Ihr Warenkorb ist noch leer.

Hefte

Die Themenhefte der Zeitschrift «Geistige Welt» können Sie online kostenlos lesen.
Themen
Sorgfältige Schulung und Unterweisung durch Geister Gottes – Eine Seele berichtet von ihren Hoffnungen und Bedenken vor ihrer Wiedergeburt – Was Geistwesen zu ihrer Menschwerdung anspornt
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2016 zum Thema Vorbereitung auf ein neues Erdenleben
Geistige Welt 1/2016
Vorbereitung auf ein neues Erdenleben
Beschreibung

Die Vorträge in diesem Themenheft dokumentieren, mit welcher Sorgfalt die Geister Gottes ihre aufsteigenden Geschwister auf ihr nächstes Menschenleben vorbereiten. Den betreffenden Wesen wird genau erklärt, was die göttliche Welt von ihrem zukünftigen Erdendasein erwartet, welche Aufgaben sie zu erfüllen haben. Sie werden auch aufgeklärt über die Gefahren und Versuchungen in der irdischen Welt, welche heute in einer wohlhabenden, technisch fortgeschrittenen Gesellschaft andere sind als in früheren Jahrhunderten, als das Leben der meisten Menschen von grosser Armut und Hunger geprägt war. Ein Vortrag des Heftes stammt von einem betroffenen weiblichen Wesen, das selber kurz vor seiner Wiedergeburt auf Erden steht. Eindrücklich bringt es zum Ausdruck, mit wie viel Bedenken und Befürchtungen, aber auch mit wie viel Hoffnung und Gottvertrauen es seiner ungewissen Zukunft gegenübersteht.

Themenheft 1/2016: Vorbereitung auf ein neues Erdenleben

Inhalt
Vorbereitung auf ein neues Erdenleben

Josef, 27. Juni 1964

Vorbereitung auf ein neues Erdenleben

Steht ein aufsteigender Geist vor der Wiedergeburt in ein neues Menschenleben, wird er von Geistern Gottes über die Verhältnisse in seinem kommenden Erdendasein unterrichtet. Man erklärt ihm, was die göttliche Welt von ihm erwartet, welche Prüfungen er als Mensch erfüllen, welche Ziele er erreichen muss. Sowohl die Aufgaben als auch die Gefahren und Versuchungen sind heute in einer wohlhabenden, technisch fortgeschrittenen Gesellschaft anders als in früheren Jahrhunderten, als das Leben der meisten Menschen von grosser Armut und Hunger geprägt war.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wir schätzen den regelmässigen Besuch dieser Veranstaltungen. Wir schätzen jene Freunde, die regelmässig hierherkommen. Wir schätzen auch jene Freunde, die die Zeitschrift gewissenhaft lesen. Wir schätzen aber auch jene Freunde, die ihre Verbindung zu dieser Gemeinschaft durch die Mitgliedschaft zum Ausdruck bringen. Es entsteht dadurch ein inniger Kontakt, eine Freundschaft zwischen euch und uns; es ist ja ein Bekenntnis. Und so wollen wir euch gute Freunde sein. Wir wollen euch nicht nur beistehen in den Schwierigkeiten eures Lebens, sondern unser Beistand soll zur Hauptsache in der Jenseitswelt zum Ausdruck kommen. Ihr werdet es dann schätzen, wenn ihr von Geistern Gottes mit sicherer Hand und sicherem Schritt vorwärtsgeführt werdet. So wie ihr euch hier zu dieser Verbindung bekennt, so werden die Geister Gottes sich zu euch bekennen. Sie werden zu euch stehen und euch beistehen, wie man einem guten Freunde beisteht, wenn es darum geht, dass er Hilfe braucht. Diese Hilfe werdet ihr alle, die ihr in inniger Verbindung zu uns steht, bekommen.

Wir wissen wohl, wie vieles überwunden werden muss, um zu dieser innigen Einstellung uns gegenüber zu gelangen. Wir wissen aber auch, wie viel Zweifel da und dort über den einen und andern kommen. Es sind dieses ja Prüfungen, und der eine geht erfolgreich aus dieser Prüfung heraus, ein anderer fällt. Manche stehen uns eine gewisse Zeit treu gegenüber, und plötzlich kehrt, wendet man sich von uns ab, man verlässt den guten Freund, man schätzt ihn oder sie nicht. Dann muss man sich dereinst auch nicht wundern, wenn von der geistigen Welt aus diese Freundschaft nicht weiter gepflegt wurde, wenn man dann also von der geistigen Welt nicht so empfangen, so geführt wird wie jene, die mit ihr ein Bündnis gehabt haben. Viele vermögen es gar nicht richtig zu erfassen, was es bedeutet. Aber wer nun diese Energie immer aufbringt, regelmässig hierherzukommen, der wird auch seine Belohnung erhalten. Das möchte ich all jenen zu ihrer Freude sagen.

Aber auch diejenigen, welche weit entfernt wohnen, denen es nicht möglich ist hierherzukommen, die aber noch so gerne an den Veranstaltungen persönlich teilhaben möchten, können im Geiste innig mit uns verbunden sein. Es kommt ganz auf die Innigkeit, auf das Verlangen an, auf die Gewissenhaftigkeit. Sie können den gleich grossen Anteil empfangen wie jene, die hierherkommen. Aber das ist nur für jene gemeint, denen es nicht möglich ist, regelmässig zu kommen.

Wüsste man eigentlich, was man hier empfängt – wenn sie es sehen könnten, welchen Gewinn sie davon hätten, aber nur wenn sie es sehen könnten, dann würden sie bestimmt nicht fehlen. Aber da man ja nichts sieht und da ja das Leben trotzdem vorwärtsgeht, geht man den bequemen Weg. So nimmt man das eine Mal dieses als Entschuldigung und das andere Mal etwas anderes, dass man eben nicht persönlich an den Veranstaltungen teilnimmt. Aber das ist die Sache eines jeden Einzelnen; er wird es später erleben. Und so ist es wohl gut und schön, wenn jene, die immer hier erscheinen, auch eine besondere Belohnung, eine besondere Gnade empfangen und dereinst eben von einem Geist Gottes mit sicherer Hand und mit sicherem Schritt ohne Zögern aufwärtsgeführt werden.

Nun, liebe Geschwister, immer wieder hört ihr von uns etwas über die Ordnung Gottes, über geistige Gesetzmässigkeiten; anhand von Beispielen können wir sie euch nahelegen. Auch diese Stunde möchte ich euch wieder einen Einblick geben in die göttlichen Gesetze. Und so erzähle ich euch von einem Manne, der vor ungefähr dreihundert Jahren auf Erden lebte. Er hatte ein gutes Herz, er war hilfsbereit; die Geisterwelt Gottes war mit ihm zufrieden. Er hatte eine grosse Anzahl Kinder und dazu noch seine eigenen Eltern im Hause, für die er auch noch zu sorgen hatte. Er lebte als Tagelöhner, als solcher musste er für den Unterhalt der Familie sorgen.

Als er in die Jenseitswelt kam, wurde er belohnt wegen seiner Gewissenhaftigkeit in der Ausübung seiner Arbeit; also diese Gewissenhaftigkeit wurde im Rahmen des Möglichen belohnt: weil er gewissenhaft Arbeit suchte. Dies ist nicht mit heute zu vergleichen. Heute würde bestimmt kein Mensch belohnt werden, weil er gewissenhaft der Arbeit nachgeht. Heute ist das selbstverständlich; wenn der Mensch bequem, gut und schön leben will, muss er arbeiten. Er würde auch gegen die Regeln der Gesellschaft verstossen, wenn er nicht der Arbeit nachginge. In der Geisteswelt gibt es heute also keine Belohnung mehr dafür, wenn einer gewissenhaft seine Arbeit aufgesucht hat. Aber damals, zu jener Zeit, als dieser Mann lebte, wurde man belohnt dafür. Denn dazumal war nicht dieser irdische Reichtum vorhanden wie heute; dazumal war es nicht möglich, so ohne Weiteres immer Arbeit zu bekommen. Es war auch so, dass man das ganze Leben hindurch einen einzigen Sonntagsanzug hatte, ein einziges sonntägliches Kleid; und dieses Kleid, das man zum ersten Mal womöglich an der Hochzeit getragen hatte, hat man dann noch mit ins Grab genommen. So wurde dieses Gewand gepflegt, es musste das ganze Leben halten; es war das sonntägliche Gewand, das nahm man noch mit ins Grab.

Zu jener Zeit, als dieser Mann lebte, kam nicht die Prüfung über ihn, ein zu bequemes Leben zu führen. Man konnte nicht dem Spiel verfallen oder der Untreue. Diese vielen Prüfungen, die heute dem Menschen gegeben sind, hatten dazumal die Menschen nicht oder nur die wenigsten. Darum wurde die Arbeitsamkeit belohnt; der Fleiss, die Gewissenhaftigkeit im Unterhalt seiner Familie, das fand Belohnung. Wie einsam und einfach spielte sich dazumal das Leben ab. So konnten an jene Menschen nicht so viele Versuchungen kommen wie heute, und diese grossen Ansprüche waren nicht an sie gestellt. Sie hatten anderem zu trotzen, es waren andere Schwierigkeiten.

Aber was auch damals von Bedeutung war und bis heute geblieben ist, ist der Dienst am Nächsten: Man musste dem Nächsten beistehen, denn es gab dazumal Naturkatastrophen und andere Katastrophen verschiedener Art, Krankheit, Seuchen und dergleichen. Man war auf die Hilfe des Nächsten angewiesen und froh darum. Und man war früher eher bereit, dem andern beizustehen und vom wenigen zu geben. Denn Wertvolles hatten jene Menschen nicht, und so konnten sie in dieser Beziehung auch nicht geprüft werden, ob sie wohl so grosszügig und tolerant wären. Man konnte sie wohl etwas auf den Geiz prüfen. Aber der Materialismus konnte damals nicht so zum Ausdruck gelangen wie heute, man war in dieser Beziehung nicht so vielen Versuchungen ausgesetzt. Und so hatte mancher ein gutes Herz. Denn vielerorts war Bedrängnis, und man teilte sein Schicksal mit dem andern. Denn man hatte nicht diese ärztliche Betreuung und Fürsorge wie heute. Die Menschen lebten einfach, ganz einfach, aber sie konnten in ihrer Einfachheit zufrieden sein. Sie sahen ja nichts anderes.

