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Hefte

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Themen
Jesus als Erlöser der Menschheit – Christus hat den Auftrag des Vaters erfüllt
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 2/2014 zum Thema Es ist vollbracht
Geistige Welt 2/2014
Es ist vollbracht
Beschreibung

Christus hat mit der Erfüllung seines Auftrags den Menschen den Weg zu Gott frei gemacht. Die Vorträge dieses Themenheftes zeigen, mit wie viel Aufopferung und Leid diese Aufgabe verbunden war. Jesus erlebte nicht nur die Anfeindungen seiner Umwelt, namentlich der Pharisäer und Schriftgelehrten, die ihm nach dem Leben trachteten. Weit grösser war das Leid, das ihm ständig von seinem geistigen Widersacher Luzifer zugefügt wurde. Dieser setzte alles daran, um den Menschen Jesus unsicher zu machen und ihn vom Glauben an Gott und an seine Sendung abzubringen. Doch Christus blieb standhaft bis zu seinem Tod am Kreuz. So konnte er am Ende seines Lebens ausrufen: “Es ist vollbracht!”

Dieses Themenheft gibt auch Einblick in die bedeutsamen Geschehnisse nach Jesu Erdentod. Es berichtet, wie Christus – nun als Geist – gegen Luzifer kämpfte und ihn besiegte. Damals trat das Letzte Gericht in Kraft, welches die Rechte Luzifers einschränkte. Darüber wird in den christlichen Kirchen jedoch kaum gesprochen. Diese geistigen Geschehnisse um Christus gehörten aber zum Grundwissen der christlichen Lehre.

Themenheft 2/2014: “Es ist vollbracht”

Inhalt
Jesus als Erlöser der Menschheit

Lene, 25. September 1973 (Meditationswoche 1973, 3. Abend)

Jesus als Erlöser der Menschheit

Christus, der Sohn und Gesalbte Gottes, kam mit einer ganz bestimmten Sendung in die Welt. Er hatte den Auftrag des Vaters, die Menschheit vom Tode, von der Herrschaft Luzifers, zu erlösen und ihr den Weg zurück ins Vaterhaus zu bereiten. Die Erfüllung dieses Auftrags war für Jesus mit viel Aufopferung, mit Leid und Schmerz verbunden. Denn die niedere Geisterwelt setzte alles daran, um ihn zu Fall zu bringen. Sie versuchte ihn mutlos zu machen und ihn vom Glauben an Gott und an seine Sendung abzubringen. Doch trotz allen Leides blieb Christus standhaft und ging als Sieger über Luzifer hervor.

Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, zum gestrigen Abend zuerst eine Berichtigung. Ihr werdet von uns begleitet und beobachtet. Wir hören eure Gespräche, wir hören alles. Ich hatte von Pflegeeltern gesprochen, und nun haben sich Freunde darüber unterhalten. Ich möchte nicht weit ausholen, denn man hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich versuchen muss, mit der mir zur Verfügung stehenden Kraft auszukommen, um euch das, was vorgeplant ist, so gut wie möglich darzubieten.

Wir betrachten dies von einer höheren Warte aus. Als Christus oder Jesus als Knabe zusammen mit seinen Geschwistern in seiner Familie lebte, war Josef der Vater und Maria die Mutter. Jesus wusste ja damals noch nichts von seiner Sendung. Erst als er mit den Geistern Gottes in Verbindung kam und sie so intensiv auf ihn einsprachen, dass er Gottes Sohn sei – eben Gott sein Vater sei – und dass er eine besondere Aufgabe habe, brachte er dies jeweils auch deutlich zum Ausdruck, und zwar in erster Linie in der Familie selbst. Es hatten sich gerade seine Geschwister, seine Brüder, entsetzt und gesagt: “Dieser Jesus ist ja von Sinnen gekommen.” Und sie sprachen zu ihm: “Wir sind doch deine Brüder, und wir haben denselben Vater und dieselbe Mutter; wie kommst du dazu, so etwas zu sagen?” Es gehörte auch zu den stetigen Ermahnungen, er möchte sich doch der jüdischen Religion hingeben und diese Lehre, in der sie unterrichtet würden, befolgen. Wie ich euch gestern ausführlich erklärt habe, half dies alles aber nichts. Zu seiner Mutter hatte Jesus nicht das Verhältnis, wie es, sagen wir, üblicherweise Kinder zur Mutter haben. Er hatte seine Mutter wohl sehr verehrt und sie geliebt, aber als Mutter in diesem Sinne trat sie in den Hintergrund, weil ihm der Vater alles war. Er redete nur vom Vater. Jesus war ja hellsehend und hellhörend und vernahm so stets das, was die Engel ihm zu sagen hatten.

Das ist das eine. Das andere betrifft die Hochzeit zu Kana. Ich hätte besser sagen sollen, seine Familie sei zur Hochzeit geladen worden. Es ist schon richtig, was meine Geschwister untereinander besprochen haben.

Jetzt möchte ich wiederum versuchen, euch über jene Dinge zu orientieren, die nirgendwo mehr niedergelegt sind, das heisst, die vernichtet wurden. Ich möchte mich auch nicht lange mit Erklärungen aufhalten, die ihr selbst kennt. Wenn ihr meint, es entstehe deswegen eine Lücke, müsst ihr das Verbindende selbst einfügen. Sonst könnte ich mein Pensum bis zum nächsten Samstag nicht erfüllen, und das wäre nicht der Sinn der Woche. Ich möchte mich also nicht mit Erklärungen aufhalten, die ihr selbst kennt, sondern ich will vom andern sprechen. Es scheint doch so, dass meine Freunde grosses Interesse daran haben.

Ich muss noch etwas nachholen und erklären, das ihr nirgendwo sonst lesen könnt, worüber aber die ersten Christen auf genau demselben Weg orientiert wurden, wie es jetzt geschieht.

Als Christus in der Geisteswelt mit dem Vater zusammenlebte, noch ehe er die Menschwerdung annahm, und man den Erlösungsplan aufzeichnete, musste doch seine Geburt in eine bestimmte Zeit festgelegt werden, die günstig war. Sie musste, das möchte ich erwähnen, in eine Zeit hineinkommen, in der es genügend oder mehr gottgläubige Menschen gab; also wurde ein solcher Zeitpunkt gewählt. Von Christus selbst wurde Maria in der Geisteswelt ausgewählt und für ihre Aufgabe bestimmt und ebenso Josef. Christus hatte den ersten Schritt getan und alles vorbereitet für die Erlösung der Menschheit – von allem Anfang an. So wie durch ihn alles in der Schöpfung geworden ist, hat Gott es ihm in dieser Beziehung auch selbst überlassen, alles in seine Hände zu nehmen.

Man soll nun nicht annehmen, Maria und Josef wären sich zufällig im Leben begegnet. Nein, dies war und musste Bestimmung sein, in der Ordnung Gottes, eingebaut im Erlösungsplan. So fügte es die heilige Geisterwelt, dass diese beiden Menschen zusammenkamen.

Nun möchte ich etwas zu ihrer Verlobungszeit sagen. Maria und Josef kamen jeweils zusammen, wie es üblich ist, wenn Menschen diesen Schritt wagen wollen, miteinander, gemeinsam durchs Leben zu gehen. So hatten auch sie sich jeweils allein getroffen. Beide waren sehr, sehr fromme Menschen – überaus gottgläubig. Es war zu jener Zeit üblich, dass man sich abends in der Familie versammelte. Wer die Schrift lesen konnte, las darin, und man betete. Man muss sich vorstellen, dass es sich um fromme Juden handelte, die es mit ihrer Religion ganz gewissenhaft nahmen und sehr streng waren. So hatte man sich jeweils gemeinsam zum Gebet versammelt. Es war dann gar nichts Aussergewöhnliches, wenn einer der Anwesenden oder eines aus der Familie – es konnte der Vater, die Mutter oder sogar ein herangewachsener Sohn oder die Tochter sein – das Wort ergriff zu dem, was aus der Schrift gelesen wurde. Und man betete gemeinsam.

Zu jener Zeit lebte man in der Erwartung des Messias. Unter diesem Volk war doch der Glaube an den Messias, der kommen würde, so stark, dass man in gewisser Hoffnung lebte, man könnte, wenn man betete, höhererseits nähere Auskünfte erhalten. Man sprach darüber – dies alles war so selbstverständlich. Wenn eines das Wort ergriff, erkannten die Anwesenden gleich, dass bei diesem Familienmitglied, das nun in grosser Andacht und in Eifer sprach – mitunter mit geschlossenen Augen –, ein heiliger Geist seinen Platz eingenommen hatte. Man hörte ihm zu und war in dieser Erwartung, Bescheid zu erhalten über den Messias, der da kommen würde, über das Wo und Wie.

Zu der Zeit war es so, dass jenen Menschen durch die heiligen Geister auch Antwort gegeben wurde auf ihre täglichen Probleme. Denn sie hatten auch Probleme und Sorgen – da und dort gab es Krankheiten in der Familie. Dazu ist noch Folgendes zu erwähnen: Diese Geister Gottes gaben jeweils auch Bescheid oder überbrachten die Botschaft, dass eines der Verwandten, welches eine weite Wegstrecke von ihnen entfernt wohnte, sehr krank geworden sei und man das Betreffende besuchen müsse; oder man erhielt die Botschaft, dass ein Verwandter im Sterben liege. Es wohnten doch nicht alle im selben Dorf oder in derselben Stadt. Und es war ja damals nicht so wie heute, liebe Freunde, dass man so einfach und bequem, wie ihr es könnt, in weite Fernen Nachricht geben konnte. Ihr könnt beispielsweise einen Brief schreiben, macht nur ein paar Schritte, werft diesen Brief in einen Kasten, und ihr braucht euch um das Weitere nicht mehr zu kümmern. So etwas gab es damals noch nicht. Daher hatte die Geisterwelt Gottes diesen Gläubigen eben Verschiedenes mitzuteilen. Die Verbundenheit vom Menschen zum Geiste war in dieser Art und Weise gar nichts Besonderes; unter frommen Menschen fand man das sehr oft. Ich will und muss dieses betonen, um es in euer Verständnis, in euer menschliches Denken hineinzulegen, damit ihr das, was nun folgt, besser begreifen und verstehen könnt.

