Ihr Warenkorb ist noch leer.
Ein innig verrichtetes Gebet hat eine grosse Wirkung – Das Unservater, das wichtigste Gebet der Christenheit – Geistige Speise für die Seele: das Gebet, die Meditation und die guten Taten
Über das Gebet
Beschreibung
In den ersten Jahren seiner Lehrtätigkeit gab Geistlehrer Josef viele Erklärungen zum Gebet. Sie zeugen vom Anliegen der göttlichen Welt, die Freunde richtig beten zu lehren, damit ihr Gebet zum Segen und Fortschritt für den Einzelnen, den Mitmenschen und für die ganze Gemeinschaft werden kann. Josef erklärt, inwiefern das Unservater alles umfasst und enthält, wessen der Mensch bedarf. Als eine Grundbedingung für ein wirkungsvolles Gebet nennt Josef: in die Ruhe zu gehen, sich von täglichen Gedanken zu lösen und sich im Geiste in die göttliche Welt zu erheben.
Themenheft 1/2013: Über das Gebet
Inhalt
Ein innig verrichtetes Gebet hat eine grosse Wirkung
Josef, 19. März 1949
Ein innig verrichtetes Gebet hat eine grosse Wirkung
In den ersten Jahren seiner Lehrtätigkeit gab Geistlehrer Josef viele Erklärungen zum Gebet. Sie zeugen vom Anliegen der göttlichen Welt, die Freunde der Gemeinschaft richtig beten zu lehren, damit ihr Gebet zum Segen und Fortschritt für den Einzelnen, den Mitmenschen und für die ganze Gemeinschaft werden kann.
Josef: Gott zum Gruss.
Der Schöpfer des Himmels und der Erde sei gepriesen! Dankbar neigen sich die Menschen zu Dir, in Dankbarkeit sind sie in Dir, um von Deiner Kraft zu nehmen, die Du in grösstem Masse spendest. Dafür bist Du, o Gott und Schöpfer, gelobt und gepriesen!
Ich möchte in dieser Stunde wiederum etwas anderes behandeln, und zwar ganz besonders über das Gebet sprechen – das Gebet, das so notwendig ist, denn es liegt so viel darin. Das Gebet ist ein Ganzes. Dieses Ganze braucht ihr für euer Licht und euer Fortkommen. Wenn der Mensch imstande ist, andächtig zu beten, wirklich mit Gott allein zu sein, ist es etwas Grosses. Es ist aber für den Menschen nicht so leicht, andächtig zu beten. Gott ist jederzeit bereit, Liebe zu geben, Liebe zu spenden, und er wird nie einen Menschen zuerst verlassen, sondern der Mensch ist es, der Gott verlässt. Ich will damit sagen: Wenn der Mensch so weit ist, dass er kein Gebet mehr hat, dann ist er von Gott getrennt. Und wie viele Menschen leben so in den Tag hinein ohne ein Gebet, ohne einen Gedanken an Gott. Und sie sind es, die zuerst hadern gegen ihn, wenn nicht alles nach ihren Wünschen geht. Es ist aber unmöglich, dass Menschen ein geistiges Licht und eine geistige Kraft erhalten können, wenn sie kein Gebet dafür haben, wenn sie nichts geben können in die geistige Welt hinein. Wenn du etwas in die geistige Welt gibst, so bekommst du das Zehnfache oder noch mehr dafür zurück. Wenn der Mensch irgendeine unangenehme Sache hat, sei es Not in seiner Familie oder eine Krankheit, so ist es im Allgemeinen so, dass er dann Gott findet, aber nur weil er Hilfe will. Er will zuerst Hilfe, weil es ihm nicht gut geht. Da sucht er überall und tastet überall. Die Menschen helfen ihm nicht, dann geht er einen andern Weg, und der führt zu Gott. Nun beten solche Menschen um Hilfe für ihre Gesundheit, für ihr tägliches Brot, und sie beten immer wieder. Sie kommen und klagen: “Ich war so mit Gott verbunden und habe so gebetet, und man hat mir nicht geholfen!”
Ich will euch zeigen, wie man ein Gebet verrichtet, damit ihr vom Segen Gottes aufnehmen könnt in euch, für euch und für die ganze Familie. Der Mensch braucht so viel, er verlangt so viel, um froh zu sein. Und er glaubt, erst froh sein zu können, wenn ihm eine gewisse Bequemlichkeit oder Sicherheit gegeben ist, das heisst, wenn er mit seinem Beruf und mit seinem Gelde so dasteht, dass er keine Sorgen hat. Das ist das Erste, was der Mensch verlangt, und erst dann glaubt er, froh und glücklich zu sein. Doch das geht nur einige Zeit, denn dieses Glück hat keinen festen Boden; es ist nichts Festes da. So werden jene Menschen, die das alles beisammen haben, unglücklich. Ihr kennt solche Menschen zur Genüge, die viel, eigentlich zu viel besitzen und doch keinen Frieden haben. Sie sind unglücklich. Sie haben ein Haus, ja sogar mehr als ein Haus, und besitzen jeden Luxus und sind doch unzufrieden. Jene Menschen haben zu viel, und in diesem Zuviel finden sie Gott nicht. Denn um diese Materie ist so viel Dunkelheit. Ich will damit nicht sagen, dass alle so sind, die ein Haus haben; sie sind dann jene, die Gott schon gefunden haben und ihn in sich hatten, bevor sie ein Haus besassen. Die andern aber, die heute so viel besitzen, dass sie darin nicht glücklich sind, werden in ihrem nächsten Leben das Umgekehrte erfahren und erleben dürfen. Sie werden dann in ihrem nächsten Leben eher weniger haben als das, was sie brauchen, um einen Ausgleich zu schaffen.
Ich will damit sagen, dass hier das Gebet der einzige Weg und die einzige Sicherheit ist für euer tägliches Leben. Das Gebet muss ein Granitblock sein, und auf diesem Granit sollst du dein Haus haben. Dieser Granit ist das Gebet, das ist der Gedanke und der Glaube an Gott. Auf diesem Wege sollst du gehen und arbeiten. Wenn du betest, sollst du Gott den Schöpfer ehren und preisen. Du sollst nicht, wie ich vorhin erklärt habe, nur zu ihm beten und ihn bitten, dir zu helfen. Der Mensch glaubt, dass das Gebet richtig ist, wenn er nur bittet: “Hilf mir nun für meine Arbeit oder für mein Haus! Hilf mir, ich bin krank!” So betet der grösste Teil der Menschen, aber solch ein Gebet ist kein richtiges Gebet und kann von den Engeln Gottes nicht aufgefangen werden. Es ist wohl ein Funke, ein glühender Funke, doch er zerschmilzt schon nach einigen Metern. Wenn du etwas brauchst, sollst du allein zu Gott gehen; wenn du mit Gott allein sein willst, so gedenke zuerst seiner unendlichen Kraft und seiner unendlichen Liebe, die er jederzeit zu geben bereit ist. Preise ihn dafür, gib ihm zur Ehre zuerst etwas. Wenn du einem lieben Menschen ein Geschenk gibst zu einem besonderen Anlass, und dieser Mensch ist fein und hat Gefühl, so wird er sich bedanken. Das ist doch das wenigste, was er tun kann. Wenn er kann, wird er dir gelegentlich auch etwas geben. Das ist Menschenart, es ist rein menschlich. Wenn du aber zu Gott gehst und ihm zuerst gibst, so gibt er dir auch zurück. Denn bei Gott ist es nicht wie bei jenen Menschen, die es als eine Selbstverständlichkeit betrachten, immer nur zu empfangen, und die selber nichts geben. Gott ist die Gerechtigkeit, die unendliche Liebe und Güte. Darum sage ich dir so eindringlich, wie du zu beten hast.
Du darfst mit allen deinen Sorgen zu Gott gehen, aber du sollst auf die richtige Weise hingehen: Du sollst ihn preisen und ehren; du sollst das, was du eigentlich möchtest, zunächst auf die Seite legen und zuerst Gott danken für die Herrlichkeit, für die Schöpfung, für seine Güte und für seine Liebe. Diese Worte und diese Gedanken sind ein starker Strahl, ja sie sind wie ein Blitz, der sein Ziel nicht verfehlt. Wenn du das getan hast, wenn du erkannt hast, dass du Gott zu danken hast, und wenn du ihn gepriesen und ihm die Ehre gegeben hast, dann gehe mit deinen Sorgen zu ihm und bitte ihn, wenn es sein Wille sei, dir zu helfen. Es soll der Wille des Herrn sein – das sollst du nie vergessen. Du darfst nie so starr sein, einfach um etwas zu bitten wie ein Kind, welches so lange bettelt, bis es hat, was es will. Darin ist ein gewisser Eigensinn, ein “Ich will es durchsetzen”. Der Mensch muss sich vor Gott neigen, und darum sollst du ihm in aller Bescheidenheit deine Nöte vortragen. Du kannst ihm sagen, was dein Wunsch ist und wo er dir helfen soll; du darfst aber nie die Worte vergessen: “Herr, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.” So ist die direkte Verbindung hergestellt, und die Engel Gottes tragen das Gebet in das Haus Gottes hinein. Es sind die Engel des Gebets, die diese Aufrichtigkeit erkannt haben, denn dieses Gebet, so gebetet, bildet wunderschöne Strahlen, wunderschöne Formen. Es sind geistige Früchte, und sie werden von den reinen Engeln Gottes weitergetragen. Auch sollst du in deinem Gebet nie vergessen zu danken. Wie ist doch der Mensch – er bittet um etwas, ja er bittet nur und ist erbost, wenn er keine Hilfe gefunden hat. Er vergisst im Gebet noch, dass er nach seinem Bitten zu danken hat. Zuerst musst du Gott loben und preisen, dann darfst du bitten, und zum Dritten sollst du danken, danken, dass er dir hilft, so es sein Wille ist.
Im Gebete musst du so sein, dass deine täglichen Gedanken, deine überflüssigen Gedanken, die verschiedene Formen haben, aufgelöst sind. Du musst wirklich in Gott versunken sein, und das ist am besten möglich, wenn du allein bist. Du sollst für dich ein Zimmer haben, wo du mit Gott allein sein kannst. Es ist gut, wenn man am Morgen, bevor man aufsteht, also noch im Bett, sein Gebet spricht. Du sollst Gott ehren und preisen und ihm für die Nacht und für die Stärkung danken, die er dir gegeben hat. Dann fange an zu bitten, und dann danke wieder. Morgens ist der Körper am besten ausgeruht und der Kopf noch nicht so voller Gedanken; man ist gewissermassen gelöster, man ist etwas leichter und findet somit einen besseren Anschluss. Wenn du dich nämlich morgens schon so mit Gott verbinden kannst, wirst du den Dank des Himmels für den ganzen Tag haben. Wenn du abends wieder zu ihm kommst, so wirst du so viel Kraft erhalten, denn dein Gebet ist dann, wie ich es dir erklärt habe, etwas Grosses, etwas Ganzes. Versuche einmal so zu beten, wie ich es dir gesagt habe, und du wirst Hilfe haben, grössere Hilfe als bisher. Doch vergiss nie zu sagen: “Herr, Dein Wille geschehe!” Die Menschen verlangen oft viel, oft Unmögliches. Sie beten um unmögliche Dinge. Wenn der Mensch aber die Worte spricht: “Herr, Dein Wille geschehe”, so gibt er damit schon etwas zurück. Ich meine damit, er neigt sich doch gewissermassen, und er wird dann am besten zu verstehen bekommen, oder es wird ihm die Erklärung gegeben, ob ihm geholfen werden darf oder nicht oder wie ihm geholfen wird.
Es ist wunderbar, was die Menschen aufnehmen könnten, wenn sie Ohren hätten zu hören. Doch diese Verbindung ist heute schwerer herzustellen als früher – aufgrund all der Arbeit und der langen Zeit, die verflossen ist, seit die Gespräche von Geist zu Mensch noch gepflegt wurden. Heute gehört zu einem Menschen eine besonders feine Strahlung und ein besonders feines Empfinden, um die Worte der Schutzengel und die Worte, die ihm eingegeben werden, aufzunehmen. Es ist nur deshalb so schwer, weil er mit seinen Gedanken überall ist, aber am wenigsten bei Gott. Du brauchst kein Fanatiker zu sein, aber du musst so leben, wie ich es dir schon oft gesagt habe: Bei allem, was du siehst, sollst du erkennen, dass es aus der Vollkommenheit Gottes kommt. Dann hast du ein zartes Netz um dich, das heisst, es sind die feinen Strahlen, die den Strahlen von diesen Geistwesen ähnlich sind, und so hast du Ohren zu hören. Dein Ohr ist dann geöffnet und ganz frei gemacht – du kannst die Worte deines Engels gut hören. Aber du willst nicht immer hören, und das ist auch eine wichtige Sache: das Hören lernen. Du sollst nie vergessen: Wo dein Schutzengel steht, steht auch der Düstere. Der ist auch bereit, mit dir zu sprechen, und er will dir auch ‘helfen’, denn er will ja auch etwas; auch für ihn gibt es eine Art Vollkommenheit, und für diese will er arbeiten. Nun musst du lernen, die richtigen Worte zu erkennen, das heisst, du musst unterscheiden lernen, was dein Schutzengel spricht und was nicht von ihm kommt. Das kannst du nur, wenn du in deinen Gedanken frei bist.
Wasche deine Hände in dieser glühenden Kraft Gottes, streiche den Schmutz und die düsteren Strahlen von dir ab. Dann wasche wieder deine Hände. Denke immer, dass die Reinheit für dich nur die Feinheit Gottes ist und dass dieses Wasser, welches zum Reinhalten da ist, zum Vernichten dieser düsteren, klebrigen Strahlen dient. Erst dann höre. Das Schlechte, das Düstere ist immer mit Schmutz, mit Kot, mit Stinkigem und Unangenehmem verdichtet; das entferne von dir. Dann hast du es schon leichter zu hören. Es sind dies für dich vielleicht Kleinigkeiten. Du glaubst, dass dieses Händewaschen oder dieses Von-dir-Streichen doch keine Bedeutung für dich haben könne. Doch ich sage dir, es ist sehr wichtig. Wenn du nämlich jetzt hier mit deiner Hand einige Schwingungen [Bewegungen] machst, hast du glühende, zarte Fäden an deinen Händen; denn hier unter diesem Zelte [das von Engeln Gottes für diese Stunde für euch aufgebaut wurde] ist so viel reine Gotteskraft, die aus diesen Fäden von oben kommt, welche jetzt vorwiegend da sind. Es hat immer düstere Kräfte und düstere Strahlen, doch sie liegen tiefer, sie sind zu euren Füssen und können nicht steigen. Wenn du aber von hier weg- und auf die Strasse gehst und dort mit der Hand die gleichen Schwingungen machst, hast du soundso viele Fäden an ihr. Und diese dunklen, düsteren Strahlen verdichten sich und machen, dass du keinen Unterschied mehr erkennst. Du weisst nicht mehr, wer das Richtige spricht, wo du hingehen sollst, wo du hören musst. Und dies muss ausgeschaltet werden. Es lohnt sich, sich die Mühe zu nehmen und seine Hände zu waschen. Es ist besser, mit sauberen Händen zu beten, wie ich dir sage, und so mit Gott verbunden zu sein. Das will nicht heissen, dass nun ein Mensch nicht beten darf, wenn er schmutzige Hände hat, weil er keine Gelegenheit hat, seine Hände zu waschen. Auch er kann mit Gott verbunden sein; freilich kann er seine Gedanken auch senden. Doch wenn es auf das Äusserste ankommt, mit Gott verbunden zu sein, wie ich dir erkläre, so musst du auch das Äusserste anwenden, um zu hören. Denn es sind ja nur einige Minuten, wo du dir diese Verbundenheit mit Gott leistest. Deshalb musst du alles daransetzen, die richtige Verbindung herzustellen; darum kommt es auf das Äusserste, auf das Letzte an, auf die letzte Kleinigkeit. Es wäre ein anderer Fall, wenn du es dir leisten könntest, wenig zu essen, um deinen Körper leicht zu halten, und viel zu beten. Doch dann wäre das Leben in einer Stadt nichts für diesen Menschen, sondern er müsste weggehen und an einem Orte sein, wo ihn niemand stört. Das ist auch ein Weg, doch dieser Weg wird nicht von dir verlangt, da noch so viele andere Wege offenstehen, das Richtige zu tun. Denn der Mensch hat so viele Aufgaben zu erfüllen, und er muss in seinem Beruf, wie ich das letzte Mal gesagt habe, das Beste vom Besten hergeben, und dies dient auch zur Höherentwicklung des Menschen. Er hat nur seine Aufgabe zu erfüllen. Wenn der Mensch oder wenn du alles so tust, wie ich dir gesagt habe, wirst du die richtigen Worte hören. So kannst du dann immer mit dieser Stimme verbunden bleiben. Es braucht dafür keine besondere Veranlagung zum Hellhören. Natürlich ist es da, wo eine besondere Veranlagung vorhanden ist, viel leichter zu hören. Aber auch dort muss gut unterschieden werden können.
Was ich aber will, ist das: allen Freunden, ob diese besondere Veranlagung da ist oder nicht, den Weg zeigen, was sie tun können und was das Richtige ist. Du kannst nicht fehlgehen, wenn du vorher gebetet hast, wie ich dir erklärt habe, und wenn du dich rein halten kannst. Dann werden die Gebete, wie ich dir erklärt habe, mit deinen Bitten in das Haus Gottes getragen, und wenn es sein Wille ist, wird geholfen oder gemildert werden. Wenn alle Menschen so beten würden, wäre eine unendliche Harmonie auf der ganzen Erde. Stellt euch vor, was für eine Harmonie vorhanden wäre! Nur die Liebe, nur die Güte. Was hätte dann wohl noch dieser Fürst der Finsternis zu tun? Er hätte bald keine Opfer mehr. Wenn dann so viel gebetet würde, würde diese Kraft auch in die Tiefe dringen und dort so einen nach dem andern aus den Klauen dieses düsteren Fürsten holen. Zuletzt würde auch noch dieser Luzifer einsehen, dass Gott über ihm ist und dass doch nur Gott gesiegt hat.
Nun könnt ihr euch selbst ein Bild machen und euch vorstellen, wie lange, lange es noch dauert, bis es so weit ist. Es muss aber so weit kommen, wenn alles der Höherentwicklung zugeht, wenn alles Gott zugeht. Deshalb komme ich immer wieder mit Belehrungen und Weisungen an euch, um einen Kern zu bilden, um am Schlusse etwas Ganzes zu bilden, um dieser Vollkommenheit entgegenzugehen. Und ihr sollt mithelfen, diese Körner zu streuen. Jedes noch so kleine Körnchen ist ein Funke, ist etwas Göttliches. Wenn ihr ihn erkannt habt, diesen richtigen Funken Gottes, die Wahrheit, dann ist es eine leuchtende Kugel, und ihr sollt viele, recht viele von diesen leuchtenden Körnern und Kugeln zusammenbringen, um eine Form daraus zu machen, eine grosse Form, sei es eine Frucht oder sei es, dass ihr so viele Strahlen habt, dass sie einen Fluss bilden, einen Fluss aus reinen, göttlichen Strahlen. Diese unendliche göttliche Kraft, wie sie euch gegeben und von euch gebildet wird, geholt aus dem Hause Gottes, diese sollt ihr als Ganzes zurückgeben, wieder für das Haus Gottes. Es soll genauso ein Nehmen und ein Geben sein, wie es ein Gehen und ein Kommen ist, eine ständige Verbindung. Es ist ein unendliches Rad, das sich immer dreht. Und die Menschen sollten das Gleichgewicht auf der ganzen Erde halten können. Doch ist leider kein Gleichgewicht vorhanden. Es wird mehr von Gott gegeben, als die Menschen mit Gebet und mit diesen Formen zurückgeben können. Es gibt Erdensphären – und es gibt sie überall –, wo aus dem Gebet etwas geformt wurde. Dies ist ein Fluss hoch über euch, ein goldener Fluss, der von weit her fliesst, der aus dem Hause Gottes in einer bestimmten Höhe über eure Erde fliesst. Es ist dies eine geistige Sphäre, die über euch liegt. Ihr könnt dafür sorgen, dass über eurer Stadt ein solcher Fluss ist, also hoch über euch. Das ist dann eine geistige Sphäre, wo Geister Gottes wohnen, und ihr sollt mithelfen, dass diese geistige Sphäre nahe bei euch ist. Dieser goldene Strom muss nahe bei euch sein. Denn je näher ihr beisammen seid, desto mehr Kraft spürt ihr und desto mehr könnt ihr die Göttlichkeit empfinden, weil ihr dann selbst mit euren Gebeten und in eurer Verbundenheit mit Gott diesen Fluss gebildet habt. Er ist über euren Häuptern, und es ist auch ein besonderer Schutz. Über verschiedenen Ländern hat es solche Flüsse und Bäche, an einem Orte mehr und an anderen weniger bis ganz wenige. Je grösser dieser Strom ist und wo die grössten Bäche sind, da wird am meisten von diesem Tau auf die Menschen fallen und auf die Erde sinken. Wenn nämlich diese Flüsse und Bäche vorhanden sind, so geben sie auch entsprechend viel Kraft in die Tiefe. Diese leuchtenden Strahlen durchdringen die Erde, sie gehen in das Innere hinein, und das ist notwendig. Ich habe das letzte Mal davon gesprochen. So muss der Mensch überall aufbauen helfen, er muss mithelfen an der Vollkommenheit, er muss sie erkennen können. Dieses Erkennen und dieses tägliche Arbeiten an diesem Vollkommenen bilden einen grossen, mächtigen Strahl für diesen Fluss. Die Erde und die Menschen brauchen diese Kraft so notwendig!
Ich erklärte das Gebet so eindringlich, dass es jedem Einzelnen helfe und ihm sein Fortkommen gelinge; er braucht es. Der Mensch muss eine gewisse Sicherheit haben, sonst findet er nur selten den richtigen Weg, weil er immer alles dunkel und düster sieht, weil er in gewissem Masse gehemmt ist, froh zu sein. Deshalb ist das Gebet, das richtige Gebet, das Einzige, was hilft. Ich erkenne es aus diesen Funken, die hier frei liegen. Es sind so viele Freunde hier; jeder hat einen Wunsch oder jeder hat seine Sorgen auf einem Gebiet, und diese Sorgen kannst du, wenn es Gott will, abschütteln, oder sie werden gemildert. Wenn du gehst und bittest und du den wahren Glauben an Gott hast, ist er so gütig und gibt von seiner Kraft. Aber gib du ihm zuerst! Es wird von den Menschen nichts in einem Übermass verlangt; es wird nichts verlangt, was sie irgendwie behindern könnte. Nein, ganz frei sollst du sein. Du kannst deine Gebete morgens und abends verrichten. Den ganzen Tag sollst du in allem, was du siehst, Gott erkennen und dir immer bewusst sein, dass alle Menschen Kinder Gottes sind. Das ist viel, das sollst du erkennen, denn dann musst du von deinem wahren Leben geben, so oder so. Wenn du dich so in die geistige Welt vertiefst, bekommst du nämlich auch eine ganz andere Strahlung; du hast ein ganz anderes Fluid um dich als zu jener Zeit, wo du noch nicht so in viele Einzelheiten eingeweiht wurdest. Du hast nun eine solche Ausstrahlung an dir, die zart ist, die sich besser mit der geistigen Welt verbinden kann, die aber auch so zart und fein ist, dass sie an jeden Menschen herankommt und es diese andern Menschen oder deine Freunde als eine Wärme empfinden. Jeder sollte seinen Nächsten als angenehm empfinden. Er muss seine echte Herzenswärme spüren. Der Mensch darf nicht kalt sein, das heisst, dass man einfach eine Abneigung gegen diesen oder jenen Menschen hat. Dann sollst du von deiner ganzen Liebe jenen Menschen geben, die diese Kälte von sich geben. Dann bildest du dir in dein geistiges Feld eine Perle. Es braucht oft Überwindung, an solche Menschen heranzugehen. Wenn du es fertigbringst, ist es für dich etwas Gutes und etwas Grosses. Du hast viel geleistet, wenn du die Gebete so sprichst und dein Leben so führst, wie ich dir erklärt habe. Du sollst jeden Morgen und jeden Abend, auch wenn du ohne Sorgen bist, zu Gott gehen und für die Gesundheit deines Körpers beten und bitten für andere, für jene, die nicht bitten. Du sollst für alle Menschen beten, auch für jene sollst du beten, über deren Land nicht solch ein goldener Fluss und solche goldenen Bäche ziehen. Bete ganz besonders für sie, dass recht bald auch ihre Sphäre von diesem goldenen Strom durchströmt werde.
Ich möchte nun zum Schlusse kommen. Ich habe euch für diesen Abend wieder etwas gegeben, und zwar etwas ganz Wichtiges. Versucht nun so zu beten, aber nicht nur heute Abend und morgen und dann wieder nicht mehr bis zur nächsten Woche. Nicht alle Freunde, die hier sind, verrichten ihr tägliches Gebet so, wie ich es sage. Ja, sie unterlassen es überhaupt hie und da einige Tage. So schneidest du ja selbst die Fäden der Verbindung durch. Darum ist es immer notwendig, dir zu sagen: Gehe zu Gott und bitte Gott, ehre und preise ihn in erster Linie. Er ist dein Vater, er ist Vater des Himmels und der Erde. Er ist Vater und hat die Kraft über alles. Gehe zu ihm, er wird dir helfen. Du brauchst seine Hilfe. Jeder, der hier ist, braucht die Hilfe Gottes. Gedenke der Stunde, die an dich kommt, wo du Gott ganz nahe sein musst – denke an jene Stunde. Darum sorge schon heute für deine Schutzgeister. Mit deinem Gebet, das du verrichtest, kommen deine Schutzengel, und sie behüten dich. Es ist ja ihre Arbeit. Aber ohne ein Gebet finden sie nicht so leicht den Weg zum Menschen. Es gibt genügend Arbeit für die Engel Gottes, und ein guter Geist Gottes will nur eine solche Arbeit tun, bei der er sich mit Gott verbunden fühlt. Ihr sollt nie vergessen: Andere Mächte sind ebenfalls da, die dich unter ihrem ‘Schutz’ haben wollen, und sie sorgen dafür, dass die Engel Gottes nicht herankommen. Aber du darfst kein solcher Mensch sein. Du sollst nur von Engeln Gottes geführt sein, du sollst sie dir erbitten, dass sie bei dir bleiben bis zu deiner letzten Stunde und dich vor das Haus Gottes führen.
Ich wünsche über euch alle den Segen Gottes. Gott sei gepriesen und gelobt in alle Ewigkeit. Der Segen Gottes über euch und eure Familie, über euer Haus. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.3.1949 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal Oleander am Zeltweg, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Das Unservater – das wichtigste Gebet der Christenheit
Josef, 14. Mai 1949 (Ausschnitt)
Das Unservater – das wichtigste Gebet der Christenheit
Christus zeigte seinen Getreuen den Weg des höheren Lebens und lehrte sie beten. Geistlehrer Josef erklärt, inwiefern das Unservater alles umfasst und enthält, wessen der Mensch bedarf. Als eine Grundbedingung für ein wirkungsvolles Gebet nennt Josef: in die Ruhe zu gehen, sich von täglichen Gedanken zu lösen und sich im Geiste in die göttliche Welt zu erheben.
Josef: Liebe Geschwister, von vielen Menschen wird immer wieder gefragt: “Wie kann ich meditieren, und wie komme ich am schnellsten in das geistige Leben hinein?” Sie möchten eine gewisse Schulung mitmachen, doch gehen jene Menschen oft auch einen grossen Umweg. Ich möchte nun in dieser Zeit, die mir zur Verfügung steht, mit euch über das Gebet sprechen, das euch Christus gelehrt hat. Ihr sollt über dieses Gebet meditieren, es soll ein Anfang sein, und ihr sollt dann schauen, wie weit ihr damit kommen werdet. Ich kann euch sagen, dass ihr alle, wenn ihr es so macht, wie ich es euch jetzt erkläre, einen grossen Fortschritt machen werdet in eurem Leben, für dieses und für das andere Leben.
Die Christen sprechen das Vaterunser oder das Unservater – es sind einige Worte verschoben worden von dem katholischen zu dem andern, doch das spielt keine Rolle, der Sinn davon ist ein und derselbe. Doch wichtig ist jetzt, dass ihr mit mir geht und mit mir über das Gebet meditiert. Wenn ihr den Wunsch habt, zu Gott zu gehen, mit Gott in Verbindung zu sein, so soll dieses Gebet der erste Schritt sein; es soll euch den Weg öffnen und euch hineinführen, und das soll für euch ein grosses Erlebnis sein. Wenn ihr zu einer Meditation schreitet, dann sollt ihr ruhig in einem Zimmer allein sein, es kann auch im Walde sein. Es soll unbedingte Ruhe herrschen und eine vollständige Harmonie im Umkreise sein. Dann vertieft euch, und in erster Linie: weg von den täglichen Gedanken! Das allein ist schon etwas Grosses, wenn der Mensch es fertigbringt, diese vielen überflüssigen Gedanken auszuschalten. Denn ihr werdet eben auch gestört – man will euch die täglichen Gedanken vorführen, um einfach diese Einführung und dieses schöne Erlebnis zu verhindern. Doch wenn es so ist, dass ihr wirklich keine Ruhe findet, dann nehmt euch den besten Vorsatz: Morgen muss es gelingen! Ihr sollt es nicht erzwingen wollen; mit Erzwingen und Unbedingt-etwas-erreichen-Wollen werdet ihr nicht auf den richtigen Weg geführt. Dann sprecht ein Gebet und danket Gott, und probiert es am nächsten Tag.
Die Grundbedingung ist, dass ihr eben ruhig und gelöst seid, dass ihr diese störenden Gedanken wegschicken könnt. Ihr müsst für dies schon in einer geistigen Sphäre ganz allein sein, und ihr müsst euch vorstellen, dass ihr in einem wunderbaren Lichte steht, und dieses Licht gibt euch die ständige Kraft, das Gebet auch richtig zu verstehen und richtig zu sprechen. Und wenn ihr euch Wort für Wort erklärt, Frage und Antwort gebt, werdet ihr das nachher mit auf eure Wege nehmen. Und das ist das, was meine Aufgabe ist: dich, lieber Freund, zu führen auf dem kürzesten Weg zum Hause Gottes.
Nun fange ich an. Es heisst:
“Vater unser” –
Die Antwort: Auch jener ist dein Bruder, auch wenn er in Fetzen gekleidet ist. Es ist bei ihm die Entwicklung stillgestanden. Er ist arm an Licht und arm an Geschenken; er wurde nicht so beschenkt vor seiner Inkarnation wie du, aber er ist dein Bruder, und vielleicht kannst du ihm helfen, oder du kannst ihm ein gutes Wort geben, auch ein Almosen. Ja, diesen Bruder sollst du nicht verachten; du sollst ihm nach deinen Kräften helfen. Also gib ihm ein gutes Wort, oder gib ihm etwas, und dieser Mensch wird dann froh und dankbar werden. Du darfst ihn nicht verachten oder dir sagen: “Hätte er gearbeitet, dann müsste er nicht diesen Weg gehen.” Da ist wieder ein Punkt – “hätte er!” Wo ist der Wille, wo ist die Kraft? Er hat davon zu wenig bekommen. Nun sagst du vielleicht: “Das ist Karma. Das Karma kann man aber mildern, verkürzen oder ganz auslöschen.” Die Realität ist: Er ist arm, er hat nicht die Geschenke erhalten wie du, und er ist ein Bruder von dir, der in einer unteren Entwicklung steht.
Das ist nur ein Teil, nur ganz wenig von diesem Vaterunser: Gott ist Vater aller, also sind alle Brüder und Schwestern. So darf auch eine Hausfrau, die ein Dienstmädchen hat, nicht geringschätzig über dasselbe sprechen, sondern sie muss wissen: Ja, das ist eine Schwester von mir, und ich darf von ihr nur so viel verlangen, als in ihrer Kraft liegt zu tun; denn von einer Schwester verlangt man nur, was im Bereich der Möglichkeit ist, und man ist rücksichtsvoll. Dieses alles mussten die ersten Christen lernen. Bei diesen Kleinigkeiten fing das Lernen an. Die ersten Christen versammelten sich, Arm und Reich, und jeder war des andern Bruder oder Schwester. Doch in jenen Anfangszeiten herrschte das richtige Christentum, das richtige Leben, wie man in diesem Vaterunser darum betet. Es ist nicht nur einfach ein Gebet, das man sprechen soll, weil einem keine anderen, besseren Worte einfallen, sondern es ist allumfassend, und es gibt so viel, weil das ganze Leben darin enthalten ist.
Nun sprichst du:
“Der Du bist im Himmel”,
“Geheiligt werde Dein Name.”
Hier wird Gott zuerst gepriesen, dann wird gedankt, und erst am Schluss bittest du.
“Dein Reich komme zu uns.”
Wie kommt sein Reich zu uns? Jetzt ist das Reich bei euch, ihr befindet euch mit euren Gedanken in den geistigen Sphären, im Reiche Gottes. Ihr seid jetzt nicht auf dieser Erde, eure Gedanken sind weg, euer Wunsch ist jetzt, in der geistigen Welt, bei Gott zu sein, von Gott etwas zu hören und zu fühlen und von seiner Kraft aufzunehmen. So sollst du dieses geistige Leben immer spüren in diesem Gebet. Du musst über dieses Gebet monatelang meditieren, und dann wirst du das Erlebnis haben, ein grosses Erlebnis. Erst nachher kommen deine persönlichen Wünsche. Auch hier haben die Worte Gültigkeit: “Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes.” Also zuerst einmal über dieses sollst du dir im Klaren sein: Um von dieser Kraft wirksam zu spüren, muss man sich an jenem Orte befinden, wo diese Kraft herrscht. So werden dann auch Körper und Geist ganz durchströmt und erfüllt von dieser Wärme, weil Gott dir nahe ist und du ja durch nichts abgehalten bist, sondern in dieser Meditation bist du in der geistigen Welt, du bist im Himmel bei Gott, ihm ganz nahe.
“Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden.”
Gott herrscht mit seinen Engeln in allen Sphären, so wie ich euch erklärt habe. Luzifer hat in den geistigen Sphären der Läuterung nichts zu suchen, und er hat dort keine Kraft. Er hat Land genug mit dieser Erde und Arbeit genug mit diesen Menschen! Und so geschieht der Wille Gottes im Himmel und auf Erden. Wenn du ein Kind Gottes bist, so wird Gott deinen Bitten entgegenkommen; und wenn er dies für nicht gut hält, wird es eben einen anderen Weg gehen, denn der Wille Gottes muss geschehen. Mit diesen Worten, mit dieser Bitte: “Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden”, legst du deinen Willen zurück und legst alles in Gottes Hand, und er wird alles zum Besten führen, wenn du sprichst: “Dein Wille geschehe.”
“Dein Reich komme zu uns. Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot.”
Du hast Gott geheiligt, gelobt, und du wohnst bei ihm. Nun, da du ganz nahe bist, darfst du ihn auch um dein täglich Brot bitten, denn in dieser Sphäre, wo du sonst bist, brauchst du etwas zum Leben. Gott hat dir ja einen solchen Körper gegeben, den du nähren, den du erhalten musst. Und wenn du Gott bittest um das tägliche Brot, wirst du es erhalten, so viel du nötig hast. Und wenn du mit deiner Kraft, die du bekommen hast, auch einen gewissen Wohlstand zusammenlegen kannst und dieser Wohlstand dir nicht zum Schaden ist, so wird Gott die Kraft geben, dass er dir erhalten bleibt, ohne dass daraus irgendein Karma entsteht. Denn diese Möglichkeit wäre vorhanden. Wenn Menschen durch ihren Willen und ihre Intelligenz nach und nach einen Wohlstand zusammenbrachten und dabei andere Menschen knechteten und geizig waren, so werden sie das im nächsten Leben zu spüren bekommen. Wenn aber durch deinen Wohlstand niemand geärgert wird und dabei niemand zu kurz kommt, so wird er dir bewilligt. Dafür sind jene Engel Gottes da, die dein Haus und Gut beschützen.
“Vergib uns unsere Schulden.”
Ja, wenn du so vertieft bist und jetzt so nahe bist bei Gott, so möchtest du ihm sagen: “Vergib mir meine Sünden.” Und da du schon diesen weiten Weg zurückgelegt hast zu Gott, und er sieht es, dass du dir die Mühe genommen hast und diesen weiten Weg nicht gescheut hast, so tilgt er auch die Sünden, weil er Freude hat, wenn ein Kind zu ihm kommt. Also sage ich auch hier: Diese Schwere, die sich Menschen durch irgendein Unrechttun oder irgendeine Sünde aufladen, tragen sie in sich, und sie können oft damit nicht fertigwerden – doch wenn du es Gott gesagt hast, so wie ich es dir zeigte, so brauchst du keine Gedanken mehr daran zu haben; es ist ausgelöscht, Gott hat dir verziehen. Aber auch du musst dem Nächsten verzeihen. Hier kommt wieder die Nächstenliebe zum Ausdruck. Hier musst du wieder deinen Nächsten lieben wie deinen Bruder und deine Schwester.
Und so ist in diesem Gebet das ganze Leben des Menschen enthalten. Aber ihr müsst diese Meditation wiederholen, immer wiederholen, und ihr sollt dabei nicht auf dieser Erde stehen. Ihr sollt ganz allein sein in einem grossen, leuchtenden Raum – weg müsst ihr gehen. Das ist dann nur der Anfang, und später werde ich euch weitere Weisungen geben, wie ihr von dieser Harmonie und dieser Glückseligkeit aufnehmen könnt, um sie dann mitzunehmen für die Erde, wo ihr von dieser Wonne und Glückseligkeit verteilen könnt, an die Nächsten, überall. Ihr sollt Licht streuen, wo ihr geht. Jeder Tritt, den ihr geht, soll einen Lichtstrahl hinterlassen, soll eine Lichtspur sein, auf dass andere Menschen in diese gleichen Lichtspuren treten. Wo Licht ist, ist Harmonie, wo Harmonie ist, ist Göttlichkeit, ist eine Verbundenheit zum Hause Gottes – und alles muss hinein, alle Menschen. Doch bis es so weit kommt, wird noch eine Unendlichkeit an Zeit vergehen.
Eure Aufgabe, euer Wirken, wird euch in eurem nächsten Leben gutgeschrieben, und zwar möchte ich sagen: Auf der ersten Seite wird es geschrieben stehen, dass ihr den richtigen Weg zum Hause Gottes gegangen seid. Ihr sollt dafür sorgen, dass ihr so viel wie möglich von diesen Lichtspuren hinterlassen könnt, um nur einen Faden von dieser Erde in das Haus Gottes zu ziehen.
Nun, meine lieben Freunde, ich möchte zum Schlusse kommen, mit der Bitte an euch: Fangt morgen an mit dieser Meditation über dieses Gebet. So viele Freunde sind hier, die es nötig haben, dieses Gebet und die Kraft, die sie dadurch erhalten. Sie brauchen immer wieder von dieser Kraft, weil sie schnell verarbeitet ist durch ihr Schaffen und durch ihr Sprechen. Diese Kraft haben sie nur zu schnell ausgelöscht oder vielleicht auch nur geschwächt. Wenn du aber jeden Tag so nahe zu Gott gehst, wirst du immer mehr von dieser Kraft erhalten, und es wird auch immer weniger davon vernichtet werden. Und dieser Lichtglanz, den du jedes Mal mitbringst, wird jedes Mal grösser werden, und er wird sich in deinem Antlitz widerspiegeln. Diese Güte, diese Liebe wird aus allen deinen Poren hervorsprudeln. Probiere es, es ist der kürzeste Weg, den du gehen kannst zum Hause Gottes. Nur diesen Weg musst du gehen, er ist voll Licht und Glanz, und dieses Licht und dieser Glanz muss herrschen über dich, mein Freund, und über dein ganzes Haus und über alle Wesen. Ich wünsche euch Gottes Segen. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 14.5.1949 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Gartenhofstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Geistige Speise für die Seele: das Gebet, die Meditation und die guten Taten
Josef, 14. Mai 1955
Geistige Speise für die Seele: das Gebet, die Meditation und die guten Taten
Durch das innige Gebet möchte sich der Mensch im Geiste zu Gott erheben und heilige Geister zu sich rufen. Er bittet um jene von Christus gesandten Himmelsboten, die ihm den Segen bringen und ihm ihre Dienste anbieten.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, in der Zeit zwischen Ostern und jenem Tage, an dem Christus gen Himmel fuhr, ist er seinen Getreuen des Öftern erschienen. Er sprach viel mit ihnen über das Reich Gottes, über die grosse Liebe des Vaters und über des Himmels Herrlichkeit. Er wusste aber auch, wie notwendig es war, sie darüber zu unterrichten, wie zu leben ist, damit man den Himmel gewinnt.
Meine Lieben, so wie der Mensch irdischer Speise bedarf, damit sein Körper gesund und bei Kräften bleibt, so braucht auch der Geist seine Speise. Immer wieder, heute wie morgen und auch in hundert Jahren, müssen den Menschen diese mahnenden und tröstenden Worte vonseiten der Gotteswelt gegeben werden. Der Mensch bedarf immer wieder der Belehrung, woran er immer wieder erinnert werden muss. Er braucht eine solche Kräftigung, damit er wirklich den Wert seines Lebens erkennt. Es ist auch so gemeint, wenn Christus sprach: “Der Mensch lebt nicht von Brot allein” (Mat. 4, 4). Es muss wirklich einem jeden auch geistige Speise zugeführt werden, damit er seine Aufgaben im Leben erkennt.
Ich möchte hier aber zum Beispiel sagen, dass der Mensch zwischen wertvollen Speisen mit grossem Nährwert und solchen von geringem oder gar keinem Nährwert wählen kann. Wer nun infolge Unwissenheit oder mit Absicht Speisen ohne jeglichen Nährwert zu sich nimmt, der führt seinem Körper auch keine aufbauenden Kräfte zu. Mit der Zeit wird ein solcher Körper Schaden erleiden, es treten Störungen auf, und er wird krank. Wer anderseits einseitige Nahrung zu sich nimmt, muss ebenfalls damit rechnen, dass sein Körper Schaden nimmt.
Ich möchte euch diese Beispiele geben, damit ihr vergleichen und erkennen könnt, dass es auch wertvolle geistige Speisen gibt, die den Menschen für den geistigen Aufstieg kräftigen. Von dieser geistigen Nahrung möchte ich sprechen. Eine solche wertvolle geistige Speise ist das Gebet, eine weitere die Meditation, eine weitere sind die guten Taten, eine weitere die Überwindungen.
Betrachten wir als Erstes das Gebet. Welch wunderbare geistige Speise ist es, wenn es nicht in oberflächlicher Weise verrichtet wird, wenn es mit Inbrunst und Andacht gesprochen wird; denn oberflächliche Gebete sind keine kräftigende geistige Speise. Dabei will Gott aber nicht, dass du den ganzen Tag deine Hände faltest, sondern du sollst beten und arbeiten. Wenn du morgens aufstehst, sollst du ein Gebet in Andacht sprechen, damit die Verbindung von dir zur Gotteswelt zustande kommen kann und du einen wirklichen Nutzen daraus ziehst, für dich und deine Umwelt.
Wie sollst du des Morgens, wenn du aufstehst, beten? Christus hat seinen Getreuen den Weg des höheren Lebens gezeigt und sie das Beten gelehrt. Denke nach: welches Gebet? Es ist das wunderbare Gebet, das alles umfasst, alles enthält, wessen der Mensch bedarf – das Vaterunser. Mit grösster Innigkeit und Andacht hast du es zu sprechen. Es wird von dir verlangt, dass du über die Worte nachdenkst, die du aussprichst, dass du dir bewusst bist, was du sagst.
Wenn du frühmorgens mit deinen ersten Worten, die du sprichst, Gott heiligst und du nach dem Reiche Gottes verlangst, ist dies doch etwas Wunderbares. Denn du weisst, dass der Mensch schon auf Erden im Reiche Gottes leben kann, und in diesem Gebet rufst du es zu dir. Wenn du dich wirklich um den geistigen Aufstieg bemühst und danach verlangst, dass das Reich Gottes zu dir komme, dann musst du es spüren, dass es wirklich schon in dir ist.
Und wenn du sprichst: “Dein Wille geschehe”, dann lasse auch wirklich den Willen Gottes in allen Dingen geschehen. Wenn du dann darum bittest, dass dir deine Schuld vergeben werde, wie wunderbar ist es da, wenn du wirklich bereit bist, allen deinen Schuldnern aus innerer Überzeugung zu vergeben.
Und eine wunderbare Kraft wird aus deinen Worten oder Gedanken entstehen, wenn du innig darum bittest, dass man dir in Stunden der Versuchung beistehen möge oder dass die Versuchung nicht Herr über dich werde, und du dazu tagtäglich den Namen Gottes heiligst. Wenn du es immer wieder tust, erhältst du eine wunderbare, schützende Kraft um dich.
Durch dieses Gebet näherst du dich Gott, so es wirklich im lebendigen Glauben gesprochen wird. Dementsprechend sind auch Diener um dich. Es sind jene, welche dir Christus gesandt hat, dir beizustehen. Denn durch dieses Gebet erhebst du dich. Folglich können sich diese dienenden Himmelsboten dir besser nähern, und du darfst sie dir nutzbar machen.
In euren Gebeten bittet und fleht ihr um den Frieden. Ihr betet auch darum, dass euren Kranken geholfen werde. Es kommt aber immer sehr darauf an, mit welcher Innigkeit diese Gebete gesprochen werden und in welcher Ruhe. Wenn du, lieber Freund, es so weit gebracht hast, dass dir diese dienenden Wesen zur Seite stehen, dann hast du die Möglichkeit und das Recht, sie auszusenden zu deinen Lieben und Bekannten, damit sie Kraft und Segen zu ihnen tragen mögen. Du kannst diese dienenden Wesen auch zu kranken Freunden senden mit der Bitte, ihnen göttliche Heilkraft zu überbringen, sie zu stärken und zu trösten. Wenn aber diese dienenden Wesen erkennen, dass ihre persönliche Kraft und Fähigkeit nicht ausreicht, um deinem Verlangen nachzukommen, so werden sie Umschau halten nach andern Dienern im Heilsplan Gottes, welche die Fähigkeit besitzen, die es zur Erfüllung deines Wunsches braucht. Wenn du auch den Willen Gottes geschehen lassen willst und immer darum bittest, dass der Wille Gottes geschehen möge, sollst du trotzdem immer wieder um Hilfe bitten und diese dienenden Wesen um dich immer wieder aussenden. So du eine geistige Atmosphäre um dich geschaffen hast und diese dienenden Wesen dir zugetan sind, werden sie den Segen austragen und dahin gehen, wo du willst, dass geholfen werde.
Wenn du aber ein- oder zweimal gebetet hast und noch keine Besserung erkennst, sollst du nicht das Gefühl haben, dass diesem oder jenem doch nicht geholfen werde. Wenn du nicht sogleich Hilfe erkennst, sollst du nicht denken: “Es darf wohl nicht geholfen werden”, oder: “Mein Gebet nützt nichts”, und du betest nicht mehr. Dann fehlt es dir an der Ausdauer. Ja, mein lieber Freund, erstens brauchen diese Geistwesen oft längere Zeit, um überall diese Verbindungsfäden anzuknüpfen. Sie haben vielleicht etwas Mühe, den Weg da- und dorthin zu finden. Oder sie müssen selbst erst mit deiner Bitte zu ihrem geistigen Führer gehen, zu Wesenheiten, die über ihnen stehen, um sie um Rat zu bitten oder auch noch bei ihnen um Hilfe nachzusuchen. Das geht oft längere Zeit. Diese Zeit benutzen die Geistwesen gleichzeitig, um den Menschen in seiner Ausdauer zu prüfen. Betet er immer wieder in dieser geheiligten und gehobenen Stimmung und hat er wirklich die Bedingungen erfüllt, dass ihm die göttlichen, dienenden Wesen zur Seite stehen, so wird die Hilfe in dieser oder jener Weise bestimmt nicht ausbleiben. Ich möchte dazu als Beispiel sagen: Wenn du mitten in der Nacht einmal gerufen wirst, oder es klopft an deiner Tür, und man stört dich in deiner Ruhe, so magst du dich nicht melden. Klopft und ruft man aber immer wieder nach dir, wirst du dich endlich erheben, um nachzusehen – aber nur weil du neugierig bist und wissen möchtest, wer sich denn erlaube, dich in so später Stunde zu stören. Wenn du dann aber siehst, dass da jemand bittet und fleht, der in grosser Not ist, gehst du doch hin und hilfst ihm. So ist es auch mit dem Gebet. Lasst in eurem Rufen nicht nach. Wenn ihr immer wieder um Hilfe fleht in der Not, werden die Schutzgeister und auch die andern Wesen, die um euch sind, euch ihre Aufmerksamkeit schenken und euch helfen wollen. Also, wenn ihr die Verbindung zur göttlichen Welt wirklich pflegt, müsst ihr morgens wie abends in grosser Andacht beten können. Diese dienenden Wesen schätzen eure Ausdauer.
Abends gilt das gleiche Gebet wie am Morgen. Ihr bittet schon frühmorgens um das tägliche Brot, ihr bittet auch darum, wenn ihr zur Ruhe geht. Und ihr dankt für alles, was euch gegeben wird. Ihr heiligt den Namen Gottes. Ihr ruft das Reich Gottes zu euch. Welch wunderbare geistige Speise ist das für euch, wenn das in wirklicher Andacht getan wird!
Ihr habt so viele Möglichkeiten, in der Weise zu wirken. Ihr könnt auch, wenn ihr euch stark genug fühlt, diese dienenden Wesen um euch zu den armen, leidenden Geistern senden, ihnen euer Gebet mitgeben, Worte des Trostes für jene Unglücklichen. Sie tragen sie hin zu ihnen. Und für alle diese göttlichen Taten empfangt ihr eine köstliche geistige Speise, die euch kräftigt für euren geistigen Aufstieg.
Aber wie viele unter euch, liebe Freunde, vergessen das eine Mal am Morgen, das andere Mal am Abend zu beten, oder sie vergessen es überhaupt oder beten nur dann, wenn sie Sorgen haben. So kann diese heilige, gehobene Schwingung nicht aufgebaut und erhalten werden. Sie muss jedoch ständig gepflegt werden. Die Verbindung mit den dienenden Wesen darf nie unterbrochen werden, nur dann stehen sie euch in der Not zur Seite.
Ist es nicht wirklich so, dass man euch immer wieder sagen muss, wie zu leben ist? Es ist doch eine Notwendigkeit, weil man es einfach vergisst, was ich euch schon so oft gesagt habe. Man vergisst zu beten.
Ich habe die Aufgabe, euch immer wieder zu ermahnen. In erster Linie habe ich davon zu sprechen, wie ihr leben müsst, damit ihr das Himmelreich gewinnt. Denn was nützte es euch, wenn ich euch von den Herrlichkeiten des Himmels erzählte, ihr euch dadurch aber nicht angespornt fühlt, etwas beizutragen, um diese Schönheiten für euch zu gewinnen? So habe ich vor allem das zu tun, was am notwendigsten ist: euch zu ermahnen, euch den Weg zu diesen Höhen zu zeigen. So sollt ihr durch meine mahnenden Worte wieder von Neuem angespornt sein zu beten, und zwar in Andacht. Ihr sollt es nie unterlassen. Denn wenn ihr die Verbindungsfäden zum Reiche Gottes zerreisst, dann braucht ihr wieder lange, lange Zeit, bis sie sich wieder zusammengefunden haben, bis die Verbindung wieder in lebendiger Weise hergestellt ist. Ihr sollt doch eine herrliche, lebendige Verbindung haben zu Gott und seinen dienenden Engeln, da ihr doch ihrer Hilfe bedürft. Bei jedem von euch ist es so, dass er ihrer Hilfe bedarf. Darum, liebe Freunde, nehmt euch vor, dass ihr von nun an das Gebet nicht mehr unterlassen wollt. Dann habt ihr keinen Grund mehr, zu klagen, dass euch nicht geholfen werde und dieses und jenes nicht gelinge. Pflegt das Gebet, und ihr erhaltet eine wertvolle geistige Speise für euren körperlichen wie für euren geistigen Aufbau.
Nun, eine andere wertvolle Speise ist die Meditation. Nicht von jedem Menschen kann verlangt werden, dass er sich Zeit für die Meditation nimmt, wohl aber für das Gebet. Wer aber etwas mehr tun möchte, wer die Verbindung zur Gotteswelt noch enger und lebendiger gestalten möchte, der soll sich die Zeit dafür nehmen. Dann wird er in wunderbarer Weise diese geistige Speise geniessen dürfen.
Wie viele Probleme habt ihr selbst zu lösen! Versucht so viel Zeit dafür zu erübrigen, um über euer gelebtes Leben Rückschau zu halten – und auch eine gewisse Vorschau. Bei der Rückschau sollt ihr verharren. Doch möchte ich wiederholen: Der Raum für eure Meditation soll ruhig sein, mit gedämpftem Licht oder mit Kerzenlicht. Dann versucht über euer gelebtes Leben nachzudenken. Wenn euch begangene Fehler bewusst werden, dann bittet Gott, dass er vergebe. Geht aber nicht schnell darüber hinweg, indem ihr mit einigen Worten um Verzeihung bittet. Das ist keine Lebendigkeit. Versucht in Gedanken das Gefehlte zu verbessern. Denkt über das Geschehene nach, mit dem Wunsche, dass ihr es verbessern möchtet. Es muss euch wirklich leidtun. Vielleicht bietet sich eine Möglichkeit, das Gefehlte wirklich wiedergutzumachen.
Auch ein Blick in die Zukunft darf getan werden. Denn von so vielen Problemen werdet ihr oft geplagt, und ihr findet keinen Ausweg. Wie wunderbar eignet sich auch da die Stunde der Meditation dafür. In dieser Ruhe sollt ihr bitten: “Lieber Gott, zeige mir den Weg.” Ihr dürft euch sodann im Geiste vorstellen, wie sich alles nach eurem Gutdünken erfüllt. Bittet aber, dass der Wille Gottes geschehen möge. Und bittet darum, dass euch eine Antwort zuteilwerde, dass man euch den Weg zeigen möge. Es genügt aber nicht, dies etwa nur einmal oder zweimal zu tun, um dann, wenn sich die Dinge nicht klären, damit aufzuhören. Nein, du sollst wieder Rückschau halten, lieber Freund, wieder darüber meditieren und nachdenken, wie du Gefehltes wiedergutmachen kannst. Und wieder sollst du dir die Zukunft so vorstellen, wie du glaubst, dass sie gut für dich sei. Diese Zukunftsschau nach deinem vernünftigen Wunsche sollst du immer wiederholen. Aber auch immer wieder die Worte sprechen: “Vater, zeige mir den Weg. Dein Wille geschehe überall.”
Hast du dies viele, viele Male wiederholt, dann setze dich eines Tages hin, um die Antwort in Empfang zu nehmen. Vielleicht hörst du vorerst nichts, kannst nichts aufnehmen. Dann bete wieder und versuche wieder, eine Antwort zu empfangen. So kann die Möglichkeit bestehen, dass dir ein geistiges Bild vorgeführt wird, das du nicht verstehst, dessen Sinn du nicht erkennen kannst. So musst du von Neuem beginnen und sagen: “Ich verstehe es nicht. Erklärt es mir deutlicher.” Das musst du so lange wiederholen, bis dir immer wieder ein und dieselbe Antwort gegeben wird. Denn du sollst das Problem nicht einfach nach deinem Wunsch gelöst verstehen, sondern du musst die geistige Antwort richtig aufnehmen können, auch wenn sie nicht ganz nach deinem Wunsche ist. Das kann aber nur geschehen, wenn du dich immer wieder darum bemühst. Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass man dich inspirieren kann, dass du die dienenden Wesen um dich hörst. Denn sie werden versuchen durchzudringen, so sich eine Möglichkeit bietet. Wenn du nicht verstehst oder wenn du nicht sicher bist, wie es gemeint ist, dann setze dich von Neuem hin. Die guten Geister sind ja so geduldig, und sie werden sich noch mehr Mühe geben, dein Problem mit dir zu lösen, weil sie erkennen, wie ernst du die Sache nimmst.
Und das ist der grosse, grosse Fehler, den die meisten begehen, dass sie nach ein-, zwei- oder dreimal mit dem Üben aufhören, weil sie nicht sogleich einen Fortschritt erkennen können. Im Geistigen eilt die Zeit nicht so sehr wie bei euch Menschen. Wir betrachten diese Dinge ganz anders. Mit der Zeit, die jeweils vergeht, vergeht oftmals auch eine sehr heilsame Zeit, wonach es den Geistwesen viel besser gelingt, sich durchzusetzen und eine vernehmbare Antwort zu geben.
So wisse nun, dass du durch die Meditation eine wunderbare geistige Nahrung erhältst. Durch dieses ständige Meditieren fliesst dir nämlich von Mal zu Mal eine bestimmte Kraft zu, die dich mit der Zeit viel freier, frohmütiger macht. Wenn du diese Veränderung an dir spürst, ist es schon ein Zeichen, dass man von geistiger Seite her an dir zu wirken anfängt, dass es bis zu einem gewissen Grade schon durchgedrungen ist.
Da das, was für den Anfang notwendig ist, getan ist, sollst du auf das andere warten. Gewöhnlich ist es so, dass der Mensch in einer gewissen Verkrampftheit ist, aus der er zuerst gelöst werden muss, befreit von seinen fixen Ideen. Erst dann kann die geistige Welt ihm von ihrem Wissen geben, wenn nicht mehr er befiehlt und er nur das sehen möchte, was seiner Meinung nach ihm nützen würde. Er soll das aufnehmen, was die Geisterwelt Gottes gibt. Wenn die Geisterwelt Gottes erkennt, dass der Mensch das tut, was sie sagt und empfiehlt, dann wird sie auch seine Wünsche eher erfüllen. Es ist eine Bedingung für jeden, dass er nicht seinen eigenen Willen durchzusetzen versucht. Aber bis eine Antwort von der Geisterwelt Gottes klar vernommen werden kann, braucht es manchmal viel, je nach der geistigen Entwicklung des Einzelnen. Bei dem einen kann die Antwort schneller erfolgen als bei einem andern, bei dem sich aus der Sachlage heraus erst andere Dinge entwickeln müssen, weil ihm erst dann geholfen werden kann.
Darum, liebe Freunde, versucht immer wieder zu meditieren, so es euch möglich ist. Ich sage jedoch, es kann nicht von allen Menschen verlangt werden, und die geistige Welt verlangt es auch nicht. Sie verlangt nur das Gebet. Wer aber ein Übriges beitragen will, wer die Verbindung noch enger gestalten, geistig noch besser empfangen möchte, der pflege die Stunde der Meditation in der Weise.
Ihr habt auf wunderbare Art Gelegenheit gehabt, Meditationsstunden zu erleben [unsere geistige Lehrerin Lene hatte bis dahin erst vier Meditationsabende abgehalten, siehe Band “Meditationen 1954 –1959”]. Für viele musste es auch eine Übung des Denkens sein. Denn es musste gelernt werden, den Schilderungen der geistigen Bilder zu folgen und nicht den eigenen Willen durchzusetzen. Und wer sich Mühe gibt und folgen will und kann, dem wird von Mal zu Mal mehr gegeben. Es sind die kleinen oder auch grossen Bedingungen, die zuerst erfüllt werden müssen, damit in der Meditation mehr erlebt werden kann.
So sucht nach diesen geistigen Speisen, denn ihr braucht sie. Ihr seid doch im geistigen Aufstieg. Umso mehr braucht ihr geistige Kraft und Hilfe, diese geistige Speise. Aber so ihr nicht immer dazu ermahnt und zu diesen Quellen geführt werdet, vergesst ihr es immer wieder, und ihr geht den bequemeren Weg.
Eine dritte wunderbare Nahrung sind die guten Werke. Es gibt Menschen, die von Zeit zu Zeit immer wieder das Verlangen haben, etwas Gutes zu tun; denn sie spüren aus diesem göttlichen Tun heraus nachher eine herrliche Wonne in sich. Sie leben in einem Glücksempfinden. Darum verlangt es sie immer danach, Gutes zu tun. Wie viele aber kennen den Weg zu den guten Taten nicht so recht.
So gibt es Männer und Frauen, die gelegentlich über freie Zeit verfügen und die sich fragen: “Was kann ich wohl noch tun für meinen geistigen Aufstieg? Was kann ich tun, um Gott gefällig zu sein?” Meine lieben Freunde, Bruder und Schwester, wer von euch auch nur eine Stunde übrig hat und nichts Nützliches mit ihr anzufangen weiss, dem möchte ich eine Anregung geben. Es gibt der Spitäler so viele, Altersheime, Kinderheime und so weiter. Meldet euch einmal in dieser freien Zeit an der Pforte eines solchen Hauses, und fragt nach einem einsamen Menschen darin. Sicher kann man euch einen Namen nennen. Du kannst dann, lieber Freund, diesen Menschen aufsuchen und ihm eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen. Was glaubst du wohl, wie gross die Freude darüber ist, wenn gerade ein Unbekannter kommt? In dieser Weise kannst du so vieles tun, denn dein Herz ist im Verlangen, das Herz eines Mitmenschen zu erwärmen und ihm eine Liebestat zu erweisen. Oder vielleicht erfährst du durch eine wohltätige Vereinigung die Adresse eines armen, kranken Menschen, den du privat aufsuchen kannst. Was glaubst du, was du für einen solchen Menschen sein kannst? Ein Engel des Himmels. Und wenn du es dann noch fertigbringst, über das Gute, das du getan hast, zu schweigen, dann hast du dir damit selbst eine kraftvolle geistige Speise bereitet.
So hast du Möglichkeiten genug, Gutes zu tun, und du kannst ja selbst arme Menschen aufsuchen, damit du das Gefühl hast, dass deine Gaben in die richtigen Hände gelangen. Was glaubst du, welch wunderbare Gefühle sich in dir entwickeln und in dir aufbauen, wenn du eine solche Tat vollbringst? Denn gerade diese feinen, edlen Gefühle sind es, die so viel geistige Kraft entwickeln, durch die so viel Unreines an deinem Körper vernichtet wird und du gesundest. Es ist dies eine wertvolle geistige Speise, die dazu verhilft, deinen Körper und deinen Geist aufzubauen.
Jene weitere geistige Speise, die ich Überwindung genannt habe, ist oftmals für viele eine bittere Speise. Wie aber auch bittere Medizin und bitterer Tee einem kranken Körper helfen, hilft auch diese bittere geistige Speise. So ist es für manchen oft bitter, auf dieses und jenes verzichten zu müssen oder etwas zu überwinden; es ist dies oftmals eine bittere Speise. Aber die Bitterkeit wandelt sich alsbald in etwas Wunderbares, Herrliches um.
So lernt ihr, liebe Freunde, auf verschiedenen Gebieten eure geistige Nahrung aufzubauen, und das sollt ihr tun. Und wenn ihr immer wieder sagt, dass ich euch jedes Mal dasselbe erkläre – was tut es? Wichtig ist, dass wenigstens etwas und wenn auch nur etwas Winziges davon an euch haften bleibt, um euch in eurem Aufstieg zu kräftigen und zu stützen. Christus hat seinen Getreuen auch immer wieder erklärt, wie zu leben ist. Es sind die Worte, die nie vergehen werden. Immer wieder sind diese dienenden Wesen am Werke, um mitzuhelfen, damit der Heilsplan Gottes in Erfüllung geht.
So ist es auch hier. Durch diese vielen mahnenden Worte seid ihr dahin gelangt in eurem Aufstieg, wo ihr jetzt steht. Wie viel habt ihr gewonnen! Viele schätzen diesen Gewinn nicht mehr. Aber ich möchte den einen und andern nur daran erinnern, der vor Jahren beim Eintritt in diese Gemeinschaft ein körperliches Leiden hatte – diese Leiden sind zum Teil verschwunden. Ja, liebe Freunde, ich sage, es ist der Segen Gottes, der sich dadurch kundgetan hat und sich immer wieder bemerkbar macht. Viele könnten ihre Aufgaben nicht mehr in der Weise erfüllen, wenn ihnen nicht ständig von geistiger Seite aus Kraft und auch ein gewisser Balsam zugeführt würde.
Nun, meine lieben Freunde, auch heute möchte ich sagen: Denkt über das Gesprochene nach. Bereitet euch die kostbaren geistigen Speisen. Denn dadurch erfüllt ihr die Voraussetzung, dass ihr mit der Zeit noch mehr Herrliches erleben dürft.
So gehet alle hin in Frieden. Der Segen des Heils durchdringe euch alle. Der Segen Gottes begleite euch auf allen euren Wegen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 14.5.1955 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Fragen und Erläuterungen
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1949 bis 1955
Fragen und Erläuterungen
Lieber Josef, kannst du uns etwas sagen über richtiges und über falsches Beten?
Josef: Es gibt Freunde, die nur das Vaterunser beten und sonst nichts. Sie tun es nur für ihr eigenes Seelenheil und nicht für den Segen des Nächsten. Es ist traurig, dies zu sagen.
Wenn ihr beobachten könntet, wie die Gebete aus den vielen Häusern herausdringen. Gebete, die gut sind, sind wie ein glühender Schweif, der in raschem Tempo das Haus verlässt und hochsteigt. Und dann gibt es dieses Für-sich-selbst-Gebet. Es ist nur wie ein Nebel und steigt vielleicht etwa zur Höhe des Hauses – nachher verdunstet es. Erst wenn der Mensch bereit ist, für den Nächsten zu beten und ihn zu lieben, kommt der Lohn und die Ernte zu ihm zurück. Doch zuerst soll der Mensch dem Nächsten das Gute wünschen und ihn nicht kritisieren. Die Menschen sind immer bereit, den Splitter im Auge des Nächsten zu sehen, diesen sogar herauszunehmen – aber eben, den grossen Balken in ihrem eigenen Auge können sie nicht sehen. Erst dann, wenn die Menschen die wahre Liebe erkannt haben, kommt die Ernte für die ganze Menschheit. (1949)
Lieber Josef, kann man lernen, andächtig zu beten?
Josef: Freilich. Wenn jemand wirklich zu Gott gehen will, soll er in einem Zimmer sein, das etwas abgedunkelt ist. Er soll die Augen schliessen. Es ist notwendig, dass die täglichen Gedanken ausgelöscht werden.
Versuche einmal, an nichts anderes zu denken als an Gott. Denn die Einflüsse, die immer da sind und zu den Menschen kommen, durchschneiden diese göttlichen Strahlen. Wenn du dich konzentrierst und um göttlichen Schutz bittest, dass du zu Gott gehen darfst, wird dir dieser Schutz gewährt. Es darf aber keine Hast dabei sein, es muss Ruhe sein – du musst Zeit haben. Glaube nicht, du könntest dir selbst sagen: “Ich will zehn Minuten oder eine Viertelstunde beten.” Rechne nicht so mit der Zeit, sonst denkst du schon wieder: “Bald ist die Zeit vorüber, und ich muss wieder an meine Geschäfte gehen.” Das ist keine Verbindung, keine Andacht. Solche kurzen Gebete erreichen nicht einmal die Decke des Zimmers.
Das Gebet muss ein glühender Funke sein – es muss weit umher wirken. Wenn ein Gebet in wirklicher Andacht gesprochen wird, gibt dieser Funke soundso viele Splitter ab, die sich verbreiten. Es bleibt nicht nur bei einem Punkt; das Gebet verbreitet Strahlen, die überall hingehen. Aber es braucht etwas Zeit und Ruhe, um zu Gott zu gehen. Ganz gelöst und rein soll der Mensch sein; ich will damit sagen, er soll äusserlich und innerlich rein sein.
Wasche dich, bevor du in ein andächtiges Gebet gehst, denn an deinem Gesicht und an deinen Händen sind unzählige von diesen düsteren, klebrigen und schmutzigen Strahlen. Dies führt dazu, dich vom Gebete wegzubringen. Das Wasser aber ist etwas Glühendes, Reines, Schönes. Darum sollst du dich waschen. Wenn du es verstehst, dieses Wasser zu dir zu nehmen, hat es viel göttliche Heilkraft. (8.3.1949)
Lieber Josef, wenn man betet, wie soll man sich Gott vorstellen?
Josef: Wenn der Mensch betet und das Wort Gott ausspricht, dann soll er sich einen Lichtstrom vorstellen: unendliche Strahlen von allen Farben. Wenn nämlich ein Mensch wirklich andächtig betet und die Worte so spricht, wie ich es euch gelehrt habe, dann ist er nicht imstande, sich noch weitere Bilder zu machen, sondern er selbst muss sich in diese glühende Schwingung hineinbegeben – dass er selbst gehoben wird in das Licht, dass alles eins wird mit dem Lichtstrome Gottes.
Wenn der Mensch Gott um Kraft bittet und darum, dass er alles Unreine von ihm nehme, so soll er sich diese Kraft vorstellen, wie ich sie euch jeweils erkläre: als unendliche Strahlen oder Fäden. Denn die Gotteskraft ist doch überall verbreitet. Diese Farben, diese goldenen Fäden – das ist die Kraft Gottes, und in diese soll der Mensch sich heben, wenn er betet, dann hat er auch Erfolg. (1949)
Lieber Josef, brauche ich mir Vorwürfe zu machen, wenn ich manchmal schon während des Betens einschlafe?
Josef: Wenn die letzten Gedanken eines Menschen im Gebet aufgehen, ist dies das Wunderbarste. Es ist das Schönste für eine Seele, wenn sie in ihrem Gebete einschläft, wenn ein Engel bereitsteht und dieses Gebet empfängt und noch mithilft, dass der Mensch in seinem Gebete einschläft, sodass sein Geist in seine Welt eingeht und auch dort seine Aufgabe erfüllt. (1952)
Es wurde schon gesagt, dass auch in den frühen Morgenstunden diese innige Verbindung mit der Geisterwelt besonders gut zustande komme. Sind dann noch nicht so viel weltliche Schwingungen um uns?
Josef: Ja, weil der Mensch selbst in früher Morgenstunde noch nicht so davon beeindruckt ist. Er ist noch viel freier – ich möchte damit sagen, er hat noch keinen Ärger erlebt. Er ist noch viel gelöster, er ist mit einem Fusse noch im geistigen Reiche, er kann also besser davon aufnehmen. Dagegen ist es abends viel schwieriger, all diese Gedanken und Ereignisse des Tages, die an den Menschen herantreten, loszuwerden, um dann in Andacht beten zu können.
Für viele ist es fast eine Unmöglichkeit, zu beten, wenn sie zuvor ein geschäftliches Gespräch geführt haben. Es ist auch so, dass dieses Gebet dann nicht so kraftvoll ist. Dafür wäre es gut, wenn der Mensch sich vorher entspannen, ausruhen und dafür sorgen würde, dass alle seine Nerven sich entspannen – dass alles an ihm ganz ruhig und gelöst ist. Wenn er so zu beten anfängt, ist sein Gebet viel wirkungsvoller. (2.2.1955)
Lieber Josef, du hast in deinen Ansprachen wiederholt gesagt: “In eurem Vaterunser ...” Ist es nicht auch euer Gebet in der geistigen Welt?
Josef: Oh, liebe Freunde, oftmals beten wir dieses Vaterunser auch; aber so, wie es Christus gegeben hat, ist es ganz besonders für die Menschen bestimmt. Wir in der göttlichen Welt haben andere Worte für das Gebet. Auch Musik ist für uns Gebet. Für uns sind auch Handlungen oder Begebenheiten der Fröhlichkeit ein Gebet. In diesen höchsten Stufen ist alles, auch die Fröhlichkeit, in einer Vollkommenheit, wofür die Menschen gar kein Empfinden haben können. Denn diese sogenannten reinsten Freuden der Menschen sind immer noch nicht vollkommen. Das ist deshalb nicht möglich, weil sie noch nicht in einer vollkommenen Welt leben.
Im Göttlichen aber, in diesen Höhen, wo die Wesen diese Vollkommenheit erlangt haben, können sie in diesen vollkommenen Freuden leben. Um euch diese zu schildern, fehlen mir die Worte. So ist aber das Leben mit Gott und die Verherrlichung Gottes nicht in der Art und Weise, wie ihr glaubt – dass etwa immer nur gesungen oder gebetet wird. Alles zu seiner Zeit. So wird auch das Gebet zu seiner Zeit verrichtet, indem Gott für diese Freuden gelobt und gepriesen wird.
Denn im geistigen Reiche, bis zum höchsten Himmel, arbeiten alle Wesenheiten. Es ist ein Wirken im Heilsplane Gottes. Es haben die Engel Gottes – je nach ihrer Stufe oder geistigen Höhe – ihr Gebet für Gott. Dies alles ist eine Verherrlichung Gottes. (1954)
Heft 1/2013
Printausgabe vergriffen
21 Seiten, 21 × 29,7 cm