Und wenn jene in die geistige Welt kamen, und man erkannte in ihnen eben diese Herzensgüte und diese Gewissenhaftigkeit, welche sie durch ihren Fleiss zum Ausdruck gebracht hatten, dann wurde das belohnt. Denn es gab dazumal schon arbeitsscheue Menschen. Es war auch nicht so leicht, täglich Arbeit zu finden; man hatte nicht diese bequemen Verkehrsmittel wie heute, man musste ja tagelang wandern, es war anstrengend, es war nicht einfach. Und weil es mit Anstrengung verbunden war, wurden damals jene belohnt, die ihren Fleiss zum Ausdruck brachten; und jene wurden bestraft, die unwillig waren, arbeitsscheu. Denn es war bestimmt nicht jedermanns Sache, weite Wege zu gehen, um Arbeit zu suchen.

Dieser Geist, von dem ich nun berichte, mit dem man zufrieden war – der für eine kinderreiche Familie und dazu noch für seine Eltern zu sorgen hatte und es tat –, er wurde in der Geisteswelt belohnt. Und er konnte einige Schritte hinaufsteigen, denn er hatte Dienst am Nächsten geleistet. Die Geisteswelt Gottes war mit ihm zufrieden, er hatte das Mögliche getan nach der damaligen Entwicklung.

Nun trifft man in der Geisteswelt aber die Vorbereitungen für die Zukunft, und man macht diesen aufsteigenden Seelen klar: “Es bleibt ja nicht bei diesem einen Leben, denn du bist ja nur auf weniges geprüft worden. Nun kommen weitere Prüfungen an dich; aber diese können dir nur aufgebunden werden in einem neuen Zeitabschnitt, in dem die Entwicklung auf Erden wieder weiter fortgeschritten sein wird; du wirst in eine neue Zeit, in eine neue Entwicklung hineingehen und hast sie zu durchschreiten.” In der Jenseitswelt hat man aber auch diese heimgekehrte Seele zuerst über die göttlichen Gesetzmässigkeiten unterrichten müssen; der Heilsplan, der Ordnungsplan musste ihr erklärt werden, der Schöpfungsplan. So musste der Heimgekehrte doch Einsicht erhalten in die Ordnung Gottes. Und man hatte ja genügend Zeit, ihm diese Belehrungen zukommen zu lassen. Man gab ihm auch Einblick in die Vorwärtsentwicklung der Menschheit sowie in diejenige jenseitiger Wesen, man liess ihn teilhaben an der ganzen Vorwärtsentwicklung; so konnte er am besten belehrt werden.

In der Geisteswelt aber, wo man so ohne materielle Sorgen, ohne körperliche Hindernisse, Bedrängnisse, Beschwerden lebt, ist das Leben viel leichter; es ist ja so wohlgeordnet. In der Jenseitswelt gibt es nicht das Geld, das die Menschen haben. Das Geld, an dem so viel Blut, so viele Tränen, so viel Schmutz hängen, das kennt man nicht. Und so ist viel Übel auf die Seite gelegt. Denn wegen diesem Geld entsteht so viel Unfriede, es gibt Kriege, Streitigkeiten im Kleinen wie im Grossen, Unterschlagungen, Raub, Mord und desgleichen – alles wegen dem Geld. Und die Menschen belasten sich durch dieses Geld, wenn sie das Gleichgewicht nicht kennen, das sie halten müssen, wenn sie sich nicht klar darüber sind, was Christus jenem reichen Jüngling sagte, der zu ihm kam und ihn fragte, was er tun müsse, um ins Himmelreich zu gelangen. Christus antwortete ihm: “Verkaufe alles, verschenke alles, was du hast; folge mir nach. Leg alles hinter dich, was dir wertvoll erscheint; und dann komm, folge mir nach.” Und betrübt ging dieser Jüngling weg. (Mat. 19, 16 –22.)

Und so ist es heute noch. Viele Menschen können sich von diesem Irdischen, von dieser Materie, nicht freihalten, ich sage freihalten. Es ist selbstverständlich, dass der Mensch etwas zum Leben braucht. Aber es gibt einen Hang, eine Sucht nach dem irdischen Gut, sei es nach dem Geld oder sei es nach irgendwelchen Besitztümern, einfach nach irdischem Reichtum. Wenn man Herz und Seele diesem Reichtum verkauft, wird man in der göttlichen Welt nicht mit sicherer Hand und sicherem Schritt nach oben geführt.

Nun könnt ihr selbst Vergleiche ziehen zwischen dem Leben von damals und dem heutigen Leben und sehen, wie es sich bei der Schulung dieser Seele verhielt. In der Geisteswelt hat man die Vorschau in die Zukunft, man erkennt die Erfüllung der hauptsächlichen Entwicklung. Man weiss, welche Stationen sich erfüllen werden, durch welche Leidenswege die Menschen zu gehen haben, welche Katastrophen irgendeiner Art über sie kommen werden; sie sind festgezeichnet, wenn es unabänderlich ist. So sieht die Geisterwelt Gottes aber auch den Fortschritt, den die Menschheit durch ihre Technik, durch ihr Streben machen wird. Sie sieht ja viele Tausend Jahre zum Voraus, was sich abspielen wird; sie sieht nicht alle Einzelheiten, aber sie erkennt das Wichtigste, was im Plane Gottes gezeichnet ist, was dienlich ist zum Aufstieg und Fortschritt der Menschheit. Und das wird sich erfüllen.

Nun erklärte ich, dass diese Seele ja Einblick erhielt in die Entwicklung, in den Aufstieg des Menschen und auch in den geistigen Aufstieg im Jenseits. So wurde sie auch dementsprechend für das neue Erdenleben vorbereitet. Allen diesen Seelen, deren letztes Leben so weit zurückliegt und die nun auf ein neues Erdenleben vorbereitet werden, wird klargelegt, dass sie über den Fortschritt des Menschen unterrichtet werden müssen. Sie werden dementsprechend auf die Gefahren hingewiesen, die das zukünftige Leben bringen wird. Es wird ihnen klargemacht: “Wenn du in diesem kommenden Leben gewissenhaft der Arbeit nachgehst, wirst du dieses Mal nicht mehr belohnt dafür, denn es wird zur Selbstverständlichkeit gehören. Aber es werden andere Prüfungen an dich kommen. Du wirst beispielsweise geprüft werden, ob du fähig bist, fremdes Gut ehrlich zu verwalten. Du wirst geprüft werden, ob du ein friedfertiger Charakter bist, du wirst auf deine Toleranz, auf deine Bescheidenheit, auf dein Wohlwollen geprüft. Das musst du nun beweisen im neuen Leben, du musst zeigen, wie du durch dieses gehen und es bestehen kannst. Denn es werden andere Bedingungen herrschen, andere Anforderungen sind an dich gestellt. Während du in deinem letzten Leben nicht in die Lage gekommen bist, fremdes Gut zu verwalten, weil sich dies gar nicht ergeben hat, weil ja die Deinen, die mit dir lebten, nichts besassen, so besteht nun aber im neuen Leben die Möglichkeit, dass man dir fremdes Gut anvertraut. Und dann siehst du die Versuchung, sie wird über dich kommen. Im neuen Leben wirst du auch geprüft auf die Standhaftigkeit der Treue. Während es im letzten Leben selbstverständlich war, dass man seinem Partner treu blieb bis in den Tod, wird dies im neuen Leben keine Selbstverständlichkeit mehr sein, denn die Versuchungen sind so gross.”

So werden die Seelen auf die Gefahren hingewiesen. Es wird ihnen erklärt, dass die Möglichkeit der Raffgier vorhanden ist und man egoistisch werden kann und dass man dafür, so man diesen Versuchungen nicht widersteht, bestraft wird. Und dann gibt man diesen Seelen, die in der Geisteswelt für ihr nächstes Erdenleben vorbereitet werden, Gelegenheit, sich selbst zu prüfen. Diese Prüfung kann beispielsweise darin bestehen, dass man einem je nach seinem Entwicklungsstand vorübergehend fremdes Gut anvertraut und ihn bittet, es zu bewahren, es zu pflegen wie sein eigenes und es dann wieder zurückzuerstatten. Wenn es um eine solche Prüfung geht, hat man auch in der geistigen Welt die Möglichkeit, einem vorübergehend etwas anzuvertrauen, sei es ein kostbarer Gegenstand oder sei es die Wohnung eines andern, die er zu verwalten und zu pflegen hat. So hat auch die geistige Welt ihre Möglichkeiten zu Prüfungen.

Anderseits schickt sie diese Seelen als Begleiter zu den Menschen; man bringt sie zum Glanz der irdischen Welt und möchte sehen, wie sie sich neben dem Menschen verhalten. Dann entscheidet die hohe Geisteswelt, auf welchen Wegen man diesen und jenen ins neue Erdenleben bringt; dann werden die Bahnen berechnet, in die man sie hineinbringt, damit alles sich erfüllen kann.

So besteht man dann vielleicht einige seiner Prüfungen, während man in einer Hauptprüfung durchfällt. Und wenn man dann wieder zurückkommt in die geistige Welt, dann wird anders geurteilt. Man wird härter und strenger angefasst. Denn wenn der Mensch auf Erden viel erhalten hat, so wird Gott auch mehr von ihm verlangen.

Wenn man bedenkt, dass man heute im Verhältnis zu früher so vielseitige Nahrung zu sich nehmen kann, dass Gott dem Menschen so viele Möglichkeiten gegeben hat, um gut zu leben, so soll er es mit Dank annehmen. Er soll sich aber auch bewusst sein, dass er Gott etwas schuldig ist. Diese Schuld besteht darin, dass man nach den Gesetzen Gottes zu leben hat. Das ist die Gegenleistung – vielleicht ist dieses das bessere Wort als Schuld. Diese Gegenleistung hat er Gott zu bringen, indem er seine Gesetze befolgt, seinen heiligen Willen zum Ausdruck bringt. Das verlangt Gott vom Menschen; dafür gibt er reichlich, in Fülle.

So muss der heutige Mensch sich klar darüber sein: Wenn er so viele Bequemlichkeiten haben darf, wenn dies durch ihn und durch seine Mitmenschen errungen, erkämpft worden ist, so hat Gott es zugelassen, man darf es haben. Man darf aber von diesen Bequemlichkeiten nicht Sklave werden, man darf sich dadurch nicht belasten. Und wenn man all das viele und Vielfältige sieht und lebt, dann muss man sich klar werden, dass man selber auch vieles mehr zu geben und zu leisten hat als dazumal vor hundert, zwei- oder dreihundert Jahren, dass Gott heute viel mehr vom Menschen verlangt als früher.

Und so war es ja auch mit dieser Seele, von der ich euch erzähle. Sie wurde ja so gewissenhaft unterrichtet, wie ich erklärte, und dann musste sie wieder in ein neues Erdenleben treten und stand alldem gegenüber. Als dieser Mensch dann mitten im Leben stand, da kamen all diese Versuchungen auf ihn zu. Nun wurde er geprüft auf seine Toleranz, auf seine Friedfertigkeit, auf seine Grosszügigkeit, auf sein Wohlwollen, auf seine Bescheidenheit. Jetzt musste er beweisen, ob er dazu fähig war. Denn in der geistigen Welt hatte man ihm schon kleine Prüfungen auferlegt, und man hat ihn getadelt, wenn er sie nicht bestanden hatte, und man hat ihn aufgemuntert, wenn es notwendig war. Man hat ihn also gewissenhaft auf sein Erdenleben vorbereitet. Und wenn man einer Seele diese gewissenhafte Vorbereitung gegeben hat, so verlangt man dann auch dementsprechend vom Menschen. Denn die Geisterwelt Gottes nimmt sich desjenigen sorgfältig an, von dem sie erwarten kann, dass er fähig ist, höhere Aufgaben zu übernehmen und zu erfüllen. Man wird einem Schwachen nicht grosse Aufgaben aufbinden und von ihm erwarten, dass er sie erfülle; sondern vom Schwachen verlangt man nur weniges, was er erfüllen muss.

Und wenn ihr unter euresgleichen tretet, wer fühlt sich schon geistig schwach? Jeder will doch genügend geistige Erkenntnisse erworben haben, jeder will doch geistig gehoben sein. Also darf man nicht vergessen, dass man dann auch vieles zu leisten hat. Die Geisteswelt verlangt die Erfüllung der Aufgaben nicht nur an einem Orte, sondern man hat auf allen Sektoren der Tugendhaftigkeit zu bestehen. Es soll nicht sein, dass man an einem Orte fällt und anderswo besteht; denn so kann man geistig nicht vorwärtskommen, man bleibt stehen. Und man muss wieder durch dasselbe Leben schreiten, mit ähnlichen Verhältnissen, und dann so beweisen, dass man fähig ist, doch aufwärtszukommen. Und jede Vorbereitung fürs neue Leben geht sorgfältig vor sich, wenn der Geisterwelt Gottes daran gelegen ist, den Betreffenden aufwärtszubringen.

Dieser Bruder musste nun im neuen Erdenleben diese Beweise erbringen. Doch er hat nicht überall seine Aufgaben erfüllt. Und als er dann wieder in die Jenseitswelt zurückkam, da wurde er getadelt. Man erklärte ihm, dass man viel mehr von ihm verlangt habe; denn er habe eine ganz sorgfältige, aufmerksame Vorbereitung vor dem Erdenleben erhalten, und dieses zurückgelegte Erdenleben sei nicht so herausgekommen, habe er nicht so bestanden, wie man es nach dieser sorgfältigen Vorbereitung erwartete.

Wenn diese Seele wieder heimkommt, erkennt sie, was sie falsch gemacht hat, und sie ist bereit wiedergutzumachen. Nun geht es aber einmal darum, die Untugenden, die man im zurückgelegten Erdenleben in die Seele aufgenommen hat – den Hang zum Irdischen oder diese oder jene Belastung –, wieder zu beseitigen. So muss diese Seele zuerst einmal wieder gepflegt werden; es muss in Ordnung gebracht werden, was der Mensch im Leben in Unordnung versetzt hat. Und dies ist nicht immer ein leichter Weg; manchmal ist es schmerzlich für die heimgekehrte Seele, durch die Läuterung zu ziehen. Denn es geht in erster Linie darum, dass sie dieses Belastende, das an ihr hängt, loswird. Und das kann man nicht einfach abschütteln, weil man jetzt in der Jenseitswelt ist und reuig ist, weil man die Macht Gottes sieht. Man kann diese Last nicht einfach ohne Weiteres loswerden. Nur langsam wird man von dieser Last gelöst, nur langsam kommen die Erkenntnisse, die richtigen Erkenntnisse. So dauert es eben beim einen lange, er muss eine harte Läuterung durchmachen, bis diese Erkenntnis zu ihm gelangt und bis er einigermassen gutgemacht hat.

Nun, so wie es diesem Bruder ergangen ist, so ergeht es manchem, der zurückkommt. Manche Seele ist so sorgfältig fürs neue Leben vorbereitet worden und hat als Mensch ihre Prüfungen nicht bestanden. Und wenn ihr jetzt bedenkt, auf wie viele Fehler ihr immer aufmerksam gemacht werdet, wie wir immer wieder erklären, was ihr tun und was ihr lassen sollt, so hat das bestimmt seine Bedeutung. Wenn ihr sie heute in eurem irdischen Leben nicht erfassen könnt, so wird der Zeitpunkt dazu noch kommen – aber nicht in dieser Welt. Doch dann ist die Möglichkeit, sich schnell vorwärtszubringen, nicht mehr so gross wie auf dieser Erde.

Das ist ja das Wunderbare an diesem Erdenleben: Man kann dadurch seinen Aufstieg beschleunigen; durch dieses Erdenleben hat man die Möglichkeit, seinen Aufstieg um einige Stufen emporzubringen, man beschleunigt seinen Flug nach oben. In der Geisteswelt selber ist es nicht möglich, sich so rasch aufwärtszubringen. Ihr könnt ja jetzt selbst erkennen, wie viele Versuchungen heute auf allen Gebieten eures Lebens an euch kommen, wo überall man sich bewähren sollte. Und wenn es dereinst darum geht, vollkommen zu sein, dann muss man alles bestehen. So könnt ihr auch erkennen, wie schwer der Weg nach oben ist und wie lang.

Nun, liebe Geschwister, gab ich euch wiederum Einblick in diese göttlichen Gesetze. Meine Erklärungen sollen doch dazu dienen, euch neuen Antrieb in eurem Flug nach oben zu geben. Ihr sollt dadurch erkennen, dass wir euch nahestehen, dass wir doch immer bereit sind, euch zu helfen und euch zu führen. Wie mancher Bruder, wie manche Schwester durfte schon in ihrem Leben diesen Segen, diesen Beistand erhalten. Und wir freuen uns immer wieder, zu vernehmen: “Ich habe gespürt, wie man mich geführt hat; ich habe gespürt, wie man mir zur Seite gestanden ist.” Wir freuen uns darüber.

Nun, liebe Geschwister, möge der Segen Gottes euch stärken, möget ihr eure Aufgaben in eurer Welt erfüllen können. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 27.6.1964 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

“In meinem nächsten Erdenleben möchte ich keinen Stillstand verschulden”

Elisabeth, 3. Februar 1965

“In meinem nächsten Erdenleben möchte ich keinen Stillstand verschulden”

In diesem Vortrag berichtet ein aufsteigendes Geistwesen von der Vorbereitung auf sein bevorstehendes Erdendasein: ”Ich bin bereits von den Engeln unterrichtet worden über das weitere Leben, das meiner noch wartet und in dem ich keinen Stillstand in meinem Aufstieg verschulden möchte. Ich weiss um die Gefahren dieses Stillstandes, denn mein treuer Begleiter erklärte sie mir. Es sind Versuchungen aller Art, die den Menschen bezwingen, wenn man nicht eine wachsame Seele hat. So will ich stark werden. Denn wenn es an der Zeit sein wird und ich dem neuen Leben gegenüberstehe – was weiss ich dann noch von jenen einstigen Bemühungen, die ich mir bereitet habe, um in der Seele stark zu sein?”

Elisabeth: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ich wurde gebeten, diesen Abend zu euch zu sprechen. Viele Menschenleben reihen sich aneinander, bis man in die höchsten Himmel eingehen darf. Langsam nur kann man Stufe für Stufe emporsteigen.

Der Mensch mit seinen sich so aneinanderreihenden Leben, die alle ihre Bedeutung und Wichtigkeit haben für seinen geistigen Aufstieg, ist zu vergleichen mit einem jungen Baum, der, wenn ihr ihn setzt, gestützt werden muss, der gepflegt werden muss, wenn er dereinst Nutzen bringen soll, und nur langsam, langsam wird er durch die sich aneinanderreihenden Jahre in die Höhe wachsen. Stürme können ihn beschädigen, wenn er nicht vor ihnen geschützt wird. So ist es auch mit den Menschen. Stürme des Lebens bedrohen sie, und wer nicht davor geschützt ist, kann Schaden erleiden, der in einem späteren Leben gutzumachen ist, und langsam geht der Aufstieg vor sich. Die Menschen von heute sind sich dessen nicht bewusst.

Ich war in meinen weit zurückliegenden Erdenleben eine Mutter und hatte meist viele Kinder gehabt. Alle meine zurückgelegten Leben waren gezeichnet von Not, Kummer und Sorgen. Aber in jedem Leben habe ich mich aus dieser Not, aus diesen Sorgen herausgearbeitet. Ich habe zu allem Leid immer Ja gesagt, wie die vielen andern auch. Man hat still geduldet, still ertragen. So habe ich es getan, so haben viele andere es auch getan.

In diesen zurückliegenden Leben hatte ich dadurch Verdienste erworben. Wie ich euch sagte: Alle meine Leben waren von Not und Bedrängnis begleitet. Jedoch habe ich mich aufmerksam und hingebungsvoll gezeigt. Ich hatte versucht, das Beste herzugeben. So habe ich von Leben zu Leben etwas gewonnen. Meinen heutigen Zustand der Seligkeit habe ich durch all meine Aufopferung und Hingabe verdient. Ich sollte durch all die Nöte, die Hingabe und Aufopferung für das höhere Leben reif werden. Aber nicht nur ich allein, sondern zur selben Zeit mit mir andere auch. Auch sie mussten in der Bedrängnis und in der Bescheidenheit wachsen. Denn wir hatten keinen Teil von dem Komfort, wie ihr Menschen ihn heute besitzt. Unser Brot war nicht gesichert, wir lebten alle von heute auf morgen. Wir alle mussten zu diesen Leben Ja sagen, zufrieden sein damit und fest im Glauben bleiben.

Gott hat uns auf diese Weise geprüft und mit mir unendlich viele. Wir alle sind – das heisst zum allergrössten Teil – aus der Bescheidenheit hervorgegangen. In dieser Bescheidenheit hat man den Glauben an Gott gepflegt. In diesem einfachen Leben musste man Nächstenliebe zum Ausdruck bringen. Man musste Güte und Verständnis für die andern haben. Vielleicht war es damals leichter, den festen Glauben zu haben, anspruchslos zu sein, weil man nichts als die Armut kannte. Der grösste Teil jener Menschen, mit denen man zusammenlebte, war in gleicher Not oder Bescheidenheit. Man hatte auch keinen Wert auf ein langes Leben gelegt, wie es heute die Menschen tun.

Aber der Glaube war bei vielen inniger. Man hoffte auf ein besseres Leben, nachdem man seinen irdischen Leib abgelegt hatte. Da sollte sich eine bessere Welt auftun, da sollte ein schöneres Leben beginnen. Man hing nicht so am Leben wie die heutigen Menschen. Man hatte ja nicht viel zu verlieren. Aber wenn man eine harmonische Verbindung mit den Angehörigen hatte, sagte man doch Ja zum Leben. So fand man auch Freude an diesen bescheidenen Leben.

Nun stehe ich in der Geisteswelt und bin bereits von den Engeln unterrichtet worden über das weitere Leben, das meiner noch wartet und in dem ich keinen Stillstand in meinem Aufstieg verschulden möchte. Ich weiss um die Gefahren dieses Stillstandes, denn mein treuer Begleiter erklärte sie mir. Seit meinem letzten Leben sind so viele aus der früheren Armut herausgekommen, und sie werden, wenn sie wiedergeboren werden, zum grossen Teil ein angenehmeres, bequemeres Leben haben. Mein geistiger Führer unterrichtete mich darüber und sagte: “Nun sind sie” – damit meinte er jene, die in dieser Bescheidenheit leben mussten – “geprüft worden, ob sie wohl fähig wären, Gott trotz der grossen Armut treu zu sein, nach seinen Gesetzen zu leben, dem Nächsten zu dienen, sich ihm zur Verfügung zu halten, wenn es die Not erforderte.”

So prüfte Gott die Menschheit, und sie stand doch noch auf einer niederen Aufstiegsstufe. Im kommenden, angenehmeren Leben sollte von Hunger keine Rede mehr sein. Es sollte weniger Sorgen und Probleme geben. Jetzt würde man in diesem bequemeren, angenehmeren Leben beweisen müssen, dass man Gott ergeben ist, dass das früher Erlernte nicht verloren gegangen, sondern in einem gefestigt ist – dass man auch in diesem angenehmeren Leben andern gegenüber das gleiche Entgegenkommen, die gleiche Zufriedenheit, Bescheidenheit und Güte, das gleiche Verständnis, die Friedfertigkeit und Treue zum Ausdruck bringt, dass keine Versuchungen all diese Vorzüge zu verdrängen vermögen und auch das schönere, bequemere Leben einen in seinem Aufstieg nicht zu hindern vermag.

Die Versuchungen des angenehmeren Lebens stellen wieder grössere Anforderungen an den Menschen. Menschen in Not und Leid vermögen eher miteinander zu gehen, das Leid zu tragen. Sie stützen sich eher gegenseitig, weil jeder leidet und man beim andern im Leid Hilfe, eine Stütze und Trost sucht. Wo niemand reich an irdischen Gütern ist, wenn sie alle nur ihr kärgliches Brot haben, wenn alle im vorgerückten Alter an körperlichen Beschwerden leiden, dann wird man nicht über den Nächsten herfallen. Sondern man mag dem andern näherkommen, besseren Trost geben, und der andere findet, dass es seinem Mitmenschen nicht besser geht und er sein Leiden tapfer trägt.

Im angenehmen Leben ist es umgekehrt. Da besteht die Gefahr, dass man auf den schaut, dem es besser geht, der mehr irdische Güter besitzt. Man hat ein anderes Verhältnis, einen anderen Massstab. Man kann den Trost nicht unbedingt bei dem holen, dem es gut geht. Denn er hat keine Zeit, er muss den irdischen Gütern nachlaufen, er kann nicht Anteil nehmen am Leiden anderer; er hat keine Zeit, er muss sein Haus und vieles andere dazu bestellen.

So sind die Versuchungen auch viel grösser im bequemen Leben. Man nimmt es mit der Treue nicht so genau. Man nimmt es ebenso mit der Ehrlichkeit nicht genau. Es lauern viel, viel mehr Versuchungen, um einen zu Fall zu bringen, als im einfachen, bescheidenen Leben. Also kommt es nun darauf an, ob der Mensch im bequemeren Leben tapfer die Versuchungen überwindet, sonst besteht er die Prüfungen seines Lebens nicht. Kann er nicht ehrlich sein, ist er ein Egoist, herrschsüchtig, rechthaberisch, nimmt er es mit der Treue nicht genau, ist er nicht gewissenhaft, nicht ehrlich, so gewinnt er nichts in diesem Leben und bleibt in der Entwicklung stehen.

Wenn er dann wieder zurückkommt in die geistige Welt, wird er gefragt: “Wo sind deine Verdienste? Was hast du jetzt geleistet?” Und man stellt ihm das vorangegangene Leben gegenüber, wo er kaum ein Paar rechte Schuhe besessen hatte, und in diesem bequemen und schönen Leben wusste er nicht, wie viele er hatte und welche er anziehen sollte. Und dazu gab es so viel zu essen, er hatte im Überfluss, während er vorher für den andern Tag kein Brot mehr auf dem Tisch gehabt hatte.

Die Gotteswelt aber forderte von ihm in diesem bequemeren Leben, dass er aus Dankbarkeit auch etwas für Gott geben sollte. Und er hat nicht im Verhältnis zu dem gegeben, wie er erhalten hat. Man wird ihm erklären: “Den Fortschritt, die heutigen Errungenschaften verdanken die Menschen ihrem eigenen Eifer von früher. Durch das Verdienst der Menschen ist die Entwicklung auf den heutigen Punkt, zum angenehmen Leben gekommen. Gott hat es ihnen nicht verweigert. Gott hat ihnen die Kraft zum Gedeihen gegeben. Doch wird von ihnen mehr verlangt, und wenn sie nichts oder zu wenig erreichen, dann wird ein zukünftiges Leben sie wieder in eine Lage zurückversetzen, wo sie den Schaden gutmachen müssen. Dann kann einer wieder in ein ganz einfaches Leben hineingeboren werden, womöglich in Bedrängnis und Leid, und er muss da wieder versuchen, Ja dazu zu sagen, er muss wiedergutmachen.”

Nun wurde ich schon zum Teil für ein neues Erdenleben vorbereitet. Man hatte mich auf alles Wissenswerte aufmerksam gemacht. Ich wollte mir Mühe geben, meine Seele sollte wach bleiben, denn ich möchte dereinst gestärkt in das neue Erdenleben treten, sobald es an der Zeit sein wird.

Doch die Geister Gottes haben es mir erlaubt, vorerst als Geist den Weg zu den Menschen zu nehmen, sie zu beobachten, bei ihnen zu verweilen, um mich selbst zu prüfen, ob ich wohl stark genug bin, diese Wachsamkeit der Seele beizubehalten. So werde ich geführt von einem Haus zum andern. Dabei mache ich meine Beobachtungen, um daraus zu lernen. Ich sehe, wie im einen Haus viel zu wünschen übrig bleibt. Das schöne Leben ist diesen Menschen zum Verhängnis geworden, was ihren geistigen Fortschritt betrifft. Sie leben in Streit, sie haben kein Verständnis füreinander, sie können einander nicht vertragen. So will meine Seele wachsam sein.

Doch verlasse ich dieses Haus der Disharmonie und begebe mich in ein solches der Zufriedenheit. Ich muss aber lange suchen, bis ich jeweils jenen Frieden vorfinde, wie er in meinem Himmel ist. Ich will aber wachsam bleiben und die Menschen beobachten. Ich will neben jenem Menschen einhergehen, der im schönen Leben ein Herz voller Güte bewahrt. Ich will wachsam sein, ich will meine Hände in die seinen legen, wenn es darum geht, dienstbar zu sein. Ich will mich am Frieden der Welt beteiligen, um stark zu sein, wenn ich wieder Mensch bin.