So war es auch mit Maria und Josef; sie waren eben fromme Menschen und gottgläubig. Sie hatten aber auch ihre Probleme, denn sie wollten doch einen neuen Hausstand gründen und hätten gerne gewusst, wie, wann und wo es möglich würde. Sie waren daher in der stillen Hoffnung, etwas zu erfahren, etwas zu erleben, ohne dass sie deswegen Fragen gestellt hätten. Josef war medial, er war ein Medium. Maria und Josef beteten jeweils miteinander, und so war es möglich, dass sich stets ein Geist Gottes durch Josef kundtat. So vernahm Maria auch Verschiedenes, was sie persönlich betraf, was ihre Familie anging oder wie es um ihre Verwandten stand. Sie wurde auch aufgefordert, sich um diese Verwandten zu kümmern. Das waren aber nur nebensächliche Dinge. Es war eben eine geistige Verbindung da, ohne dass man – wie soll ich das für heutige Begriffe erklären? – besonderen Wert darauf legte oder meinte, man müsste hierzu für einen bestimmten Menschen besondere Vorbereitungen treffen. Es fehlen mir die richtigen Worte, es zu erklären; ich kann nur sagen, es ist nicht so, wie die Menschen es heute meinen. Es war damals unter diesen Juden, in dem Masse, wie die Durchgaben kamen, nicht notwendig, dass man zuerst einen Menschen zu einem Medium ausbilden musste. Ich möchte jedoch nicht unterlassen zu sagen, dass es seinerzeit wohl Medienschulen gab, die sich dann aber in einer anderen Gesinnung gestalteten, denn dort erwartete man von der Geisteswelt andere Nachrichten. Bei den frommen Juden waren es jedoch Familienglieder, die in ihrem Verlangen und ihrer engsten Verbindung mit der Geisteswelt es durch die Gnade Gottes erleben durften, dass ein Geist Gottes sie inspirierte und mit ihnen redete.

Maria und Josef sind also des Öftern zusammengekommen, und so war es für Maria gar nichts Besonderes, wenn sich die Gotteswelt bekundete, denn sie hatte das selbst in ihrem Elternhaus erlebt. Man wusste um die innere, geistige Vorbereitung, die dafür notwendig war, nicht aber um das Äussere. Es kam dann der Zeitpunkt, da Maria die besondere Botschaft erhielt (Luk. 1, 26 –38). In dieser besonderen Botschaft wurde sie durch Josef, ihren Verlobten, eben als die “Gesegnete”, die “Auserkorene” begrüsst. Sie wusste, jetzt ist er in Verbindung mit der Gotteswelt. Über diese Begrüssung wurde sie jedoch zum ersten Mal stutzig; dies war ihr fremd, denn das war so nicht üblich.

In solchem Sinne gab es die Zusammenkünfte nicht. Man hatte sich nicht miteinander verabredet, um so, auf diese Weise, den Geist Gottes hören zu können, sondern man wartete. War es in Gottes Willen, ward es möglich, nahm man es dankbar entgegen. Es war, ich möchte fast sagen, etwas Alltägliches, es auf diese Weise zu erleben, und daher nichts Besonderes. Vermochte niemand das Wort zu ergreifen, dann betete man – man war darüber nicht enttäuscht.

Nun, Maria staunte über diese Begrüssung; jetzt war es für sie etwas ganz Besonderes. Und sie fragte: “Ja wer bist du denn?” Bis anhin hatte man sich nicht um die Namen gekümmert oder gefragt, was für ein Geist es sei. Man wusste, es ist ein Geist Gottes, und gab sich damit zufrieden. Selbst prüfte man das, was einem gegeben worden war, ob es gut war oder nicht. So fragte Maria: “Wer bist denn du, dass du mir solches sagst? Du bringst mich in Erstaunen. Ich kann das nicht begreifen; ich kann das nicht verstehen.” Das sagte Maria, und dann bekundete sich dieser Geist Gottes als Engel Gabriel: “Ich bin es, der durch Josef spricht.” Und Maria musste die Feststellung machen, dass Josef, der neben ihr war und ihr die Botschaft gab, eigentlich ein ganz anderes Aussehen, eine ganz andere Ausdrucksweise hatte. Im Gegensatz zu früher war etwas Wesensfremdes da. Wenn Josef sonst den Geistern Gottes zur Verfügung stand und sie durch ihn reden konnten, blieb er in seiner äusseren Erscheinung, in seiner Wesensart immer derselbe.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ihr zu meinem Ausdruck, zu meinen Bewegungen sagt, es seien nicht die Bewegungen des Menschen, der vor euch sitzt. Es sind meine Bewegungen, denn ich habe Gewalt über den Leib, über die Hände, über das Wort. So war es auch bei Josef. Maria fühlte es und stellte die veränderte Atmosphäre fest. Aber es war in dem Sinne nicht eine Geistermaterialisation. Die Ausdrucksweise war es, welche ganz anders war. Und dieser Geist Gottes gab dann die Botschaft durch, die Maria dazu bewegen sollte, dass dieser Gruss, so wie sie angesprochen wurde, in Erfüllung ginge. Dieser Geist Gottes klärte sie auf, denn sie war doch ganz verwirrt; sie war tiefgläubig und kannte doch die Folgen. Erst als sie nach langem Reden und Zureden überzeugt wurde, gab sie ihr Jawort. Christus selbst wollte Josef für diese Zeugung benutzen – er wollte alles selbst tun, vom Anfang dieses Erlösungsplanes bis zu seinem Ende.

Es ist so schade, dass diese Wahrheiten keine Verbreitung gefunden haben, dass die Niederschriften vernichtet wurden. Warum wurden sie vernichtet? Aus genau denselben Gründen, wie man die Durchgaben und Bestätigungen, die ich euch gestern [über Jesus und seine Familie] gegeben habe, vernichtet hat: weil man glaubte, etwas von der heiligen Sendung dieses Christus wegzunehmen, dass er dadurch entwürdigt würde. Man wollte nicht sagen, dass Jesus auch getadelt worden war, dass er seine eigenen Wege ging und er eben dem Menschen in allen Dingen gleich ward. Die christlichen Kirchen selbst machten oder meinetwegen die Kirche machte etwas ganz anderes aus Christus, etwas Verhängnisvolles. Ich hoffe, im Laufe meiner Darlegungen noch darauf zurückzukommen. So wollte ich euch dieses noch erklären. Man macht mich nämlich darauf aufmerksam, es würde mir auch an diesem Abend nicht gelingen, alles zu Ende zu führen, sodass ich morgen in dieser Beziehung wieder eine Fortsetzung machen muss.

Ich komme nun zurück auf die Verbindung der Geisterwelt zu Christus. Gestern sprach ich nur von den guten Geistern, dass sie Christus, diesen Jesus, belehrten – ich sprach noch nicht von der bösen Geisterwelt. Die niedere Geisteswelt hatte ebenso Zugang zu Christus. Darüber muss ich euch heute auch Klarheit bringen. Zu unserem grossen Bedauern sagen Menschen, ja sogar Christen: “Christus ist der Erlöser; er ist gekreuzigt worden. Freilich hat er viel Leid durchstehen müssen, aber es gibt heute Menschen, die genauso viel körperliches Leid durchzustehen haben wie Christus damals. Auch heute werden Menschen, aus politischen Gründen, gequält und gemartert.” Und so behaupten sie, dass auch solche Menschen ebenso grosse Schmerzen zu ertragen hätten. Sie kennen den Erlösungsplan nicht und finden daher keine Antwort, wenn man ihnen sagt, durch den Tod Christi sei die Menschheit erlöst worden – man zieht menschliche Vergleiche heran ...

Nun, es ist so: Die schwersten Leiden waren für Christus nicht die körperlichen; die grössten Leiden waren die seelischen Schmerzen, die ihm die niederen Geister zugefügt hatten. Sie hatten ihn geplagt und gequält; sie hatten ihn in Unsicherheit gebracht. Ihr werdet euch vielleicht fragen: “Warum liess Gott es zu?” Wenn man den Erlösungsplan genau betrachtet, bekommt man auch dafür die Antwort. Christus hatte die Sendung, die Menschheit zu erlösen – er musste diese schwere Aufgabe auf sich nehmen. Die Ursache dafür war Luzifer mit seinem Anhang in der Hölle. Jene luziferischen Mächte und Luzifer selbst hatten diesen Jesus als Sohn Gottes erkannt, als er ins menschliche Dasein gekommen war. Gott liess es zu, denn Jesus sollte sich als Mensch bewähren. Als Geist war es ihm klar, denn als Geist wusste er doch: “Ich bin Gottes Sohn; ich bin der König der ganzen Geisterwelt.” Aus dieser Überzeugung hätte er ja schon seine Aufgabe erfüllen können, aber eingekleidet in einen Menschenleib, war auch um ihn eine Behinderung: der menschliche Leib und das menschliche Denken, dem man ausgesetzt ist. Christus musste nun alles Menschliche überwinden. Denn Luzifer ist doch der Herr der Menschheit auf dieser Erde. So ging es Jesus darum, Luzifer nicht zu unterliegen, sondern ihn zu bekämpfen – Luzifer musste besiegt werden.

Christus wurde in die Wüste geführt (Mat. 4, 1–11). Dieses möchte ich noch näher erläutern. Man soll sich einmal eine Vorstellung davon machen: So viele Tage, so viele Nächte, wie es euch die Bibel berichtet, war er allein in der Wüste. Er hatte nichts zu essen, er hatte nichts zu trinken. Stellt euch die enorme Hitze des Tages vor und die Kälte in der Nacht! All dieses musste er durchstehen, als er in die Wüste geführt worden war.

Ich habe euch gestern erzählt, wie Jesus als Knabe und Heranwachsender und kurz vor Beginn seiner Lehrtätigkeit immer wieder von zu Hause wegging und einen stillen Ort aufsuchte. Er ging in Wälder, in Gärten, irgendwohin, wo er sich allein fühlte, um sich zu verinnerlichen, aber auch um seinen Vater um Beistand zu bitten. Dies tat er ganz besonders, als er erkennen musste, dass sich zweierlei Arten von Geistwesen für ihn interessierten. Das eine Mal kamen solche, die ihm die Botschaft des Vaters brachten, das andere Mal kamen jene anderen, auch in hellem Licht und Glanz, und gaben sich als Engel Gottes aus. Christus musste sie erkennen, dass sie nicht von Gott kamen. Die niederen Geister erklärten ihm: “Das, was jene vorhin gesagt haben, ist doch nicht wahr! Du bist doch nicht Gottes Sohn!” Sie hatten ihm alles abgesprochen, was die Geister Gottes ihm anvertraut hatten. Und was glaubt ihr, wie die niederen Geister in ihrem Äusseren ‘aufgedonnert’ daherkamen. Sie wollten Jesus täuschen und ihn glauben machen, sie würden aus den höchsten Himmeln kommen. Das war nämlich diesen teuflischen Mächten möglich. Sie konnten sich – wenn auch nur für gewisse Zeit – umwandeln und als Engel ausgeben. Sie wollten diesen Jesus täuschen, ihn unsicher machen, und er wurde dadurch auch unsicher – er war ja Mensch. Er flehte zum Vater und betete, nicht etwa nur leise, unter Tränen schrie er laut. Er weinte und er schrie, Gott, der Vater, möge ihm Klarheit geben. Er war unsicher geworden, er wusste nicht: Wem sollte er glauben, wenn diese Täuschungen an ihm vorübergingen, wenn er das erlebte? Und der Vater liess diese Täuschungen zu. Jesus konnte es ja noch nicht verstehen, warum er ausgerechnet auf diese Art und Weise geprüft wurde. Daher fand er es für gut, in die Wüste zu gehen; denn dort, so glaubte er, könne er zum Vater rufen und ihn unter Tränen bitten, flehend und schreiend, dass ihm Klarheit gegeben würde.

Doch was musste er erleben? Er ahnte noch nichts von all den Prüfungen, die sogar sein Vater für ihn bestimmt hatte. Er hatte selbst diese Prüfungen für seinen Sohn bestimmen müssen, um den Beweis dafür zu bekommen, dass dieser fähig war oder fähig wurde, auch die anderen Aufgaben zu erfüllen. Gott liess ihn prüfen. Er liess es zu, dass jene teuflischen Mächte kamen, an ihn herandrangen und ihm wiederum sagten: “Du bist nicht Gottes Sohn, du wirst doch getäuscht.” Sie sahen doch diesen frierenden, fiebernden Jesus, der hungerte. Sie versprachen, ihm die Speisen zu geben, die ihn kräftigen würden; aber dafür müsse er ihnen zustimmen. Darauf brauche ich nicht näher einzugehen, denn das kennt ihr aus der Schrift, und ich will hauptsächlich das betonen, was nicht darin steht.

Nun, Christus wurde doch während dieser Zeit körperlich so geschwächt, dass er nicht mehr imstande war, aus der Wüste herauszugehen. Es dürstete ihn. Könnt ihr euch vorstellen, was das heisst? Ihr sollt versuchen, es selbst zu erleben, diesen furchtbaren Durst zu haben und in dieser Hitze ohne Schutz dazustehen. Nichts gab es für ihn, keinen Schattenplatz, kein Wasser, nichts. So war er eben sehr geschwächt, und dennoch vermochte er, den Satan von sich zu weisen.

Nachher kamen die Engel Gottes. Sie brachten ihm die Erlabung, die er brauchte, um wieder gekräftigt zu werden. Aber nicht nur das: Sie kamen und wuschen sein Antlitz, seine Füsse, seine Hände mit geistigem Wasser. Sie salbten und ölten sein Haupt, seine Hände, seine Füsse. Auf diese Art und Weise dienten ihm die Engel Gottes. Sie setzten sich neben ihn nieder und weilten eine gewisse Zeit bei ihm – so lange, bis er gekräftigt war. Er nahm von der guten Geisteswelt Gottes die Speisen an, die vom Himmel her gebracht wurden, und nicht jene, die ihm der Satan versprochen hatte, als er sagte, er wäre fähig, aus den Steinen Brot zu machen, und er wäre fähig, ihm Wasser zu geben, um seinen Durst zu löschen. Christus erkannte Satan, und er blieb standhaft, unter den grössten Qualen, die ihm die niedere Geisteswelt zufügte.

Als nun Christus wieder aus der Wüste zurückgekehrt war, ging er zu seinen Bekannten. Er hatte sich zuvor schon ganz von zu Hause entfernt. Daher fiel sein Wegbleiben auch seiner Mutter nicht mehr besonders schwer, denn Jesus war ja zeitweise tagelang von zu Hause weggeblieben. Er hatte doch grosse Wanderungen machen müssen; der Tempel war weit entfernt. Dazu möchte ich ergänzen, dass es an dem Ort, wo er bei seinen Eltern aufgewachsen war, einen Betsaal gab; dort kam die Gemeinde zum gemeinsamen Gebet zusammen. Auch dort hatte sich Jesus unbeliebt gemacht, weil er immer wieder das Wort geführt und gesagt hatte, dass ihre Lehre falsch sei. So war er eben nicht überall beliebt.

Ehe Jesus sich aber ganz von zu Hause getrennt hatte, forderte er seinen materiellen Anteil, der ihm gehörte. Man hatte doch noch kostbare Dinge, Geschenke, die seine Mutter bekommen hatte, als das Jesuskindlein besucht wurde. Maria hatte dieses stets aufbewahrt, doch musste sie mit der Zeit den grössten Teil veräussern, um ihn in Geld umzusetzen. So gab sie nun Jesus den Teil, der ihm gehörte, und auch den Teil, den er zugut hatte, weil er ja auch bei seinem Vater gearbeitet hatte. Es war jüdische Sitte, dass jeder seinen Teil bekommen sollte. Jesus ging also nicht mit leeren Händen von zu Hause weg.

Er kehrte nun bei jenen Bekannten ein, die ihn stets auf den Plätzen aufgesucht hatten. Mit ihnen war er gut bekannt geworden und auch in eine gewisse Freundschaft gelangt, da sie sich trotz Warnungen aus dem Tempel auf seine Seite stellten. So wohnte er zeitweise da, zeitweise dort; doch wo er sich auch aufhielt, für seinen Unterhalt kam er selbst auf.

Als die Zeit seines öffentlichen Wirkens gekommen, suchte er unter Beistand der heiligen Geisterwelt seine Apostel [Jünger] aus. Er tat nichts aus sich selbst und sagte immer wieder: “Alles, was ich rede, was ich tue, tue ich nicht aus mir selbst, sondern es ist der Vater, der mich lehrt. Es ist der Vater, der mir sagt, was ich zu tun habe.” (Joh. 8, 28; 12, 49.) Geister Gottes waren es, die ihm im Namen des Vaters sagten, was er zu tun habe. Sie taten ihm kund: “Dein Vater will, dass du es so und so machst. Dein Vater bestimmt, dass du dahin gehen sollst.” So hat er auch seine Apostel ausgewählt. Ihr sollt euch nicht etwa vorstellen, dass dies in den Familien lauter Freude auslöste, wenn man den Vater oder den Ehemann sozusagen weggenommen hatte, damit er Jesus nachfolgte; nein, denn Jesus war eben nicht in der Weise beliebt – man hatte Angst. Es waren doch die Schriftgelehrten, die in ihm eben eine Gefahr sahen. Je mehr Jesus wirkte, je mehr sie feststellen mussten, dass trotz ausgesprochenem Bann die Leute zu ihm liefen, umso grösser schien für sie die Gefahr zu werden. Und so waren die Schriftgelehrten diesem Jesus gegenüber etwa gar nicht sparsam mit Verleumdungen.

Die Menschen von dazumal hatten nicht die Möglichkeit, so viel zu verdienen – man war voneinander abhängig. Wusste man, dass jemand aus der Familie diesem Jesus nachging, geschah es eben auch, dass man nicht bereit war, weiter mit ihm Handel zu treiben. Dadurch gab es in der ersten Zeit Schwierigkeiten; denn in diesen Familien bangte man um das tägliche Brot. Man musste arbeiten, um zu leben, und nun gingen diejenigen fort, die zum Unterhalt der Familie beitrugen. Jesus sammelte sie jeweils um sich, ging mit ihnen abends zum See [Genezareth] und forderte sie auf, sich dem Fischfang hinzugeben. Ihr Fang war stets reichlich, und ihre Familien konnten umsorgt werden. Durch den Beistand der heiligen Geisterwelt fand Jesus immer wieder einen Weg, den Aposteln ihr Brot, auch auf Umwegen, zukommen zu lassen. Einmal begegnete er ihnen beim Fischfang (Luk. 5, 1–11). Dies war eine Fügung Gottes, denn als nichts zu finden war, sollten sie nun sehen, dass dieser Jesus kommen musste, damit sie dann ihre Netze am richtigen Ort auswerfen konnten. Sie sollten sehen und erleben, dass es durch Jesus ermöglicht wurde.

Aber so weit konnten diese einfachen Menschen nicht denken. Sie wussten ja nichts von diesem Erlösungsplan und in welcher Weise er sich erfüllen sollte. Wohl sprach Christus dann und wann etwas davon. Doch die Apostel sollten zuerst an ihn glauben können und ihn als Gottes Sohn bejahen, denn sie zweifelten des Öfteren an Jesus. Der eine oder andere war drauf und dran wegzugehen, weil er glaubte: “Es stimmt doch nicht, dass dieser Jesus der Sohn Gottes ist.” Sie erwarteten anfänglich grössere Wundertaten, andere Bestätigungen. Anderseits mussten sie sehr viel Unangenehmes auf sich nehmen. Es waren ja auch die niederen Geister hinter diesen Aposteln her, um sie irre zu machen. So brauchte es auch wieder den Beistand der göttlichen Welt, um sie zu festigen. Christus hatte sie um sich geschart und gesammelt, und, wie ihr wisst, sie waren ihm bis auf den einen geblieben – ich brauche dies nicht im Besonderen zu betonen.

Christus durfte von der Geisterwelt Gottes immer mehr Belehrungen empfangen, und im Verlauf der Zeit wurde ihm ganz klar, was ihm bevorstand. Er hoffte immer wieder, sein Vater könnte schliesslich das alles doch noch abwenden und andere Wege für ihn bestimmen. Die Geister Gottes aber sprachen von der unbedingten Notwendigkeit seiner Aufgabe, die er durchstehen sollte, und sie machten ihn darauf aufmerksam, dass er den Versuchungen, jenen niederen Geistesmächten, niemals nachgeben dürfe. Sie erklärten ihm stets: “Wir gehen jetzt, und wenn wir gehen, sind die andern da. Diese werden alles leugnen, was wir dir gesagt haben. Glaube ihnen nicht! Glaube ihnen nicht, denn die da kommen, sind die Knechte Luzifers. Glaube nicht!” So eindringlich sprachen diese guten Geister auf Jesus ein.

Und sie kamen, jene Knechte Luzifers – zeitweise sogar er selbst. Meist waren es seine zuverlässigen und fähigen Helfershelfer, die diesen Jesus bearbeiteten. Sie führten ihm damals, im Garten Gethsemane, die Qualen vor Augen, die er durchstehen müsse. Im Geiste hatte er gesehen, was auf ihn wartete. Die niederen Geistesmächte hatten ihn aufgefordert, seinem Glauben an Gott abzusprechen – er wäre niemals Gottes Sohn. Wenn er das tue, wäre er von allem Unangenehmen befreit, und sie würden auch die Schriftgelehrten und all die Persönlichkeiten des Hohen Rates beeinflussen, damit ihm nichts geschehe. Es wäre noch Zeit dafür, letzte Zeit. Sie erklärten ihm in jener Nacht im Garten Gethsemane, dass die letzte Stunde gekommen wäre, es abzuwenden, damit ihm nichts geschehe. Und er sah die Bilder vor sich, er sah seine Geisselung ... Diese zeigten sie ihm; sie führten ihm vor Augen, wie er gequält und gemartert wurde.

Jesus war doch Mensch – seine Angst war genau so wie die eines andern. Er sah das Furchtbare, das auf ihn wartete, und es wurde ihm klar, welcher Weg ihm bevorstand; er sah sich selbst am Kreuze. Diese Bilder hatten ihm die dunklen, düsteren, bösen Mächte vor sein geistig Auge geführt, immer noch in der Hoffnung, ihn damit vom Glauben an Gott abzubringen.

Luzifer mit seinem Anhang war sich nicht ganz im Klaren darüber, wie dieser Erlösungsplan vor sich gehen musste – nicht alles war ihm offenbar. Er konnte jedoch den Weg sehen, den Jesus gehen musste, denn alles war vorbereitet. So glaubte Luzifer, wenn Jesus als Mensch gestorben sei, würde er zum Vater zurückkehren und dann wäre alles wieder wie vorher – weiter dachte er nicht. Wohl hatte Luzifer eine leise Ahnung, dass es vielleicht doch irgendein Eingreifen geben könnte, aber er hatte keine Vorstellung von dem, was ihm dann wirklich bevorstand. Davon sollte und durfte er keine Ahnung haben.

Ich mache nun einen grossen Schritt vorwärts. Ihr wisst selbst aus der Heiligen Schrift, welche Wege dieser leidende Christus gehen musste, dass er am Kreuz gestorben und dass er die Worte ausrief: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Er war sich doch gewohnt, dass die Engel immer bei ihm waren und ihn trösteten. Nun sah er niemanden mehr – es waren keine Engel mehr bei ihm, die ihn trösteten. Und Luzifer glaubte, ehe Jesus den letzten Atemzug tun werde, könnte er noch an seiner Aufgabe zweifeln, da er diesen qualvollen Weg gehen musste, wie er es ihm vorausgesagt hatte. Und die teuflischen Mächte sagten ihm: “Dieser Gott, dieser Vater, von dem du redest, hat dich verlassen; ein Vater verlässt doch sein Kind nicht! Du solltest doch einsehen, dass es nicht stimmt!” Doch Christus blieb standhaft, und diese Worte gehörten zu seinen letzten am Kreuze, als er voller Schmerz und Pein ausrief: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Und bald darauf durfte er sagen: “Es ist vollbracht.” Dann wurde sein Geist von den Engeln Gottes in Empfang genommen.

Nun möchte ich nicht unterlassen zu sagen, dass die himmlische Welt, die Himmel mit all ihren Seligen, ganz besonders in dieser Prüfungs- oder Leidenszeit Jesu traurig waren. Der Himmel hatte seine ganze Fröhlichkeit verloren. Auch die Geister der Fröhlichkeit und des Gesangs blieben stumm und machten ernsthafte Gesichter. Es war eine grosse, grosse Stille in den Himmeln. Man bangte, man bangte. Gott hatte die Fürsten des Himmels über den Plan unterrichtet, den er vorsah – was dieser Erlösungsplan heisse. Die Treugebliebenen des Himmels, die Heiligen, wussten, dass Christus nun Luzifer gegenübertreten und trotz dieses geistigen Kampfes, der sich da abspielte, trotz dieser geistigen Qualen standhaft bleiben musste. Daher hatten die Treugebliebenen des Himmels um diesen Menschen Angst, dass er doch noch versagen könnte; sie waren sich ihrer Sache nicht sicher.

Das ist auch etwas, was man einem Gläubigen sagen muss. Gott hatte eben Christus diese Prüfung auferlegt, und es war notwendig, sie zu bestehen. Und Christus musste die Entscheidung geben, ob er stark genug war, diese Aufgabe als Mensch zu erfüllen. Er sollte doch die Menschheit erretten und ihren geistigen Aufstieg frei machen. So blieb der Himmel in dieser langen Stille. Wohl vermochte man da oder dort aus einem der Himmel stille Musik zu vernehmen – diese stimmte aber einen jeden Geist eher noch trauriger.

Während der Zeit der Sendung Christi waren in den Himmeln auf jeden Fall schon Vorbereitungen für einen Sieg Christi getroffen worden. Dazu brauchte es Geister Gottes, die eingesetzt wurden. In erster Linie mussten solche Geister hinzugezogen werden, die Christus in jene höllischen Sphären geleiten sollten, um mit Luzifer – nun von Geist zu Geist – abzurechnen. In der Bibel ist vom Paradies die Rede. Das Paradies aber, von dem der Himmel spricht, ist eine geistige Sphäre – ich möchte fast sagen: eine erdnahe Sphäre. In diesem Paradies, wo einst zwei Geister geprüft wurden und welches sie, da sie die Prüfung nicht bestanden, verlassen mussten, standen und stehen Geister Gottes mit glühenden Schwertern als Wächter da. Das vermögen wohl nicht alle zu verstehen. Doch das Paradies ist eine erdnahe Sphäre. Geistige Sphären schwingen ineinander, grenzen sich jedoch voneinander ab, indem beispielsweise ein Fluss oder ein See es verunmöglicht, in die andere Ebene hinüberzugehen. Die geistigen Ebenen werden zudem, wenn es sein muss, bewacht, und man hat Mittel und Wege, sie abzugrenzen. Dieses Paradies ist noch immer das himmlische Paradies, und es bleibt erhalten. Ich möchte es auch einen Zwischenhimmel, einen Vorhimmel nennen.

Auf Befehl Gottes gingen Heerscharen des Himmels in dieses Paradies, um bereit zu sein für den Kampf, wenn er stattfinden sollte – wenn er stattfinden sollte ... Michael selbst wartete schon vorher, ehe Jesus gestorben war, mit seinen Kämpfern in diesem Paradies. Michael hatte doch während der Lehrzeit Jesu auch zeitweise Aufgaben zu erfüllen. Denn die Hölle hatte in jener Zeit ihre Tore aufgetan und sie alle losgelassen. Sie besetzten Strassen und Plätze, und man führte sie in die Tempel und Synagogen. Legionen von bösen Geistern waren dort. Und Michael musste von Zeit zu Zeit reinigend eingreifen, denn jene bösen Geister durften sich nicht allzu viel erlauben.

Ich möchte hier eine Erklärung geben, da Christus selbst einmal im Hause seines Vaters die Händler austrieb (Mat. 21, 12 f.). Er sprach: “Ich tue nichts von mir aus; mein Vater will es, mein Vater belehrt mich.” Die Geister Gottes hatten es ihm gesagt, da der Tempel wieder voll von niederen Geistern war. Was waren das denn für Leute, die in diesem Tempel, in diesem Gotteshaus, waren? Es waren Händler und Geldwechsler, die die Menschen betrogen, die Wucherzinsen forderten – Lug und Betrug wurde dort ausgeführt. Geister Gottes, die mit diesem Jesus gingen, forderten ihn als Menschen auf: “Jage sie hinaus!” Es waren aber auch Geister Gottes da, die jene wegjagten, so wie man sie von den Strassen und Plätzen verwies. Wohl wichen sie zurück, doch nur, um bei nächster Gelegenheit wieder da zu sein. Es brauchte dazu diesen Michael im Paradies, um diese Aufgabe im Laufe der Leidenszeit Jesu Christi zu erfüllen. Doch auch Michael war sich nicht sicher über den Sieg oder ob es verloren wäre. Auf jeden Fall war er bereit zum Kampfe; er war dazu aufgefordert worden.

Die Geister Gottes, die in der Paradiesesebene verweilten, welche der Erde so nahe ist, sahen und erlebten aus nächster Nähe alles, was vor sich ging. Sie trugen stets die Kunde von allem vom Paradies zurück in die Himmel. Und die Geister Gottes warteten voller Bange und mit Ängsten auf die Nachrichten, die immer wieder gebracht wurden – stets erkundigten sie sich. Sie, die in den Himmeln waren, wussten, dass sie selbst nichts tun konnten. Ihr Verbleiben war dort; dort hatten sie ihre Arbeit. Wie viele es waren – ich kann ihre Zahl nicht nennen.

Das Paradies, in welchem man Vorbereitungen traf, wurde noch erweitert. Himmlische Architekten, wenn ich dieses Wort aussprechen darf, bauten es weiter aus, in der Hoffnung, der König werde zuerst ins Paradies zurückgebracht. Man hatte also vom Himmel her die Vorbereitungen getroffen für den Fall eines Sieges. Die Menschen machen sich auch darüber keine Gedanken, denn die Bibel stellt sie vor die Tatsache: Das Erlösungswerk ist beendet – fertig. Dabei hat sich doch so vieles ereignet, so viele wertvolle Dinge sind es ...

Die Menschen von heute können doch den Glauben, wie er verbreitet wird, einfach nicht mehr bejahen. Sie erkennen, dass vieles fehlt in diesem Glauben, dass eine grosse Lücke ist, oder sie haben keine Antwort. So sind sie ganz falsch orientiert, und das ist es ja, was heute diesen Glauben an Gott und seine Welt so geschwächt hat. Denn das, was der Menschheit an Wahrheiten noch dargeboten wird, ist doch wahrhaftig zu wenig, und nicht nur das: Vieles wurde unterschlagen und ist falsch ausgelegt – es ist eine ganz andere Lehre. So kann es doch gar nicht anders möglich sein, als dass es daraus mit der Zeit gewisse Wirkungen gibt. Es ist gleich wie bei einem Menschen, der sich falsch ernährt: Er wird krank und bleibt so lange krank, bis er zur Einsicht kommt, dieses oder jenes zu ändern. So ist es auch mit dem christlichen Glauben. Es geht so lange, bis man die Einsicht hat und zugibt, was falsch ist und was falsch gemacht worden ist. Erst dann kann es eine Gesundung geben. Aber wenn man es nicht zugesteht, dass man falsch gelehrt, werden die Menschen nicht gläubiger.

Nun wieder zurück zur Leidenszeit Jesu: Die Geister Gottes warteten doch immer wieder auf Nachrichten, um die Botschaft zu vernehmen. Als es dann so weit war und Jesus am Kreuz mit dem Tode rang, wusste man es in den Himmeln und in diesem Vorhimmel, dem Paradies, wo gewartet wurde: “Bald wird es sich entscheiden” – und es wurde immer stiller. Stille wurde es in den Himmeln und im Paradies, bis sie die Worte vernahmen und die Feststellung machten: “Es ist vollbracht.” Diese Nachricht ging wie ein Blitz zu den höchsten Himmeln. Könnt ihr euch vorstellen, welch Jubel, welch Tönen, welch Brausen und Tosen durch alle Himmel ging. Die Engel jauchzten und jubelten: “Es ist vollbracht, Christus hat gesiegt!” Das Brausen und Tosen war so stark, so gewaltig, dass es seinen Widerhall auf der Erde fand. Die Erde fing an, sich zu bewegen, sie erzitterte, Felsen sprangen auseinander, der Vorhang im Tempel wurde entzweigerissen (Mat. 27, 51). Der Himmel hörte kaum auf, zu jubeln und zu jubilieren. Es setzte Gesang und Musik ein, und die Engel tanzten vor Freude. Christus hatte gesiegt!

Die Zeit ist vorgerückt, und ich bin mir nicht im Klaren: Soll ich weiterreden oder meine Ausführungen beenden?

Nun – Michael war bereit mit seiner Schar, Christus in Empfang zu nehmen. Die Geister Gottes im Paradiese waren für den Kampf gerüstet: Jetzt ging es zur Hölle. Man hatte Christus eingekleidet – ihm einen Mantel umgelegt, und man gab ihm ein glühendes, flammendes Schwert in die Hand. Die Legionen Michaels, sie alle waren ausgerüstet mit flammenden Schwertern und andern Kampfgegenständen. Die Hölle erzitterte mit Luzifer, und sie glaubten, diesem Christus und der Legion Michaels den Eingang in die Hölle versperren zu können – aber es gelang ihnen nicht.

Jetzt tobte der Kampf, von dem in der Weise, wie es geschehen ist, nichts in den Schriften steht. Jene andern waren auch etwas gerüstet, doch vermochten sie den Legionen Michaels, die da in die Hölle eindrangen, nicht standzuhalten. Und die Geister der Hölle samt Luzifer verwandelten ihre Gesichter in die von furchterregenden Tieren und Gestalten. Ihre Köpfe waren die Köpfe ekelerregender Tiere, denn sie glaubten, auf diese Weise würden sie dann die Engel Michaels zurückdrängen können. Doch was taten diese Engel Michaels dagegen? Mit ihren glühenden Schwertern schlugen sie auf jene ein. In den Mund dieser Tiere stiessen sie ihr glühendes Schwert, sodass diese zurücksanken und in Ohnmacht waren, denn ihre Verwandlung war ja nur vorübergehend. Sie mussten erkennen, dass sie besiegt wurden. Aber Luzifer gab nicht so ohne Weiteres auf. Er war bereit, selbst mit Christus zu kämpfen. Und Christus musste ihn auch in der Hölle niederringen. Er hatte ja sein Schwert, sein glühendes, brennendes Schwert, und bediente sich dessen reichlich. Furchtbar sah dieser Luzifer aus. Zuerst ging er von einer Verwandlung in die andere – es hat ihm nichts geholfen. So war er in einem furchtbaren äusseren Zustand, furchtbar zugerichtet. Er musste seine Niederlage zugeben und tat es dann auch. Er ging vor Christus auf die Knie, und zitternd bat er, ihn doch zu schonen. Christus hatte erreicht, was er wollte. Nun kam es zu den Abmachungen, über die ihr Bescheid wisst – ich brauche darauf nicht weiter einzugehen.

Ich möchte noch deutlich machen, dass es während des Kampfes in der Hölle Wesenheiten gab, die sich zuerst dem Kampf stellten und auch kämpften, aber bald ihre Ohnmacht einsehen mussten und sich dann auf die Seite der Heerscharen Michaels stellten, um mit ihnen gegen ihren Unterdrücker, gegen diesen Luzifer selbst, vorzugehen.

So ahnt die Menschheit, die Christenheit, nichts von diesem Kampfe – furchtbar war er! Man vernimmt es womöglich aus den Schriften, dass ein Kampf war, aber was heisst das schon: ein Kampf? Was verstehen Menschen schon darunter, wenn es um das Geistige geht? Sie haben keine Vorstellung davon.

Nun, liebe Geschwister, für heute beende ich meine Ausführungen. Ich weiss, es sind gewisse Freunde traurig. Doch ihr müsst nicht traurig sein, ihr sollt glücklich sein. Denn es ist alles getan. Alles schwingt sich nach oben, alles bewegt sich dahin. Es ist auch eure Aufgabe, euch nach oben zu richten und den Himmeln zuzuschreiten. Dementsprechend muss auch euer Wesen engelsgleich werden. Habe ich zu viel gesagt? Liebe Geschwister, seid froh und dankbar in eurem Herzen und in eurer Seele – es ist erfüllt. Es ist eines jeden persönliche Aufgabe, seinen Weg zum Glück zu beschleunigen. Tut es. Es ist sehr klug, wenn man dies tut.

Es ist heute wieder so spät geworden. Nun überlasse ich euch dem Segen Gottes. Gehet alle hin in Frieden. Der Segen Gottes ist mit euch. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 25.9.1973 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal der Park Hotels Waldhaus, Flims (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Christus hat den Auftrag des Vaters erfüllt

Josef, 10. April 1976

Christus hat den Auftrag des Vaters erfüllt

Christus hat mit der Erfüllung seines Auftrags den Menschen den Weg zu Gott frei gemacht. Als er ihn erfüllt hatte, konnte er die Worte aussprechen: ”Es ist vollbracht.” Und als der Kampf gegen Luzifer ausgefochten war, trat das Letzte Gericht in Kraft, welches die Rechte Luzifers einschränkte. Darüber wird in den christlichen Kirchen jedoch kaum gesprochen. Diese geistigen Geschehnisse um Christus gehörten aber zum Grundwissen der christlichen Lehre.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Christenheit wird am morgigen Tag daran erinnert, dass Christus gegen Jerusalem ging und ihm die Menschen Zweige streuten. Sie legten Kleider auf den Boden, damit er mit seiner Eselin darüberreiten konnte. Sie jubelten ihm zu, und Jesus ging voller Hoffnung und mit innerer Freude nach Jerusalem. Doch dort angekommen, war der Jubel bald zu Ende: Dieselben Menschen, die ihm zugejubelt und “Hosanna!” gerufen hatten, verkrochen sich Tage später in ihren Häusern. Sie hatten Angst, weil sie hörten, dass dieser Jesus nun gefangen genommen worden war. Sie wussten, dass er verurteilt würde, und sie selbst hatten Angst, dass auch sie mit einbezogen werden könnten. Und so versteckten sich viele. Nur kurz war also dieser Jubel, den Christus erlebte.

Ich brauche die Leidensgeschichte des Herrn und Erlösers nicht im Einzelnen darzulegen, denn in den christlichen Kirchen wird darüber geredet. Es wird aber nicht darüber gesprochen, dass dieser Christus einen geistigen Kampf auszufechten hatte und dass es seine geistigen Hintergründe hat, warum er verurteilt wurde und weshalb er diesen schweren Weg gehen musste. So habe ich mir in der letzten Zeit besondere Mühe gegeben, jene Bibelstellen zu erläutern, die für den Menschen unklar und irreführend sind, denn es ist meine Aufgabe, euch solches zu erklären.

Ich stehe nicht als ein Diener der Welt vor euch, sondern als ein Diener Gottes, und als solcher habe ich die Aufgabe, euch auf diese Unsicherheiten aufmerksam zu machen und sie euch klar auseinanderzulegen. Ich bin aber nicht ein Diener der Welt, den man befragen könnte, wie man seinen irdischen Reichtum und seinen sonstigen Besitz vergrössert oder wie man andere irdische Vorteile erlangt. Solches ist nicht meine Aufgabe, weil ich ein Diener Gottes bin und kein Diener der Welt. Ich habe euch schon viele Male dargelegt, wer der Herrscher dieser Welt ist und dass dieser Herrscher die Macht über die Seinen, die Menschen ausübt.

Es ist besonders wichtig, dass man den gläubigen Christen auch wirklich über die Wahrheit unterrichtet, denn die Wahrheit ist in vielen Dingen anders, als die Menschen dieser Welt es sehen.

Wenn ich sage, dass ich euch die Leidensgeschichte des Herrn nicht darzulegen brauche, möchte ich doch besonders dem gläubigen Menschen in Erinnerung rufen: Wenn es auch heute Christen gibt, die keine innige Beziehung zum Erlöser haben – die vielleicht sogar überhaupt keinen Glauben besitzen –, so sind sie doch fähig oder verstehen es, diese Feiertage, die ihnen als Erinnerungstage geschenkt werden, zu nutzen, oder sie tun dies aus gewissen Vorteilen heraus.

Es wäre doch im Allgemeinen von Wichtigkeit, nicht nur auf diesen einen Erinnerungstag des Geschehens aufmerksam zu machen, sondern auch die Zusammenhänge darzulegen, um auf diese Weise beim Menschen auf ein noch besseres Verständnis zu stossen, damit er begreift, dass er seinen Weg zu Gott finden kann. Genau das ist und war die Aufgabe Jesu Christi. Er hat die Menschwerdung angenommen, er ist mit einem Auftrag aus den Himmeln heraus ins menschliche Dasein getreten.

Dazumal, als Christus seinen Auftrag zu erfüllen versuchte, dachten die Menschen nicht mehr daran, was zuvor geschehen war: dass es eine Zeit gegeben hatte, wo den Hirten verkündet worden war, dass dieser Messias, der Erlöser der Menschheit, geboren sei. Denn zur Zeit, als Christus anfing seinen Lehrauftrag zu erfüllen, dachten die Menschen nicht mehr an jene Zeit zurück, als ihnen die Botschaft gegeben worden war, dass der Erlöser geboren sei. Zur Zeit, als sein Leidensweg begann, suchte man immer noch nach dem Messias. Man wollte Christus nicht als den Messias anerkennen, obwohl jenen Gelehrten, jenen Pharisäern noch in Erinnerung war, dass es diese Botschaft gab, wo den Hirten verkündet worden war, dass Christus geboren sei. Vergessen gegangen ist diese Botschaft, dass er ein König sei, dass er der Erlöser der Menschheit sein würde (Luk. 2, 8 –20).

Vergessen gegangen ist, dass es einst drei Sternkundige gab oder Weise, wie es im heiligen Buch der Bücher steht, die den Stern suchten und seinem Lichte nachgingen, um das Kindlein zu finden und es anzubeten. Diese Kunde wurde dazumal verbreitet, und es wollte sich ja auch ein König [Herodes] aufmachen, aber er trieb ein falsches Spiel. Es verunsicherte ihn, zu hören, dass ein König geboren sei. Er dachte doch in erster Linie, dass es ein irdischer König sei. Niemals dachte man in geistiger Art und Weise. Auch zur Zeit, als Christus mit den Jüngern zusammen war und von seinem Königreich sprach, verstanden sie nicht, was er damit meinte; sogar sie glaubten, er würde damit ein irdisches Königreich meinen.

In verhältnismässig kurzer Zeit gingen jene Botschaften vergessen. So stellt sich die Frage, wer wohl die Schuld trägt, dass sich jene Botschaften nicht verbreiten konnten und die Menschen sogar glaubten, dieser Messias müsste aus einem vornehmen Hause hervorgehen ... Als Christus wirkte, sagten die Schriftgelehrten und Pharisäer: “Was hat es denn mit diesem Jesus auf sich? Er kommt ja aus der Familie eines Zimmermanns, und seine Brüder und Schwestern haben nichts Besonderes an sich. Was mag es wohl sein, was hinter diesem Jesus ist?” So sprachen die Schriftgelehrten und auch andere, die ihm jeweils zuhörten. Am einen Tag staunten sie und bewunderten ihn, an einem anderen Tag verurteilten sie ihn wieder.

So wirkte dieser Christus in jener Zeit und versuchte den Menschen klarzumachen, wer er war. Er sprach davon, dass er der Sohn Gottes sei, und er sprach von seinem Königreich. Wenn man seine ganze Lehre betrachtet – ich möchte jetzt sagen, seit Beginn des ersten Tages seiner Lehrtätigkeit –, lief alles nur darauf hinaus, dem Menschen den Weg zu Gott klarzumachen. Es ging darum, dem Menschen verständlich zu machen, dass Christus einen Auftrag hat und, wenn er diesen Auftrag erfüllt, der Weg zu Gott frei ist. Er sagte, dass er Gottes Sohn sei, doch die Menschen zweifelten an seiner Aussage. Es waren vor allem jene besonderen Leute, die an dieser Aussage zweifelten: diese, wie Christus sagte, vornehmen Menschen, die es liebten, in langen Gewändern umherzugehen und überall die ersten Plätze einzunehmen. Jene waren es, die es nicht haben wollten, dass da einer kommt und behauptet, dass er der Sohn Gottes sei, und von einem Königreich spricht. Diese Menschen ahnten nicht, dass Christus einen unsichtbaren Kampf auszufechten hatte, obwohl er in seinen Belehrungen immer wieder darlegte, dass er nichts an dieser Welt habe und sein Königreich mit der Welt nichts zu tun habe – dass er in einem höheren Auftrage handle.

Durch die Krankenheilungen und das Ausüben der verschiedenen Wundertaten gab er diese vielen Beweise seiner göttlichen Herkunft, gab er doch Zeugnis davon. Doch die Menschen nahmen ihn nicht an. Es war nur eine kleine Schar, die ihm Glauben schenkte. Sie wollten an ihn glauben, wenn sie krank waren und hofften, durch ihn gesund zu werden. So war doch stets seine Frage an jene, die ihn baten “Mache mich gesund”: “Glaubst du an mich? Glaubst du an meine Sendung?” Und sie antworteten ihm: “Ich glaube an dich.” Sie glaubten, weil sie hofften, von ihm, diesem Wundertätigen, geheilt zu werden. So wollten sie an ihn glauben.

Noch war es die Zeit, wo sie ihm nachfolgen und zuhören konnten. So wusste Christus viel zu erklären, in Sinnbildern. Immer wieder sprach er vom Himmelreich und von seinem Verhältnis, das er zu seinem Vater hat – dass er eins sei in der Gesinnung mit ihm und dass er in seinem Auftrage ausgegangen sei. So erklärte er es den Menschen, die ihm nachgingen, die ihm zuhörten. Er verkündete nun plötzlich eine ganz andere Lehre, und obwohl jene Menschen in ihre Betsäle gingen, in die Synagogen, in den Tempel und dort den Belehrungen jener Schriftgelehrten zuhörten, mussten sie anderseits auch diesem Jesus begegnen, denn er befand sich auch in diesen Betsälen, abwechslungsweise einmal in dieser oder jener Synagoge, dann im Tempel. Auch Jesus legte die Schrift aus, aber er tat es auf eine andere Art und Weise. So war dieser Jesus längst schon dafür bekannt, ehe er sein Lehramt anfing und von seiner Aufgabe sprach und im Besonderen erklärte, dass er der Sohn Gottes sei.

Nun möchte ich auf jene Zeit zurückkommen, als Jesus verurteilt wurde, weil er sagte: “Ich bin der Sohn Gottes.” Man fragte ihn, und er beschwor es: “Ich bin der Sohn Gottes.” Und weiter sprach er: “Ihr werdet mich sehen in der Macht Gottes zu seiner rechten Seite. Und ihr werdet mich in den Wolken sehen; ich werde da kommen in diesen Wolken, und ihr werdet mich erkennen.” (Mat. 26, 64.) Sie verstanden es nicht; sie wussten mit diesen Worten nichts anzufangen. Sie entgegneten ihm, dass er Gott lästere (Mat. 26, 65).

Warum sagte Jesus, sie würden ihn sehen in der Macht Gottes zu seiner rechten Seite – als rechte Hand, wenn ich es nach eurem heutigen Verständnis und euren Begriffen ausdrücken will? Auch die Menschen, die dazumal lebten, konnten dies nicht sehen, denn sie waren ja in ihrem irdischen Leibe. Sie hatten die Erkenntnis um seinen Auftrag nicht. Doch Christus wusste: Wenn jene Menschen sterben, würde für sie der Zeitpunkt kommen, wo sie zur Erkenntnis gelangen, dass Christus diese Macht von Gott bekommen hat und alles aus ihm gekommen ist, was in den Himmeln und auf Erden geworden ist. Christus, der Sohn Gottes, hatte diese Schau in die Zukunft. Er ahnte, er hoffte, dass er seinen Auftrag erfüllen würde. So war er voll guten Willens und starker, grosser Hoffnung, dass es ihm gelingen würde, seinen Auftrag zu erfüllen. So wusste er darum: “Erfülle ich diesen Auftrag, so werde ich meine Stellung neben Gott einnehmen.” Seine Verbundenheit zu Gott war so stark. Er war in grosser Hoffnung, aber auch in ständigem Bangen, ob es ihm gelingen würde, diesen seinen Auftrag, den ihm der Vater gegeben hatte, zu erfüllen.

Als Christus die Worte sprach: “Und auf den Wolken werde ich kommen, werdet ihr mich sehen”, hatte er die Schau und wusste: “Habe ich meinen Auftrag erfüllt, beginnt mein Kampf” – dieser geistige Kampf. Als Christus diese Worte sprach, als er befragt wurde, ob es wirklich stimme, dass er der Sohn Gottes sei, hatte er längst erkannt, welcher Art sein Tod sein würde. Gekreuzigt zu werden, war zu jener Zeit, als Jesus Christus lebte, eine übliche Art der Verurteilung. Dieses wurde ihm ja mitgeteilt, als er im Garten Gethsemane betete. Dort fand er die letzte Bestätigung, dass es dieser Tod sein würde. Hatte er doch zuvor und eben gerade dann, als er auf dieser Eselin ritt und nach Jerusalem zog, gehofft, dass ihm ein so schwerer Weg erspart bliebe. Doch er war bereit, alles nach dem Willen des Vaters zu erfüllen. Seine Aufgabe wollte er erfüllen, obwohl in der Schrift steht: “Und er wurde den Menschen in allem gleich.”

Es gibt Christen, die glauben, dass Christus diese Schmerzen und dieses Leid nicht ertragen, nicht spüren musste. Das ist eine Unwahrheit! Um seinen Auftrag zu erfüllen, musste Christus durch das schwerste Leid und die schwerste Not gehen. Er bangte, er zitterte und wusste um die Grausamkeit jener Menschen: wie sie Verurteilte behandelten und quälten. Er fühlte wie ein Mensch, er hatte Angst, wie ein jeder Mensch – seinerzeit und heute – Angst hatte und hat. Denn gerade darin, dass er den Menschen in allem gleich werden sollte, lag ja diese grosse Prüfung. Dies war in seinem Auftrage mit verwurzelt: als Mensch unter den Menschen zu leben und wie Menschen zu leiden. Er musste im doppelten Sinne leiden. Er erfuhr nicht nur das Leid, das man ihm äusserlich antat, die Schmerzen an seinem irdischen Leib, er hatte noch den geistigen Kampf vor seinem geistigen Auge. Er erlebte den ständigen Spott der Geistwesen. Sie verspotteten ihn und versuchten, ihn mutlos zu machen.

Nur ein Hinweis auf jene Zeit, als Christus in die Wüste geführt wurde. Es ist der Christenheit überliefert, dass Christus vom Teufel versucht wurde und dass er eben diesen Versuchungen widerstehen konnte. Dieses ist in den Schriften festgehalten und der Christenheit überliefert. Es ist aber heute nicht alles in allen Einzelheiten überliefert, wie es wirklich war. Verschwiegen wird gerade das, was das Wichtigste ist und was der Mensch wissen sollte: Es ging nicht nur um das Sichtbare dieser Welt, sondern das Unsichtbare spielte die bedeutende Rolle. Christus musste in seiner Leidenszeit in diesem geistigen Kampf noch ständig den Spott der niederen Geister vor seinem geistigen Auge erleben.

Ich möchte auch auf die Worte hinweisen, die Christus am Kreuze ausgerufen hatte: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Dieser Christus musste kämpfen – das Letzte wurde von ihm gefordert. Es gab Zeiten in seinem Leben, wo er hellsehend die Heiligen des Himmels in seiner nächsten Nähe hatte. Er bekam eine unsichtbare Speise – nicht nur dann, als er in der Wüste vom Satan versucht wurde und es ihn hungerte, hatten ihm die Engel, nachdem dieser Satan gewichen war, damit seinen Leib gestärkt. Mit einer unsichtbaren, geistigen Speise waren sie auch in der Leidenszeit an ihn herangetreten. Immer wenn es ihnen möglich gewesen war, war es so, liess Gott es zu. Dann kamen die hohen Fürsten des Himmels in ihrer Pracht, in ihrer Herrlichkeit und standen vor diesem leidenden, gequälten Jesus und stärkten seinen irdischen Leib, sie sprachen zu ihm Worte der Hoffnung, der Zuversicht – sie trösteten ihn, sie machten ihm Mut, sie stärkten ihn.

Diese hohen Fürsten des Himmels sollten aber nicht ununterbrochen an der Seite Christi stehen dürfen – es gab auch für die andern die Möglichkeit. Auch sie nutzten die Zeit, auch sie versuchten, das Ihrige zu leisten. Man hatte Jesus doch zugerufen, als er noch am Kreuze war, er solle abschwören, dass er Gottes Sohn sei. Ein Mensch von sich aus konnte dieses nicht tun, ohne dass er Werkzeug eines bösen Geistes war, der diesen Menschen dazu benutzte, um solches laut auszurufen. Doch Christus ist standhaft geblieben.

Christus hatte auch diese Schau: Für die Erfüllung seines Auftrages sah er sich getragen in der Kraft, durch die Macht Gottes, so wie er es nannte: “Auf den Wolken werdet ihr mich sehen.” Aber mit ihren menschlichen Augen sahen sie ihn nicht auf den Wolken. Dieses konnten sie erst erleben, als sie vom irdischen Reiche abgetreten waren und ihnen das ganze Geschehen vor ihr geistig Auge geführt wurde. Denn gerade jene Menschen, die zur Verurteilung Christi so viel beigetragen hatten, jene, als sie von dieser Welt abgeschieden und in der Jenseitswelt erwacht waren, mussten nun erkennen, was in Wahrheit geschehen war. Jene, die zu dieser Schuld so viel beigetragen hatten, mussten in einer besonderen Vorhölle oder Vorstufe zum Himmel verweilen und konnten nicht gleich mit ihrem Aufstieg beginnen. Da sie nun Geist geworden waren, nachdem sie ihren irdischen Leib der Verweslichkeit zurückgegeben hatten, hatte das Geistige sein Recht gefordert. So sollten sie es sehen; sie mussten nun diesen geistigen Kampf als Geist erkennen.

Es wäre für die Menschen in jener Zeit, die diese besondere Schuld auf sich geladen hatten, viel zu einfach gewesen, im Zustand der Unkenntnis über all das zu leben, was zur Zeit ihres irdischen Daseins geschehen war. Es wäre für sie einfach gewesen, jener Geisteswelt zu entfliehen und sich irgendwo in ihrer Welt niederzulassen, um dort so lange zu verweilen, bis die Gnade Gottes auch sie erfasst und ihnen den Weg für den weiteren Aufstieg geebnet hätte. All jene, die beteiligt waren, kamen nach dem irdischen Tode zusammen. Sie erlebten eine harte Zeit der Läuterung und eine lange Zeit schwerer Bedrängnis. Ihnen wurde aber die Ursache erklärt, warum sie in dieser Bedrängnis zu leben hatten. So mussten sie das ganze geistige Geschehen miterleben und sahen sich selbst, wie sie gelebt, wie sie gehandelt, wie sie betrogen hatten und wie durch sie Menschen geschädigt worden waren. So mussten sie selbst erkennen, wie sich ihre Seele verfinsterte und wie schlecht ihr Aussehen war: dass zwischen ihnen und den bösen Geistern aus dem Totenreich kein bedeutender Unterschied war. Sie sollten den Kampf erleben müssen, sie sollten die Wahrheit erkennen, um so den Grund ihrer Bedrängnis zu verstehen.

So wurde es dann auch gefügt für jene, dass sie es sehen konnten, wie er es gesagt: “Auf den Wolken werdet ihr mich sehen.” Nun, man kann dem so sagen, dass es eine Wolke war, aber es war eine Hülle aus geistigem Od, das zum Verständnis des Menschen als eine Wolke bezeichnet werden kann. Als Geist hatten jene das erlebt. Sie sahen Christus, umhüllt von dieser Macht und Kraft Gottes, eingehüllt in das himmlische Licht und umgeben von Engelscharen, die mit ihm in das Reich der Finsternis hineindrangen. Sie sahen etwas von dem Kampfe. Es sollte ihnen klargemacht werden, dass das, was ihnen Christus zu ihren Lebzeiten gesagt hatte, Wahrheit gewesen, Wahrheit geworden ist. Dies alles hatte Christus in seiner geistigen Schau gesehen. So konnte er ihnen sagen: “Ihr werdet mich sehen – ihr werdet mich in der Kraft und in der Macht Gottes erkennen können. Ich werde auf einer Wolke kommen.” Dieses sollten sie erleben, doch erst nachdem sie von dieser Welt abgetreten waren.

Menschen von heute, die sich Christen nennen, wissen ebenso wenig von diesem geistigen Kampf; doch er sollte jedem Christenmenschen klargemacht werden. So wird es zum Ursprung, zum Quell des Glaubens werden, wenn die Christenheit die Wirklichkeit erfassen und erkennen kann, wie es wahrhaftig ist. Würde ihr solches nahegelegt, würde sie es besser verstehen, wenn in der Bibel immer wieder von der Austreibung eines bösen Geistes gesprochen wird – dass Menschen zu diesem Christus kamen und ihm sagten: “Er hat einen bösen Geist.”

Christus trieb wahrhaftig böse Geister aus. Warum verschweigt die Christenheit das Höchste, was es in der christlichen Lehre gibt: diesen Glauben? Warum bekennt sich die Christenheit nicht zur Wahrheit? Warum verdrängt sie diese Wahrheit? Einerseits spricht sie von der Wahrheit; sie spricht davon, dass Satan versuchte, Christus zu verführen. Sie erzählt dasselbe, was in den Evangelien steht. Man spricht vom Austreiben der bösen Geister, doch glauben tut man nicht. Was ist denn das für ein Glaube? Ist das überhaupt ein Glaube?

Christus versuchte, der Menschheit von dieser andern Welt, vom Vater im Himmel so viel zu erzählen. Er sprach: “Den Willen des Vaters muss man tun.” Und wenn einer zu Christus kommt und ihn bittet: “Zeig mir den Weg, den ich gehen muss”, was gibt er ihm zur Antwort? “Du sollst den Willen des Vaters erfüllen.” Christus hatte ja auch jenem Menschen erklärt, der willens war, ihm zu folgen: “Verschenke alles, was du hast, und folge mir nach. Dann wirst du ins Himmelreich eingehen können.” Jener aber wollte nichts verschenken; er hatte zu viel an dieser Welt. Sie bedeutete ihm zu viel, denn er war sehr reich. Und verkaufen oder verschenken wollte er seinen Reichtum nicht für etwas, was er nicht sehen konnte.

Christus sprach vom Frieden. Er erklärte den Menschen, dass man verzeihen solle, dass man barmherzig und duldsam sein müsse. Er erklärte den Menschen: “Schlägt dich einer auf die Wange, halte ihm auch die andere hin.” Frieden wollte er der Menschheit bringen. Bekämpfen wollte er das Böse. Damit wollte er sagen: “Schenke deine Aufmerksamkeit und deine ganze Kraft nicht dem Vergänglichen, nicht dem Bösen – nicht dem, was der Welt gehört, denn das alles ist vergänglich. Diese Welt wird vergehen, das Reich Gottes aber mit seinen Gesetzen und seiner Ordnung wird bestehen bleiben.” Christus sprach so viel vom Frieden.

Als er seinen Auftrag erfüllt hatte, konnte er die Worte aussprechen: “Es ist vollbracht” (Joh. 19, 30). Und als der Kampf ausgefochten war, trat das Letzte Gericht – ich habe davon die letzten Male so ausführlich gesprochen – für alle Zeiten in Kraft. Das Gesetz wurde so festgelegt, dass es niemals einer Änderung bedarf. Hatte doch Christus öfters vom Letzten Gericht gesprochen.

Die Menschheit von heute sollte doch erkennen können, was Wahrheit ist. Sie ist ja bereit, die Botschaft von der Geburt des Herrn weiterzugeben. Man feiert diese Festtage zu seinem Gedenken. Dann folgt wiederum das Osterfest. Man feiert die Auferstehung, man spricht von der Auferstehung von den Toten. Wie wenige unter den Christen sind es, die eine wirkliche Vorstellung haben von der Auferstehung der Toten aus dem Totenreich. Das sollte der Menschheit klargemacht werden. Dann feiert sie wieder das Fest der Heimkehr Christi; sie verkündet die Botschaft: “Christus ist in sein Reich zurückgekehrt.” Man feiert diese Botschaft, man besingt diese Botschaft. Und man erinnert sich an das Pfingstfest. Man spricht vom heiligen Geist, aber man versteht darunter alles andere als die Wirklichkeit. Man versteht unter diesem heiligen Geist eine Kraft oder etwas, was man einfach nicht begreifen kann und nach dem man nicht fragen, nicht forschen soll. Dabei sprach doch Christus nur von seinem lebendigen Reich. Das lebendige Reich ist das Reich des Vaters. Denn Gott ist der Gott der Lebendigen.

Was unten ist, was dem Satan gehört, das ist das Reich des Toten. Damit ist das Totenreich gemeint, und der Satan ist der Herrscher über die Toten. Aber dieses Wort ist nicht zu verwechseln mit dem Sterben oder Abscheiden des Menschen von dieser Welt. Man soll wissen, dass es einen irdischen Tod gibt, ein Sterben des Leibes, und man soll wissen, dass es einen geistigen Tod gibt. Die Trennung von Gott nennt man geistigen Tod. Und vom lebendigen Reich Gottes, von seinem Königreich sprach doch Christus zeit seiner Verkündung.

So ist es für die Geisteswelt Gottes unbegreiflich, dass Menschen von heute, die behaupten, eine genaue, exakte Wissenschaft zu haben, nicht erkennen können, dass es auch um den Glauben, um das Lebendige geht und dass niemals in dieser Welt irgendwo etwas Bestand haben kann, ohne dass irgendein Meister es geschaffen hat. So sollte es den Menschen verständlich sein, dass alles, was sie tasten, berühren können, was sie besitzen oder ihren Besitz nennen, von Menschenhand geschaffen worden ist. Also gibt es einen irdischen Meister. Warum soll es nicht auch einen geistigen Meister geben? Warum sollen die Dinge, die auf dieser Erde sind, nicht auch im Geistigen vorhanden sein? Denn zuerst war alles geistig, und erst dann wurde es in Materie eingehüllt. Es ist schwer, dies allen Menschen begreiflich zu machen. So betone ich immer wieder: Es ist unmöglich, einmal, zweimal hierherzukommen, zuzuhören und dann zu glauben, man verstehe nun die geistige Lehre. Ich kann dazu nur das sagen, wie ich es immer betone: Das wäre so, als ob einer ein Buch in der Mitte oder nur am Ende lesen würde und keine Ahnung von der Handlung hat, die am Anfang des Buches eine Rolle gespielt hat. Man kennt die Zusammenhänge nicht – kann sie vielleicht nur vermuten. Will man aber etwas genau erkennen, muss man auch über den Anfang Bescheid wissen.

Liebe Geschwister, ich möchte euch allzu gerne immer wieder ein Stück des Himmels öffnen. Denn von der Zeit an, als Christus sein Werk erfüllte, bis zur heutigen Stunde ist doch im geistigen Aufstieg vieles geschehen. Obwohl die Christenheit die Wahrheit nicht voll und ganz erkennen konnte, hat sich vieles geändert. Dafür bedurfte es ja stets der geistigen Belehrung. So werden die Heimkehrenden, die man für würdig befindet, auch geistig geschult und unterrichtet. Jenen, die in ihrer geistigen Entwicklung noch so tiefstehend sind, bringt man das Kostbare nicht bei. Man lässt sie in ihrem Reiche, in ihrer Aufstiegsstufe, und man wartet die Stunde ab, die kommen wird für sie, damit sie in ein neues Dasein treten können, um dann ihre Aufgabe auf dieser Welt zu erfüllen. Ein neuer Anfang wird immer wieder geschaffen, um zu neuen und besseren Erkenntnissen zu kommen, denn auf diese Weise läutert sich die Seele, und das Dunkel der Seele entflieht. Wem es möglich ist, diesen Weg der Wahrheit zu finden, und wer auch wirklich in dieser Wahrheit lebt, wird dereinst mit Freuden und Jubel begrüsst werden. Er wird dementsprechend seine Stellung einnehmen.

Es gibt aber auf dieser Erde auch Menschen, die einen tiefen Glauben an Gott haben und die diese Wahrheit, diese wichtigen Erkenntnisse, nicht besitzen. Doch ist ihr Glaube an Christus, den Erlöser, gross, und sie legen alles in Gottes Hände. Sie bitten Gott, er möge sie führen und lenken. Sie zeigen ein Leben voll der Demut und Bescheidenheit. Sie versuchen nach bestem Wissen und Gewissen der Lehre Christi nachzukommen.

Und so kann es geschehen, dass jemandem ein grosses Unrecht angetan, einer sogar verurteilt wird und ins Gefängnis kommt und unschuldig Jahre hindurch dort verweilt und stirbt. Es kann sein, dass ein solcher trotz dieser Ungerechtigkeit, die ihm zugeführt wurde, den Glauben an Gott nicht verliert, zu Gott betet und in seinem Herzen und in seiner Seele keinen Hass hat. Er nimmt sein Kreuz auf sich und trägt es als solches. So hält er sich in Gedanken an Christus – daran, dass Christus eine viel grössere Aufgabe erfüllte und ein viel bedeutenderes Leiden ertragen musste. Der Sohn Gottes begab sich freiwillig unter die Menschen und erlitt diesen furchtbaren Tod. Wenn da einer im Glauben an Christus lebt und stirbt und noch Jahrzehnte hindurch unschuldig im Gefängnis sass, werden ihn die Engel des Himmels holen und in jene prachtvolle Geisteswelt hineinführen, so wie Christus Beispiele in der Bergpredigt gab. Ein solcher wird den Himmel in seiner Pracht erleben dürfen, denn Unrecht wurde ihm zugeführt, Leid musste er ertragen. So haben Engel Gottes einen solchen Verstorbenen in seine Welt des Geistes zurückgeführt, in das lebendige Reich, und haben ihm erklärt: “Du sollst nun die Himmel in ihrer Pracht erleben dürfen. Unrecht ist dir angetan worden, und der Himmel weiss dich zu belohnen, weil du nie gehadert hast und stark geblieben bist im Glauben an Gott und an den Erlöser.” Auf eine herrliche Art und Weise, die ich jetzt nicht zu schildern vermag, erlebt ein solcher in Wirklichkeit den Himmel. Er hat nicht gehadert, er hat an Gott geglaubt, sein Kreuz getragen, so wie Christus es auch den Seinen, den Umstehenden, den Zuhörenden stets erklärte: “Nehmt auch euer Kreuz auf euch und versucht, mir nachzufolgen” – das heisst also: “Tut das Eurige, und tragt das Leid, so wie ich auch das Leid getragen habe.” (Mat. 16, 24.)

So ist es diese Botschaft, die aus den Himmeln zu den Menschen dringt: “Richtet euer Leben nach dem Willen Gottes aus. Zeigt Liebe, Verständnis und Barmherzigkeit, so wie Christus es getan hat.” Denn das Wort Liebe ist so etwas Bedeutungsvolles ... Dieses Wort wird jedoch von Menschen nur oberflächlich und leichthin ausgesprochen. Doch in dieser Liebe ist alles enthalten. Sie umfasst alles: das Ertragen von Unrecht, das Dulden, aber auch das Verzeihen, das Verständnis, die Barmherzigkeit, die Gnade. Alles ist darin enthalten, was den Menschen auf dieser Erde zu einem glücklichen Menschen machen kann. Das ist Liebe – sie sollte man geben. Das ist Gottes Liebe, und diese Liebe fand ihren Widerschein in Christus. Er gab sich in dieser Liebe der Menschheit hin, und so sollte die Menschheit durch sein Erlösungswerk den Frieden finden – den Frieden für alle Zeiten. Wisst ihr, was das heisst?

So, liebe Geschwister, will ich mich von euch verabschieden. Morgen [zur Osterfeier] sind wir wieder zusammen. So möge Gottes Segen und sein Friede euch begleiten. Möget ihr in Gottes Gnade und in seiner Barmherzigkeit leben. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.4.1976 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 2/2014
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm