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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2021 zum Thema Leben nach dem Tod
Geistige Welt 1/2021
Leben nach dem Tod
Beschreibung

Dieses Themenheft befasst sich mit einer der ältesten Fragen der Menschheit: Besitzt der Mensch eine unsterbliche Seele, die nach dem Tod des irdischen Leibes in einer geistigen Welt weiterlebt? Und wenn ja: Wie gestaltet sich das Leben in jener andern, jenseitigen Welt? Der erste Vortrag des Hefts berichtet von zwei Freunden, die über das Schicksal der Seele nach dem Tode unterschiedlicher Ansicht waren. Er schildert, was beide nach ihrem Sterben erlebten und durch welche Erfahrungen der eine von ihnen zur Einsicht gelangt, warum es so schwierig ist, als Mensch den Glauben an die Jenseitswelt zu erringen. Der zweite Vortrag handelt von einem verstorbenen Mann, der nach einem gewaltsamen Tod als geistiges Wesen erwacht und in der göttlichen Welt von seinen Eltern, von zwei seiner Brüder und seinen zwei jung verstorbenen Kindern begrüsst und mit der neuen Umgebung vertraut gemacht wird. Das Heft enthält auch verschiedene Fragebeantwortungen, beispielsweise über die Möglichkeit, das Leben nach dem Tode wissenschaftlich zu beweisen. Behandelt wird unter anderem auch die Frage, warum es Verstorbene gibt, die während einer längeren oder kürzeren Zeit gar nicht realisieren, dass sie gestorben sind.

Themenheft 1/2021: Leben nach dem Tod

Inhalt
Gibt es ein Weiterleben in einer geistigen Welt?

Josef, 11. November 1967

Gibt es ein Weiterleben in einer geistigen Welt?

Christus lehrte: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen; ich werde euch eine Stätte bereiten, damit auch ihr seid, wo ich bin.” (Vgl. Joh. 14, 2–3.) Diese Verheissung auf ein zukünftiges Leben im Reich Gottes ist ein zentraler Bestandteil der christlichen Lehre. Gleichwohl ist in der Christenheit der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod nicht Allgemeingut. Vielen Menschen fällt es schwer, an eine Jenseitswelt zu glauben. Davon handelt dieser Vortrag. Er berichtet von zwei Freunden, die über das Schicksal der Seele nach dem Tode unterschiedlicher Ansicht waren. Geistlehrer Josef schildert, was beide nach ihrem Heimgang erlebten und durch welche Erfahrungen der eine von ihnen zur Einsicht gelangt, warum der Mensch in seinem Leben um den Glauben und um höhere Erkenntnis ringen muss.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es gibt Leute, die sagen, sie sehen nicht ein, warum sie an eine andere Welt glauben sollten, warum sie an die Geisterwelt glauben müssten, an das Weiterleben nach dem Tode; sie würden zu Gott beten und sie würden versuchen nach seinem Willen zu leben – das genüge ihnen. Dass Menschen so sprechen, die von einer göttlichen Gesetzmässigkeit keine Ahnung haben, kann man verstehen. Denn sie kümmern sich nicht um diese göttlichen Gesetze. Daher können sie auch nicht anders reden, denn sie haben nicht die wirkliche Verbindung zu Gott, zu Christus und zur heiligen Geisterwelt. Also vermögen sie nicht anders zu sprechen.

Ich möchte euch nun von zwei Freunden erzählen. Beide eiferten nach den guten Werken, die sie tun wollten und die sie auch vollbrachten. Beide strebten nach den hohen Zielen des Lebens. Es waren also beides gute Menschen. Der Unterschied zwischen ihnen bestand aber darin, dass der eine an das Fortleben nach dem Tode glaubte. Er glaubte an die Geisterwelt Gottes, an eine Welt, in der die Geister der Verstorbenen, die in ihrem Leben gut gewesen waren, in Harmonie mit Gott und seinen ihm treu gebliebenen Geistern zusammenleben. Er wusste um die göttliche Welt und hatte auch Kenntnis von weiteren geistigen Gesetzen. Diese andere Welt war ihm also nicht fremd, er war mit ihr schon zu seinen Lebzeiten vertraut.

Diese beiden Freunde unterhielten sich oft darüber. Der andere aber, er konnte die Meinung seines Freundes nicht teilen. Wohl glaubte auch er an Gott, aber er glaubte nicht, dass es gleich nach dem Tode ein Erwachen gebe – er glaubte, dass alle Verstorbenen erst am Jüngsten Tag auferweckt würden. Er blieb fest in seiner Meinung, aber in ihren gemeinsamen Gesprächen brachte er doch jeweils gewisse Zweifel zum Ausdruck. Er sagte: “Wenn es doch wahrhaftig einen Gott gibt und wenn es wahrhaftig so ist, dass Christus als der Sohn Gottes auf dieser Welt gelebt hat, warum wird es nicht möglich gemacht, dass er sich Menschen wieder zeigt? Denn auf diese Weise könnte es doch möglich werden, dass der Glaube stärker wird und sich mehr entfaltet, ja dass sich der Gottesglaube ganz allgemein vermehren würde. Christus könnte doch den Beweis für das Leben nach dem Tod erbringen. Warum tut er es nicht?”

Sein Freund versuchte ihn zu belehren und erklärte ihm: “Christus hat seine Aufgabe erfüllt. Er sendet nun seine Getreuen zu den Menschen; er sendet den Geist der Wahrheit, wie er es gesagt hatte. Es sind diese Geister der Wahrheit, die im Namen Jesu Christi zu uns Menschen kommen und uns im Leben führen und beschützen.”

Das alles wollte diesem Freunde nicht so recht in den Sinn. Denn er behauptete, dass es viel sinnvoller wäre, wenn der Himmel sich öffnen und den Menschen einen handfesten Beweis geben würde; dann würden die Menschen gefestigter in ihrem Glauben. Sein Freund belehrte ihn weiter und erklärte ihm: “Schau, unter den Menschen gibt es doch Arme und Reiche, und es gibt auch einen gewissen Mittelstand. Im geistigen Bereiche ist es ebenso; auch da gibt es Arme und Reiche, und dazwischen gibt es solche, die sich um ihren Aufstieg bemühen, bei denen man nicht sagen kann, dass sie arm sind, aber auch das Wort ‘reich’ ist nicht am Platze. Die Geisterwelt nimmt sich ihrer Geschwister an, aber in erster Linie gesellt sich Gleich und Gleich zusammen. Jene geistig Armen werden auch ihre Begleiter haben; aber es werden Begleiter sein, die auch geistig arm sind, die eben zu ihnen passen. Und jene, die geistig reich sind, werden von Engeln Gottes geführt, die in einem geistigen Reichtum sind. Und strebsame Menschen, die in ihrem Leben nach den geistigen Höhen streben, werden von Geistgeschwistern geführt, die ebenfalls in diesem Eifer sind. So ist es in der geistigen Welt, und so hat der Mensch seinen Begleiter von der geistigen Welt, der für sein irdisches Auge unsichtbar ist.”

Dies alles wollte der Freund nicht verstehen. So belehrte ihn der andere weiter darüber und erklärte ihm: “Sieh einmal, es gibt wirklich geistig arme Menschen, die in einer geistigen Niedrigkeit leben. Sie haben keinen andern Wunsch, als in ihrer Umgebung zu verbleiben und mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, mit solchen, die ihnen im Denken verwandt oder vertraut sind. Beim gehobenen Menschen ist es ebenso: Auch er möchte doch mit seinesgleichen eine Freundschaft haben. Diese Gesetze sind ähnlich: Gleiches zieht Gleiches an.” Und so wollte er seinem Freund klarmachen: “Wenn du bereit bist, dich zu öffnen und die Geisterwelt Gottes anzunehmen, wenn du bereit bist, zu glauben, dass nach deinem irdischen Tode das Leben gleich weitergeht, dann kannst du auch gewiss sein, dass du durch diesen Glauben dementsprechend von einem Geist Gottes gestärkt und durchs Leben geführt wirst und dass dein Inneres dadurch beeinflusst wird.”

Aber alle diese Erklärungen halfen nichts. Die beiden blieben aber trotzdem gute Freunde, denn sie waren beide gut, sie taten viel der guten Werke.

Nun kam ja auch die Stunde des Scheidens von dieser Welt, und als erster ging jener Freund in die jenseitige Welt, der behauptete, man würde am Jüngsten Tage auferweckt. Von diesem Jüngsten Tag hatte er sich überhaupt keine nähere Vorstellung gemacht; er glaubte, dass es womöglich zu einem Weltuntergang kommen würde und dass danach das Gericht Gottes über alle ergehen würde – das war seine Auffassung.

Als er nun seinen irdischen Leib abgestreift hatte und sein geistiges Auge öffnete, da sah er seine Eltern vor sich und Freunde und Bekannte. Er freute sich, die Seinen wiederzusehen, und im ersten Moment wurde es ihm gar nicht bewusst, dass er als Mensch jeweils behauptet hatte, man würde erst am Jüngsten Tag auferweckt – das schien ihm in Vergessenheit geraten zu sein. Er freute sich, seine Eltern und Freunde zu sehen und mit ihnen zu sprechen.

Nun kam ein Engel Gottes zu ihm, jetzt fing ja dieses Gespräch an, und der Engel musste ihm sagen: “Du bist für die irdische Welt gestorben. Deinen irdischen Leib hast du der Erde zurückgelassen. Auferstanden bist du als Geist, du lebst jetzt in der Welt des Geistes.” Der Heimgekehrte freute sich über diese Worte, und es schien ihm immer noch nicht in den Sinn zu kommen, was er als Mensch behauptet hatte. Denn er hatte jetzt so viel zu bewundern, er stand ja in einer völlig neuen Welt mit ihren gewaltigen Eindrücken. Dies alles beschäftigte ihn so sehr.

Der Geist Gottes gab ihm nun zu verstehen: “Du hast in deinem Leben viele gute Werke getan, und dafür wirst du belohnt werden. Es ist aber so schade für dich, dass du neben deinem geistigen Reichtum, den du dir erworben hast, keine grössere Glaubenskraft gehabt hast, mit der du deine Umgebung hättest beeinflussen können – beispielsweise indem du die Menschen auf das Leben nach dem Tode aufmerksam gemacht und ihnen erklärt hättest, dass man das geistige Auge öffnet, sobald man den irdischen Leib abgestreift hat.”

Nun kam es dem Heimgekommenen in den Sinn, was er jeweils gesagt hatte. Und der Engel Gottes erklärte ihm: “Es ist so schade für dich, dass du immer vom Jüngsten Tag gesprochen hast. Es ist deshalb schade, weil du dadurch nicht weitergedacht hast. Weil du nicht daran gedacht hast, dass es wahrhaftig gleich nach dem Tode weitergeht mit dem Leben, hast du dich auch nicht mit den Gesetzen jener anderen Welt befasst. Das ist schade.” Der Engel Gottes aber erklärte ihm weiter: “Du hast ja mit deinem Freund verschiedene Gespräche geführt. Dein Freund hat ein Wissen über die Jenseitswelt, und sein Wissen wird ihm dereinst zugutekommen.”

Jetzt sah er den Fehler ein, aber auch hier, im Gespräch mit dem Engel, brachte er den Einwand vor: “Warum lasst ihr es denn nicht möglich werden, dass es gleich jedem Menschen bewusst wird, dass nach seinem irdischen Tode das Leben weitergeht? Warum gebt ihr den Menschen nicht ein Zeugnis, damit sie schneller zum Glauben gelangen?” Und der Geist Gottes erwiderte ihm: “Gott liess diese Welt erschaffen und die Möglichkeit bereiten für einen schnelleren Aufstieg der Geschöpfe.”

Er konnte es nicht richtig verstehen, was damit gemeint war, denn er war ja über den Heils- und Erlösungsplan, über den Schöpfungsplan nicht unterrichtet. Er hatte es ja auch nicht angenommen, was sein Freund ihm darüber erklärt hatte. Also musste er nun als Erstes belehrt werden. Da er aber ein guter Mensch gewesen war, nahm er in der geistigen Welt eine erhöhte Stellung ein – er hatte sich diese Welt verdient. Er nahm jedoch an diesem Ort, wo er wohnen sollte, nicht den schönsten Platz ein. Diese Ebenen sind, wie euch erklärt wurde, in viele Stufen eingeteilt, und es gibt eine Stufe, die sich ganz besonders durch ihre Schönheit auszeichnet. In dieser Stufe durfte er also nicht seinen Platz einnehmen. Der Geist Gottes aber wusste, dass sein Freund in dieselbe Ebene kommen würde und sie einander dann begegnen würden.

Nun aber sagte er zum Heimgekehrten: “Du musst unterrichtet werden, dann wirst du die Dinge verstehen. Wenn du aber so eifrig bist und glaubst, es wäre notwendig, die Menschen in dieser Beziehung zu unterrichten, damit sie zum schnelleren Glauben kommen, so gehe du nun als Geist zu ihnen hin und versuche sie zu beeinflussen, sodass sie im Glauben an Gott gestärkt werden und an das Leben nach dem Tode und an eine Geisterwelt Gottes glauben. Versuche diese Menschen zu beeinflussen.” Und der Geist Gottes erklärte ihm weiter: “Es ist so: Suchst du dir einen Menschen aus, der ohne Gottesglauben ist, wirst du es sehr schwer haben, ihn zu überzeugen. Die Möglichkeit ist sehr gering. Bringst du es aber fertig, dann erwirbst du dir grosse Verdienste. Leichter wird es dir gemacht, wenn du an einen schon gefestigten Menschen herantreten kannst, der auf der Suche ist – den kannst du führen und beeinflussen. Da bestehen grössere Möglichkeiten des Wirkens, der Überzeugung. Die grösste Möglichkeit findest du bei einem geistgläubigen Menschen. Einen solchen Menschen kannst du in seinem Glauben an die jenseitige Welt weiter festigen, du kannst ihm die Überzeugung bringen. Du wirst es nicht so schwer haben, wenn du dich mit einem Geistgläubigen befasst. Aber was willst du denn bei einem geistgläubigen Menschen tun, der schon über ein geistiges Wissen verfügt? Die Gesetze der Jenseitswelt kannst du ihm ja nicht erklären, weil du selbst nicht darüber unterrichtet bist. Du kannst wohl das von dir Erlebte zum Ausdruck bringen, kannst ihn im Glauben festigen. Aber ein Geistgläubiger möchte mehr erleben, und das kannst du ihm nicht bieten. Also gehörst du noch nicht zu einem Menschen, der schon ein geistiges Wissen hat. Du musst dir also einen Menschen suchen, der ohne Glauben ist. Wenn du es fertigbringst, einen solchen zu überzeugen und ihn zum Glauben zu führen, dann sind deine Verdienste sehr gross.”

Und so wollte sich dieser heimgekehrte Bruder gleich aufmachen, solche bedeutenden Verdienste zu erwerben. Er ahnte nicht, was für eine schwere Arbeit ihm bevorstand; keine Ahnung hatte er von der Beeinflussung eines Menschen. Und so versprach man, ihm zuerst einen aufsteigenden Geist mitzugeben, der schon darüber unterrichtet war, der ihm zeigen sollte, auf welche Art und Weise man einen Menschen beeinflusst. Er wollte sich Verdienste holen, denn er wollte doch so gerne dereinst mit seinem Freund zusammenkommen, mit ihm zusammenleben – denn der Engel sagte es ihm klar: “Dein Freund wird den sonnigsten Platz in dieser Ebene einnehmen.”

Und so versuchte er nun, seine Aufgabe zu erfüllen. Er wurde begleitet von einem aufsteigenden Geistwesen, das das erforderliche Wissen besass; dieses Geistwesen sollte ihm Lehrer sein, jedoch nur für eine kurze Zeit. So suchten sie gemeinsam nach einem Menschen. Sie mussten nicht lange suchen, bis sie einen fanden, der nicht an Gott glaubte. Jetzt zeigte ihm der schon etwas aufgestiegene Geist, wie man einen Menschen beeinflusst. Er erklärte ihm, dass er sich für das ganze Tagwerk dieses Menschen zu interessieren habe, dass er versuchen müsse, seine Gedanken zu erkennen, um ihm in der Zeit etwas voranzugehen, um dementsprechend vorzubereiten.

So fingen die beiden an, sich mit der Tätigkeit dieses Menschen zu befassen. Denn es schien beiden klar, dass man nicht einfach neben ihm hergehen und auf ihn einreden konnte und dann glauben konnte, er würde dadurch beeinflusst. Sie wussten, dass sie nun andere Menschen als Werkzeug benutzen sollten. Und so begleiteten sie ihn tagein, tagaus; sie standen aber auch neben seinem Bett, wenn sein Geist die Möglichkeit hatte, sich während des Schlafes etwas vom irdischen Leib zu lösen. Dann kam es zu einer gemeinsamen Unterhaltung. Die beiden sprachen dann auf diesen Menschengeist ein, er möge sich doch in seinem Denken wandeln und Gottes Herrschaft und Macht anerkennen. Dieser Menschengeist war sofort bereit, die Macht Gottes zu bejahen, und er bat die beiden: “Helft mir doch, dass ich zu dieser höheren Kenntnis komme. Als Geist weiss ich ja um die Herrschaft Gottes, um des Geistes Zugehörigkeit, aber wenn ich wieder im Vollbesitz meiner ganzen menschlichen Kräfte bin und dieser irdische Leib wieder über mir ist, dann vermag mein Wille nicht durchzudringen. Die äusseren Geschehnisse und alle Äusserlichkeiten machen auf meinen äusseren Menschen zu grossen Eindruck; so wird in mir der Geist verdrängt und beeinflusst von der Macht der Umgebung, in der ich lebe.” So antwortete dieser Menschengeist. Er hatte also mehr Erkenntnis als der äussere Mensch. Während der innere Mensch um die Wahrheit kämpfte, verneinte der äussere Mensch diesen Glauben und alle Bemühungen zum Glauben.

Nun bat aber dieser Menschengeist die beiden Helfer, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen. Da musste ihm der Heimgekehrte gestehen, dass er seine Aufgabe an ihm erfüllen und ihn im Glauben überzeugen möchte, weil er selbst im menschlichen Leben so falsch gedacht hatte und der Auffassung gewesen war, Gott hätte doch die Möglichkeit, bei den Menschen so wirken zu lassen, dass sie zu einem Glauben kommen könnten. Er würde jetzt seinerseits versuchen, die Aufgabe, die ihm gestellt worden sei, zu erfüllen und ihn im Glauben zu überzeugen. Er sagte ihm auch, dass sein Begleiter ihm nur erklärt habe, wie er sich bei ihm verhalten müsse.

Unser Bruder betrachtete nun also das Tageswerk dieses Menschen, denn er wollte auf ihn Einfluss nehmen. Er musste auch auf den äusseren Menschen Einfluss nehmen. Mit dem inneren Menschen, mit dem Geist dieses Menschen, war er ja schon ins Gespräch gekommen, von Geist zu Geist. Aber in ein Gespräch zu kommen vom Geist zum ganzen Menschen, das ist schwer. Wenn dieser Mensch in einer geistigen Armut lebt, kann er solche Worte und eine solche Führung nicht verstehen. Viel eher würde er einen geistigen Führer verstehen, der sich mit seinen geschäftlichen Dingen befassen würde, mit dem irdischen Gewinn, den er erzielen könnte – einen solchen Führer hätte er schneller verstanden. Aber diesen Geist, der für das Reich Gottes wirkte und ganz andere Interessen hatte, konnte er nicht verstehen.

Nun versuchte unser Bruder, in der Familie dieses Mannes die Tochter und die Frau anzusprechen. Denn diese beiden waren nicht abgeneigt, an Gott zu glauben. Sie hatten nicht einen festen Glauben. Sie liessen sich vom Vater, vom Mann überzeugen, dass es keinen Gott gebe; aber oft kamen Zweifel in ihnen auf. Es waren also zwei Menschen, bei denen es eigentlich nicht viel gebraucht hätte, dass sie zum Glauben gefunden hätten. Wäre ihnen ein gläubiger Mensch zur Seite gestanden und hätte sie im Glauben an Gott unterstützt, so hätten sie sich im Glauben gefestigt. So aber wurden sie beeinflusst vom Unglauben des Vaters beziehungsweise des Mannes.

Nun nahm dieser Geist die Verbindung zu diesen beiden auf. Es bestand die Möglichkeit dafür, denn sie waren – wie erwähnt – nicht so fest überzeugt, dass es keinen Gott gebe. So umfing er die beiden mit seiner Kraft, die ihm zur Verfügung stand, und wollte sie dadurch im Gottesglauben stärken. Denn diese zwei Frauen waren kränkliche Menschen. Sie kamen einmal ins Gespräch mit jemand anderem, und die Betreffende sprach vom Gebet, das man sprechen müsse und das Heilung bringe, wenn man Gott bitte, er möge einem das Leiden nehmen – im Gebet wäre auch eine Heilkraft. Für diese beiden war es etwas Befremdendes, so etwas zu hören; aber da sie beide kränklich waren, hatte jede, ohne der andern etwas zu sagen, im Stillen gebetet.

Dieser Geist blieb nun im Hause bei dieser Familie. Beim Manne hatte er keine Möglichkeit zu wirken, jetzt aber umfing er die beiden Frauen mit seiner Kraft. Er kräftigte sie im Glauben an Gottes Hilfe, und er selbst hatte die Möglichkeit, ihnen von seiner Kraft zu übertragen – da muss ich wieder den Begriff “Od” dafür verwenden. Das Od, das ihn umfing, war in einem feineren Zustand als die Ausstrahlung der beiden Frauen, und so konnte er von seinem verfeinerten geistigen Odstoff etwas auf diese beiden kranken Frauen übertragen. Dadurch konnten sie gesunden. Und so waren sie im Stillen erfreut über diese Hilfe. Sie glaubten einerseits, es könnte vielleicht doch das Gebet gewesen sein und für sie ein Fingerzeig, dass es Gott gebe; aber schnell kamen wieder Zweifel, dass es nur Zufall gewesen und die Heilung auch sonst gekommen wäre. Und so war man das eine Mal im Zweifel, und das andere Mal war man bereit zu glauben.

Die Aufgabe dieses Geistes sollte es aber doch sein, bei diesem Manne etwas fertigzubringen. Und so glaubte er, es könne möglich werden, dass die beiden Frauen den Vater und Mann überzeugen könnten. Aber es ging nicht, der Mann glaubte nicht, er sprach nur von Zufall. Unser Geistbruder war darüber sehr betrübt, dass es ihm nicht gelang, diesen Menschen zum Glauben zu bringen; und so verliess er diese Familie und suchte sich einen andern Menschen aus. Und die Krankheit kam wieder zu den beiden Frauen zurück, und so war es bei ihnen wieder wie früher: Man lebte im Zweifel und im Unglauben.

Und dieser Geist ging auf die Suche, er wollte doch einen Menschen finden, den er hätte überzeugen können – er ging vom einen zum andern, doch es gelang ihm nicht. Nun sah er, wie schwer es war für ihn, einen Menschen vom Glauben zu überzeugen. Er hatte gar keine Möglichkeit, diese Menschen zu beeinflussen, es fehlte ihm am Wissen und an Kraft.

Nun kam der Engel Gottes wieder zu ihm und erkundigte sich. Er sah, dass dieser Bruder traurig war, denn er hatte nirgends Erfolg. So erklärte er ihm: “Siehst du, du hast alles getan, um diese Menschen zum Glauben zu bringen. Du musstest bei jenen vorübergehen und bei jenen wohnen, die im Glauben auf der niederen Stufe des Aufstiegs sind. Es ist so schwer, die Menschheit zu führen. Es ist so schwer, dass der Mensch seinen Glauben bewahrt und ihn nicht durch Schicksalsschläge verliert. Das Leben des Menschen ist und muss eine harte Prüfung sein. Denn gewinnt er seinen Glauben, dann nimmt er auch dementsprechend seinen Platz ein in der geistigen Welt, wenn er neben seinem Glauben auch die geistigen Gesetze beachtet hat.”

In der Zwischenzeit war sein Freund in die geistige Welt zurückgekommen, und er nahm seinen Platz an der Sonne ein. Nun begegneten sich die beiden wieder, und der Engel Gottes, der auch diesen Freund geholt und begrüsst hatte, war erfreut über seine Heimkehr; denn er hatte in Gottes Gefälligkeit gelebt, und er kannte zu einem grossen Teil den Heils- und Schöpfungsplan. Also konnte man ihn auf einer erhöhten Stufe zur Arbeit einreihen, und so gab der Engel auch ihm einen Auftrag. Diese Arbeit sollte ihm eine grosse Freude werden. Auch er wurde in der ersten Zeit von einem Geist Gottes geführt, der ihm erklärte, wie er seine Tätigkeit im Reich des Geistes auszuführen habe. Und der Engel sagte ihm: “Du sollst den Lohn empfangen für deinen Glauben an uns. Du sollst auch wirken können, und du sollst auch Menschen kräftigen im Glauben. Diejenigen aber, die du führen wirst, haben den Glauben an die jenseitige Welt, an Gott und seine Macht.”

Der Geist Gottes führte ihn nun zu einem Krankenlager, wo Geistgeschwister sich gerade mit dem Geist eines kranken Menschen befassten. Er sah, wie man diesen Menschengeist trug und mit ihm entfloh – das silberne Band zu seinem irdischen Leib wurde aber nicht zerrissen. Man trug diesen Menschengeist zu den Wellen der Meere und liess ihn dort von den Kräften des Meeres, von jener feinen Kraft des Wassers, umfangen. Jene Kraft oder jenes geläuterte, feine Od sollte diesem Menschengeist die notwendige Kraft zurückerstatten, die er für seinen Leib zum Wiederaufbau seiner Kräfte brauchte. Man legte diesen Menschengeist auf die Wellen des Meeres und führte ihn dann wieder zurück zu seinem Lager.

So durfte der mit grossen Verdiensten und mit festem Gottesglauben heimgekehrte Bruder sehen, wie wunderbar die Hilfe der Geisterwelt Gottes ist. Denn er selbst hatte als Mensch diese Hilfe öfters gespürt und jeweils von ihr erzählt. Jetzt sollte er selbst tätig sein und erkennen, auf welche Art und Weise die helfende Geisterwelt Gottes den Geschwistern im Erdenkleide beisteht. Er durfte mit ansehen, wie nun dieser Mensch gesunden konnte. Nur ein einziges Mal hatte man seinen Geist fortgetragen – und er konnte gesunden. Auf diese Weise helfend zu wirken, war für unseren Bruder eine wunderbare Tätigkeit, die ihm grosse Freude bereitete. Hier wurde ja einem Menschen geholfen, der schon im Glauben war, und so konnte diese Genesung viel schneller vor sich schreiten.

Im Weiteren sollte er nun aber auch zu Menschen gehen, deren Lebenszeit auf Erden abgelaufen war. Er sollte diese Menschengeister – das eine Mal diesen, das andere Mal jenen – zur grossen Tafel Gottes führen, die bereitet war, um dem Betreffenden den ersten Trunk zu geben zur Stärkung nach seinem Übertritt ins geistige Leben. Auch diese Menschengeister sollte er führen dürfen und sich mit ihnen von Geist zu Geist gemeinsam freuen über diese wunderbare Tätigkeit.

Es wurde ihm noch eine weitere Aufgabe erklärt, die er tun konnte: Er sollte auch zu betenden Kindern gehen, die ohne Eltern waren. Diese Kindergeister sollte er [während die Kinder schliefen] zu den ihnen entsprechenden Paradiesen führen, damit sie erfreut, aufgemuntert und gestärkt würden. Zu diesen Paradiesen sollte er sie führen, wo die Engel bereit waren, sich mit ihnen zu unterhalten. Und wenn es möglich war, sollten auch die leiblichen Eltern dann und wann Zugang zum Geist ihres Kindes haben. Alle diese Tätigkeiten waren für diesen Bruder eine grosse Genugtuung und Freude.

Er erzählte seinem Freund von seiner beglückenden Arbeit, und dieser Freund bemühte sich, geistige Gewinne zu erzielen. Er bemühte sich zu lernen, er wurde eifrig, denn es wurde ihm der Heilsplan Gottes eröffnet, und er lernte den Erlösungsplan kennen. So hatte auch er seine Tätigkeit, die ihm mit der Zeit Beglückung brachte. Und mit der Zeit konnten diese beiden Freunde miteinander die Aufgaben ausführen.

So wird ein Heimgekehrter auf diesem oder jenem Gebiet seine Aufgabe übernehmen. Für den einen ist seine Aufgabe vielleicht weniger erfreulich, aber sie gibt ihm gleichwohl die Möglichkeit, geistige Verdienste zu erwerben. Ein anderer kann bereits von Anfang an eine erfreulichere Tätigkeit ausüben, die ihm Genugtuung bringt.

So, liebe Geschwister, gab ich euch wieder Einblick in die göttlichen Gesetze. Möge der Segen Gottes euch alle im Glauben stärken. Möget ihr alle von guten Geistern durchs Leben geführt werden. Möget ihr hören, was an bedeutenden Lehren euch diese Geister zu bringen haben. So sollt ihr euch um sie bemühen, dass sie in eurer Nähe sind. Denn Geister Gottes in seiner Nähe zu haben, das bringt dem Menschen Heil und Segen, Gesundung an Leib und Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 11.11.1967 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Unsterblichkeit der Seele – die Suche nach Beweisen

Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1956 und 1974

Unsterblichkeit der Seele – die Suche nach Beweisen

Lieber Josef, es ist für mich unverständlich, dass es Menschen gibt, die nicht an ein Weiterleben nach dem Tode glauben. Denn auch sie, das heisst, auch ihr Geist wurde doch von der Jenseitswelt aus in dieses Erdenleben inkarniert – auch sie wurden doch schon mehrere Male im Jenseits für ein neues Erdenleben vorbereitet und belehrt. Warum nimmt man dieses Wissen also nicht mit ins neue Erdenleben, während man andere Kenntnisse doch auch mitnehmen kann?

Josef: Wie ich euch schon des Öftern erklärt habe, sind die Schwingungen im Erdenreich doch ganz andere, und wenn dann der Geist wieder als Mensch geboren wird, vereinigt er sich mit dieser schweren Schwingung der Erde, die ihm alles Wissen verdunkelt, das er einst im geistigen Reiche besass.

So muss er selbst von seinem Innern heraus entscheiden, welchen Weg er gehen will. Es ist von Gott so gewollt, und es ist gut getan. Und wenn nun du, liebe Schwester, sagst, dass es dir unverständlich sei – meine lieben Freunde, dieser Kampf um den Glauben an das Weiterleben wird noch viele, viele Hunderte und Tausende von Jahren gehen; denn selbst die enormen Beweise für ein Weiterleben, die doch erbracht werden, werden nicht allgemein anerkannt. Es wird Hunderte und Tausende von Jahren gehen, bis es so weit ist. Es wird dann geschehen, wenn die Allgemeinentwicklung diese Höhe erreicht haben wird, wo die Menschen eben zu dieser Erkenntnis sich durchgerungen haben. Denn wer geistig so fortgeschritten ist, kann sich eben im Reiche Gottes weiterentwickeln und muss also nicht mehr unbedingt diese Erde besuchen. Es sind ja immer wieder andere Menschen, die aus unteren Entwicklungsstufen emporsteigen, die eben noch nicht so durchdrungen sind von der göttlichen Kraft und denen es auch nicht leichter gemacht wird. Doch wird der Zeitpunkt einmal kommen, wo es ein besonderes Eingreifen Gottes geben wird und eine besondere Kraft, wo sich die Menschen dann mehr um das Weiterleben nach dem Tode kümmern.

Diese neue Zeit ist ja wohl im Anrollen. Aber ihr habt ja von dieser Zeit keinen Begriff, wie lange es noch gehen wird. Es bedeutet ja schon viel, dass heute so viele Menschen bereits frei handeln und denken können. Dabei gibt es aber noch grosse Länder ohne Glaubensfreiheit, wo Gott überhaupt abgelehnt wird oder wo vorgeschrieben wird, was der einzelne zu glauben hat. Wenn es dort auch einzelne Familien gibt, die die Verbindung zur göttlichen Welt pflegen, so haben sie doch nicht die Möglichkeit, sich zu entfalten. Es bleibt dort für einzelne ein persönliches Erlebnis, das sie stärkt und ihnen den Weg zu Gott weist. Aber wie viele Menschen wären auch dort empfänglich für das, was ihr hier habt. Sie dürfen nicht. Sie können nicht. Sie haben auch den Mut und die Kraft nicht dazu. Sie vermögen nicht, mutig hinauszutreten.

Also, liebe Freunde, so müsst ihr mir doch beipflichten, dass es noch lange dauern wird, bis nur die halbe Menschheit an ein Weiterleben nach dem Tode glaubt, so wie ihr gelehrt werdet. Und wenn vor den heutigen Menschen sich ein Geist öffentlich materialisieren und zu ihnen sprechen würde: “Hier bin ich, ich habe unter euch als Mensch gelebt”, so würden sie nicht glauben und sagen: “Das stimmt doch nicht, das glaube ich doch nicht!” So war es schon eh und je.

In vielen Ländern wurden schon wunderbare Beweise dieser Art erzielt. Und dennoch findet der Glaube daran keine Verbreitung. Viele Menschen wehren sich dagegen und sagen: “Glaubt doch nicht an das Weiterleben nach dem Tode!” Dafür behaupten sie, dass sie bis zum Jüngsten Tag im Grabe zu ruhen hätten. Andere wissen wieder etwas anderes.

Meine lieben Freunde, auf diesem Gebiete ist es wirklich schwer, sich dem Menschen zu nähern. Mit Gewalt darf nichts getan werden. So hatte doch Christus das Weiterleben in wunderbarer Weise den Seinen gezeigt. Aber selbst von seinen eigenen Jüngern, die es miterlebten, glaubten nicht alle. Dieser Glaube kommt nicht von aussen. Sondern von innen muss sich etwas öffnen, wenn es von Dauer sein soll. Von innen her muss eine Mauer gesprengt werden und das Verlangen kommen; denn nur Neugierde unterstützt dieses Bestreben nicht, die Menschen Gott näherzubringen. Und dann ist es gerade die Wissenschaft, die nicht anerkennt, was sie nicht in allen Teilen zu zerlegen vermag.

Wenn dieses Wissen aber nur einen Teil der Menschen erfassen soll, dann müssen gerade jene, die an der Spitze der Universitäten stehen, von einem inneren Verlangen getrieben werden, das Geistige zu erforschen. Sie müssen zuerst so weit kommen, dass sie es nicht von vornherein ablehnen und nicht in erster Linie wissenschaftlich beweisen oder untersuchen wollen. Das führt sie nicht zum Ziel. Sondern es muss in ihnen eine Sehnsucht nach Gott sein.

Meine lieben Geschwister, ich kann euch nur empfehlen, Gott zu bitten, dass er allen Menschen Kraft gibt, die sie den Weg zu ihm finden lässt. Und wir Geister Gottes tun dasselbe. Wir bitten Gott, dass er die Menschen erleuchten möge. Solches geschieht eben nur auf dem Wege einer besonderen Gnade und dadurch, dass wir Geistwesen Zugang haben zu den Menschen, um sie auf dem Weg zu Gott zu führen. (1.2.1956)

Lieber Josef, während es vor fünfzig Jahren [d. h. um 1920] noch eine ganze Anzahl von Materialisationsmedien gab, wurden diese im Laufe der Zeit immer seltener. Ich bin mir freilich bewusst, dass ein Mensch, der innerlich nicht reif ist, den Weg zum Glauben nicht finden wird, auch wenn er mithilfe eines Materialisationsmediums ein Geistwesen erblicken könnte. Dennoch ist zu bedenken, dass der eine oder andere mittels physikalischer Phänomene zum ernstlichen Nachdenken über das Leben nach dem Tode angeregt werden könnte. Darf ich fragen: Ist der zahlenmässige Rückgang der Materialisationsmedien von der geistigen Welt bewusst gewollt, und welchen Sinn sieht die geistige Welt in diesem Rückgang?

Josef: Das ist nicht bewusst gewollt, sondern eine Angelegenheit der gegenwärtigen Zeit. Da es vor fünfzig Jahren noch kein Fernsehen und kaum einen Rundfunk gab, waren die Menschen in ihrem Denken und Suchen noch wesentlich eingeengter als heute, und auch die Wissenschaft war noch nicht so weit fortgeschritten wie in diesen Tagen. Die heutige Wissenschaft ist exakt und sehr kritisch – manchmal ist ihre Kritik auch zu gross und dadurch ungerecht. Sie will alles wissenschaftlich bewiesen haben, und daraus erwächst heute mancher Nachteil [weil eben rein Geistiges mit den Methoden der Naturwissenschaft heute noch nicht erfassbar ist]. Andrerseits haben heute Menschen wieder andere Möglichkeiten des Forschens [auf geistigem Gebiet]. Dazu braucht es Menschen mit einem gewissen Idealismus, Menschen, in denen ein innerer Drang lebt, das Leben nach dem Tode zu beweisen. Es muss eben einen Menschen interessieren, nach solchen Beweisen zu suchen.

Andrerseits wird dem Menschen heute so viel an Ablenkung geboten, die ihn gar nicht dazu kommen lässt, sich mit diesem Gebiet zu beschäftigen. Früher war dies eher möglich – man kam zusammen und baute gemeinsam solche Materialisationen auf. Andere Möglichkeiten der Prüfung [des Fortlebens] hatten sie nicht oder kaum, so versuchten sie es eben auf diesem Wege.

Heute ist eine andere Zeit, und sie bietet auch die Möglichkeit, auf wissenschaftlichem Wege zu dieser Erkenntnis [der Fortdauer nach dem Tode] zu gelangen. Dies braucht natürlich seine Zeit, aber – wir möchten sagen – diese Zeit hat ihren Anfang genommen. Denn es gibt schon heute gewisse Forscher, welche versuchen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln den Beweis für das Fortbestehen des Lebens nach dem Tode zu erbringen, auch wenn es keine Materialisationen sind.

Wie ich am letzten Samstag [im Vortrag vom 9. November 1974] andeutete, habe ich die Möglichkeit, in diese Zukunft etwas hineinzuschauen. Aber es nützt euch nicht viel, wenn ich davon rede, denn ihr erlebt diese Zeit nicht mehr, und ich möchte nicht gerne von etwas sprechen, was noch in weiter Ferne liegt und ihr nicht mehr erleben könnt. Man könnte mir solche Aussagen zum Vorwurf machen, weil ihr deren Wahrheit ja nicht nachprüfen könnt. Andrerseits versuchen wir doch, das eine oder andere einzuflechten. Das von uns gesprochene Wort wird von euch ja festgehalten, ihr verbreitet es in euren Schriften und Büchern. Daher wird man auch in späteren Jahrzehnten die Belege dafür zur Hand haben, was von uns gesagt worden ist, und man wird dies als Beweis nehmen können, weil sich dieses dann ereignet haben wird, was wir als in Zukunft Geschehendes mitgeteilt haben.

So sollen eben Menschen vom heutigen Stand ihrer Wissenschaft aus versuchen, weiter aufzubauen und die Dinge zu klären. Sie werden natürlich auch in dieser Beziehung Mühen haben und sich von gewissen Leuten Kritik und Ablehnung gefallen lassen müssen – von Leuten, die es einfach nicht begreifen, nicht verstehen wollen. Und dann gibt es doch eben Kreise, die absolut kein Interesse daran haben, dass man das Leben nach dem Tode auf solche Weise wirklich beweisen kann, denn dann fällt für sie vieles zusammen.

Ich will für euch aber kein Geheimnis daraus machen, dass wieder eine Zeit kommen wird, wo – wenn ich dieses Wort hier verwenden darf – wieder Propheten, also hohe Geister des Himmels, sich auf Erden inkarnieren, um von Gott und seiner Welt Zeugnis abzulegen. Dann werden auch wieder Wunder geschehen, wie sie zur Zeit Christi geschahen als Beweise für das Leben nach dem Tode. Doch dabei wird es auch Kämpfe geben, Kämpfe unter den Menschen. Viele werden es nicht annehmen wollen, weil sie sonst zugeben müssten, dass das, was sie all die Jahrhunderte hindurch gelehrt haben, zum grössten Teil falsch war. Heute jedenfalls sind sie zu diesem Eingeständnis noch nicht bereit. Nur langsam, mit der Zeit, wird es einmal dahin kommen, zu diesem Eingeständnis ...

Lieber Josef, du hast gesagt, dass heute gewisse Forscher versuchen, mit den ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln den Beweis für das Leben nach dem Tode zu erbringen. Nun haben wir ja vor ein paar Tagen im Fernsehen diese Übertragung von Schweden erlebt, wo Tonbandstimmen [von Geistwesen] wiedergegeben wurden. Nach meiner Auffassung war das wirklich überzeugend.

Josef: Ja ich habe darauf hingedeutet, dass all das Dinge sind, die sich im Aufbau befinden und die noch ausgebaut werden können. Auf diesem Gebiet wird noch vieles zu erforschen möglich werden. Es wird möglich werden, beweisende Erklärungen zu finden, die dem heutigen Stand der Wissenschaft gerecht werden. (Aus der Vorstandssitzung vom 13.11.1974)

Wiedersehen mit seinen Lieben in der Geisteswelt

Josef, 9. September 1967

Wiedersehen mit seinen Lieben in der Geisteswelt

Für viele Verstorbene ist es ein unerwartetes, überraschendes Erlebnis, wenn sie in der Jenseitswelt erwachen und von ihren vorangegangenen Angehörigen empfangen werden. Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von der Heimkehr eines Mannes, der von seinen Eltern, von zwei seiner Brüder und seinen zwei jung verstorbenen Kindern begrüsst und mit der neuen Welt vertraut gemacht wird.

Josef: Liebe Geschwister, eure wohlverdiente Urlaubszeit ist vorüber, und ich freue mich, wieder den regelmässigen Kontakt mit euch aufnehmen zu können. Auch während dieser Ferienzeit waren wir mit euch verbunden – ganz besonders mit jenen, die eng an uns angeschlossen sind. Wir haben sie durchs Leben geführt, beschützt und behütet.

Ich möchte wiederum versuchen, Erlebnisberichte zu geben. Sie dienen dazu, die göttlichen Gesetzmässigkeiten – und auch die Ordnung Gottes – kennenzulernen. Ich weiss aber, dass das, was ich sage, jenen schwerfällt zu glauben, die mit dieser geistigen Sprache nicht vertraut sind, die vom Leben nach dem Tode nicht völlig überzeugt sind. Ihnen fällt es schwer, das zu glauben, was hier gesagt wird.

Dabei müssen wir immer wieder betonen: Die jenseitige Welt ist eurer Welt so ähnlich. Denn bei euch ist alles Leben eingeschlossen in ein dichtes Gewand, die grobstoffliche Materie. Alles Leben ist eingehüllt in diese grobstoffliche Materie, die zerfallen kann. Auch der Leib des Menschen zerfällt nach seinem Tode – bleiben tut aber sein Leben. Dieses Leben ist von Gott und ist nicht vergänglich. Vergänglich ist nur das Gewand, in das man eingehüllt ist. Das Leben ist unvergänglich, denn es dauert nach dem irdischen Tode fort. Göttliches Licht ist in diesem Leben. Dieses göttliche Licht leuchtet je nach der Gestaltung, der geistigen Entwicklung des Menschen. Je nach seiner Hülle vermag dieses Licht mehr oder weniger zu leuchten. So hat Gott von seinem Licht gegeben. Dieses Licht heisst Leben.

Es scheint vielen Menschen schwerzufallen, daran zu glauben, dass das Leben nach dem irdischen Tode weitergeht. So ist es unsere Aufgabe, diese Wahrheit zu verkünden und zu verbreiten. Es liegt an euch selbst – an jenen, die uns treu ergeben sind –, diese Wahrheit weiterzuverbreiten, Zeugnis vom ewigen Leben zu geben. Es könnte so viel Unheil verhütet werden, Schicksale könnten besser verstanden und überwunden werden, wenn man nur wenige Kenntnisse vom ewigen Leben hätte, seien es Kenntnisse vom Heimgang oder vom Übertritt in die geistige Welt.

Nun, liebe Geschwister, will ich euch wiederum einen Erlebnisbericht geben, der dazu dient, euer Wissen zu bereichern. So erwerbt ihr Kenntnisse von der Ordnung Gottes und den göttlichen Gesetzmässigkeiten. Zugleich könnt ihr die verschiedenen geistigen Entwicklungen der Heimgekehrten erleben. Durch diese Erkenntnisse werdet ihr eure Mitmenschen taxieren können. Ihr sollt eure Mitmenschen begreifen können, wenn beispielsweise einer von ihnen von nicht so hoher geistiger Entwicklung ist. Andererseits könnt ihr von den geistig aufgestiegenen Menschen Kraft schöpfen. Es soll euch in jeder Beziehung eine Belehrung sein.

Nun will ich beginnen und von einem verstorbenen Manne sprechen, der eines gewaltsamen Todes sterben musste. Als er in der geistigen Welt sein Auge geöffnet hatte, staunte er über die Umgebung. Da er eines gewaltsamen Todes gestorben war, glaubte er, sich weiter wehren zu müssen. Er wollte dem Übeltäter gegenüber Widerstand leisten. Nun sah er plötzlich seine Eltern vor sich. Sie sagten ihm: “Hör auf, um dich zu schlagen. Es hat keinen Sinn. Für die Welt bist du gestorben, aber für die geistige Welt bist du neugeboren. Wir sind da, deine Eltern – du siehst mich, deine Mutter, und du siehst deinen Vater. So sei dir auch gesagt, dass noch zwei deiner Brüder kommen werden, die auch hier sind, um dich zu begrüssen. Und deine beiden Kinder, die in früher Jugend gestorben sind, werden auch hierherkommen. Sie werden dich auch begrüssen. Die Wiedersehensfreude wird gross sein.” Und die Mutter legte ihren Arm um ihren einstigen Sohn.

Er war noch sehr benommen und fragte: “Ist es Wirklichkeit oder nur ein Traum für mich? Denn ich glaube, noch wirklich zu leben wie als Mensch. Denn alles, was um mich ist, ist so ähnlich wie das auf Erden. Die ganze Umgebung gleicht ja dem Orte, woher ich gekommen bin. Ist es tatsächlich so” – und er tastete seinen geistigen Leib ab –, “lebe ich? Bin ich wirklich gestorben?” Und die Mutter wie auch der Vater mussten ihm sagen: “Freilich, du hast nur deinen irdischen Leib abgelegt; der geistige Leib aber ist dir geblieben.” Er wollte es nicht glauben, dass der geistige Leib Ähnlichkeit hat mit dem irdischen Körper. Auch der geistige Leib hat Hände, hat einen Kopf, genauso wie der irdische Leib in der irdischen Welt. Er musste sich zuerst mit dem Gedanken vertraut machen, dass alles in ähnlichem Sinne ist.

Die Eltern sagten ihm: “Es ist ratsam für dich, wenn du dich nun etwas niederlegst und ausruhst. Wir werden bei dir wachen. In der Zwischenzeit werden die andern auch hierherkommen. Wenn du dann etwas gestärkt bist, kannst du es besser verstehen.” Die Mutter versprach, dafür besorgt zu sein. Ihr Sohn fühlte sich auch wirklich müde. Wirre Gedanken gingen ihm durch den Kopf, denn die Erinnerung an den Kampf war ihm noch im Bewusstsein. Die Wiedersehensfreude war jetzt eine grosse Überraschung. Aber er war noch ganz unruhig. Doch auf diese Weise wollte man ihn in die Ruhe bringen.

Seine Eltern führten ihn in ein Haus, das aussah wie ein ländliches Haus auf der irdischen Welt. Dieses Haus war in bescheidenem Stil erbaut. Er legte sich darin nieder und fing gleich an zu schlafen. Während er schlief, legte die Mutterseele ihre Hände auf das Haupt ihres Sohnes. Der Vater ging, um eine Erfrischung zu holen. Sie sollte bereit sein, wenn der Sohn die Augen öffnen würde. Diese Erfrischung sollte eine Stärkung für ihn sein. Aber nicht nur das – in der Nähe des Hauses war ein Brunnen. Der Vater nahm ein Gefäss – in diesem Hause gab es welche – und holte Wasser von diesem Brunnen. Man fing an, dem Sohn die Stirn zu kühlen, die Hände zu waschen. Man bereitete ihm mit dem geistigen Wasser Erfrischung. Und dieser Sohn schlief tief. Man freute sich darüber, denn man wusste, dass der Sohn nach diesem Schlafe wieder seine Ruhe erhalten wird.

In der Zwischenzeit kamen seine beiden Brüder und die beiden Kinder, die jetzt herangewachsen waren. Sie sollten ihren Bruder beziehungsweise Vater begrüssen. So standen sie da und warteten auf sein Erwachen. Die Mutter aber strich immer wieder mit den Händen über die Stirn ihres Sohnes. Der Vater faltete seine Hände zum Gebet und sprach im Geiste ein Gebet, das Erbarmen herbeirief mit der Bitte, der Sohn möge in das Reich Christi aufgenommen werden. Der Vater betete inständig, und die Mutter strich weiter über die Stirn ihres Sohnes und sprach die Worte des Gebetes mit.

Plötzlich öffnete ihr Sohn die Augen. Er war sich noch nicht richtig bewusst, wo er sich befand. So fragte er: “Wo bin ich denn?” Er sah das Lächeln der Mutter und hörte die freundlichen Worte des Vaters, der sprach: “Du bist bei uns. Wir sind alle da, auch deine Brüder und deine Kinder.” Sie reichten ihm gemeinsam die Hände, damit er vom Lager aufstehen konnte. Seine Mutter gab ihm diese Erfrischung. Der Trank tat ihm gut; er fühlte sich plötzlich erholt und zeigte grosse Freude über das Wiedersehen mit den Seinen. Er konnte nur staunen: “Ist es Tatsache, ist es wirklich wahr, dass ich lebe? Ich darf mit euch zusammenleben?” Immer mehr konnte er die trübe Erinnerung an das Scheiden von der irdischen Welt vergessen; er wurde nicht mehr so sehr daran erinnert, denn nun war es die Wiedersehensfreude, die ihn voll und ganz in Anspruch nahm.

Nun wollte er von ihnen wissen, wo und wie sie in der Geisteswelt lebten. Sie hatten ihm gar viel zu erzählen: wo sie wohnten und welcher Beschäftigung sie nachgingen. Sie erzählten ihm, wie oft sie in seinem Hause gewesen und wie manches Mal sie ihm nahe gewesen wären – und dass es ihnen leider nicht gestattet gewesen sei, dieses Übel zu verhüten. Nun musste er sagen: “Es ist mir völlig gleichgültig, was geschehen ist, denn meine Freude ist so gross, mit euch vereint zu sein. Ich will nicht mehr daran denken, was dieser Übeltäter mir angetan hat.” So unterstützte man ihn in diesen Gedanken und sagte: “Denke nicht mehr daran, sondern freue dich mit uns, dass wir zusammen sein dürfen.”

Nun offenbarte man ihm, dass dieses Zusammensein nicht von Dauer sein werde, denn sie seien ja unterschiedlich in ihrer Entwicklung. Sie seien nur alle gekommen, um mit ihm dieses Wiedersehen zu feiern – aber sie seien auch gekommen, um ihm zu sagen, wie er sich in der Zukunft zu verhalten hätte. Man klärte ihn auf, dass nach kurzer Zeit die Richter vor ihm erscheinen würden. Sie sagten ihm, dass Engel Gottes kommen, die über ihn richten würden. Danach müsste er in die Läuterung gehen, denn er hätte doch auch manches im Leben falsch gemacht. Sie mahnten ihn, gaben ihm Ratschläge, wie er sich zu verhalten hätte, und sie sagten ihm: “Wenn man dich tadelt, dann nimm diesen Tadel an. Sträube dich nicht dagegen, wenn dir Strafe angedroht wird. Nimm die Strafe an, die man dir auferlegt. Versprich, gehorsam zu sein und alles zu tun, um deinen Aufstieg zu beschleunigen; versprich, dich zu ändern, die Gesinnung zu verbessern, eifrig zu sein.” Man sagte ihm weiter: “Du wirst über vieles unterrichtet werden, über das du im menschlichen Leben nicht unterrichtet worden bist. Du wirst wirklich die Wahrheit über den Erlösungsplan Christi vernehmen. Darüber hatte man im menschlichen Leben nichts vernommen – jedenfalls nicht in der Weise. Du sollst lernen. Und das, was dir an Wissen zugetragen wird, sollst du behalten. Du musst ein eifriger Schüler werden. Es muss dir auch wirklich ernst damit sein, aufwärtszustreben, Gott näherzukommen. Dann wird die Läuterung für dich nicht so hart und nicht so lange sein. Dein Aufstieg wird durch die Mithilfe deiner Geistgeschwister beschleunigt werden. Es kommt so sehr auf dich an. Denke an das, was wir dir gesagt haben, wenn die Richter vor dir sind. Man wird dir deine Fehler wieder vor Augen führen und dich sehr tadeln.”

Nun hatte er eine Ahnung, was mit ihm geschehen würde. Aber wissen konnte keines von diesen Geistgeschwistern, wann die Engel des Gerichts in das Haus eintreten würden. Nur eines wussten sie: ”Wenn sie kommen, müssen wir aus dem Hause gehen und wieder in unser eigenes Haus eintreten, zu unserer Arbeit zurückkehren und unsere weiteren Aufgaben erfüllen.” Sie wussten, dass es von diesen Engeln Gottes abhing, wann sie gestatten würden, dass sie wiederum ihren Vater besuchen dürften, ihren Bruder, ihren Sohn.

Sie waren nicht das erste Mal bei der Begrüssung eines Heimgekehrten anwesend. So war es ihnen gestattet worden, diese heimgekehrte Seele darüber zu unterrichten, was mit ihr geschehen würde. Sie taten es genau so, wie es alle andern Geistgeschwister mit ihren Freunden und Angehörigen taten, denen sie auf diese Weise ihren Beistand gaben. So gaben auch sie diesem Heimgekehrten den Beistand – dem Vater, dem Bruder, dem Sohne.

So geschah es. Die Engel Gottes traten in dieses Haus, in die Kammer des Heimgekommenen, und alle andern Anwesenden beugten vor Ehrfurcht ihr Haupt vor diesen erhabenen Geistern Gottes, die gekommen waren, um über diese heimgekehrte Seele zu richten. Sie alle gingen, bis auf die Mutter. Sie blieb, kniete nieder neben ihrem Sohn und beugte ihr Haupt zur geistigen Erde nieder. Sie hoffte, dass man sie nicht wegschicken werde, wusste aber nicht, ob es ihr gestattet würde. Sie fragte nicht, kniete einfach nieder und betete im Stillen um Gnade, um Erbarmen. Sie betete inständig. Die beiden Engel Gottes taten, als würden sie diese Mutterseele nicht sehen, obwohl sie sie bemerkt hatten.

Sie sprachen nun mit diesem heimgekehrten Bruder und führten das ganze zurückgelegte Leben an seinen Augen vorüber – von der Kindheit bis zur letzten Minute seines Lebens. Er konnte so vieles wieder sehen; er konnte auch den Kummer und die Sorgen der Eltern wieder erleben, die sie mit der Erziehung aller Kinder gehabt hatten; er konnte die Not und die Angst der Eltern sehen, die sie seinetwegen hatten, weil er dann und wann etwas getan hatte, was falsch war. Er konnte sehen, wie er seine Eltern kränkte; solches konnte er genau sehen. Bis zu seiner letzten Minute konnte er sehen, was er getan hatte und was mit ihm geschehen war.

Auch den Übeltäter sah er nun. Es ist nicht so wie bei den Menschen, dass einer nicht mehr aufzufinden ist, der einen andern umgebracht hat, und andere verdächtigt werden. Nein, im Geistigen gibt es nur die Wahrheit – es gibt kein Entfliehen. Er sah den Übeltäter, der ihn gewaltsam getötet hatte. Die Geister Gottes fragten ihn: “Hast du etwas gegen diesen Übeltäter, bist du zornig gegen ihn, kannst du ihm nicht verzeihen?” Er antwortete ihnen: “Ich kann ihm verzeihen, denn ich habe bei meinem Eintritt, bei meinem Erwachen so viel Freude erlebt. Ich kann diesem Übeltäter, der mich umgebracht hat, nicht übel gesinnt sein. Ich vergebe ihm, denn er hat mich in eine grosse Wiedersehensfreude hineingebracht mit den Meinen. Ich würde es bedauern, hätte ich länger leben müssen und wäre diese Wiedersehensfreude aufgeschoben worden.” Die Engel freuten sich darüber, dass er diesem Übeltäter vergeben hatte, dass er ihm nichts nachtrug, dass er verziehen hatte.

Die Geister Gottes sagten ihm: “Nun, noch vieles andere bedarf einer Wiedergutmachung und muss abverdient werden”, und sie bemerkten, dass er ja von den Angehörigen unterrichtet worden sei, wie er sich in der Läuterung zu verhalten hätte. Er habe ja bereits einen Beistand bekommen, aber der Läuterung könne er nicht entweichen. Die Geister Gottes sprachen weiter: “Du musst dieses Haus verlassen und uns folgen.” Dieses Haus stand übrigens auf einem kleinen Hügel.

Als diese beiden Engel Gottes sagten, er müsse sich aufmachen und das Haus verlassen, stand diese Mutterseele auf und flehte die beiden Engel an: “Lasst mich mitgehen, lasst mich meinen leiblichen Sohn in die Läuterung begleiten. Ich will ihm eine Stütze sein, verwehrt es mir nicht. Ich bitte euch im Namen Jesu Christi, erlaubt es mir.” Die beiden Engel antworteten: “Du kannst mit deinem Sohne gehen, wenn du willst, um mit ihm die Zeit seiner Bedrängnis zu teilen. Du kannst ihn trösten und aufmuntern.”

So ging man gemeinsam den Hügel hinunter. Es war ein kurzer, steiler Weg. Die Engel Gottes blieben stehen und wandten sich dem Hügel zu. Hier öffneten sie ein Tor, das in das Innere dieses Hügels führte. Zusammen traten sie ein. Der Raum im Innern war gerade gross genug, um sich nach allen Seiten frei bewegen zu können. An einer Wand stand ein Kreuz, das mit einem matten Licht umrahmt war. Dieses dämmerige Licht machte es möglich, einander zu sehen. Nun sagten die Engel Gottes: “Hier ist der Raum – das ist die Läuterung.” Sie zeigten auf den Bruder und sprachen: “Hier in dieser Abgeschiedenheit hast du die Möglichkeit, über das Vergangene nachzudenken und über all das, was du unrecht getan hast. Erinnere dich daran, was wir dir vor Augen geführt haben. Du hast die Möglichkeit, nachzudenken, wie du dir das zukünftige Leben vorstellst. Wir wollen sehen, wie du dich in deinem Denken wandelst.” Sie wiesen auf die Mutterseele hin und sagten: “Sie wird dir beistehen, sie wird dir vom Heils- und Ordnungsplan Gottes erklären, und sie wird dir viel Hoffnung und viel Erbauendes in das Innere deiner Seele legen.” Die Engel Gottes gingen und schlossen die Tür zu.

Nun waren Mutter und Sohn in diesem kleinen Raum. Der Sohn war glücklich, nicht allein zu sein. Er fühlte sich geborgen, da seine Mutter bei ihm war. Für die Mutterseele aber war es eine schwere Aufgabe. Anderseits fühlte sie sich glücklich, ihrem Sohne Trost zu spenden und beizustehen. Sie konnte jetzt den Glanz der himmlischen Welt nicht mehr erblicken, sie konnte keinen Gesang mehr hören, an dem sie sich so erfreute. Auch sah sie diese schön gewandeten Engel Gottes nicht mehr, die ihr so freundlich gesinnt waren. Sie hörte ihre lieblichen Worte nicht mehr. Sie musste auf vieles verzichten. Aber sie tat es, um ihrem Sohne den Zustand in der Läuterung zu erleichtern.

Sie konnte ihm so vieles von der himmlischen Welt erzählen und erklären. Neben ihnen leuchtete dieses Kreuz. Diese Mutterseele konnte dem Sohne erklären, welche Bedeutung das Kreuz im Erlösungsplane hat. So kniete sie mit ihrem Sohne vor diesem Kreuz nieder, das ihnen ein wenig Licht gab. Sie konnte beten und ihr Sohn mit ihr. So flehten sie Gott an, er möge ihm, dem Sohn, verzeihen.

Die Mutterseele konnte ihrem Sohn nun darlegen, um was es geht in der Zukunft im geistigen Leben. Sie konnte ihm sagen, dass die Gesinnung von grosser Bedeutung ist. Es ist von Bedeutung, welche Gesinnung man in der geistigen Welt hat: ob man willens ist, das zu tun, was die Engel Gottes sagen, damit der Aufstieg beschleunigt wird; ob man willens ist zu vergeben. Sie sagte ihm: “Christus war es, der so viel auf sich genommen hatte und es ermöglichte, dass alle Geschwister wieder ins Vaterhaus zurückkehren dürfen.” Sie erklärte ihrem Sohn, auf welchem Wege es geschah und dass auch er das Seinige leisten müsste.

Wie froh war er um den Beistand seiner Mutter. Er dankte ihr und sagte: “Ich wäre niemals so hoffnungsvoll und voller Freude in dieser neuen Welt, hättest du mir nicht die Hand gereicht.” Nun musste diese Mutterseele sagen: “Das, was ich für dich empfinde, ist immer noch etwas von jener Liebe, die ich dir als leibliche Mutter auf Erden gab; aber es ist nur etwas Geringes verglichen mit der geistigen Liebe. Ich will dir die geistige Liebe geben – jene Liebe, die Christus den Seinen gab, um sie zu erretten. So will ich dir diese geistige Liebe zugutekommen lassen.” Es schien den beiden, als ginge diese Zeit der Läuterung im Fluge vorbei. Sie hatten so viel miteinander zu bereden. Die Mutterseele hatte so viele schöne Erlebnisse darzulegen, worüber sich der Sohn freute und voller Hoffnung in die Zukunft blickte.

Nun geschah es: Dieselben Engel Gottes kamen wieder, öffneten das Tor, nahmen die beiden an den Händen und führten sie hinaus. “Hier scheiden sich die Wege”, erklärten sie. Die Mutterseele hat ein anderes Haus, das schöner gelegen ist, mit prachtvoller Umgebung. Alle, die mit ihr zu schaffen haben, sind fröhlich und prachtvoll gewandet. Die Engel Gottes wandten sich dem Bruder zu und sagten: “Du musst jetzt den Aufstieg beginnen; wir werden dich in deine Arbeit einführen, die du gewissenhaft ausführen sollst. Du kannst sicher sein, du wirst immer wieder Trost und Beistand finden. Deine Mutter wird es sein, die sich um dich kümmert, und deine Brüder werden es sein, deine Kinder. Auch dein einstiger leiblicher Vater wird immer wieder kommen. Sie werden von ihrem Leben erzählen und dich aufmuntern. Du wirst Mut fassen, und du wirst voranschreiten in der Vorfreude auf das Kommende, was deiner wartet, wenn du gewissenhaft deine Arbeit geleistet und deine Gesinnung auf Gott ausgerichtet hast.” So sprachen die Engel Gottes zu ihm. Und so verabschiedete sich der Bruder von dieser Mutterseele – für eine kurze Zeit, denn, wie es die Engel befohlen, sie wird wieder kommen, um ihm den Beistand zu geben. So war es dieser Seele möglich, ihren Aufstieg in der geistigen Welt zu beschleunigen.

So, liebe Geschwister, ist es, wenn man jemanden in der geistigen Welt hat, der auf einer geistig erhöhten Ebene steht. Fürbitter können sie sein, und sie können einem Leidenden, der da zurückkommt, hilfreich beistehen. Einer, der den Weg nicht findet, der sich immer noch an das Irdische gebunden fühlt, kann sich besser und schneller lösen durch den Beistand jener, die ihm vorangegangen sind. Darum ist kein Grund zum Trauern, wenn man eines seiner Lieben in der geistigen Welt weiss. Man soll im Geiste mit ihnen in Verbindung treten und sie bitten: “Bereitet für mich die Wohnung vor, und steht mir bei, wenn ich zurückkomme. Reicht mir die Hand und führet mich.” Bittet sie darum im Namen Jesu Christi.

Auf diese Weise, liebe Geschwister, kann eine Seele ihrer Aufwärtsentwicklung entgegengehen, die gewaltsam aus diesem irdischen Leben scheiden musste. Sie kann einem schnellen Aufstieg entgegengehen, wenn sie dem andern vergibt. Wer vergeben kann, dem wird auch vergeben. Im grösseren Masse noch, als ein Mensch oder ein Jenseitiger vergeben kann und vergeben mag, vermag es die Geisterwelt Gottes zu tun im Namen des Vaters und im Namen des Königs, des Erlösers Jesus Christus. Das ist das Wirken der Geister Gottes im Reiche Gottes. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 9.9.1967 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Was Verstorbene nach dem Scheiden vom irdischen Leib erleben

Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950 bis 1965

Was Verstorbene nach dem Scheiden vom irdischen Leib erleben

Lieber Josef, wie aus deinen Belehrungen hervorgeht, gibt es zahlreiche Verstorbene, die während einer längeren oder kürzeren Zeit gar nicht realisieren, dass sie gestorben sind. Wie ist das zu erklären?

Josef: Dies betrifft nur jene, die zu Lebzeiten nichts von dieser geistigen Verbundenheit wissen wollten. Wenn sich ein Mensch mit diesen Fragen zum Weiterleben befasst, dann wird es für ihn viel leichter sein, sich im geistigen Reiche zurechtzufinden. Die erste Zeit nach dem Übertritt ist besonders für jene eine Zeit der Verwirrung, die nicht an ein Weiterleben glauben konnten. Für jene aber, die als Mensch an dieses Weiterleben glaubten und auch verbunden waren mit der göttlichen Welt, ist es viel leichter, sich zurechtzufinden, weil ihr Geist in dieser Beziehung von diesem Wissen geläutert und durchdrungen ist. So erlebt ein solcher seine neue Umgebung sofort in ihrer Wirklichkeit, von der er als Mensch so viel geahnt hat. Die andern leben in einem gewissen Traumzustand und finden keine Erklärung für all das, was sie dann im Jenseits umgibt. Daher braucht es mehr Zeit und Geduld, solchen Wesen zu begegnen und sie aufzuklären.

Wie findet dieser Übergang bei einem plötzlichen Tod statt?

Josef: Bei plötzlich erfolgtem Tode durch einen Unglücksfall ist es so, dass Missionsgeister bereit sind, diese Seelen zu führen und aufzuklären. Für solche Verstorbene ist es natürlich ein gewisser Schock, zu erkennen, dass sie vom irdischen Reiche abgetreten sind, wo sie noch so viele Aufgaben als unerfüllt erkennen. Weil sie sich noch nicht auf das Ableben oder das Hinübertreten in die geistige Welt vorbereitet haben, ist es für sie in der ersten Zeit etwas schwer. Dafür sind dann die Missionsgeister da, die sie trösten und ihnen die notwendigen Erklärungen geben.

Solche Seelen, die schon als Mensch empfänglich waren für all das Geistige, haben es leichter. Sie lassen sich dann von ihnen trösten und ihren neuen Aufgaben zuführen. Es besteht dann auch ein anderes Verhältnis für sie, da sie den Glauben an diese göttliche Welt und diese Verbindung hatten – im Vergleich zu jenen, die keine Kenntnis davon hatten oder schon als Mensch all das ablehnten. Für solche Menschen wird dieser Übertritt ins geistige Reich schwer sein. Sie sind dann in einem Wahne befangen, dass alles nur ein Traum sei. Sie können es nicht erfassen. Dieser Zustand hält für sie sehr lange an, so lange, bis sie es verstanden haben, dass für sie das geistige Leben begonnen hat und sie nun mit ihrem geistigen Körper weiterleben. (1954)

Lieber Josef, wir haben aus deinen Belehrungen entnommen, dass nicht nur die erdgebundenen Geistwesen, sondern teilweise auch gute Geistwesen – das heisst die Seelen von verstorbenen guten Menschen – oft recht lange noch auf der Erde bleiben, nicht weil sie müssen, sondern weil sie es wünschen. Auf den ersten Blick scheint dies doch sonderbar.

Josef: Ja, für euch vielleicht. Es kann aber einem guten Geistwesen auf Wunsch auch für längere Zeit eine Aufgabe in diesem irdischen Bereiche zugeteilt werden. Denn ein guter Geist wird niemals untätig sein oder einer zwecklosen Sache dienen, sondern sich immer da zur Verfügung stellen, wo es gilt, etwas im Heilsplane Gottes aufzubauen. So kommt es, dass auch gute Geister immer wieder für längere Zeit in das irdische Reich zurückkehren. Aber sie erfüllen dort eine Aufgabe, sagen wir jetzt, dass sie sich bei ihren Lieben bekunden, um sie vom Weiterleben zu überzeugen, oder sei es auch, um die Menschen aufzurufen, mit ihnen in Verbindung zu treten, weil sie die Möglichkeit haben, über den Heilsplan Gottes Belehrungen zu geben. Gute Geister werden sich nur einer Aufgabe widmen, die von Gott gewollt ist. Daher ist es nicht sonderbar, dass sich auch gute Geistwesen noch längere Zeit den Menschen bemerkbar machen. Es ist ihre Aufgabe, und damit kann auch eine hohe Aufgabe verbunden sein.

Ihr könnt hier erkennen, dass das Wirken im irdischen Reiche von Geistern aus verschiedenen Stufen kommt und dass hohe Geister auch hohe Aufgaben erfüllen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich nochmals betonen, dass, wenn Geistwesen sich bei ihren Lieben bekunden, dies aus verschiedenen Gründen geschehen kann. Die einen wollen ihre Lieben nur vom Weiterleben nach dem Tode überzeugen. Sie wollen ihnen den Beweis erbringen, weil sie wünschen, dass ihre Lieben daran denken sollen, dass es nach dem Tode nicht einfach aus ist. Sie können sich auch aus Dankbarkeit bekunden oder zum Trost für die Hinterbliebenen, dass es ein Wiedersehen geben wird. Aber sie können sich auch bemerkbar machen, weil irgendetwas nicht in Ordnung ist, weil sie ihrem Wunsche Ausdruck geben möchten, dass eine Sache geregelt werden soll. Bei vielen ist es aber auch so, wenn sie sich bemerkbar machen, dass sie das Gebet eines Menschen wünschen. Es kann aber auch sein, dass ein Geist mahnend zu einem Menschen kommt, um ihn für ein besseres Leben zu gewinnen. Ihr könnt also sehen, wie verschieden die Aufgaben dieser Geistwesen sind. (1953)

Wir sehen aus diesen Erzählungen immer wieder, dass viele Wesen, die in die Jenseitswelt kommen, sehr lange nichts wissen von ihren früheren Erdenleben. Dies selbst dann, wenn sie schon eingereiht sind unter die Führung der Gottesengel.

Josef: Ja, das ist in der ersten Zeit so. Denn beim ersten Hinüberschreiten ist es ja so, dass sie noch erfüllt sind mit allem Denken und mit allen Geschehnissen, die sie im menschlichen Leben beschäftigt hatten. Das ganze Geschehen muss zuerst losgelöst werden, vor allem die Interessen an dieses Irdische, an die irdischen Güter und all das, was sie gefesselt hat an das Irdische, Vergängliche. All das muss zuerst gelöst werden. Bei dem einen Heimgekommenen ist es so, dass er sich schnell lösen kann, weil er die neue Heimat akzeptiert; ein anderer aber hängt an seinem irdischen Gute. Er ist unzufrieden oder enttäuscht, dass er jetzt in einer andern Welt steht, wo er keinen Besitz hat. So ist vieles da, das eine Rolle spielt und es eben nicht ermöglicht, dass jeder frei wird im Denken. Ist aber einer ein wahrer Christ und beschäftigte er sich in seinem menschlichen Leben schon mit diesem Gedanken: “Wenn ich sterbe und hinübertrete in die neue Welt, dann sind andere Bedingungen, andere Verhältnisse, und diesen neuen Verhältnissen muss ich mich anpassen”, wer sich eben von diesem Irdischen, Vergänglichen zeit seines Lebens lösen kann, indem er nicht Sklave irdischen Gutes wird, hat es in der Geisteswelt leicht. Solche stehen dann in der Welt der Wirklichkeit, die alle ihre Tore offen hat, und sie sind schnell mit dem Gedanken vertraut, dass sie sich jetzt anderen Aufgaben widmen und sich eben von allem Irdischen lösen müssen. Das sind persönliche Eigenarten – anderseits ist es auch eine Entwicklungssache des Einzelnen, der heimkommt. (1965)

Ich habe einmal die Behauptung gelesen, dass die meisten Verstorbenen bei ihrer Bestattung selbst zugegen wären. Stimmt das?

Josef: “Die meisten” ist nicht ganz richtig ausgedrückt. Denn es kommt auch hier auf die Entwicklung des Verstorbenen an. Wenn er eine gewisse Höhe erreicht hat, wird er der Erde sogleich entzogen und bestimmt nicht zu seiner Bestattung zurückgeführt. Es sei denn, dass er etwas mithören oder miterleben muss, das zu seiner Läuterung gehört. Es kann sich also auch um einen Geist handeln, der schon eine gewisse Reife erlangt hat. Dann aber hat es einen Sinn, wenn er dabei sein muss. Handelt es sich aber um Verstorbene, die noch allzu sehr an die Erde gebunden sind und deshalb nicht in höhere Stufen eingehen können, dann kann der Zweck ihres Hinführens zur Bestattung der sein, ihnen zu zeigen, dass sie nun gestorben sind.

So ist es auch etwas Sinnvolles, was damit erreicht wird. Man kann aber nicht sagen, dass es meistens oder immer so wäre. Denn sehr unentwickelte, tief stehende Geister müssen solches nicht unbedingt miterleben. Sie bekommen nicht immer diese Aufklärung, sondern werden gleich in ihre Bereiche geführt. Ich möchte also nicht behaupten, dass der Verstorbene meistens bei seiner Bestattung anwesend sei, aber es ist häufig so. Es kommt ganz auf die Entwicklung des einzelnen an.

Ich habe euch ja auch schon erklärt, dass die einen Geister sofort in den Schlaf geführt werden, andere wieder nicht. Ich beobachtete, wie so viele zurückgeführt werden an ihr Grab. Ich sehe aber auch viele, die hinaufgehoben werden in die göttliche Welt, wo sie die Schönheiten bewundern und umhergeführt werden dürfen, die also nicht auf einen bestimmten Tag zu ihrer eigenen Bestattung zur Erde zurückkehren.

Man hört auch seit alten Zeiten von Hellsichtigen, die auf Friedhöfen solch erdgebundene Geister wahrnehmen.

Josef: Das ist so, liebe Freunde, diese Geister zieht es dorthin, weil an den Gräbern immer betende Menschen anzutreffen sind. Denn sie wollen ja das Gebet, das für sie wie Balsam ist, der ihnen etwas Erleichterung verschafft. Dort erwarten sie die Angehörigen der Verstorbenen. Darum sind auf den Friedhöfen vielleicht mehr dieser Geister anzutreffen als andernorts. Sie sind aber auch in den verschiedenen Kirchen anzutreffen, und sehr oft in den katholischen, weil sich dort viele Menschen zum Gebet einfinden [speziell für die “armen Seelen”] und weil sie oft sogar gebunden sind an einen gewissen Platz in einer Kirche, wo immer wieder Leute kommen und beten. Dies geschieht eben aus dem Grunde, weil sie auch beten lernen müssen und weil sie die Andacht der Betenden und ihre Frömmigkeit erkennen sollen. Diese Geister werden dann dorthin geführt. (1956)

Lieber Freund Josef, was ist im katholischen Glaubensbekenntnis unter der Auferstehung des Fleisches zu verstehen?

Josef: Lieber Freund, es sollte nicht heissen “Auferstehung des Fleisches”, es heisst “Auferstehung aus dem Fleische”. Vom Fleische kann nichts auferstehen, denn dieses wird verwesen. Aber aus diesem Verweslichen wird Unverwesliches auferstehen und weiterleben. Das Fleisch, das verweslich ist, hat keine Bedeutung mehr für die geistige Welt. Doch aus dem Fleische wird Unverwesliches auferstehen. (1950)

Heft 1/2021
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm