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Jenseitskontakt
Beschreibung
Dieses Themenheft zeigt auf, wie der Mensch die Beziehung zu seinem Schutzgeist enger gestalten kann. Am Morgen schon, wenn der Tag beginnt, kann man das Gespräch mit ihm suchen und ihn um Segen und Kraft, aber auch um Führung bitten. Der Schutzgeist wird den Segen und die Führung bringen, wenn der Mensch seinen guten Willen zeigt und bereit ist, sein Ohr für ihn zu öffnen. Feinfühlige Menschen vermögen die Hinweise und Ermahnungen ihres göttlichen Steuermanns zu empfinden; sie fühlen sich geführt und gedrängt, dieses oder jenes zu tun oder zu unterlassen. Oft aber geschieht es, dass man ihn beiseiteschiebt und die Führung jemand anderem überlässt, der nicht unser Heil sucht.
In einem Beitrag dieses Heftes wird erläutert, wie man erkennen kann, ob man von guten Geistern inspiriert wird, und wie man sich verhalten muss, damit man ihre Stimme auch vernehmen kann. In einem weiteren Vortrag wird berichtet, wie es einem Schutzgeist gelang, seinen Schützling im Leben zum Guten zu führen, obwohl dieser aufgrund seines niederen Denkens und seiner Belastungen nicht imstande war, ihm sein Ohr zu öffnen.
Themenheft 4/2021: Jenseitskontakt
Inhalt
Hand in Hand mit einem Engel
Lene, 18. Mai 1960
Hand in Hand mit einem Engel
Am Morgen schon, wenn der Tag beginnt, kann der Mensch das Gespräch mit seinem Schutzgeist suchen und ihn bitten: “Engel des Himmels, reich mir die Hände, und führe mich in den Tag hinein. Lass mich deiner immer bewusst sein. Gib mir deinen Segen, deine Kraft.”
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es ist der Wunsch des frommen Menschen, recht nahe an Gott heranzukommen. In seinen Gebeten, die er verrichtet, gedenkt er der Ärmsten dieser Welt und erzählt dem himmlischen Vater, dass so viele arme Menschen hier wohnen, dass sie hungern. Dabei ist zu betonen, dass Gott Bescheid weiss über die bedrängte Menschheit, über jene, die schuldig oder unschuldig in den Gefängnissen sind. Er weiss Bescheid über jene, die hungern, überhaupt über alles Geschehen auf der Welt. So wie es heisst, dass eure Haare auf dem Haupte gezählt sind (Mat. 10, 30), so weiss er Bescheid über alle Dinge. Da sind sich die Menschen oft im Unklaren: “Darf man dieses Gott nahelegen?” Sie nehmen an, er könnte nicht Bescheid wissen, er könnte die Hungernden doch vergessen haben.
Liebe Freunde, der Gott nahestehende Mensch betet auch für die bedrängten Menschen. Aber er braucht dem himmlischen Vater nichts zu erzählen, denn Gott weiss genau, wie viele Gläubige und Nichtgläubige hier im Erdenreiche sind. Wenn ihr meditiert und oft Stunden aufwendet für das Gebet, möchten wir euch doch nahelegen, was wichtig ist zu tun: In erster Linie soll jedes dafür besorgt sein, seinen Seelenzustand immer mehr zu verbessern. Und da man doch ganz nahe an Gott heranrücken möchte, möchte ich euch einmal etwas vor Augen führen.
Oberflächlicher, nicht inniger Wunsch ist es von vielen, in Gottes Nähe zu kommen. Sie machen sich aber darüber keine richtigen Gedanken. Ich möchte euch sagen: Wenn es wirklich so wäre, dass man euch im Geiste nun vor ihn führen würde, oder wenn Christus vor euch in diesem Raume stehen würde, und ihr hättet tatsächlich Gelegenheit, wirklich nahe an ihn heranzukommen, dann wäre es vielen von euch nicht mehr möglich, überhaupt zu reden. Sie wären so tief beeindruckt, so gerührt, so voller Ehrfurcht, wenn er wirklich da wäre. Und sie könnten kein Wort sagen. Denn plötzlich würde es einem klar: “Er weiss ja alles von mir. Was soll ich ihm sagen?” Man würde nur mit der Zeit die Augen erheben zu ihm. Man würde seine Augen suchen, schauen, ob er sie auf einen selbst oder auf diesen oder jenen gerichtet hat. Man würde auf sein Wort warten. Bestimmt gibt es auch Menschen, die so eingestellt wären, dass sie keine Hemmungen hätten und von ihm Red und Antwort forderten – aber der wirklich fromm gesinnte Mensch könnte nach so langer Zeit der Entfernung oder Abwesenheit von Christus, von seiner Familie nicht viele Worte zu ihm sprechen. Ehrfurcht würde sein Herz erfüllen, und er würde sein Haupt neigen vor ihm. Ja, in der Meditation kann man ein solches Erlebnis haben. Der Geist des Einzelnen kann dahin geführt werden, Christus zu sehen und zu erleben in dieser Art und Weise.
Wir sprechen so viel von der Verbindung der Geister Gottes mit euch. In eurem täglichen Leben sollen sie die Sendboten sein, die Übermittler von euch zu Christus. Es soll euch klar werden, dass die Engel des Himmels in seine Familie gehören, dass sie mit ihm reden und die Möglichkeit haben, von dir eine Nachricht, eine Botschaft zu überbringen. Er wird sich ganz bestimmten Gruppen von Menschen zur Verfügung stellen. Ihr wisst, es ist nicht möglich, zu gleicher Zeit mit allen Menschen zu reden, auf all ihre verschiedenen Interessen einzugehen. Die eine Anschauung oder das eine Interesse kann man gemeinsam weiterleiten. Aber jeder Mensch hat doch seine eigenen Sorgen, seine eigenen Wünsche und Bitten, und er möchte, dass sie Christus dargebracht werden.
Es kann lange gehen, bis Christus in den Kreis jener Menschen hineinkommt, wo ihm das persönliche Wort übermittelt wird. Man darf mich nicht falsch verstehen: Die Verbindung zu den Christus bejahenden Menschen besteht; es werden immer die Verbindungen gepflegt und die Nachrichten ausgetauscht. Aber diese besondere Annäherung kann durch besondere Aufmerksamkeit geschehen. So habt ihr die Verbindung von euren Schutzgeistern zu jenen Engeln des Himmels, zu den höchsten Stufen. Sie gehen hin und tragen euer Verlangen vor. Und wenn jene besondere Zeit genaht ist, wo er sich bereitfindet – sagen wir einmal zu einem besonderen Zeitpunkt für alle Menschen dieser Stadt –, dann kommen die Nachrichtenträger, die es für notwendig und für würdig finden, dass diese Bitten oder die Bitte eines bestimmten Menschen zu ihm geleitet wird.
Es haben viele Menschen in einer Stadt, in einem Land oder auf der ganzen Welt den einen Wunsch: nach Frieden. Und fromme Menschen möchten ganz besonders um den Frieden bitten. Bedenkt ihr auch, wie viel oberflächliches Flehen dabei vorhanden ist? Wie viele flehende Worte werden nur für die eigene Bequemlichkeit und Ruhe ausgesprochen! Unter “Frieden der Welt” versteht die geistige Welt weit mehr als Bequemlichkeit und Ruhe. Zum wahren Verlangen nach diesem Frieden gehört beim einzelnen Menschen die echte Frömmigkeit, die echte Gottverehrung. Dann kann es durch diese Einigkeit zur Verbindung kommen: von den Geistern des Himmels zu den Menschen. Wie verschieden ist das Verlangen der Menschen nach diesem Frieden!
Wer auf Gott hofft und von ihm etwas verlangt, der muss sich im Klaren sein, dass auch Gott etwas zu fordern hat. Bedenkt: An wie vielem Unglück sind die Menschen selbst schuld. Es ist für uns oft schwer, dies den Menschen nahezulegen: Nicht die geistige Welt hat es so gewollt – durch das unkluge Handeln des Menschen ist es geschehen. Dann kann man nicht flehen: “Herr, gib uns den Frieden.” Wer in einer besonderen Verbindung steht mit der geistigen Welt, kann wohl besonderen Schutz anfordern – ihm kann dieser Schutz gegeben werden. Nun geht es aber darum, dass der Einzelne sein Seelenheil besser gestaltet, meditiert und sich der Dinge so klar wird, dass er in sich immer weiter aufbaut, sodass die Verbindung zur Engelswelt der höchsten Stufen immer enger wird.
Es soll euch klar werden: Unendlich viele Menschen von den verschiedensten Religionsrichtungen flehen zu Gott, erwarten von ihm Hilfe – und dieselben Menschen sind unter sich nicht einig, sind nicht fähig, die Gesetze Gottes zu befolgen. Sie stehen nicht in der Einheit mit Gott. Und doch gibt die Geisteswelt jedem, was nur möglich ist. Sie will, dass jeder in seiner Seele bereichert wird; sie will doch die Güte und Liebe in ihm erweitern, so viel wie nur möglich.
Ich spreche nun zu wenigen Menschen hier. Wenn ihr das tut, was euch empfohlen wird, dann tragt ihr etwas zu eurem Seelenheil bei. Wie gut wäre es aber, wenn viele Tausende von Menschen dasselbe tun würden.
Bedenke doch des Morgens, wenn du wach wirst und der Tag für dich beginnt, dass du ihn nicht ohne Gottes Segen beginnst, dass dir klar wird: “Ich wandere nicht allein durch mein Leben.” Und indem du in deinem Gebete sprichst:
“O Engel des Himmels, reich mir die Hände, und führe mich in den Tag hinein”,
soll dir klar sein, was du mit diesen Worten sagst. Der Engel des Herrn will einen würdigen Menschen an der Hand in den Tag hineinführen. Wenn du dieses sprichst, wird er dir antworten: “Ich bin bereit. Ich bringe dir den Segen Gottes für den ganzen Tag. Doch bedenke, die Versuchung steht vor der Tür. Du hast mich angefordert – ich bin bereit, dir zu helfen. Ich will dich durch die Versuchung führen, wenn du deinen guten Willen zeigst, wenn du dir des Morgens deine Vorsätze gefasst hast und dir sagst:
‘Der heutige Tag soll ein Tag des guten Willens sein. Ich will nur das Gute denken und tun.’”
Dann reichst du deinem Engel die Hände, du umklammerst sie, und er hält sie fest. Durch solches Denken und Wollen von dir stützt er dich. Du musst dir darüber klar sein, was zu verstehen ist unter “Ich will guten Willens sein” – es geht darum, ein Stück von der Einigkeit mit Gott zu erobern.
Wie viel Gelegenheit ist dir den ganzen Tag geboten – du kannst deinen guten Willen zeigen in dieser, in jener Form. So wandert dein Schutzgeist dann mit dir den Tag hindurch. Er führt dich sicher, wenn du guten Willens bist. Es geht nicht ohne diesen Vorsatz am frühen Morgen. Viel Unangenehmes wird dir auch in den Weg geführt. Besser überwindest du es mit deinem guten Willen, und du erreichst etwas für dein Seelenheil.
So hast du jeden Tag die Möglichkeit, des Morgens ein wunderbares Gespräch mit deinem Schutzgeist zu führen. Und die Unterhaltung wird mit deinem Geiste weiter gepflegt, auch wenn du an deiner Arbeit bist. Aber von dir aus, von dir, Mensch, muss es kommen, das Gute. So kann man besser Hand in Hand miteinander schreiten.
Wenn es Abend geworden ist und du bereit bist, dich zur Ruhe zu legen, hast du wiederum die Möglichkeit, zu danken für den Segen, den du empfangen hast, und für den Segen, der aus Gottes Güte der ganzen Menschheit – Würdigen und Unwürdigen – zugekommen ist. Lobe Gott in seiner Herrlichkeit, und preise ihn. Und dein Geist wird diese Seligpreisung weiterführen in Verbundenheit mit der Engelswelt.
Aus dir, Mensch, muss dieses wirkliche Verlangen kommen, und du schaffst dir damit ein wunderbares Verhältnis. Du sagst mir: “Es ist schwer, es gibt viele Prüfungen und Überraschungen” – das wissen wir. Und wenn du nun einen solchen Tag nahen siehst mit so vielen Überraschungen und unangenehmen Entscheidungen, dann sage wieder des Morgens:
“Engel Gottes, nimm mich, und führe mich in den Tag hinein. Lass mich deiner immer bewusst sein. Gib mir deinen Segen, deine Kraft. Denn du bist nahe bei Gott, du wohnst mit ihm – ich bin ihm ferne. Gib mir etwas von deinem Segen, von deinem Glück, von deiner Ruhe, von deiner Duldsamkeit. Du wohnst bei ihm – ich bin weit entfernt.”
So sprichst du mit ihm. Der Engel wird dir mit Freude antworten: “Sieh mal diese Erde an. Der Tag beginnt. Ich führe dich den Tag hindurch. Betrachte doch diese Erde. Sie ist ein Garten Gottes, und du bist der Gärtner hier. Du bist verantwortlich für Saat und Reife.” Er empfiehlt dir, aufmerksam diesen Garten zu pflegen. Der Engel sagt weiter: “Sieh mal diesen wunderbaren Garten – deine Seele ist in engster Verbundenheit, und nicht nur deine Seele, auch dein Leib steht in engster Verbundenheit mit diesem Garten Gottes.” Er sagt dir: “Ich kenne deine Sorgen, deine Probleme. Es werden Stürme über dein Leben ziehen, und sie drohen oftmals die Saat zu vernichten.” Und der Engel erklärt weiter: “Trotze diesem Sturme, und du wirst froh darüber sein. Es soll dir klar werden, dass es notwendig ist, dass die Stürme des Lebens kommen. Sie bringen so die Reife der Seele hervor.”
So wirst du zur Verantwortung gezogen. Man wird dich darauf aufmerksam machen, dass du behutsam und sorgfältig deine Saat auswirfst. Man gibt dir jeden Tag einen Hinweis für dein Leben. Und man spricht immer wieder von der grossen Ernte, von der Ernte der Seele.
Der Garten dieser Welt ist so wunderbar, aber es ziehen die Stürme dahin. Der Engel spricht zu dir: “Betrachte doch deine Seele. Sie ist auch ein Garten Gottes. Sie ist angegliedert an die wirklichen Gärten dieser Erde.” So erhältst du immer wieder Hinweise und die Möglichkeit, deinen Stand zu verbessern. Wenn du es in Tat und Wahrheit erlebst, dass Frost und Unwetter die Ernte verderben, vergiss nicht, dass auch die Seele einen Garten hat, dass auch hier Frost und Unwetter darüberziehen. Man soll nie vergessen, wenn man es immer wieder erlebt, was die Natur einem bietet. Du bist mit ihr aufs Engste verbunden. Wenn du es bedauerst, dass Frost und Unwetter Unheil angerichtet haben, lass es nicht bei diesen bedauernden Worten, sondern betrachte deinen eigenen Seelengarten, und denke darüber nach. Überlege, was in deiner Seele vernichtet wurde. Vergiss aber nicht, dass nach einem grossen Gewitter die Sonne wieder scheint und wieder Wachstum und Gedeihen fördert, und das gilt ebenso für deine Seele. Wenn solche schweren Stunden oder Zeiten an dir vorüber sind oder du mittendrin stehst, muss dir klar sein: “Es ist gut für mich, und es kommt wieder die Sonne, es kommt erneut der Segen über mich. Ich werde wieder gefördert.” Freue dich, und zweifle nie. Verliere nie den Mut, sei zuversichtlich; denn wie könnte die Welt untergehen nach einem Gewitter, und wenn es noch so heftig ist.
So muss deine Seele sich aus dem grössten Sturme aufrichten. Wer kann das? Am besten der Mensch, der in enger Verbindung steht mit der göttlichen Welt und sich bewusst ist: “Ich stehe nicht allein. Eine unsichtbare kräftige Hand führt mich in jeden Tag hinein, führt mich von Tag zu Tag durch die grössten Probleme.” Sind sie ungelöst, für deine Begriffe, dann hast du abends Zeit, um mit dem Geist, der neben dir ist, zu reden; sage es ihm, dem Vermittler zu den höheren Ebenen. Dennoch sollst du nicht unterlassen, Gott zu loben und zu preisen, ihm treu zu sein, ihm zu danken dafür, was das Leben dir gebracht. Auch wenn diese grossen Stürme viel Wertvolles – oder scheinbar Wertvolles – in deinem Leben vernichtet haben, sollst du standhaft bleiben während und nach dem Sturme, Gott treu ergeben. Vergiss nicht, dass man, wenn man das Vaterunser spricht, sagt: “Dein heiliger Wille geschehe im Himmel und auf Erden” – der heilige Wille Gottes soll geschehen an jedem persönlich, wenn man sich nicht durch Selbstverschulden in ein Unglück hineinbegibt. Stürme bleiben nicht erspart. Sie mögen vielleicht da oder dort gelinde sein, aber bei vielen Menschen sind es gewaltige Stürme, die an ihnen vorüberziehen.
Wenn du dann abends dein Gebet verrichtest, kannst du mit dem Schutzgeist reden, denn du hast ihn morgens schon gebeten: “Führe mich an deiner Hand in den Tag hinein.” Er hat den Sturm mit dir erlebt, und es ist ja gut, wenn man in diesen Gefahren nicht alleine ist. Man muss sich klar sein, dass in der Zeit von Sturm und Gewitter ein kräftiges Wesen, eine kräftige unsichtbare Hand, einen doch zu führen vermag, und sich in allen Dingen sagen, es sei gottbefohlen: “Wie Du willst, himmlischer Vater.” Keiner vergesse aber, dass er versprochen hat, guten Willens zu sein. Das heisst auch, in seinem Denken, in seinem Schalten und Walten eine grosse Toleranz zu zeigen, nicht abgegrenzt zu leben, nicht fanatisch zu werden, nicht nur auf sich selbst bedacht zu sein. Guten Willens sein heisst: Wenn einer kommt und um etwas bittet, wenn ihm etwas fehlt, dann zeige deinen guten Willen, dein Verständnis, deine Bereitschaft, gib ihm das Wohlwollen. Es ist notwendig, diesen guten Willen in allen Dingen nicht zu vergessen. So kannst du in den Tag hineingehen und hinaus, du kannst dich niederlegen. Und du musst es überwinden, wenn auch viel Schweres über dich gekommen ist. Du musst trotzdem Gott die Ehre geben, ihn loben und preisen in seiner Herrlichkeit, damit dein Geist dann diese Lobpreisung weiterführt.
Wiederum hast du die Möglichkeit, wiederum darfst du einen neuen Tag erleben. Und wiederum steht der Schutzgeist da. Vielleicht ist es immer derselbe; vielleicht ist es einer aus deiner grossen geistigen Verwandtschaft, der dir zur Seite stehen will. Denn sie sind immer da tätig, wo man sich ihrer erinnert. Wo diese grosse Verbundenheit vorhanden ist, da kommen sie von allen Seiten her. Man liebt es, zu sehen, wie man der geistigen Welt die Aufmerksamkeit gibt. Und man geht eher achtlos an denen vorüber, die einen nicht schätzen und nicht an einen denken.
Wenn es wieder Morgen ist und du wieder bittest: “O Engel des Herrn, führe du mich in den Tag hinein”, wird der Engel dir antworten: “Gerne tue ich es, aber ich sage dir, die Versuchung steht schon vor der Tür. Aber wenn du mir die Hand reichst und guten Willens bist, dann will ich dich durch die Versuchung führen.” Er wird dir sagen: “Sieh mal, du bist ein Baumeister dieser Welt, und deine Aufgabe ist es, viele Bausteine zusammenzutragen.” Er macht dich aufmerksam auf diese unvergänglichen Werke. Er spricht mit dir. Er setzt die Gespräche fort, die seine Brüder oder Schwestern mit dir geführt haben. Er sagt dir: “Siehe, du sollst so viele solcher Bausteine wie möglich zusammenbringen, du kannst damit bauen, und die andern können es auch. Wenn es dir nicht gelingt, alles zu verbauen, was du hergeschafft hast, werden es deine Geschwister tun.” Ja er empfiehlt dir sogar: “Du sollst nicht nur auf dich selbst bedacht sein und für dich selbst solche Bausteine zusammentragen, sondern du sollst einen Vorrat anlegen für deine Geschwister.”
Er möchte diesen vielen Bausteinen auch gleich Namen geben. Er möchte dir sagen: “Trage die Bausteine der Liebe zusammen; trage die Bausteine der Treue, der Zuversicht, des Trostes, der Ehrlichkeit, trage sie alle zusammen – Liebe, Güte, Demut, Bescheidenheit, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft und wie sie alle heissen.” Und er sagt dir: “Du musst nicht nur von jedem geistigen Werte einen Baustein haben, sondern du musst sie zu Hunderten, zu Tausenden zusammenbringen. Es soll dir gar nicht möglich sein, sie alle zu verbauen. Du sollst sie den andern lassen. Denn diese Bausteine so herzustellen, ist eine Leistung.”
Ihr sollt euch nicht nach euren Begriffen einen irdischen Baustein vorstellen, wenn von einem Baustein der Liebe gesprochen wird. Es ist ein wunderbares Band, es ist eine Flamme. Wenn von diesen vielen, vielen Bausteinen gesprochen wird, so sind sie gleich einem geistigen Feuer: voller Kraft, voller unendlicher Kraft, ein Feuer, das man nicht löschen kann, das nicht mehr zu vernichten ist, denn es ist unvergänglich, so es aus dem Verlangen deines reinen Herzens und Denkens entstanden ist. Die Liebe schafft dir eine Auszeichnung, und die, die nach dir kommen, werden noch davon reden. Sie werden sich daran erinnern, und sie werden von diesem Lichte leben, denn es muss ihren Tag erhellen. Dieses Licht wird in die Herzen der Menschen getragen. Was man schafft auf diese Art und Weise, sind grosse und gewaltige Werke in dieser Beziehung – gross und gewaltig nicht an Umfang, doch im Glanz, in der Kraft, die für das Menschenauge unsichtbar ist.
Darin müssen eine Ehrlichkeit, ein tiefer Glaube, eine grosse Freude, eine Zuversicht sein – das gibt dieses grosse, gewaltige Feuer. Es ist nicht zu vernichten. So kann man sie Lichter des Lebens nennen oder Bausteine des Lebens. Was zu schaffen ist, sind diese geistigen Werte. Jeder Tag gibt sein Material, die Stoffe dafür. Wer geschickt arbeitet, hat abends einen Funken – und Tag für Tag immer einen weiteren, bis es zum Feuer geworden ist. Denn nicht in einem Tag erfüllt man das Leben. Es braucht viele dazu.
Und wenn du dir überlegst, wie du an diesen geistigen Gütern wirken, dieses nicht zu Vernichtende schaffen kannst – es ist zu euch schon so viel darüber gesprochen worden. Vieles kann der Mensch leisten im Dienste am andern. Denn was hat er alles zu tragen, zu dulden, zu verstehen am Mitmenschen. Der Mitmensch ist sozusagen eine gute Erde für den strebsamen Menschen; er bietet ihm die Erde zum Wachsen, die gute Erde. Wer vermag diese gute Erde zu erkennen und sie nicht zu verwerfen? Wo lässt sich am besten säen? Wo gedeiht alles am besten? Glaubt doch nicht, es werde einem Menschen hoch angerechnet, wenn sein Leben so mühelos vor sich geht, ohne Anstrengung. Es wäre nicht richtig.
Die schweren Tage des Menschen, die er erlebt in diesen Prüfungen, werden wohl festgezeichnet in seinem geistigen Buche, das er mit sich herumträgt, oder im geistigen Feld, wie man es nennt. Es ist gut, zu wissen, dass man nicht umsonst duldsam ist, zu wissen, dass es etwas Wunderbares ist, Treue und Ehrlichkeit einer Sache gegenüber zum Ausdruck zu bringen und Hilfsbereitschaft. Ja, wie mancherorts kann einer den besten und wertvollsten Baustein schaffen, indem er für den Frieden in seiner eigenen Umgebung wirkt durch Schweigsamkeit. Ein anderer bietet ihm eine Handvoll Erde an – und wer geistig nicht erzogen ist, wird wütend und tobt und schlägt ihm die gute Erde aus der Hand. Und wo ist das Wachstum ohne Erde?
So muss man reifen. Man muss reden mit den Engeln Gottes. Sie sind Wegweiser für einen jeden. Sie geben ihm Trost und Kraft, sie muntern ihn auf, und sie sagen ihm auch: “Harre aus, nach dem Sturme kommt wieder die Sonne.” So hast du Gelegenheit, zu meditieren, nachzudenken über das Leben, über den Sinn des Lebens. Und du siehst das [sinnbildliche] Gegenstück in der Natur, die dir so vieles zu sagen hat.
Wenn du nun nach deinen Aufgaben suchst, nach deinem Wirkungskreise, dann versuche, so viele solcher kostbaren Bausteine oder Lichter wie möglich zusammenzubringen. Du ahnst ja nicht, welche Wirkung sie für spätere Zeit haben. Mag man es auch momentan nicht schätzen und achten – es kommt vielleicht nach Jahren die Stunde, wo man sich bewusst ist oder wird, was man gehabt, was man verloren hat. Ja, und es mag noch nicht zu spät sein für jene, die zur Erkenntnis gekommen sind, was man verloren hat. Man kann dann versuchen, selbst Wertvolles aufzubauen, selbst zu wirken, gutzumachen.
Wenn man sich dann müde von des Tages Arbeit niederlegt und kaum fähig ist, ein Gebet zu sprechen, mag man doch im Geiste immer seine Augen aufheben und sich vorstellen, dass Christus seinen Blick herschickt, um sie zu suchen. Man möchte doch so gerne ihm nahe sein, und es muss zu einer Anstrengung kommen, sodass man in seinem Namen doch wenigstens Gott lobt und preist, ihm dankt für alles, was die Menschheit besitzt, und in seinem Namen bittet:
“Bewahre dieser Welt das höchste Gut. Fördere den Frieden in der Seele jedes Menschen. Hilf Du, das Wohlwollen in den Herzen aller Menschen zu fördern. Doch möge über allem und überall Dein heiliger Wille geschehen.”
Steht man einer Aussichtslosigkeit gegenüber, bitte man Gott:
“Sei gnädig und barmherzig auch mit jenen verstockten Menschen. Ich will zur Sühne für jene etwas tun, woran Du Gefallen findest.”
Man kann ein Kreuz auf sich nehmen und während des Tages daran denken. Jeder tue so viel, wie er wirklich zu erfüllen vermag. Man biete es Gott an:
“Erbarme Dich jener verstockten Herzen, und nimm als Sühne meine Tat an.”
Doch tue eine solche Tat in der Stille, und rede mit niemandem darüber. Du kannst sie nach deiner Kraft oder nach deinen Verhältnissen tun – viele Möglichkeiten sind gegeben. Aber gehe einen Sühneweg, und lass ihn dir nicht bequem werden, denn das wäre kein Opfer; sondern das, was eingreift in deine Verhältnisse, in dein Leben, das wird ein Opfer sein.
Es kann auch sein, dass du es wirklich fertigbringst, eine Untugend zu überwinden. Kannst du es, glaube mir, ist es Gott gefällig. Aber strauchle nicht mehr. Denke, wie dir der Engel sagt: “Die Versuchung steht vor der Tür.” Überlege gut, was du anzubieten hast. Vielleicht auch jeden Tag ein inständig, andächtig gesprochenes Gebet, das aus deinem Herzen kommt. Vielleicht musst du deine Herzensgüte etwas erweitern, vielleicht deine Ehrlichkeit. Es gibt schon Gelegenheit dazu – genug Möglichkeiten sind da.
Und hier sind sie ja, die Gottesengel, die darauf warten, Kunde von deinem Denken und Wollen zu überbringen. Die Engel Gottes wollen sie zu den höchsten Stellen hinbringen, es ihnen klartun und selbst flehen und bitten: “Erhöret sie, sie beten doch, sie beten im Namen des Erlösers.” Wenn dann diese Bitten wirklich aus ehrlichem Herzen kommen, nur mit dem Gedanken an diese wirkliche Einigkeit von Gott mit allen Menschen und nicht im Verlangen, nur ein bequemes Leben zu haben, dann wird auch Erbarmen und Gnade ausgesandt werden.
So, liebe Freunde, man hat so viel zu tun, um seine geistigen Werte zu vermehren. Man kann so wunderbar mit der göttlichen Welt verbunden sein in der Zeit der Meditation. Nahe an sie heranrücken heisst: Pflege die Verbindung, unterbrich sie nicht, sei ihr treu. Die Engel Gottes sind die Vermittler zu den höchsten Stufen des Himmels. Wenn du dann in deinem Denken und Wollen einig geworden bist mit ihnen, dann hast du dein wirkliches Glück gefunden. Dann bist du zur Leuchte dieser Welt geworden. Und diese Leuchte möge ihr Licht ausbreiten nach allen Richtungen, in alle Weiten, nach oben und in die Tiefen; sie möge den Menschen ein Wegweiser sein, und dein Licht möge auch jenen irrenden Menschen und Seelen den Weg zeigen. Eine Leuchte sein im Reiche Gottes ist das Wunderbarste, was es gibt für einen Menschen.
So habt ihr Gelegenheit, auf diese oder ähnliche Art und Weise mit euren Schutzgeistern in Verbindung zu treten. Sie zeigen euch so wunderbar den Weg. Sie reichen euch die Hand in den Tag hinein.
So, meine lieben Freunde, habe ich euch heute in besonderer Art und Weise etwas gegeben. Möget ihr alle gestärkt und gekräftigt von hier fortgehen, möget ihr begleitet sein von diesem Lichtscheine, der ausgeht von hier. Wie ein Scheinwerfer ist er. Jedem wird der Weg gezeigt. Und es ist mein Wunsch und mein Verlangen, dass dieser Lichtwerfer sich nicht von euch abwenden werde. Nach eurem edlen Denken und Wollen wird er euch finden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.5.1960 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragen und Erläuterungen
Lene, 17. September 1969
Fragen und Erläuterungen
Der Mensch braucht in seinem Leben eine Hilfe, eine Führung. Engel Gottes wollen das Steuer seines Lebensschiffleins führen. Doch wie oft geschieht es, dass man den göttlichen Steuermann beiseiteschiebt und die Führung jemand anderem überlässt, der nicht unser Heil sucht.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, versucht doch, euch in dieser Stunde von allen menschlichen, äusseren Dingen abzuwenden, die euch üblicherweise beschäftigen. Denkt nicht an eure Probleme, denkt nicht an eure Krankheiten noch an euer Geschäft. Ihr werdet nur dann einen Gewinn von dieser Stunde haben, wenn ihr im Geiste versucht, auf eine erhöhte Ebene zu treten. Denn auf dieser erhöhten Ebene wird es möglich sein, dass euer Geist die Erleuchtung findet und das, was gesprochen wird, verstehen kann. Es werden euch ja von einer anderen Welt Erklärungen, symbolische Bilder gegeben. Denn nur auf diesem Wege vermögen wir das Inwendige in euch anzusprechen.
Diese symbolischen Bilder, die gegeben werden, dienen dazu, euer Verständnis für das Geistige zu wecken. Sie sind ein Bindeglied vom menschlichen Verstehen zum Geistigen. Durch diese Symbole wird es euch eher möglich, das zu erkennen und zu verstehen, was gesagt wird. Denn wenn neue Freunde hierherkommen, die die geistige Sprache, die wir sprechen, nicht kennen, scheint ihnen das Dargelegte etwas Absonderliches zu sein. Wir sprechen also nicht die Sprache des Menschen. Das muss sich jeder bewusst machen. Wir kommen ja aus einer ganz anderen Welt, die andere Begriffe und andere Gesetze hat als eure Welt.
Liebe Geschwister, ich versuche immer, den inwendigen Menschen anzusprechen. Die Seele des Menschen gleicht einer goldenen Waage. Diese ist aber nicht zu vergleichen mit einer Waage, wie sie bei euch heute in Gebrauch ist. Sondern es ist die Waage, wie sie der Engel der Gerechtigkeit an einem Ring in seinen Händen hält. Er umfasst den Ring dieser Waage und hält sie in seiner Hand oder mit zwei oder drei Fingern und hebt sie empor. Die Waage ist also ein Symbol für die Gerechtigkeit.
Auch andere Symbole werden euch gegeben und findet ihr immer wieder dargestellt. Die Engel des Kampfes beispielsweise haben ein Schwert. Sie symbolisieren damit die Bereitschaft zum Kampf, sogar die Herausforderung zum Kampf. Und der Engel der Weisheit hält in seinen Armen oder seinen Händen sorgfältig ein Buch. In diesem Buche sind die wunderbaren göttlichen Gesetze aufgeschrieben und der Schöpfungsplan, wie er angefangen hat, mit Hinweisen zu seiner Vollendung. Noch vieles Weitere ist festgehalten, aber es sind alles nur Dinge, die die geistige Entwicklung, das geistige Leben und Geschehen anbelangen. In diesem Buche ist eine grosse Weisheit verborgen – in erster Linie für den Menschen.
Ich sage euch nun heute: Eure Seele gleicht einer Waage, und zwar möchte ich sagen, einer goldenen Waage; denn eure Seele ist doch das Kostbarste. Ihr versucht manchmal, diese Waage selbst zu bedienen. Das kommt sehr oft vor. Aber wenn man diese Waage selbst zu bedienen versucht, wird nie richtig gewogen, nie richtig gemessen. Denn es ist beim Menschen üblich, dass er seine Fehler verniedlicht. Das, was wirklich schwer wiegt, hat bei ihm nicht viel Gewicht – und umgekehrt. Er legt die Dinge auf die falsche Schale. Darum kann ein Mensch nur in seltenen Fällen seine eigene Waage bedienen. Denn er weiss gar nicht, ob das, was er für gut befindet, auch Gott für gut befindet.
Es ist also symbolisch, wenn ich sage, eure Seele gleicht einer Waage. Ihr selbst legt die Gegenstände auf diese Waage; ich möchte es nicht als eine Ware bezeichnen, aber man versteht mich genau, was ich meine. Es ist einerseits das Gute, anderseits das Böse, und beides hat sein Gewicht. Bei einem geistig aufwärtsstrebenden Menschen ist die göttliche Welt glücklich, wenn sich Gut und Böse das Gleichgewicht halten.
Der Mensch braucht eine Führung als Hilfe in seinem Leben; ja ich möchte sagen, er braucht einen Steuermann. Ein Steuermann muss sein Lebensschifflein lenken. Auch das ist symbolisch gesprochen. Der Steuermann ist, nach meinem Sinne ausgesprochen, ein Engel Gottes. Aber Engel Gottes wollen zu ihren Gunsten den Menschen führen, ihn begleiten, ihn stützen. Die Engel Gottes wollen das Steuer führen – sie wollen es. Doch der Mensch nimmt mit seiner Kraft, die er besitzt, dem von Gott gesandten Steuermann sehr oft das Steuer aus der Hand und lenkt selbst. Dann tritt das göttliche Wesen zur Seite; es ist verdrängt worden, weil der Mensch kräftiger geworden ist, weil er mit seiner Macht, mit seiner Kraft, die er hat, diesen göttlichen Steuermann zur Seite geschoben hat. Göttliche Wesen sind feine Wesen, gefühlvoll, und sie lieben es nicht, umhergestossen zu werden. Sie lieben es nicht, harte Worte zu hören. Dann entfernen sie sich, da fühlen sie sich nicht zu Hause und nehmen Abstand. Sie fühlen sich nur da zu Hause, wo sie dem Menschen dienen können und wo der Mensch dieselbe Sprache spricht und in ähnlichsten, gehobenen Gefühlen lebt wie dieser geheiligte Steuermann.
Sehr oft wird dieser Steuermann zur Seite geschoben. Aber das Steuer bleibt nicht leer. Wenn der Mensch auch nur vorübergehend selbst versucht zu lenken, so ist bald wieder jemand da, der mit grosser Freude und grossem Einsatz das Steuer ergreift und es auf seine Weise führt. Es ist ein anderer Steuermann, der aber nicht von Gott gesandt wurde. Es ist einer, der dem Fürsten der Welt untertan ist, jenem grossen Versucher der Menschheit, der die Macht über die Menschen besitzt und der auch seine Helfer hat. Diese gehen nun aus, um es jenem andern Steuermann gleichzutun in der Führung. Sie sind aber nicht in derselben Gesinnung wie jener, sondern sie wollen auf ihre Weise den Menschen lenken und führen. Sie sind nicht empfindlich, sie sprechen eine harte Sprache, sie lieben die Unrast und die Unruhe und fühlen sich bei dem Menschen zu Hause, der dieselben Gefühle hat wie sie.
Leider sind es viel zu viele Menschen, die in dieser Unrast und Unruhe sind, und so lenken sie nun das Steuer gemeinsam: Der Mensch lenkt nach seinem Willen, und der Steuermann, der nun dazugekommen ist, unterstützt diesen Menschen, der ihm in der Gesinnung nahesteht. Er versucht ihn in seiner Gesinnung sogar noch zu bestärken, denn er will auch ein guter, tüchtiger Steuermann sein. So ist oftmals einer am Steuer, der aus dem Reich Luzifers kommt und das Lebensschifflein des Menschen lenkt. Er lenkt es allein oder gemeinsam mit ihm, wenn sich der Mensch mit dieser Welt und ihren Äusserlichkeiten so befreundet hat, wo so viel Lug, Trug und Ungerechtigkeit enthalten sind. Es ist der Mensch, der dazu neigt, dieser seiner Welt, diesen Äusserlichkeiten gerecht zu werden. Er will nichts dulden, er will nichts auf sich nehmen, er kennt keine Toleranz, er hat kein Verständnis und kein Mitleid. Oder er zeigt heute vielleicht Verständnis und etwas Mitleid und Toleranz, heute ist er guten Willens, und morgen ist es schon wieder vergessen. Da hat der Steuermann der Welt, der im Auftrage jenes Versuchers kommt, wieder leichte Arbeit. Ihm wird es wieder leicht gemacht.
So ist mancher Kampf auszufechten zwischen Gut und Böse, und der Mensch steht mittendrin. Er ist es, der entscheidet. Er entscheidet, welcher Steuermann ihm zur Seite stehen soll, ob es der von Gott gesandte ist, der mit viel Güte, Vertrauen und Liebenswürdigkeit versucht, den Menschen zu gewinnen, zu führen. Es kommt auf den Menschen an, ob er zustimmt, ob ihm das gefällt, was manchmal nicht angenehm ist, zu hören, zu tun und zu lassen. Der Mensch entscheidet, wer sein Steuermann ist.
Nun, das Gute, das hergebracht, das aufgebaut wird, kommt auf diese goldene Waage. Alles kommt auf diese Waage, auch das Böse und das Niedere. Im Laufe des Lebens kommt der Engel der Gerechtigkeit öfters zum Menschen und nimmt behutsam diese Waage in die Hand, um Nachschau zu halten, wo das Schwergewicht liegt. Wenn er sieht, dass das Üble das Schwergewicht hat, dann kommt er ins Gespräch mit dem Schutzgeist des Menschen und fragt ihn: “Warum ist es nicht möglich, dass das Gute überwiegt?” Und der Schutzengel wird ihm sagen, wie viel Mühe er aufbringt. Er wird dem Engel der Gerechtigkeit sagen: “Schau gut hin, erhabener Bruder oder erhabene Schwester. Schau gut auf die Waage hin, und siehe meine Tränen, die ich in die Waagschale gelegt habe.” Und der Engel der Gerechtigkeit sieht sie.
Ihr werdet nun denken: “Engel Gottes weinen nicht.” Doch, ich muss es euch sagen, Engel Gottes weinen. Ihr müsst versuchen, geistig zu denken. Engel Gottes singen und jubilieren, sie lachen, wenn sie Grund dazu haben; wenn sie erfreut werden, zeigen sie ihre grosse Freude. Engel Gottes können aber auch ihre grosse, grosse Trauer zeigen und weinen. Denn sie sind doch viel feiner, viel empfindsamer als ein Mensch, und ihr Wesen gleicht doch äusserlich dem Menschen. Engel Gottes haben Gefühle wie die Menschen, nur sind sie viel empfindsamer, viel feiner. So wie sie ihre Freude zum Ausdruck bringen, so bringen sie ihre Trauer zum Ausdruck.
Wenn ein Schutzengel zum Engel der Gerechtigkeit sagt: “Schau in die Waagschale. Ich habe alles getan, um diesem Menschen als Steuermann beizustehen. Ich tue meine Pflicht von seiner Geburt an bis zu seinem Tode, und ich habe öfters Grund, Tränen zu vergiessen” – der Engel der Gerechtigkeit sieht es. Er sieht die Hingabe seiner göttlichen Geschwister in ihrer Aufgabe beim Menschen, und er sieht, dass es ihnen nicht gleichgültig ist, wie ein Mensch lebt. Glaubt mir, liebe Geschwister: Jene Geister Gottes trauern um euch, sie vergiessen euretwegen Tränen. Es sind jene Engel Gottes, die euch ganz besonders zugetan sind, die euch zur Seite gegeben worden sind, um euch zu behüten und auch zu beeinflussen. Schon ehe es zu einer Einverleibung kommt auf Erden, ist im Himmelreich längst bestimmt worden, welcher Engel Gottes welchen Menschen zu schützen hat im Leben, über wen er zu wachen hat. Der Schutzengel des Menschen ist es, der dann ins Gespräch kommt mit jenem Engel der Gerechtigkeit, der sich von Zeit zu Zeit um den Menschen kümmert. Und so kann die Klage dargebracht werden, wenn der Schutzgeist sagt: “Ich vermag bei meinem Schützling meine Macht nicht auszuüben. Er ist zu sehr den Äusserlichkeiten seiner Welt verfallen. Ich versuche zu retten, was zu retten ist.”
Der Engel der Gerechtigkeit kennt den Lebensplan des Menschen. Vieles darin ist nur angedeutet, auf Bewährung gegeben. Und wird das nicht erfüllt, was erwartet wird, dann schreitet die Geisterwelt Gottes ein. Sie schreitet ein, damit es beim Menschen eine Änderung seines inneren Lebens gibt. Sie wird ihm auf eine Weise Unbehagen zuführen – vielleicht körperlichen Schmerz, vielleicht muss er den Verlust eines lieben Menschen tragen. Das ist im Lebensplane angedeutet worden, aber nur auf Bewährung hin. Menschen ahnen nichts von dem, was in ihrem Plane angedeutet wurde. Sie ahnen nicht, dass sie selbst den Steuermann beeinflussen können, der das Steuer den Höhen entgegensteuert, entgegenlenkt. Menschen denken nicht ins Geistige hinüber.
So fragt sich mancher: “Warum muss ausgerechnet ich dieses Schicksal tragen?” Und da ist die Antwort zu geben: Es sind jene, die versuchen, selbst die Waage zu bedienen, und die ihre Fehler stets verniedlichen. Es ahnt der Mensch nicht, wie viel in seiner Kraft und in seinen Möglichkeiten liegt, seine Seele zu schonen und das Leben anderer. Es ahnt der Mensch nicht, dass einer schuld sein kann am Tode eines andern. Und hier muss ich präzisieren, um es euch ganz verständlich zu machen, was mit dem Wort “Tod” gemeint ist. Schuldig geworden sein am Tod des andern heisst nicht schuldig geworden sein am menschlichen Sterben, am irdischen Tode des andern; sondern es bedeutet schuldig geworden sein an seinem geistigen Tod. Man ist schuldig geworden, weil man das Seinige dazu beigetragen hat, dass es beim andern zu einer Trennung von Gott gekommen ist. Es braucht nicht zur direkten Trennung gekommen zu sein, sondern es genügt, einen Mitmenschen von den Höhen herunterzureissen, ihn von Gott zu entfernen. Da genügt es beispielsweise allein schon, einen andern anzuklagen und ihm tiefen Schmerz in die Seele zu legen. So wird man schuldig am geistigen Tod des andern. Und wer könnte da besser entscheiden, was recht und was ungerecht ist, als der Engel Gottes? Der Engel der Gerechtigkeit wird es dem Menschen in die Waagschale legen, wenn er schuldig geworden ist und bei einem andern diese Entfernung von Gott herbeigeführt hat. So muss man tief in das geistige Leben hineindenken können. Sünde des Todes ist die Sünde wider den Geist.
Dem Menschen von heute, diesem so materialistisch ausgerichteten Menschen, muss verständlich gemacht werden, dass gerade die Worte, die er ausspricht, im Geistigen einen ganz anderen Sinn haben und ganz anders gewertet werden können. Es gibt Dinge, die der Mensch im Leben falsch tut, und Mitmenschen erachten als schwerwiegend, was er getan hat; doch für die geistige Welt ist es nur ein gewöhnliches Straucheln im Leben. Demgegenüber gibt es aber die andere Sünde, dieses andere, das man übergeht, das vor den Augen des Menschen, nach seinen Gefühlen nichts bedeutet, das aber im Geiste schwer wiegt. Wer den andern erniedrigt, wird von der Gotteswelt auch erniedrigt werden – im Geiste. Denn ein anderes Leben herrscht im Reiche Gottes als bei euch Menschen auf Erden.
Bedenkt, was nötig ist, um den wahren Frieden zu haben. Viel braucht es. Wenn ihr versucht, liebe Geschwister, diesen Frieden in eurer Seele zu haben, so ist es wohl gut; aber man muss diesen Frieden auch hinaustragen, denn viele sind es, die ihn nicht kennen. Man muss mit den andern ins Gespräch kommen, man muss ihnen zeigen können, was Friede ist. So heisst es: Man soll den andern im Geiste der Ruhe ermahnen, man soll ihn im Geiste trösten, wenn er traurig ist. Diese Sprache muss richtig verstanden werden. Und das ist es eben, was vielen so schwerfällt; denn sie sind eingelebt, festgefahren in ihren Gesetzen und ihren Gewohnheiten, und so können sie das Höhere nicht erkennen. Darum muss klargemacht werden, dass nicht der Mensch selbst entscheidet, ob gut oder böse ist, was er getan hat, was davon schwerwiegend ist und was nicht. Keiner soll glauben, dass er fähig wäre, seine Waage zu bedienen. Er überlasse dies besser den Geistern Gottes. Aber was er selber tun kann, ist, aus seiner ganzen Kraft heraus das Höhere anzustreben, um in Einklang zu kommen mit seiner Umwelt. Er soll tun, wie es die Engel Gottes tun. Voller Hingabe gibt man sich dem Nächsten hin. Man belehrt, wenn es notwendig ist – in aller Ruhe. Man spricht von seinen Erkenntnissen, die man gewonnen hat. Man spricht in Ruhe, ohne Aufdringlichkeit, ohne Überheblichkeit, in Bescheidenheit. Denn so tun es die Engel Gottes.
Wenn ihr nun denkt: “Ja, ich bitte darum, dass ein Steuermann kommt und mich lenkt im Leben, und zwar so, dass ich es auch verstehen kann” – ja, der Steuermann ist bereit zu kommen. Aber jeder Steuermann, woher er auch kommt, will seinen Lohn; er will ihn auf seine Weise. Der gute Steuermann will einen andern Lohn als der Steuermann der Welt, der aus dem Reich der Versuchung dem Menschen nahegetreten ist. Der Steuermann, der von Gott beauftragt ist, will auch seinen Lohn. Der Mensch glaubt aber oft, dass er nur immer fordern könnte und er Gott nur zu bitten hätte: “Gib mir nun das, was ich jeden Tag notwendig habe.” Er will von Gott nur etwas erbitten. Er betrachtet sich dann in diesem Flehen Gott nahe, und er erachtet es als sein gutes Recht, den Schöpfer, den Vater, zu bitten: “Gib deinem Kinde das, was es braucht, um sich wohlzufühlen. Nimm weg, was beschwerlich ist, und lass mich frei werden.” So fordert der Mensch nur und zahlt dem Steuermann keinen Lohn. Er glaubt, er hätte Gott Genüge geleistet, wenn er sich in seinem Leben nach den notwendigen Gesetzen ausrichtet, und glaubt, er würde gerecht handeln. Er glaubt, es würde genügen, nur zu Gott zu beten und an ihn zu glauben, und darüber hinaus brauche es nichts Weiteres.
Damit kann ein Steuermann, der von Gott gesandt ist, nicht zufrieden sein. Er fordert seinen Lohn, und diesen Lohn will er ja nicht für sich behalten. Er will ihn auf die Waagschale legen, damit es ins Gewicht fällt, wenn der Engel Gottes herantritt. Und was fordert denn die Gotteswelt vom Menschen, was fordert der Steuermann an Lohn? Er fordert Aufopferung und Liebe. Er fordert das Einfühlen in den Nächsten und die Verwirklichung göttlichen Friedens – dass der Mensch das tut, was im Reiche Gottes Gültigkeit hat, dass er mit jenen Massstäben misst, die in der Gotteswelt massgebend sind. Der Steuermann fordert tugendhaftes Leben und Taten, wie es gesagt wird: “Was nützt das Gebet ohne die Taten?” (vgl. Jak. 2, 14–17). Nur dem Namen nach Christ zu sein, genügt nicht, um die Seligkeit zu erlangen; sondern man muss seinen Pflichten als Christ nachkommen. Und diese sind wahrlich nicht gering. So zahlt der Mensch dem Steuermann den Lohn, wenn er Wert darauf legt, dass etwas Gutes auf der Waagschale ins Gewicht fällt. Opfer sind es, und zwar nicht von einem jedem dieselben. Da entscheidet wiederum die Gotteswelt, welcher Lohn ihr angenehm ist. Auf der anderen Seite der andere Steuermann: Er ist bald zufrieden mit dem Lohn, er braucht nicht lange darum zu kämpfen. Denn seinen Lohn kann er schon auf die Waagschale legen, wenn er das Steuer in die Hand nimmt – da hat er ja den Lohn schon gewonnen.
So ist es, liebe Geschwister. Die Seele des Menschen, die so kostbar ist, kann symbolisch mit der Waage der Gerechtigkeit verglichen werden – wie sie auch mit einem Tempel, mit einem Altar verglichen wird. So habe ich euch dieses symbolische Bild in dieser Stunde gegeben und zum Nachdenken, zum Meditieren aufgetragen. Denkt nach, was ihr in die Waagschale zu legen habt, und vergesst nicht, dass nicht ihr darüber urteilt, was schwer wiegt im Guten. Nicht ihr bedient diese Waage, sondern der Engel Gottes. Und denkt daran, dass auch bei jedem von euch solche Tränen in der Waagschale sind – die Wehmut, die Enttäuschung der Engel Gottes über das nicht Erreichte. Meditiert darüber.
Wenn ihr gut zugehört habt, dann muss es euch verständlich werden, welche Macht Gott dem Menschen gegeben hat und auch welche Gewalt, die für das Gute angewandt werden könnte, das er ja dem andern schuldet. Dass er damit aber auch Gewinne erziele für den andern, darf nicht unerwähnt bleiben. So sollt ihr in der Gemeinschaft einig werden im Glauben, in diesen geistigen Gesetzen. Und eines sei euch weiter zum Troste gesagt: Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft – auch dies ist symbolisch gesprochen – ist ein Baustein in der grossen Kirche Gottes. Jedes hilft mit, diese Gemeinschaft zu stützen, um diese Kirche gross werden zu lassen. Und das heisst, das Gedankengut, die Glaubenslehre zu erweitern, zu entfalten, damit Menschen anfangen zu überlegen und zu denken: “Stimmt es, ist es so, dass das Leben nach dem Tode weitergeht? Gibt es noch eine andere Welt als diese irdische?” Angespornt durch das Gespräch mit dem andern, durch dessen tiefen Glauben und Überzeugung von dieser Glaubenslehre wird er beeindruckt und wachgerüttelt. Und demjenigen, der nun – dies ist symbolisch gesprochen – ein Baustein ist in der grossen Kirche Gottes, dem wird doch etwas in die Waagschale gelegt, das Gewicht hat. Geht es doch in dieser Welt nun darum, diesen Glauben zu verbreiten. Und so steht ihr ja am Anfang dazu. Es ist aber schwer, dass diese Glaubenslehre Fuss fassen kann, denn vielen Menschen fällt es schwer, das anzunehmen. Doch jene, die dafür eintreten, brauchen nicht um ihr Leben besorgt zu sein und sich zu ängstigen, wie es bei den ersten Christen der Fall war.
Es gibt so vieles, das man tun könnte, das von hohem Gewichte ist, das dann in diese Waagschale gelegt wird. Wenn ihr dereinst zu uns kommt, dann steht der Engel da und hält die Waage. Er steht vor dir, und daneben stehen dein Schutzgeist und all die Geistgeschwister, die dir im Leben zur Seite standen. Jene sind da, die versucht haben, das Steuer zu ergreifen, und jene, die das Steuer auch gelenkt haben. Sie sind da, und es wird jedem Heimgekommenen zu seinem Heile sein. Denn jetzt ist er eingetreten in die geistige Welt, in jene Welt, die er im menschlichen Leben so schlecht verstehen konnte. Plötzlich steht er in der Wirklichkeit und ist froh über alle Dinge, die er im Leben erreicht hat. Er ist froh darüber, dass er einige Schritte – oder vielleicht ist es nur ein kleiner Schritt – in seinem Aufstieg getan hat. Er ist froh darüber, zu wissen: “An meiner Seite steht ein Geist Gottes, der für mich eintritt, der mich verteidigt.” Es ist für einen Heimgekommenen eine Erleichterung, wenn er an der Seite eines solchen Geistes gehen darf, der ihm im Geiste längst vertraut ist von seiner menschlichen Vergangenheit. Denn ihr Menschen kämpft nicht allein und nur äusserlich – ihr seid von den Engeln Gottes begleitet. Sie nehmen da und dort das Steuer in die Hand und lenken euer Lebensschifflein, damit man zum Ziel gelangt, das vorgeschrieben ist, das erreicht werden soll. Und so kann es mit dem Willen des Menschen erreicht werden.
So, liebe Geschwister, ihr könnt darüber zu Hause weiter meditieren. Zudem werde ich ja bald Gelegenheit haben [an der Meditationswoche 1969], euch noch vieles nahezulegen. So senden wir euch die hilfreichen Geister, auf dass sie euch begleiten und euch die Kraft und die Erleuchtung geben, die notwendig sind, um diese unsere Welt verstehen zu können. Wir senden euch Geister Gottes, die versuchen, euch etwas vom festen Schritt abzulenken, den ihr auf dieser Erde tut, und euch etwas zu heben, damit ihr nicht mit eurem ganzen menschlichen Gewicht, mit eurem irdischen Denken allzu fest auf eurer Erde steht – damit ihr aber immer und überall das Gleichgewicht behalten könnt und nie fanatisch werdet, damit ihr euch nach Innen ausrichtet und viel mehr in der Seele die Gespräche führt als durch laute Worte; damit ihr von euren Mitmenschen bewundert werdet wegen eurer gehobenen geistigen Einstellung. Ihr solltet vom andern geschätzt und geachtet werden. Diese Achtung und Wertschätzung muss man sich verdienen, ein jeder Mensch. Auch das ist etwas, was ins Gewicht fällt.
So, liebe Geschwister, sei Gottes Segen mit jedem hier, und jeder gehe gestärkt im Glauben an diese höhere Welt von dannen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.9.1969 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Wie muss ich mich verhalten, damit ich die Stimme meines geistigen Begleiters vernehmen kann?
Josef: Ja wie soll ich das euch erklären? Es gibt Menschen, deren Äusseres und deren geistiges Feld so fein ist. Es fällt ihnen leicht, diese Stimme hören zu können. Dann gibt es Menschen, die schwer sind. Es ist wie eine Mauer vor ihren Ohren oder vor ihrem geistigen Feld, sodass die Stimme nicht durchdringen kann. Es soll nichts erzwungen werden in dieser Art und Weise. Das könnte sie auf ganz falsche Bahnen führen. Zuerst kommt das Gebet und das Bitten, Gott möge den Körper stärken und so viel Kraft geben, damit die Stimme gehört werden kann. Denn ein jeder Mensch besitzt diese Stimme, aber sie wird von mehr als der Hälfte der Menschen nicht gehört. Die meisten wollen ja nur das hören, was ihnen angenehm ist, was ihnen im Moment passt, was sie gerne hören möchten. Und so sind denn auch immer gleich Mächte an der Arbeit, die sofort jene Worte einfliessen lassen, die der Mensch gerne hört. Aber mit Ausdauer und Gebet kann diese gute innere Stimme gehört werden. Bete inbrünstig, so wie du es bis jetzt getan hast. Bitte Gott, dass er die Stimme in dir stärke, damit du sie erkennen lernst. (1950)
Wie können wir erkennen, ob wir von guten Geistern inspiriert werden?
Josef: Es ist so: Der Mensch hat seinen freien Willen. Dieser freie Wille spielt eine ganz grosse Rolle, denn es ist das höchste und schönste Geschenk. Der Mensch muss ganz frei entscheiden können zwischen diesen verschiedenen Einflüssen, denn auch düstere Einflüsse der Tiefe sind da. Auch sie möchten, wie die gute Geisterwelt, das Äusserste an Kräften zur Beeinflussung hergeben. Dafür schenkte Gott den freien Willen, womit der Mensch entscheiden muss. Er kann auch vorher beten. Wenn es um eine grosse Entscheidung geht, soll er beten, richtig beten, so wie ich es euch gelehrt habe. Dann wird er geführt werden, wenn es so weit ist, dass er seinen Willen ausschalten kann und sich von der geistigen Welt führen lässt. Aber dies ist eben wieder ein Punkt. Die Menschen werden eben ihren Willen durchsetzen, wenn sie auf etwas sinnen oder wenn sie etwas möchten. Sie werden das tun, was sie gerne sehen. Deshalb ist zu empfehlen, dass sie vor irgendeiner Entscheidung beten. Es braucht auch etwas Mühe und viele Meditationen, bis es so weit ist, dass der Wille des Menschen ausgeschaltet werden kann und er sich dann führen lässt oder es so kommen lässt, dass es gut ist. Die Menschen aber, die ein geistiges Leben führen, werden dazu gedrängt, irgendeine Tat zu vollbringen; sie werden geführt und gedrängt. Dann sollen sie diesem Drang nachgehen. (
Lieber Josef, können höhere Wesen auch heute noch durch Träume zu uns Menschen sprechen?
Josef: Ja, wenn es im Plane Gottes liegt. Wenn darin eine Aufgabe liegt und es einer guten Sache dient, wird es von der geistigen Welt aus gefördert, und dazu besteht die Möglichkeit. Aber nicht immer, wenn der Mensch einen schönen Traum hat, soll er glauben, dass nun die höchsten Engel zu ihm gesprochen hätten. Was vom Hause Gottes kommt, hat einen Zweck und muss eine Aufgabe erfüllen, gleicht einem Bäumlein, das gross und stark werden muss, auf dass es Früchte bringen kann. So wird von der geistigen Welt aus wohl dann ein besonderer Traum gegeben, wo die Möglichkeit besteht, dass dadurch zum Wohle weiterer Menschen eine Aufgabe erfüllt werden kann. (1952)
Fragen und Erläuterungen
Lene, 17. September 1969
Fragen und Erläuterungen
Wie muss ich mich verhalten, damit ich die Stimme meines geistigen Begleiters vernehmen kann?
Josef: Ja wie soll ich das euch erklären? Es gibt Menschen, deren Äusseres und deren geistiges Feld so fein ist. Es fällt ihnen leicht, diese Stimme hören zu können. Dann gibt es Menschen, die schwer sind. Es ist wie eine Mauer vor ihren Ohren oder vor ihrem geistigen Feld, sodass die Stimme nicht durchdringen kann. Es soll nichts erzwungen werden in dieser Art und Weise. Das könnte sie auf ganz falsche Bahnen führen. Zuerst kommt das Gebet und das Bitten, Gott möge den Körper stärken und so viel Kraft geben, damit die Stimme gehört werden kann. Denn ein jeder Mensch besitzt diese Stimme, aber sie wird von mehr als der Hälfte der Menschen nicht gehört. Die meisten wollen ja nur das hören, was ihnen angenehm ist, was ihnen im Moment passt, was sie gerne hören möchten. Und so sind denn auch immer gleich Mächte an der Arbeit, die sofort jene Worte einfliessen lassen, die der Mensch gerne hört. Aber mit Ausdauer und Gebet kann diese gute innere Stimme gehört werden. Bete inbrünstig, so wie du es bis jetzt getan hast. Bitte Gott, dass er die Stimme in dir stärke, damit du sie erkennen lernst. (1950)
Wie können wir erkennen, ob wir von guten Geistern inspiriert werden?
Josef: Es ist so: Der Mensch hat seinen freien Willen. Dieser freie Wille spielt eine ganz grosse Rolle, denn es ist das höchste und schönste Geschenk. Der Mensch muss ganz frei entscheiden können zwischen diesen verschiedenen Einflüssen, denn auch düstere Einflüsse der Tiefe sind da. Auch sie möchten, wie die gute Geisterwelt, das Äusserste an Kräften zur Beeinflussung hergeben. Dafür schenkte Gott den freien Willen, womit der Mensch entscheiden muss. Er kann auch vorher beten. Wenn es um eine grosse Entscheidung geht, soll er beten, richtig beten, so wie ich es euch gelehrt habe. Dann wird er geführt werden, wenn es so weit ist, dass er seinen Willen ausschalten kann und sich von der geistigen Welt führen lässt. Aber dies ist eben wieder ein Punkt. Die Menschen werden eben ihren Willen durchsetzen, wenn sie auf etwas sinnen oder wenn sie etwas möchten. Sie werden das tun, was sie gerne sehen. Deshalb ist zu empfehlen, dass sie vor irgendeiner Entscheidung beten. Es braucht auch etwas Mühe und viele Meditationen, bis es so weit ist, dass der Wille des Menschen ausgeschaltet werden kann und er sich dann führen lässt oder es so kommen lässt, dass es gut ist. Die Menschen aber, die ein geistiges Leben führen, werden dazu gedrängt, irgendeine Tat zu vollbringen; sie werden geführt und gedrängt. Dann sollen sie diesem Drang nachgehen. (
Lieber Josef, können höhere Wesen auch heute noch durch Träume zu uns Menschen sprechen?
Josef: Ja, wenn es im Plane Gottes liegt. Wenn darin eine Aufgabe liegt und es einer guten Sache dient, wird es von der geistigen Welt aus gefördert, und dazu besteht die Möglichkeit. Aber nicht immer, wenn der Mensch einen schönen Traum hat, soll er glauben, dass nun die höchsten Engel zu ihm gesprochen hätten. Was vom Hause Gottes kommt, hat einen Zweck und muss eine Aufgabe erfüllen, gleicht einem Bäumlein, das gross und stark werden muss, auf dass es Früchte bringen kann. So wird von der geistigen Welt aus wohl dann ein besonderer Traum gegeben, wo die Möglichkeit besteht, dass dadurch zum Wohle weiterer Menschen eine Aufgabe erfüllt werden kann. (1952)
Wenn ein Geist Gottes einem Menschen im Leben beisteht
Josef, 8. Mai 1971
Wenn ein Geist Gottes einem Menschen im Leben beisteht
Feinfühlige Menschen vermögen Ermahnungen und Hinweise ihres Schutzgeists zu empfinden; sie fühlen sich geführt und gedrängt, dieses oder jenes zu tun oder zu unterlassen. In diesem Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem Mann, der aufgrund seines niederen Denkens und seiner Belastungen nicht imstande war, sein inneres Ohr für die Stimme seines führenden Geistes zu öffnen. Dennoch gelang es seinem Schutzgeist, sein einst gegebenes Versprechen zu halten und auf diesen Menschen – wenn auch auf einem Umweg – Einfluss zu nehmen und ihn im Leben zum Guten zu führen.
Josef: Liebe Geschwister, die zu Gott Aufgestiegenen und die hohe Geisteswelt wenden sich oft den leidenden Geistern in der Tiefe zu, um ihnen den Beistand zu geben und sie zu Gott zurückzuführen. Sie bringen ihnen Trost, denn ohne diesen Trost würde es jenen leidvoll Geprüften schwer ergehen. So haben sie die Hoffnung auf Befreiung und vermögen die grossen Bedrängnisse besser zu ertragen, wenn sie auf die Zukunft bauen können.
Ich möchte nun von einem Geist Gottes reden, der sich zur Aufgabe machte, diesen leidvollen, bedrängten Geistgeschwistern beizustehen, und ihnen Trost brachte. Unter jenen, die er betreute, befand sich ein so schwer belastetes Wesen, das schon lange in dieser Bedrängnis war und vom Engel Gottes immer wieder getröstet wurde. Der Engel Gottes sah die Schwere der Verschuldung dieses Wesens und wusste auch um die lange Zeit seiner Läuterung. Es lag auch in seiner Möglichkeit, Gott zu bitten, dass er ihm besonders beistehen dürfe. So ging er hin zu den Höchsten des Himmels und bat darum, dass er diesem so bedrängten Bruder Hilfe bringen dürfe. Und diese Hilfe bestand darin, dass man ihn für ein neues Leben vorbereiten würde. Er sollte in einem neuen Erdenleben beweisen, dass er es besser machen würde. Die Zeit dafür wäre noch nicht angebrochen, doch der Engel durfte ihm diese Hilfe bringen. So kam er ins Gespräch mit diesem Bruder und sagte ihm: “Siehe, ich kann dich aus dieser grossen Bedrängnis befreien. Du musst dich jedoch dafür bereit erklären; du musst bereit sein, in ein neues Menschenleben einzutreten.”
Dieser so Belastete konnte sich nicht gleich damit einverstanden erklären, denn er wusste noch zu gut, wie schwer und wie gross die Prüfungen sind, die in einem menschlichen Leben dem einen oder andern aufgebunden werden, und wie gross die innere Schwäche ist, Übel zu überwinden, den rechten Weg zu finden. In seinem Denken, in seiner Seele waren noch viele niedere Gedanken, Gefühle und Triebe. Er wusste also selbst darum. Er kämpfte gegen all das an, aber in dieser Tiefe vermochte er nicht ohne Weiteres diese Gefühle zu überwinden, denn es brauchte seine Zeit. Der Geist Gottes, der immer wieder zu ihm kam und ihn betreute, versprach ihm, im zukünftigen Leben sein Schutzgeist zu sein, ihm beizustehen und ihn zu mahnen. Doch dieser belastete Bruder ängstigte sich, denn er hatte Bedenken, dass er sich nicht viel mehr verbessern würde. Er musste ja selbst ankämpfen gegen sein niederes Denken in dieser Bedrängnis, wo er war. Er war einfach noch von Hass erfüllt, von Unfrieden, von Neid. Der Geist Gottes aber versprach, ihm beizustehen: Er sollte es doch wagen, denn er würde ihn stets mahnen. Aber das Mahnen könnte er nur dann aufnehmen, wenn er sein inneres Ohr und sein geistiges, inneres Denken einer höheren Welt zuwenden würde. Das musste der Geist Gottes ihm deutlich erklären. Trotz alldem machte er ihm Hoffnung. So vollbrachte er es, ihn für ein neues menschliches Leben vorzubereiten, und da wollte er ihm Schutzgeist sein.
Nun wollen wir diesen grossen Schritt vorwärts machen und diesen Menschen im neuen Leben betrachten, das er auf der Erde gelebt hat.
Ich habe euch des Öftern erklärt: Was im Innern des Menschen, in der Seele, ist, diese Tugenden und Untugenden, kommt wieder zum Vorschein, wenn man einen neuen Leib annimmt. Denn in der Seele ist das wahre Denken, und das kommt bei einer Einverleibung wieder zum Vorschein. So waren seine Triebe, seine Untugenden und sein falsches Denken immer noch da. Dieser Geist Gottes, der aber versprochen hatte, ihm beizustehen, versuchte, ihm Hilfe zu bringen und ihm zuzureden in jener Zeit, wo er sich im Schlaf vom Leibe etwas gelöst hatte; dann konnte der Geist Gottes sich mit dem Geist dieses Menschen unterhalten. Aber diese ganzen Gespräche und Ermahnungen fruchteten nicht viel oder sogar gar nichts. Denn es kam nicht in sein Bewusstsein.
Solche geistigen Gespräche – nebenbei bemerkt – können von sensiblen Menschen aufgenommen und unbewusst ins Tagesbewusstsein übertragen werden. Man fühlt sich geführt, gestossen, dieses oder jenes zu tun oder zu unterlassen. Es ist eine geistige Führung da, die sich beim Menschen bemerkbar macht. Und spricht der innere Mensch auf diese geistige Führung an, ist dieser Mensch von sensiblerem Charakter, ein sensibles Wesen, vermag eher etwas in das Bewusstsein zu kommen, und so lässt man sich dann führen, wenn auch unbewusst. Ist doch diese geistige Hilfe und Kraft so stark, den inneren Menschen zu beeinflussen, dass er solches an den Tag bringt.
Ich erzähle euch, wie es in diesem Falle war: Dieser Mensch hatte so viel Belastendes in sich, so viel niederes Denken, war mit der Niedrigkeit so verbunden und verknotet, dass es ihm nicht möglich war, von all den Ermahnungen etwas ins Tagesbewusstsein hinüberzunehmen. Sein ganzes Wollen und sein Charakter machten es ihm unmöglich, den Weg zu dieser höheren Welt zu ebnen und das innere Ohr zu öffnen, um etwas wahrzunehmen. Er war mit seinem niederen Denken so an die Niedrigkeit gebunden, dass es ihm unmöglich war, die Sprache der hohen Geisteswelt zu verstehen und aufzunehmen.
Diese Gespräche, die trotzdem geführt werden, sind Mahnungen, ja womöglich Androhungen der hohen Geisteswelt: Sie würde in das Leben eingreifen oder sich Wege ebnen, um die Möglichkeit zu schaffen, ihn von grösserem Unheil abzuhalten, indem sie ihn sogar frühzeitig aus dem Leben abberuft oder sonst auf irgendeine Weise eingreift.
Nun, bei diesem Menschen, von dem ich reden möchte, war es so: Dieser Geist Gottes war doch so bemüht, den Bruder einen Schritt aufwärts zu bringen. Die Ansprüche, die an ihn gestellt wurden, waren nicht sehr gross, und dieser Geist Gottes überlegte sich gut, auf welche Art und Weise es doch möglich würde, ihm beizustehen.
Im Leben hatte sich dieser junge Mensch wieder nicht bewährt. So wurde er von den irdischen Gesetzen erfasst, und er wurde eingesperrt. Er musste also ins Gefängnis. Der Geist Gottes beobachtete all dies und befürwortete es; denn er hoffte nun, mehr mit ihm ins Gespräch zu kommen, ihn eher beeinflussen zu können, wenn er von der menschlichen Gesellschaft abgesondert und etwas mehr Einsamkeit erleben würde. Da er ja zeitweise ganz alleine war, hatte er auch die Möglichkeit, über das, was er getan hatte, nachzudenken. Aber dieses Nachdenken brachte ihm noch keine Einsicht.
In dieser Anstalt, wo er untergebracht war, befand sich ein Seelsorger, der sich jener Gestrauchelten anzunehmen hatte. So hatte dieser Seelsorger auch die Möglichkeit, mit dem jungen Manne zu reden. Die Geisterwelt Gottes musste den Seelsorger als Werkzeug benutzen, denn jener selbst vermochte ja den Geist Gottes nicht zu hören. Der Seelsorger hatte die Möglichkeit geschaffen, dass er Werkzeug der Geisterwelt Gottes sein konnte, denn er war ein gläubiger, gottausgerichteter Mensch, war besorgt um das Heil der Gestrauchelten und wollte sie geistig und seelisch betreuen. Und der Geist Gottes benutzte ihn als Werkzeug, um ganz besonders mit diesem Menschen zu reden.
Dieser Seelsorger hatte auf den jungen Menschen einen guten Einfluss. Er machte es ihm klar, dass er auf eine solche Art und Weise der menschlichen Gesellschaft immer zuwider sein würde, dass er sich aber durch ein gerechtes Leben auch Ansehen verschaffen könnte. Er verbüsste also diese Strafe, und der Seelsorger betreute ihn auch nach seiner Entlassung. Und der Geist Gottes, der ja nun der Schutzgeist dieses gestrauchelten Menschen war, fügte es so, dass dieser Seelsorger sich jenes Menschen besonders annahm.
Damit will ich einmal zum Ausdruck bringen, dass es auch Menschen gibt, die in einer tiefen geistigen Entwicklung stehen und doch einen höheren Geist Gottes als Schutzgeist haben. Wenn dieser Schutzgeist auch nicht stündlich neben ihm ist und auf ihn einwirkt, wird er sich doch hauptsächlich um den Schützling kümmern, denn dieser hohe Geist hat ja noch andere Helfer, die ihm zur Seite stehen und die Betreuung des betreffenden Menschen übernehmen. Der hohe Geist aber wird sich im Besonderen stets um das Wohlergehen dieses Menschen kümmern, und er wird, wie er einst versprochen hatte, seinen Einfluss geltend machen.
So war es auch hier geschehen. Der Mensch, der von diesem Seelsorger betreut wurde, hatte den Weg in die menschliche Gesellschaft zurück gefunden, und er war nicht wieder so gestrauchelt, dass ihn das Gesetz hätte ergreifen müssen. Die Geisteswelt Gottes ist darüber sehr froh. Sie hatte grosse Hoffnung in diesen Menschen gelegt. Denn hätte sie diese Hoffnung auf eine bessere Einstellung zum Leben nicht gehabt, hätte sie nicht darauf gedrungen, ihn gleich in ein neues menschliches Leben hineinzuführen.
Es sind immer das Vertrauen und die Hoffnung, die die göttliche Welt in die Menschen hat. Aber die Geisterwelt Gottes wird immer wieder enttäuscht – das muss auch gesagt werden. Obwohl immer wieder Gelegenheit gegeben wird zu besserem Leben, wird sie vom einen und andern enttäuscht: Er vermag seine Fehler nicht zu überwinden. Dies als allgemeine Erklärung, da man nämlich sehr oft der Auffassung ist, dass Menschen von niederer geistiger Entwicklung gar nicht die Möglichkeit hätten, von der höheren Geisteswelt geführt oder begleitet zu werden. Überlegt euch doch: Jeder Mensch gehört zur Krone der Schöpfung, gleich auf welcher geistigen Entwicklung er steht. Die Geisterwelt Gottes hofft bei jedem Menschen, dass er sich in seinem Leben vorwärtsentwickelt, und da die Liebe Gottes echt ist, gibt sie jedem die Möglichkeit zu seinem geistigen Aufstieg, für seine Rückkehr. So müssen auch die Geister Gottes beauftragt werden, dem Menschen beizustehen.
Nun hatte dieser Mensch doch einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Dieses Vorwärtsschreiten ist dem Geist Gottes zu verdanken, der ihm im Leben beigestanden war. Er hat die Möglichkeit wahrgenommen, ihm in der Zeit seiner Verurteilung näherzukommen. Er hat sich dabei eines Werkzeuges bedient, denn dieser Seelsorger konnte bei diesem Menschen Vertrauen erwecken. So ist dieser Mensch nach seinem irdischen Tode in die Ordnung Gottes eingereiht worden. Er hat einen grossen Schritt aufwärts getan.
Jedem Menschen soll die Möglichkeit zu seinem Aufstieg gegeben werden. So tut es die Geisterwelt Gottes. Sie weiss genau, wie schwer es ist, als Mensch auf der Erde zu leben, seinen Verpflichtungen Gott gegenüber nachzukommen, sich um sein eigenes Seelenheil zu kümmern und weniger um die irdischen Belange dieser Welt, sich weniger dem Materialismus hinzugeben, mehr den wahren Frieden zu suchen und zu wissen, was zum wahren Frieden gehört. Das irdische Leben des Menschen kann vom Menschen selbst harmonisch gestaltet werden. Dazu braucht es viel guten Willen und viel Kraft, und die kann nur von den geistigen Höhen kommen. So kann ein Mensch in seiner Welt ein wirksamer Diener im Heilsplan Gottes sein.
So, liebe Geschwister, erklärte ich euch nun das eine. Nun betrachten wir das Leben eines andern Menschen, eines Menschen, auf den man auch besondere Hoffnung gesetzt hatte. Er war aus seinem irdischen Leben mit Verdiensten zurückgekommen, musste in der geistigen Welt aber weiterhin geprüft werden; denn diesem Menschen war es in seinem Leben durch die Umwelt leicht gemacht worden, zu diesen Verdiensten zu kommen. Er hatte sozusagen keine Prüfungen durchzustehen, keine inneren Kämpfe. Die Geisterwelt Gottes will aber, dass einer geprüft, gestärkt und geistig reich aus dem irdischen Leben in die göttliche Welt hinüberkommt. Dort angekommen muss er je nach seinem geistigen Stand in die Gemeinschaft eingehen, um dort zu zeigen, ob er fähig ist, in ihr zu leben. Ich habe euch des Öftern erklärt, dass es nicht so einfach ist. Man muss sich allen andern anpassen, denn es sind einem nicht alle gleich wohlgesinnt und haben dieselben Auffassungen, dasselbe Denken; es gibt viel Widerspruch, es gibt auch viel Neid, den man in der Geisteswelt dem andern gegenüber zeigt in diesen niederen Stufen des Aufstieges. Dieses kommt dann im gemeinschaftlichen Leben zum Ausdruck. Der eine fühlt sich benachteiligt, er klagt darüber, dass die anderen grössere Vorteile hätten – und er ahnt nicht, dass er geprüft wird und lernen muss, zu überwinden und sich dieser neuen Welt anzupassen.
Dieser Mensch, der da von der Erde kam und dem es leicht gemacht worden war, alles zu überwinden, musste in die Gemeinschaft eintreten und mit den andern zusammenleben. In seinem menschlichen Leben war er sich gewohnt gewesen, zu befehlen, allein zu sein und zu haben, was er wollte. Jetzt war es anders. Er konnte nicht mehr befehlen, er bekam nicht, was er wollte. Er musste mit den andern teilen und sich ihnen anpassen. So wurde er unzufrieden, und die Geisterwelt Gottes musste einschreiten und ihn aus der Gemeinschaft herausnehmen.
Dass es ihm möglich war, sich gegen die geistigen Gesetze aufzulehnen, war ein Zeichen dafür, dass er innerlich gar nicht reif gewesen war, dass er im menschlichen Leben nichts zu überwinden hatte, keine Prüfungen an ihn gekommen waren und er seine geistige Stärke nicht beweisen konnte. So prüfte ihn eben die Geisterwelt Gottes. Und so kam dieser Unfriede zum Vorschein, der auch noch in der Tiefe seiner Seele verwurzelt war.
Er musste abgesondert werden. Man hatte ihn in eine kleinere Familie hineingegeben, wo er belehrt werden sollte. Er kam ja auch mit Verdiensten zu uns hinüber, und er hatte sich ja im Besonderen nicht belastet. Aber er hat keinen Beweis gegeben, dass er sich innerlich gekräftigt und gestärkt hatte. Daher bedurfte es einer besonderen Führung und Belehrung. In dieser kleinen Familie nahmen sich die dort Anwesenden seiner an und führten ihn in der geistigen Welt zu den Aufgaben hin, bei denen er sich zu bewähren hatte und es ihm klargemacht wurde, was man von ihm erwarte, welche Gefühle er zum Ausdruck bringe. Er konnte nichts verheimlichen, nichts verschleiern, denn das wahre Ich erkennt man in der Gotteswelt.
Man nahm sich Zeit auch für diesen Heimgekehrten. Man gab ihm in der Gotteswelt so viele Möglichkeiten, sich zu bewähren. Er wurde in eine entsprechende geistige Stufe eingereiht, aber für die Zukunft gezeichnet. In einem zukünftigen Menschenleben sollte er beweisen, dass er in seiner Seele gestärkt und sein Denken edel war. Man hatte ihm ein Karma aufgebunden; er sollte nun beweisen, dass er es tragen konnte. Man war auch willens, ihn von diesem Karma zu befreien, würde er sich in seinem Denken und seinem ganzen Handeln bewähren. So hatte ihn die Geisterwelt Gottes gezeichnet, um ihn zu prüfen. Denn es ist ihr daran gelegen, auch diesen Menschen in seinem Aufstieg zu fördern.
So ist es notwendig, dass die Geisterwelt Gottes da und dort beim Menschen eingreift, damit er beweisen kann, dass er stark genug ist. Er muss seinen wahren inneren Gehalt zeigen. Das will und verlangt Gott von den Menschen, denn das gehört zum Sinn des menschlichen Lebens. Durch den freien Willen, den ein Mensch besitzt, soll er beweisen, was er fähig ist zu tun. So will Gott doch, dass sie gestärkt zurückkehren. Alle, die ihren Platz wieder einnehmen wollen in diesen hohen himmlischen Gefilden, müssen den Beweis dafür geliefert haben, dass sie geistig stark geworden sind. Denn dies ist notwendig, hat man sich doch einst durch den Abfall von Gott derart belastet. So bedarf es auch einer harten Prüfung, und diese Prüfung muss bestanden sein, wenn man wieder in Gottes Nähe kommen will.
So wäre es doch ratsam für einen jeden Menschen, über sein eigenes Leben und den Sinn seines Lebens nachzudenken und sich ein Ziel zu setzen, um etwas in seinem Leben zu erreichen. Denn diese menschlichen Jahre sind schnell vorbei. Kurz sind sie bemessen, auch wenn der Mensch viele Jahre des Alters zählt. Was ist schon ein Menschenleben gegen die Ewigkeit, die seiner wartet. Von Prüfung zu Prüfung muss jeder gehen, so lange, bis er seine Aufgaben erfüllt, bis er das bestanden hat, was von ihm gefordert wird. Dann wird ihm das wieder zurückgegeben, was er einst verloren hatte. Aber ehe seine Seele nicht von Harmonie erfüllt ist, wird solches nicht geschehen. Darauf muss man immer wieder hinweisen. Eins werden mit Gott muss der Mensch in seinem Denken, in seinem Wollen. Und wenn er eins geworden ist mit ihm, dann rückt er auch in seine Nähe (vgl. Joh. 17, 20–24).
So, liebe Geschwister, habe ich euch heute wiederum die geistige Welt offenbart und euch von den geistigen Gesetzen erklärt, wie es jenen ergeht, die zurückkommen. Möget ihr mit dem Segen Gottes durchs Leben gehen; möge der Segen Gottes euch die Kraft geben, eure Aufgaben zu finden, sie auch zu erfüllen und allen Anforderungen und Anfechtungen zu widerstehen, die der Seele schaden. Heil und Segen möge jeder Seele zukommen. Dies bringen die Engel Gottes aus dem Himmel in die Nähe des Menschen. Sie haben einen Wunsch: euch zu begleiten auf dem Wege des Lichts. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 8.5.1971 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 4/2021
21 Seiten, 21 × 29,7 cm