So wandere ich von Haus zu Haus. Ich habe dafür die Bewilligung. Oftmals werde ich von hohen Geistern Gottes begleitet, die mir Belehrungen erteilen. Auch höre ich die Gespräche der Menschen mit an, welch nichtige Unterhaltung sie oftmals pflegen. So ist es selbstverständlich, dass ich mich gerne bei Geistesfreunden aufhalte. Geistesfreunde sollen es sein, die bessere Erkenntnisse haben als viele andere und die nicht Nein sagen zu unserer Verbindung, die die Einwirkungen der guten und der bösen Geister kennen.

Aber selbst solche Geistesfreunde sind oft in entscheidenden Fragen in Unkenntnis und erzählen oft Dinge, wogegen wir so gerne Einspruch erheben würden. In ihrem grossen Eifer möchten sie am liebsten die ganze Menschheit zu diesem Geisteswissen zwingen. Sie vergessen, dass jeder von Stufe zu Stufe schreitet und viele noch nicht reif sind, um diese Sprache zu verstehen. Wir hören Gespräche mit an, wo gesagt wird: “Warum verhütet die gute Geisteswelt das Böse nicht? Warum lässt sie solches zu? Warum schreitet sie nicht ein? Warum hilft sie den Wissenschaftlern nicht so, dass der geistige Aufstieg schneller vor sich ginge?”

Nein, nichts von alledem. Durch Gottes Güte und heiligsten Willen ist die Erde geschaffen worden, damit der aufsteigende Geist hier eine Stätte hat, um sich als Mensch höherzuarbeiten. Indem er sich die Erde untertan machen soll, muss er etwas leisten und sich bewähren. Er selbst muss vieles verhüten und erforschen. Wenn die heilige Geisterwelt von oben her die Anweisung bekommt einzuschreiten, dann wird sie es tun. Man muss diesen Geistesfreunden immer wieder sagen: “Vergesst nie, die Gotteswelt ist eine Welt der Ordnung und des Gehorsams. Alle, die in diese Ordnung eingereiht sind, haben Gehorsam zu leisten.”

Wenn irgendwo ein Verbrechen geschieht und dann ein Geistfreund verlangt, man sollte auf geistigem Wege in Erfahrung bringen, wie es sich zugetragen hat, dann muss ich euch sagen: Das ist eine Zumutung für einen aufsteigenden, in der göttlichen Ordnung tätigen Geist. Und zwar ist diese Zumutung an uns so, wie wenn ihr einem friedfertigen Menschen zumuten wolltet, er solle sich in den Streit zweier Nachbarn mischen, Partei ergreifen und den andern verprügeln. Ein friedfertiger Mensch wird sich über dieses Ansinnen empören.

Anderseits beobachtete ich streitsüchtige Geistwesen, die man nicht lange aufzufordern brauchte, um an einem Streit unter Menschen mitzuhelfen. Was sind das für Geistwesen? Es sind doch solche, die noch keinen hohen geistigen Grad einnehmen. Wenn aber ein Geist im Aufstieg zu den himmlischen Höhen steht, ist es eine Zumutung an ihn, dass er sich für solche Arten von Geschehen unter den Menschen interessieren soll. Etwas anderes wäre es, wenn ihm die hohe Geisteswelt den Auftrag erteilen würde: “Gehe hin und kläre das Unrecht auf, nimm dir einen Menschen als Werkzeug dafür!” Dann, wenn die Bestimmung von oben kommt, kann dem Wunsche nachgegeben werden. Darüber entscheidet aber nicht ein aufsteigender Geist, der sich an den Ordnungsplan hält. Wohl mag man vielleicht einen uneingereihten, ausserhalb der Ordnung stehenden Geist dafür gewinnen können, dass er sich mit solch niederen Dingen wie einem Verbrechen beschäftigt und darüber Auskunft gibt. Er selbst aber verhindert dadurch seinen eigenen Aufstieg. Ein guter Geist hat mit solchen Dingen nichts zu tun, und ein solches Ansinnen an ihn ist eine grosse Zumutung.

Im Weiteren hört man Geistesfreunde auch sagen, die Wissenschaft könnte der Menschheit viel mehr dienen, wenn die Geisteswelt mit ihrer besseren Einsicht sie besser lenken und inspirieren würde. Auch hier ist es wieder dasselbe. Ein in der göttlichen Ordnung stehender Geist hält sich streng an die Gesetze der Geisteswelt und wird nicht ohne Genehmigung höherer Wesen sich für die Forschungsarbeiten der Menschen interessieren. Nur wenn die höhere Gotteswelt es zulässt, dann mag es geschehen, und es können Geister beauftragt werden, einen solchen Menschen zu führen und zu inspirieren, doch geht es dann auf die Verantwortung des forschenden Menschen und nicht des Geistes. Der Mensch kann unbewusst geführt werden, er kann Eingebungen bekommen, wenn es gottgewollt ist. Aber die Menschen müssen auf Erden alles selbst erarbeiten. Nur mit grossem Eifer und mit Hingabe erzielen sie einen Fortschritt, der ihnen dienlich ist. Das ist für die Menschen so bestimmt, dass sie alles selbst aus eigenem Antrieb erarbeiten müssen. Gott gibt ihnen die Kraft. Die Menschen aber sollten durch all diese Errungenschaften Gott näherkommen. Und wohl gibt es welche, die gerade in diesem Fortschritt Gott finden. Aber es gibt auch wieder so viele, die sich von ihm abwenden, weil sie eine andere Vorstellung haben, weil sie Bedingungen stellen, weil sie nicht in der Weise sehen und fühlen können, wie sie es wünschen.

Ein Mensch mit wachem Geist sollte sich klar darüber sein, dass die Gotteswelt am geistigen Aufstieg der Menschen interessiert ist und nicht in erster Linie ihren äusseren Reichtum fördert. Sie möchte den Menschen im Umgang mit den Nächsten verständnisvoll sehen. Sie möchte bei ihm eine grössere Dankbarkeit gegenüber Gott feststellen können. Sie wird aber auch sonst andere Forderungen an den Menschen stellen als früher.

In der Zeit, als ich lebte, wurde man im Geistigen dafür ausgezeichnet, wenn man voller Hingabe für seine Familie lebte, und man konnte dadurch aufsteigen. Heute genügt das nicht mehr. Je grösser die Errungenschaften des Menschen sind, desto grösser ist seine Verantwortung und sind die Forderungen der Gotteswelt an ihn. Wenn er hinüberkommt, wird man ihm sagen: “Du musstest nie Hunger leiden, du musstest dich nie darum sorgen, wo du dich hinlegen solltest zum Schlafen. Du hattest eine angenehme Ruhestätte, du hattest ein bequemes Leben; du musstest nicht die lange Dunkelheit ertragen, du hattest Licht, auch wenn die Nacht hereinbrach. Immer hattest du Licht, früher hatte man das nicht.”

So wird bei jedem vorgesprochen. Es werden ihm die Erleichterungen im Leben, die gehabten Vorzüge aufgezählt, wovon man früher so vieles vermisste. Und man wird ihm vielleicht sagen müssen: “In deinem vorhergehenden, einfachen Leben warst du zufrieden mit zwei Gewändern und hattest mehr erreicht. Jetzt, da du ein bequemeres Leben hattest, hast du es dir und andern, die mit dir zusammenlebten, unerträglich gemacht. Du hast mit ihnen gestritten, du warst egoistisch, herrschsüchtig und geizig.”

Es geht bei manchem, der so zurückkehrt in die Geisteswelt, oft lange, bis er alles versteht, und nicht jedem kann man sagen, was er im vorhergehenden Leben gewesen ist und gehabt hat. Viele lässt man darüber in Unkenntnis und erklärt ihnen einfach, wo sie in Zukunft zu leben hätten und was von ihnen zu ordnen sei. Man muss ja nachsichtig sein mit denen, die von unten heraufkommen. Gegenüber jenen aber, die die geistige Sprache kennen, ist man nicht so nachsichtig, denn da wird mehr gefordert. Man weiss um die Dinge Bescheid, und man kann nichts verstecken noch sagen: “Ich wusste es nicht, ich glaubte es nicht.” Dementsprechend wird geurteilt.

So habe ich euch eine allgemeine Erklärung abgegeben. Ich habe aber auch darauf hingedeutet, dass es mir darum geht, wachsam zu sein; denn ehe ich ins menschliche Leben geboren werde, möchte ich in meiner Seele gestärkt sein. Und so werde ich geführt und schreite von einem Haus zum andern. Ich suche meine Freunde aus. Ihr seid auch meine Freunde, denn ich gehöre zu euch. So will ich stark werden. Denn wenn es an der Zeit sein wird und ich dem neuen Leben gegenüberstehe – was weiss ich dann noch von jenen einstigen Bemühungen, die ich mir bereitet habe, um in der Seele stark zu sein? Ich werde wie ein Fremdling unter Menschen leben. Ich werde ein Fremdling sein und muss alles selbst wieder erwerben. Aber wenn ich wachsam bleibe, wird diese Wachsamkeit in mir bleiben. Sie wird auch nicht vom irdischen Leib verdrängt werden, denn mein Verlangen wird durchdringen durch den äusseren Menschen. Ich werde so den Weg wiederfinden und dem Aufstieg entgegengehen.

Ich weiss Bescheid darüber, wie schwer ein Menschenleben zu leben ist. Es sind Versuchungen aller Art, die den Menschen bezwingen, wenn man nicht eine wachsame Seele hat. Man muss von dieser Gotteskraft durchdrungen sein. Man wird für den Eifer in dieser Wachsamkeit mit dieser Kraft belohnt. So hat man es mir versprochen. Die Errungenschaften der Menschen schreiten bis dahin vorwärts, und von Menschen, die in hundert oder noch mehr Jahren geboren werden, wird wieder mehr verlangt, noch grössere Leistungen in geistiger Hinsicht. Doch nicht alle stehen auf derselben Stufe, noch sind auch dann genügend Menschen da, die hungern und in grosser Bedrängnis leben werden. Und es wird auch genug Menschen geben, die mit einer grossen Last in dieses Leben kehren, um gutzumachen, was sie früher verschuldet haben. Doch ist es etwas Wunderbares, wie allen immer wieder Gelegenheit geboten wird zur Wiedergutmachung.

So machen die einen wieder gut, wieder andere verhalten sich gleichgültig, andere ringen um ihren Aufstieg. Und so wird es wohl noch lange dauern im selben Rhythmus. Ich für mich, ich suche die Bindung zum Menschen, um wach zu bleiben, und ich habe die Erlaubnis dafür, denn ich bin in Begleitung von göttlichen Wesen.

Nun, liebe Geschwister, verlasse ich euch, meine Wanderschaft geht weiter. So möge Gott euch segnen. Gott zum Gruss.

Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Elisabeth vom 3.2.1965 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Wie Geistwesen zu ihrer Menschwerdung angespornt werden

Lene, 18. November 1970 (Ausschnitt)

Wie Geistwesen zu ihrer Menschwerdung angespornt werden

Geister Gottes haben die Möglichkeit, ihren aufsteigenden Geschwistern eine Zukunftsschau zu geben und ihnen zu zeigen, welch schöne Welt sie erwartet, wenn sie ihre Aufgaben im Erdenleben erfüllen und sich ihr Geistfunke zu grösserer Leuchtkraft entfaltet. Ihre zukünftige Stätte und ihr Schaffen kann ihnen bildlich vor Augen geführt werden.

Lene: Liebe Geschwister, wenn ihr hierherkommt und mir zuhören möchtet, bitte ich euch immer: Versucht, dieser Welt zu entfliehen. Ich möchte doch nicht zu materialistischen und erdgebundenen Menschen reden, denn sie verstehen ja auch meine Sprache nicht. Und ich kann mich auch nicht so gut in diese materialistisch denkenden Menschen einfühlen ... Darum muss ich immer und immer wieder sagen: Legt doch all das weg – und wenn es nur für eine Stunde ist. Versucht, euch zu erheben, versucht, euer Denken nach oben zu richten. Wendet euch einmal ganz ab vom Alltäglichen, von all dem, was euch an diese Welt bindet. Denkt nicht an eure Geschäfte. Morgen ist ja wieder ein Tag, der euch von selbst wieder in Anspruch nimmt. Was kümmert es euch, was morgen geschieht. Kümmert euch vielmehr um das, was ich euch jetzt zu sagen habe. Auf diese Weise wird eure Seele einen Gewinn haben. Ich weiss, dass es nicht leicht ist. Ich kann dies wohl gut sagen, aber es ist für den einen oder anderen eben schwer, das Tägliche, das Erdgebundene loszuwerden und sich im Geiste in eine andere Welt hineinzubegeben. Einen Gewinn werdet ihr nur dann haben, wenn ihr wirklich all meinen Worten folgen könnt. Meine Sprache ist eben nicht die Sprache des hier lebenden Menschen. Ich habe nicht die Begriffe, wie ihr sie kennt. Ich spreche die Seele an, und ich rede von jener andern Welt, von der ich ja nur zu euch sprechen kann. Ihr könnt sie ja nicht sehen, und so versuche ich, zu dieser für euch unsichtbaren Welt eine Verbindung herzustellen. Ich versuche, sie euch klarzumachen.

Wenn ich nun auf die Vorbereitung des menschlichen Lebens hinweisen darf: Wie bangt da der Einzelne, wenn ihm klar wird, dass er wieder einverleibt wird. Die Bange ist bei jenen gross – das darf man wohl sagen –, die sich um ihren geistigen Aufstieg auch wirklich bemühen. Weniger grosse oder gar keine Bange haben jene, die von der Tiefe aufwärtssteigen. Denn für sie mag eine neue Einverleibung zur Erlösung werden. Sie können ja da oder dort in harter Bedrängnis leben und sind froh, diese Bedrängnis loszuwerden. So sagen sie sich: “Es kann mir schlimmer nicht gehen. Es kann mir ja nur besser gehen, wenn ich in eine Menschwerdung hineinkomme.” Denn wenn sie nach euren Zeitbegriffen schon einige Jahrzehnte in der Geisteswelt sind, haben sie auch nicht mehr das richtige Verhältnis zu dem, was sich auf dieser Welt abspielt. Man hält sie ja auch zurück und lässt sie nicht unter die Menschen gehen, sondern man will sie in der geistigen Welt unterrichten, hauptsächlich über das Höhere, das Göttliche, das Unvergängliche. Man spricht dann auch von den Aufgaben, die sie in einem neuen Erdenleben zu erfüllen haben; man spricht von der grossen Hoffnung, die man auf sie hegt, und von dem Gewinn, den ein Menschenleben bringen kann. Dies gibt dann gerade auch jenen Zuversicht, neuen Antrieb, neue Hoffnung, die auf den untersten Stufen leben. So wünschen die einen diese Einverleibung – andere wehren sich dagegen.

Ich möchte jetzt einen Schritt aufwärts tun, sagen wir, zu jenen Geistgeschwistern, die auf einer mittleren Aufstiegsstufe stehen. Da spricht man doch immer wieder von den Vorbereitungen, die für solche Geschwister getroffen werden. Man macht sie mit dem neuen Erdenleben vertraut. In erster Linie aber muss wieder eine Umwandlung vom Geistigen ins Irdische stattfinden. Man muss die Verhältnisse schaffen, damit es ihnen ermöglicht wird, die Menschwerdung anzunehmen.

So führt man sie in die Bahnen hinein, damit sie von der Kraft oder vom Od umfangen und beeinflusst werden, das auch für ihr zukünftiges Leben bestimmend ist. Man schickt ein Geistwesen nicht einfach ohne irgendwelche Vorbereitungen in ein neues Erdenleben. In der Geisteswelt ist eine wunderbare Ordnung. Die Gesetze werden auf das Genaueste eingehalten – und dies bei einem jeden. Wenn einer nun in der Mitte seiner geistigen Entwicklung steht – und spreche ich von der Mitte, meine ich die Mitte, die er erreicht hat, um danach, in der zweiten Hälfte, nicht mehr unbedingt ein Menschenleben annehmen zu müssen –, wenn er eben in dieser Mitte angelangt ist, kann man doch mit einem solchen Geist ganz anders reden als mit einem, der viel tiefer steht. Ein solcher interessiert sich in der Regel für sein menschliches Leben, das auf ihn wartet. Die einen Geschwister bangen sehr und sind ängstlich, weil sie eben Angst haben, sie könnten die Erwartungen nicht erfüllen, die man in sie setzt. Andere hingegen sind sehr optimistisch und voller Mut. Sie sind sogar der Meinung, dass sie durch ein Erdenleben sehr viel erreichen würden. Also auch hier kann man sehen, dass solche Geistgeschwister – im Gegensatz zu uns – nicht klarsehen. So besprechen wir mit ihnen die Zukunft.

Wir haben ja den Lebensplan solcher Geistgeschwister vor uns, das heisst den Plan ihrer Vergangenheit. Wir erkennen aus diesem Plan ihre Eigenschaften, ihre Tugenden, ihre Untugenden, ihren guten oder bösen Willen, ihren Optimismus oder ihren Pessimismus. Das alles sind Dinge, die wir berücksichtigen und die wie ein roter Faden durch alle menschlichen Leben hindurchgehen; aber auch im Geistigen sind sie von diesen Eigenarten gezeichnet. So können wir aufgrund des zurückgelegten Erdenlebens und der Verdienste in der geistigen Welt nun ungefähr feststellen, was man von ihnen erwarten darf.

So erklären wir es dem Einzelnen: Wenn er dieses erreicht hat, wird er im geistigen Reiche, das er schon kennengelernt hat, dahin kommen, wo ihm besondere Freude bereitet wird und er ein besonderes, glückseliges Leben haben darf. Oder er wird dahin geführt, wo ihn noch grosse Arbeit erwartet und er sich im Weiteren noch zu bewähren hat.

Wie wir ihnen das genau erklären, möchte ich euch nun darlegen. Wenn wir in solchen Vorbereitungen mit diesen Geistgeschwistern sind, lassen wir sie auch ihren Geistfunken sehen und erkennen. Sie können dann wie im Spiegelbild sehen, wie leuchtend oder vernebelt ihr Geistfunke noch ist. Dann können wir dem einen sagen: “Wenn du in deinem Leben diesen göttlichen Funken nur um ein Geringes mehr zum Leuchten bringst, wirst du dahin kommen.” Dann erklären wir ihm die Welt, in die er eintreten darf, wir stellen sie ihm bildlich vor. Und wir zeigen ihm auch, wohin er kommen kann, wenn sein Geistfunke eine grössere Leuchtkraft bekommt; wir zeigen ihm also auch hier seine zukünftige Stätte. Und wir zeigen ihm seine zukünftige Stätte, falls nun dieser Geistfunke eine ganz besonders bedeutende Leuchtkraft erreichen würde. Wir zeigen es ihm und erklären: “Dahin kommst du, wenn dein Geistfunke so stark leuchtet, und dahin kommst du, wenn er noch etwas mehr leuchtet, und dahin kommst du, wenn er die grosse Leuchtkraft erhalten hat.” Je nach seinen Verdiensten, je nach seinen Gewinnen, die er im Erdenleben erzielt hat, verändert sich ja auch der Geistfunke: Er kann also an Leuchtkraft zunehmen, oder er wird seinen Nebel behalten.

Wir zeigen es ihm – so wie es bei euch heute möglich ist, an einem Bildschirm etwas zu sehen. Wir können ihm eben ein Bild einer erhöhten Ebene zeigen, wir können ihm ein Stück aus dem Leben und Schaffen einer höheren Welt vor Augen führen. Er persönlich erlebt ja diese Welt nicht, aber er darf einen Blick, eine Zukunftsschau in diese Welt hinein machen. Wir zeigen ihm das. Das hat seinen Vorteil, denn man wird eifriger und mutiger, und so möchte man doch, dass man im Leben etwas leistet und etwas gewinnt.

Wir bereiten also einen solchen Geist für das Erdenleben vor und senden ihn nicht einfach in eine fremde Welt hinein, wo er dann zu wirken hätte. Auch wenn er sich ja ganz langsam mit dieser neuen Umgebung vertraut macht, indem er im Geiste in diese neue Welt hineinwächst und sich ganz langsam mit ihr vereint, unterrichten wir doch den Geist. Wir berichten ihm von den Schwierigkeiten, die zu erwarten sind. Wir sprechen aber auch über die Hilfsbereitschaft, die von uns zu erwarten ist.

Wir dürfen jedoch nicht verschweigen, dass auch auf eine andere Art und Weise eine Beeinflussung auf den Menschen zukommt. So müssen wir ihm sagen: Es ist eben für einen Gott fremden und der geistigen, göttlichen Welt fremden Menschen schwer, die Sprache, die gesprochen wird, und die Führung, die man ihm gibt, zu empfinden – sie überhaupt aufzunehmen. Denn die Gefühle dieser Menschen sind derart grobstofflich. Sie sind zu sehr mit ihrer Welt, in der sie leben, verbunden.

Man muss ihnen klarmachen, dass diese andere, göttliche Welt von feinstofflicher Art eine ganz andere Ausdrucksweise hat. Das Rufen aus dieser anderen Welt zum Menschen hin, der mit der irdischen Welt verbunden ist, kann er nicht vernehmen, weil sein Ohr auf das Irdische, das Grobstoffliche der Welt ausgerichtet ist – und nicht auf das Feinstoffliche, das Höhere. Wie ihr ja selbst wisst, sind dies ganz andere Schwingungen. Ich möchte sagen, dass er sich dann nicht in die höhere Welt – in diese Töne, in die höheren Schwingungen – hineinfühlen kann. Sie ist für ihn zu weit entfernt. Wenn aber ein Mensch in sich den Gottesglauben hat, wenn er seiner Seele einen gewissen Edelmut beigebracht hat oder ihn von jeher besass, dann wird von seiner Seele aus diese Feinheit herausgehen. Die Seele wird ihm eine Strasse eröffnen, die es ihm ermöglicht, den Weg zu dieser höheren Welt zu finden. Es wird für ihn ein “Sprachrohr” hergestellt. Dies ist etwas grob ausgedrückt, aber es ist für euch so verständlicher. Man will eine direkte Verbindung von dieser höheren Welt zum Menschen herstellen. Man will, man will – ja, man will.

Hört nun zu, wie ich zu euch rede, und vernehmt, was ich von euch erwarte. Betrachten wir einmal den Menschen – ihr denkt dann: “Einiges davon wissen wir schon, und können wir unser Wissen noch bereichern, sind wir froh darüber.” Das ist schön und gut, wenn man so denkt; aber für uns ist es eigentlich ungenügend, nur sein Wissen zu bereichern, an sich selbst jedoch nichts zu verbessern. Das ist eine leere Sache – davon sind wir nicht so begeistert. Darum sind wir manchmal zurückhaltend und wollen gar nicht so auf eure Neugierde eingehen.

Wenn ich jetzt zu euch spreche und sage, in der göttlichen Welt hat diese Vorbereitung stattgefunden, und ganz besonders ein Engel hat sich mit dir vertraut gemacht und dir die Freundschaft angeboten, so heisst das eben: “Ich will versuchen, nach meinen besten Kräften mit dir in Verbindung zu sein. Ich will zu dir kommen; ich hoffe aber, dass du mich hörst. Denn die Entfernung ist weit. Ob du wohl meine Worte vernimmst? – Es ist fraglich, ob dein irdisches Auge eine solche Schau in diese Weiten machen kann und ob dein Ohr so fein ist, dass du die feinsten Töne vernimmst.”

So sagt der Engel weiter: “Das Wort, das wir dir zu sagen haben, mag auch sehr schwer sein. Gut, du stehst jetzt in der Mitte, und ich hebe dich jetzt besonders etwas höher hinauf. Ich habe gesagt, du stehst in der Mitte, und nun möchten wir dich als Botschafter Gottes zu deinen Mitgeschwistern in diese irdische Welt senden. Als Botschafter Gottes sollst du wirken.”

Ja, als Botschafter Gottes – das heisst nicht etwa, dass man einfach den Mitmenschen den Gottesglauben weiterverkündet und ihn auf Gott aufmerksam macht. Sondern ein Botschafter hat den Willen, das Verlangen und meinetwegen auch die Wünsche seiner Regierung, von der er kommt, auf diplomatische Art darzulegen. Er möchte ja etwas von den Mitmenschen, zu denen er gehen muss. So will er sich mit ihnen in Verbindung setzen, und er versucht, die Wünsche seiner Regierung darzulegen. Genauso verhält es sich auch mit dem göttlichen Botschafter. Wenn wir zu einem sagen: “Du sollst nun ein göttlicher Botschafter werden”, dann heisst das nämlich auch, dass man diesen Botschafter vorher gut unterrichtet und schult, damit er weiss, was er seinem Posten als Botschafter Gottes schuldig ist.

Botschafter Gottes sein heisst also: wirken im Namen der Herrschaft, von der man kommt und von der man den Auftrag bekommen hat. Man geht dahin und nimmt seine Tätigkeit als solcher auf. Botschafter Gottes sein heisst nicht einfach, ein fanatischer, stürmischer Mensch zu sein, der unbedingt etwas erringen möchte und versucht, sozusagen mit Gewalt den Menschen etwas aufzuzwingen, zu erzählen, damit sie dann das glauben sollen, was er da bringt und sagt. Nein, ein Botschafter Gottes soll als Mensch eine solche Person sein, der man auch den notwendigen Respekt entgegenbringt.

Dem Botschafter Gottes sieht der Mitmensch ja nicht an, dass er als solcher ausgesandt worden ist. Er muss nicht besonders vornehm gekleidet und ausgezeichnet sein mit Bändern und Medaillen und dergleichen, sodass jeder weiss, wer er ist. Im Gegenteil: Botschafter Gottes sind diskrete Menschen. Man sieht ihnen gar nicht an, wer sie sind, woher sie kommen und was für ein Amt sie haben. Aber ansehen sollte man ihnen, dass sie eine gewisse Würde haben, eine geistige Erhabenheit, eine geistige Abgeklärtheit und in jeder Beziehung ein vornehmes Wesen. Das sind Gesandte Gottes. Es können ganz einfache Menschen sein. Sie brauchen nach irdischen Verhältnissen gar nicht in einer gehobenen Stellung zu sein. Damit man ihnen glaubt, brauchen sie keinen besonderen Titel, oder sie müssen nicht aus besonders reichem Hause kommen. Oh nein, liebe Freunde, es muss dafür kein besonderes irdisches Ansehen vorhanden sein.

Es gibt göttliche Botschafter, die so bescheiden sind und als einfache Menschen leben; man erkennt sie nicht und geht an ihnen vorüber. Denn diese göttlichen Botschafter passen sich äusserlich dem menschlichen Verlangen nicht an – der Mensch hat doch seine ganz besonderen Vorstellungen. Ein göttlicher Botschafter kann wahrhaftig ein ganz einfacher Mensch sein, der in sich so viele hohe Werte hat. Und er kann diese hohen Werte nicht einfach preisgeben, weil er für sich abgeschlossen lebt und viel zu wenig mit den Menschen in Berührung kommt. Er lebt in einer solch grossen Bescheidenheit, dass er nicht besonders auffällt. Man sagt dann wohl: “Dieser oder jener ist ein guter, bescheidener Mensch”, und damit ist es erledigt. Dass man aber an diesem Botschafter Gottes etwas erkennen könnte – eben gerade wegen seiner Bescheidenheit, wegen seiner Einfachheit – daran denkt man nicht.

Die göttliche Welt ist eben eine Welt, die nicht so laut ist wie die eure. Und es möchten ja nicht nur Menschen für das Reich Gottes werben, indem sie zeigen, wie bescheiden man durchs Leben kommt. Es ist da die Gotteswelt selbst, die mit jenen, die in der Mitte stehen, diese Vorbereitungen aushandelt.

Sei aufmerksam. Richte dein Ohr auf das Höhere, auf unsere Welt. Richte dein menschliches Auge auch auf höhere Dinge. Nimm den Schleier weg, der über deinem irdischen Auge ist. Gib deinem irdischen Auge die geistige Klarheit, um geistig klarzusehen. Sorge dafür, dass dein Ohr geläutert wird, dass es nur das Feine hört und nur das weitergibt, was für die Gotteswelt, für das Reich Gottes, von Bedeutung ist. Sei vorsichtig, was du sagst. Sprich nicht für die Welt. Die Welt ist nichts – sie ist vergänglich, sie ist böse. Sprich so, dass dein Wort gehört wird in die Ewigkeit hinüber. Versuche, dich auf das ewige Leben auszurichten. Fördere nicht deinen Ehrgeiz, deine Herrschsucht, deinen Geltungsdrang. Lebe vielmehr nach jener Welt, die so weit entfernt ist und von der man verhältnismässig wenig hört. Richte dich aus nach jener fernen Welt. Versuche, die Hände dorthin auszubreiten. Du sollst nicht den Glanz der Vergänglichkeit bis zum Letzten kosten. Lass doch dein Auge sich klären, lauter werden. Richte dich nach innen – inwendig kannst du auch sehen. Wohl ist es beschwerlicher. Nach aussen zu sehen, nach aussen zu leben, ist hingegen eine geringe Sache, ohne Mühe. Aber sich nach innen zu richten, ist schwer, denn der Weg ist viel länger. Sich nach innen auszurichten, geht viel länger. Der Weg dorthin ist lang, der Abstand gross. Und man hört nicht so sehr, was inwendig gesprochen wird.

Wir sprechen zum inwendigen Menschen, nicht zum äusseren Menschen – nein, das haben wir nicht nötig. Zum äusseren Menschen haben wir dies nicht nötig; denn zu viel Musik und zu viel Lärm ist äusserlich um den Menschen, als dass man unsere Worte noch hören könnte. Wir müssen ihn innerlich erfassen können und versuchen, seine Augen nach innen zu richten und sein Ohr nach innen zu wenden. Denn in ihm ist ja eine Wohnung. Seine Seele soll eine Wohnung Gottes sein, so wie es heisst: “Christus will mit dem Vater im Menschen wohnen. Er will Wohnung nehmen.” Und: “Inwendig im Menschen ist das Reich Gottes.” (Joh. 14, 23; Luk. 17, 21.) Inwendig ist es also – und nicht um euch herum.

Dieses Reich Gottes inwendig zu erleben, ist nicht so einfach. Man muss ja zuerst entdecken können, dass das Reich Gottes inwendig ist, um sich nach innen auszurichten und so zu leben. Denn von innen heraus kommen die Feinheiten, kommt das stille Wort; von innen heraus kommen der klare Blick, das gute, gerechte Wort. Von innen nach aussen. Das sind zwei grosse, verschiedene Dinge. Man sollte das Reich Gottes in sich tragen, in sich haben – es auskosten und ausleben. Kann man es, dann wird sich das ereignen, was der Engel bei der Vorbereitung gesagt hat: “Erreichst du das Höchste, was wir hoffen, von dir zu erwarten, wird dein Funke in dieser Leuchtkraft sein. Dann wird dies deine zukünftige Stätte sein.”

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.11.1970 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1952, 1954 und 1955

Fragen und Erläuterungen

Lieber Josef, deinen Belehrungen zufolge scheint es mir, dass Geistwesen, die in ihrem Aufstieg schon eine gewisse Stufe errungen haben, sehr häufig den Wunsch aussprechen, in ihrem bevorstehenden neuen Erdenleben etwas Besonderes zu erfüllen.

Josef: Ja, je nach ihrem Fortschritt und nach der Welt, in der sie gelebt haben, ist es so. Aber es gibt auch Wesen, die man zur Wiedereinverleibung zwingen muss. Das sind solche, die in der geistigen Welt nicht vorwärtskommen, die sich nicht in die Ordnung Gottes einreihen lassen wollen, die widerspenstig sind. Diese werden dann mit sanfter Gewalt zur Einverleibung geführt, und sie haben dann als Mensch besondere Schicksale auszutragen. Aber auch sie werden begleitet von einer besonderen geistigen Kraft. Und so vieles ist doch von ihnen selbst abhängig und entwickelt sich aus ihrem freien Willen.

Wenn ein Geistwesen in die höheren Ebenen gelangt ist, so sieht es, wo überall Not herrscht, und es erkennt die Notwendigkeit zur Erfüllung des Heilsplanes Gottes. Es fühlt sich dann auch stark genug, um eine wirkliche Aufgabe im Heilsplan auf sich zu nehmen, zum Heil der Menschen. So wird vielen Geistern in den höheren Ebenen erlaubt, mit besonderen Sendungen und Aufgaben wiederzukehren ins Erdenleben. Dies wird aber jenen verwehrt, die in den unteren Stufen verweilen und noch nicht durchdrungen sind vom Gehorsam, von der Glückseligkeit und bei denen die Möglichkeit zum vornherein fehlt, dass sie solche Sendungen erfüllen können.

So wird bei jedem Einzelnen immer alles beurteilt. Ihr, liebe Freunde, habt von alldem so gar keinen Begriff, keine Vorstellung. Immer wieder muss ich euch diese Ordnung Gottes vor Augen führen, diese wunderbare, herrliche Ordnung in der geistigen Welt. Diese Ordnung kann aber nur darum bestehen, weil die fortgeschritteneren Wesen über die andern wachen. Sie alle sind doch eingereiht in ihre verschiedenen Sphären, Pläne und Welten, je nach ihrer geistigen Entwicklung. Und in diesen Plänen sind wieder so viele Stufen, worüber Legionen gottergebener Engel wachen und ordnen. (1954)

Lieber Josef, wie lange dauert im Allgemeinen der Aufenthalt einer Seele in der geistigen Welt vom Tode bis zu ihrer Wiedergeburt?

Josef: Der Aufenthalt einer Seele in der geistigen Welt ist auch in der Zeit verschieden. Es kann hundert bis fünfhundert, es kann tausend Jahre gehen bis zu ihrer Wiedergeburt. Es gibt hier keine Bedingungen, dass man sagen kann, dass es soundso lange geht. Dies geschieht alles nach den Gesetzen Gottes, wie er es befohlen hat, dass diese Seelen wieder inkarniert werden.

Wenn zum Beispiel eine Seele in der geistigen Welt in ihrer Entwicklung nicht vorwärtskommt, keine Möglichkeit hat, sich Gott zu nähern, kann die Gnade Gottes dahin gehen, dass er sie schon nach zwanzig Jahren wieder auf diese Erde befiehlt. In der Regel aber werden heute die meisten Seelen nach drei- bis fünfhundert Jahren wiedergeboren. Aber ich betone, dass es nicht eine allgemeine Regel ist, dass alle Seelen soundso lange in der Jenseitswelt zu verweilen haben. Dies geschieht auch je nach ihrer geistigen Entwicklung. (1952)

[In einer Fragebeantwortung im Jahre 1966 gab Geistlehrer Josef zu dieser Zeitangabe folgende Ergänzung:] Heute wird die Entwicklung gefördert. Man ist daran interessiert, dass die Entwicklung schneller vor sich geht. Besonders wenn Kriege über diese Erde tobten, gibt es eine raschere, eine schnellere Wiedergeburt.

Gibt es eine vorgeburtliche Beeinflussung des Kindes durch die Mutter?

Josef: Ihr wisst, liebe Freunde, dass Gleiches vom Gleichen angezogen wird. Zum grossen Teil sind beim Menschen die Schicksalsstationen gezeichnet, sein Schicksal kann aber während seines Lebens verändert werden. Es kann eine Veränderung stattfinden zu seinem Heil, dass er das vorgezeichnete Schicksal nicht in aller Schwere auszukosten hat, wenn er Gott die Treue bewiesen hat und ein gerechtes Leben führt.

Dasselbe trifft auch zu auf eine werdende Mutter, die weiss, was für Aufgaben ihrer warten, die ihre Gesundheit schont wie das zu erwartende Leben. Das ist ihre Pflicht. Denn durch eine vernünftige Lebensweise kann das Leben verlängert werden. Wer unvernünftig lebt, sagen wir infolge übermässigen Genusses von Alkohol, Nikotin und so weiter, der schädigt seinen materiellen Körper und seinen Geistkörper. Der Mensch hat so viele Möglichkeiten, seinen Körper gesund zu erhalten, ihn aber auch zu schädigen.

Somit hat dies auch einen Einfluss auf das zu erwartende Leben, insoweit als die werdende Mutter alles fördert, was für ihren Körper gut ist. Damit ist schon etwas erreicht. Wer einfach draufloslebt, ungeachtet all dieser Dinge seinem Körper keine Sorgfalt angedeihen lässt, der schadet sich wie dem zu erwartenden Leben. Also setzt eine werdende Mutter nicht nur sich selbst, sondern auch das Körperchen des Kindes entweder den Strömen aus, die Krankheiten mit sich bringen, oder jenen göttlichen Kräften, welche auch das Körperchen des Kindes begünstigen.

Nun kommt aber das andere, das Geistig-Seelische, das man beeinflussen kann. Wenn eine werdende Mutter in dieser Zeit sich besonders im Guten bemüht und ein wahrhaft christliches Leben führt, also auch überwindet und um besonderen geistigen Schutz für sich und ihr Kind bittet, so kann dasselbe dann in jene Bahnen hineingelenkt werden, wo es mehr an Gnade und Gaben erhält als ein Mensch, der leichtfertig dahinlebt, bei dem sich das vorgezeichnete Schicksal zu vollziehen hat.

Also hierin kann eine Mutter schon manches bewirken, sie hat die Möglichkeit, mehr zu empfangen. Wenn sie nicht nach diesen Möglichkeiten fragt, wenn sie nur draufloslebt, dann wird sich das vorgezeichnete Schicksal vielleicht in der Form erfüllen, dass die Mutter es ein ganzes Leben lang mit der Erziehung und Pflege des Kindes schwer hat.

Wenn die Geisterwelt Gottes in dieser Beziehung einschreiten darf und dieses Schicksal mildern kann, so tut sie es eben darum, weil der Mensch sich bemüht und darum gebetet hat, oder er selbst vollbringt eine grosse Tat, die ihm solche Belohnung bringt.

So könnte man in diesem Sinne schon von einer Beeinflussung sprechen. Der Mensch hat die Möglichkeit, sich dahin zu wenden, wo der göttliche Segen herkommt, und den Willen Gottes zu tun, sodass sein Schicksal gemildert werden kann. Er kann aber auch nichts danach fragen, dann wird das Schicksal sich erfüllen, so wie es für ihn gezeichnet ist. Eine gute Mutter zieht gute Kräfte an sich. Eine leichtlebige Frau zieht dementsprechende Kräfte zu sich und hat dann das Schicksal auszukosten, das ihr von Anfang an beschieden war. (1955)

Heft 1/2016
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm