheit und Feinheit durch ihn wirken möchte, das Edle zum Ausdruck zu bringen. Je höher die Entwicklung des Menschen ist, umso wunderbarer ist seine geistige Unterrichtung. Denn da er solche geistigen Höhen erreicht hat, sind ihm auch viel stärkere Geister Gottes zu seinem Schutze gegeben, also Geister Gottes von höheren Ebenen, deren Macht und Kraft wieder grösser sind. Denn damit der Mensch in all seinem Tun und Wirken Gott gefällig ist oder sein kann, müssen seine schützenden Geister mit ihm auf derselben gehobenen Stufe stehen. Dazu möchte ich aber auch sagen, dass das Gebet eines unentwickelten, sündhaften Menschen – sofern es aus der Tiefe seiner Seele kommt – ebenso gut in das Haus Gottes hineingetragen wird, wie das Gebet eines Menschen auf gehobener Stufe. Denn die gute Geisterwelt freut sich ganz besonders über jene, die den Weg zu Gott gefunden haben. Und sie setzen dann alles daran, diese Menschen in ihrem Glauben an Gott zu festigen.
Seele
Od
Es ist doch so wichtig, dass man die Gedanken kontrolliert, und es ist für unsere eigene Entwicklung von grosser Bedeutung, dass man nicht in negative Gedanken abgleitet. Man hört ja oft, dass diese Gedankenkräfte in ihrer Wirkung so gross sind. Kannst du darüber etwas sagen?
Josef: Ja, Gedanken sind Kräfte. Sie beeinflussen doch die Seele. Die Gedanken können von äusseren Einflüssen kommen durch Dinge, mit denen man sich beschäftigt hat oder beschäftigen möchte – auch Wünsche und dergleichen. Diese Gedanken sind nicht immer geistig aufbauend. Es sind Gedanken, die den Wünschen des Menschen teils entsprechen und Gebilde. Es gibt gute und böse Gedanken. Man kann also mit seinem Denken ein sogenanntes Spiel treiben; es kann ein sinnloses Spiel sein oder werden, aber auch etwas Sinnvolles werden. Man muss eben sein Denken so lenken, dass es für einen etwas Sinnvolles ist. Es muss aus dem Denken eben eine sinnvolle Gestaltung entstehen können.
Geistige Welt
Wo sollen wir uns die geistigen Sphären und Ebenen vorstellen: in der unmittelbaren Erdnähe oder in weiteren Entfernungen, vielleicht den Distanzen der Sterne vergleichbar?
Josef: Ihr seid immer an das Materielle gebunden, auch im Denken; ihr müsst euch immer einen Raum vorstellen. Das ist im Geistigen aber nicht so. Da fliessen sogar verschiedene Sphären ineinander, und jene Wesen in den tieferen Sphären können die höheren Wesen nicht erkennen. Es ist mir nicht möglich, euch das alles begreiflich zu machen.
Wenn von den niederen und den höheren Stufen gesprochen wird, stellt sich ein Mensch gewöhnlich diese Stufen in der Reihenfolge vor, wie er es begreift: zuerst Niederes, dann Höheres. In der geistigen Welt kann es aber so sein, dass diese Ebenen ineinander hineinfliessen und dennoch streng voneinander abgegrenzt sind – dass sie also höhenmässig auf derselbe Stufe oder Ebene sind, wohl aber im Geistigen voneinander abgegrenzt, sodass sowohl die höhere Ebene als auch die niedere Ebene als solche bezeichnet werden kann.
Wir haben gelernt, dass Geist und Materie einander durchdringen, ohne sich gegenseitig zu stören oder zu berühren. Aber dem Menschen fällt es doch schwer, sich eine Vorstellung von geistigen Räumen zu machen.
Josef: Für euch, mit eurem menschlichen Fühlen und mit euren Begriffen, ist es schwer, das Geistige zu erfassen, wie es für uns schwer ist, es in eurer Sprache so zu erklären, dass ihr es versteht. Ihr seid darüber unterrichtet, dass es bei uns Städte, Dörfer und Täler gibt; dass die Häuser schön oder weniger schön gelegen sind, klein und gross; dass es Spitäler, Erziehungsanstalten und Tempel gibt, geistige Tempel, wo man den Hohen und Heiligen des Himmels begegnet und mit ihnen zur Ehre Gottes singt, Gott loben und preisen kann. Es gibt geistige Wälder, weite Felder, Berge und Hügel, Teiche und Flüsse und wunderschöne Tiere. In den niederen Stufen ist alles sehr bescheiden, in den höheren Ebenen aber alles herrlich und in einem wunderbaren Licht.
Muss man sich einen guten Schutzgeist erarbeiten, oder bekommt man ihn geschenkt?
Josef: Wer Verdienste hat aus einem früheren Leben, der hat bestimmt auch einen guten Schutzgeist. Diesen guten, hohen oder kraftvollen Schutzgeist wirst du besser spüren, wenn du dir Mühe gibst, ein göttliches Leben zu führen, wenn du dich in allen Dingen zusammennimmst und nur das Rechte tun willst. Würdest du aber ungerecht handeln, würde der Schutzgeist dir nicht mehr so nahe sein können, er müsste sich von dir distanzieren und könnte nicht mehr mit solch grosser Kraft auf dich einwirken. Du hättest also nicht mehr so die Möglichkeit, ihn zu erleben und seine Hilfe entgegenzunehmen, wie wenn er in deiner Nähe sein kann.
Wie müssen wir uns den Kampf der Geister um die Menschen vorstellen?
Josef: Im Kampfe um den Menschen stehen den guten wie den bösen Mächten ihre eigenen Kräfte zur Verfügung. Die Engel Gottes können einen Menschen im Kampfe gegen das Böse stärken, dies aber können die düsteren Mächte in gewissem Sinne auch. Sie können den Menschen, der ohne göttlichen Schutz ist, schwächen. Der guten Geisterwelt stehen immer die Mittel zum Schutze des Menschen zur Verfügung. Der bösen Geisterwelt stehen die Kräfte bis zu einem gewissen Grade zur Verfügung; Gott kann sie ihnen aber entziehen. Wenn ein teuflisches Wesen zuerst den Weg zu einem Menschen findet, kann der Mensch im Herzen gleichwohl immer noch erkennen, was Recht und Unrecht ist. Dieses Erkennen allein lässt schon einen Funken springen, und dieser zieht sofort ein Engelwesen an, das dann den Moment zu nutzen versucht, um die guten Gedanken im Menschen zu stärken und vom Bösen wegzuführen.
Durch anhaltende Bitte der Menschen zu Gott, er möge dem Terror der bösen Mächte Einhalt gebieten, kann den düsteren Mächten jedes ihrer Mittel vernichtet werden. Die Geister kämpfen ja nicht mit denselben Mitteln oder Waffen wie die Menschen; ihre geistigen Waffen sind konzentrierte Kräfte. Die bösen Mächte haben ihre geistigen Gifte, die sie dem menschlichen Organismus wie durch eine Einspritzung zuführen. Die Auswirkung ist bei den betroffenen Menschen furchtbar, bei denen die düstere Geisteswelt gearbeitet hat. Ihr Geist wird in den Stunden des Schlafes durch schreckliche Bilder geplagt. Viele solcher Menschen werden verzweifelt, so dass sie in ihrer Verzweiflung den düsteren Mächten noch willigere Werkzeuge werden. Sie finden selbst den Weg nicht mehr heraus, denn sie haben keine Gedanken der Reue. Und diejenigen, die weder Zuflucht noch Trost bei Gott suchen, erhalten nicht den wundersamen Beistand durch Engel Gottes. Nur in seltenen Fällen gelingt es einem Engelwesen, sich einem solchen Menschen zu nähern und ihn auf einen anderen Weg zu bringen.
Können sich Erzengel freiwillig als Mensch inkarnieren?
Wenn Gott es will, kann es geschehen. Aber ob Gott es will, können die Menschen nicht sagen oder behaupten. Das liegt in der Entscheidung von Gott.
Christus als der Sohn Gottes ist Mensch geworden. Es muss euch klar werden, wenn ein wirklich hoher Geist des Himmels dazu auserwählt wird, Mensch zu werden, dann lebt er nicht irgendwo verborgen in einem Tal oder in einem Dorf und erfüllt da seine christlichen Pflichten. Das sollt ihr nie glauben. Wenn ein hoher Geist mit einer Mission auf die Erde kommt, dann hat er die Unterstützung seiner himmlischen hohen Geschwister.
Wenn es nun ein hoher Geist ist, der am Abfall nicht beteiligt war, dann hat er auch ständig die Unterstützung von seinen hohen Geschwistern. Aber auch ein solcher, der Mensch werden sollte, müsste durch die Versuchungen gehen, die man hier auf Erden durchläuft. Genau wie Christus auch in Versuchung geführt wurde und zu kämpfen hatte gegen das Böse, wäre auch ein anderer hoher Geist nicht davon ausgeschlossen. Auch er müsste kämpfen. Aber er würde bestimmt eine bedeutende Sendung haben – das muss euch klar werden. Und er würde nicht irgendwo als Mensch leben, um eine kleine Aufgabe zu erfüllen. Denn es gibt schliesslich nicht nur hohe Geister, es gibt ja auch sehr gute Geister, die eine bedeutende Aufgabe im Leben des Menschen erfüllen; es muss kein inkarnierter Erzengel sein.
Könnte man da die Rolle des Propheten Moses als Beispiel anerkennen? Denn er war ja ein nicht gefallenes Wesen.
Josef: Ja. Das sind eben solche, die mit einer bedeutenden Sendung zur Erde gingen und ihre Aufgaben erfüllten, aber auch gestrauchelt sind wie andere Menschen.
Müssen wir nicht denken, dass es doch immer nur Ausnahmen sind?
Josef: Ja bestimmt.
Aber solche Ausnahmen genügen dann doch für lange Zeiten, weil sie so viel Fruchtbares leisten?
Josef: Oh ja.
Wird Weihnachten in der geistigen Welt zur gleichen Zeit wie auf der Erde gefeiert?
Josef: Diese irdischen Begriffe von Zeit stimmen mit denen der jenseitigen Welt nicht so genau überein. Ich habe schon öfters darüber gesprochen: Weihnachten wird schon viel früher gefeiert und dauert auch viel länger. Man kann also nicht sagen: “Jetzt am 24. Dezember ist der heilige Abend” und so weiter. Das ist im geistigen Reiche nicht so. Man ist weder an die Zeit noch an den Ort gebunden.
Aber alles zur Ehre Gottes und Jesu Christi? So ungefähr in gleichen Abständen?
Josef: Ja.
Lieber Josef, ist es ein Vorteil für das geistige Leben im Jenseits, wenn man mehrere Sprachen spricht?
Josef: Im Jenseits wird die Seele nach ihren Werken und Taten beurteilt. Wenn man in der anderen Welt zur Schule geht, erlernt man als Geist die Sprachen leichter. Es kommt auch einfach auf den Eifer an, denn der Eifrige wird sie schneller erlernen. Ich möchte jedoch nicht sagen, dass wenn ein Mensch verschiedene Sprachen spricht, es ihm für das jenseitige Leben von Vorteil ist. Es gibt Geister im Jenseits in den unteren Sphären, die auch verschiedene Sprachen sprechen können. Das ist jedoch nicht das Ziel, um höher aufzusteigen. Wenn einer in seiner Entwicklung so weit ist, wird in der höheren Geisteswelt von seinen Talenten in dieser Beziehung Gebrauch gemacht, und er findet Verwendung im Heils- und Ordnungsplan. Er wird dementsprechend an seinen Platz eingereiht, wo dieses Können zum Ausdruck gebracht werden kann, was zum Vorteil für den Heils- und Erlösungsplan sein wird.
Wir Menschen besitzen unsere Häuser zum Schutz gegen die Witterung, und wir sehen immer wieder in allen Erzählungen, dass auch im Jenseits die Häuslichkeit eine grosse Rolle spielt, obwohl ja eigentlich die Forderung nicht wie bei uns besteht. Worauf ist das eigentlich zurückzuführen – auf die Geborgenheit?
Josef: Auf die Geborgenheit und auch auf die Zusammengehörigkeit. Denn es werden ja gewisse Gruppen zusammengeführt, damit sie zusammenbleiben – es ist sozusagen eine Bindung; man muss sich daran halten. Es ist auch das Gefühl der Geborgenheit. Und ihr müsst so denken: Je nach der Stufe, auf der man lebt, kann das Haus sehr schön sein, dass man wirklich sein Wohlgefallen daran findet, in diesem Hause zu wohnen; während ja freilich – sagen wir – ausserhalb des Hauses es ja genauso schön sein kann wie bei euch. Aber die Dinge, die in den Häusern als Gegenstände – so bezeichne ich sie – untergebracht sind, stehen dann nicht irgendwo auf einer geistigen Wiese oder in einem Blumengarten. Es sind also den Wesen auch gewisse Vorteile geboten, wenn sie in einem solchen Hause wohnen: Sie können in ihren Häusern ganz wertvolle Gegenstände haben, die sie selbst erworben haben, die nicht ausserhalb des Hauses zu finden sind.