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Themen
Die geistige Bedeutung des Osterfestes – Das Letzte Gericht; der Beginn einer neuen Zeit und einer neuen Ordnung für den Aufstieg aller Geschöpfe – Durch sein Gesetz ist Christus bis zum Ende der Welt mit der Menschheit verbunden
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 2/2011 zum Thema Das Letzte Gericht und das neue Gesetz
Geistige Welt 2/2011
Das Letzte Gericht und das neue Gesetz
Beschreibung

Unter dem Begriff Letztes Gericht versteht man in der Christenheit im Allgemeinen ein Ereignis in der fernen Zukunft. Tatsächlich aber hat das Letzte Gericht schon längst stattgefunden – nämlich damals, als Christus nach seinem Kreuzestod in die Hölle hinabstieg, in den Herrschaftsbereich seines Widersachers Luzifer eindrang und hier von Geist zu Geist Abrechnung hielt. In den Vorträgen dieses Themenheftes wird dargelegt, wie Christus dem besiegten Luzifer die neuen Bedingungen, eine neue Gesetzgebung auferlegte und was diese für die gefallenen Geschöpfe bedeutet.

Bis dahin hatte Luzifer fast uneingeschränkte Herrschaft ausgeübt über die Seinen. Nach dem neuen Gesetz muss Luzifer jedes Wesen, das die Heimkehr ins Vaterhaus antreten möchte, ziehen lassen. In der neuen Gesetzgebung ist der Aufstieg aller gefallenen Geschöpfe auf das Genaueste gezeichnet. Diese Ordnung ist unabänderlich – sie bewahrt ihre Gültigkeit bis zum Ende der Welt, das heisst, bis sich diese irdische Welt vergeistigt hat und der letzte von Gott Getrennte den Weg ins Himmelreich zurück gefunden hat.

Themenheft 2/2011: Das Letzte Gericht und das neue Gesetz

Inhalt
Die geistige Bedeutung des Osterfestes

Josef, 23. März 1978

Die geistige Bedeutung des Osterfestes

Nach Christi Sieg über die Hölle trat die neue Gesetzgebung in Kraft und ebnete den Weg zum weiteren geistigen Aufstieg. Dazu wurden in der göttlichen Welt neue Ebenen für die aufsteigenden Geister geschaffen.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, morgen ist Karfreitag, der Tag des Leidens und Sterbens des Herrn. Zu seinem Gedenken ruht die Arbeit des Christenmenschen. Könnte er doch auch die Zeit aufwenden, um sich etwas zu verinnerlichen – vielleicht nur eine halbe Stunde oder noch weniger –, so würde er doch versuchen, sich zu vergegenwärtigen, was einst geschah, und über den Sinn der Menschwerdung Christi nachdenken. Er würde dann die Antwort bekommen oder zu höherer Erkenntnis gelangen, und so könnte er auch den Sinn und den Zweck seines eigenen Lebens erkennen.

Es ist notwendig, zu wissen, welchen Sinn die Menschwerdung Christi hatte. Darüber sollte jeder Mensch oder jeder Christ nachdenken. Er käme auch in ein engeres Verhältnis mit Christus und der göttlichen Welt und würde Antwort erhalten – auch Antwort auf die Probleme seines Lebens. Es wäre gut, wenn dem Christen, der sich doch diesen Namen zugelegt hat, bewusst würde, dass er eine Verantwortung hat.

Für den Christenmenschen gilt der morgige Tag als ein Feiertag; dennoch machen sich die Menschen wenig Gedanken über jene vergangene Zeit. Dabei wäre es so notwendig, dass sie über den Sinn der Menschwerdung Christi nachdenken würden. Vieles könnte ihnen geoffenbart werden, wenn sie zu der Erkenntnis gelangen würden, welchen Sinn, welchen Auftrag Christus durch sein Dasein erfüllt hat.

Ehe Christus ins Dasein kam, gab es eine lange Zeit, wo es überhaupt keine Gesetze gab. Und wenn kein Gesetz da ist, kann es auch keine Strafe geben. Man kann niemanden zur Rechenschaft ziehen, wenn kein Gesetz da ist. So wurden der Menschheit Gesetze gegeben. Einem Propheten [Mose] wurden diese Gesetze übergeben, und so fanden sie Aufnahme unter den Menschen. Aber in erster Linie sind diese Gesetze auch dem Menschen gegeben worden, der von dieser Welt abtritt, damit man ihn zur Rechenschaft ziehen kann. Die Gesetze waren von Gott gegeben, und wenn einer diese Gesetze verletzte, dann wurde er bestraft: einerseits nach den menschlichen Gesetzen von dazumal, die von den Menschen aufgenommen wurden, und andererseits nach seinem irdischen Tode. Jetzt waren Gesetze vorhanden, und nach diesen Gesetzen wurde gerichtet.

Es wurde euch schon erklärt, dass die Hölle ihre Besserungsstufen hat. Zu jener Zeit, als diese geistigen Gesetze noch nicht vorhanden waren, kamen die Verstorbenen zurück in ihren Bereich hinein, in die Herrschaft Luzifers, unter der sie standen. Doch hatten diese luziferischen Bereiche Aufstiegsstufen – Aufstiegsmöglichkeiten waren also gegeben. Da aber noch kein Gesetz vorhanden war, konnte niemand verurteilt werden. Wohl hatten jene die Möglichkeit, ihre Gesinnung als geistiges Wesen zum Ausdruck zu bringen, und es war auch so, dass solche, die sich einst [beim Abfall] nicht so arg verschuldet hatten, nicht in die tiefsten Tiefen hinuntersteigen mussten. Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben, einen Platz zu finden in den Aufstiegsstufen, die der Hölle zugegliedert waren, aber von Engeln Gottes überwacht wurden.

Als noch kein Gesetz vorhanden war, konnte ein Mensch unter den Menschen Böses tun und konnte dafür nicht bestraft werden. Er nahm einfach wieder dort seinen Platz ein, von wo er ausgegangen war. Als aber das Gesetz gegeben wurde, galt es nicht nur für die Menschen, die auf der Welt lebten, sondern auch für jene, die verstorben waren – diese Geister standen auch unter dem Gesetz. Und jene, die als Mensch unter den Menschen Böses getan hatten, wurden von den Engeln Gottes bestraft – sie nahmen nicht mehr den bequemeren Platz ein. Wohl waren diese Verstorbenen in die Aufstiegsstufen [der Hölle] eingegliedert, aber nun wurde ihnen Strafe zuteil. Der eine oder andere, der von seinem Dasein zurückkam, war gezeichnet für die Strafe, und er trat sie gleich an, so wie die Engel es für ihn als gut befanden, ihn da- oder dorthin zu verbannen. Dank der Möglichkeit, die sie nun in diesen höllischen Bereichen hatten, griffen die Engel Gottes ein.

Nun, danach, als Christus ins Dasein getreten war, kam er eben mit einem Auftrag. Denn er wollte doch alle Geister, die ihm einst gehörten, wieder zu sich ziehen. Sie sollten wieder unter seine Herrschaft kommen. Christus wollte Luzifers Herrschaft schmälern und Sieger über ihn werden. In der Himmelswelt wurde von Anfang an alles genau überlegt: Neue, genauere Gesetze wurden vorbereitet für jene Zeit, in welcher der Erlöser in die Menschwerdung treten und diese neue Gesetzgebung ihre Rechtskraft finden würde.

Diese neue Gesetzgebung war aber ganz anders: exakter aufgebaut und ausgerichtet auf die aufsteigenden Geister, auf den Schöpfungsplan. Die Gesetze mussten exakter sein, genauer ausgearbeitet werden, während jene erste Gesetzgebung doch nur einfache Gebote Gottes waren, die für die Menschen ihre Bestimmung hatten, damit sie auch im geistigen Reich dafür belangt werden konnten, so sie jene Gesetze verletzten.

Dass [dank der Erlösungstat Christi] eine ganz andere Gesetzgebung notwendig wurde, muss doch jedem Menschen verständlich werden, wenn er sich überlegt, welche Aufgaben erfüllt werden müssen. Viele Möglichkeiten mussten geschaffen werden, um diesen geistigen Wesen Gelegenheit für einen Aufstieg zu geben. Dies war so notwendig – sind doch die Geistwesen so verschieden verschuldet. So musste jenem, der sich besonders verschuldet hatte, ein weiterer Weg vorbereitet werden als jenem, der nicht so fest verschuldet war. Es mussten also in Bezug auf ihren Aufstieg verschiedene Möglichkeiten geschaffen werden.

Das Gesetz musste genau durchdacht werden; Gott und Christus hatten es auf das Genaueste festgezeichnet. Als die Zeit dafür reif geworden war, war es bereit zur Anwendung, und der Erlöser konnte in die Menschwerdung treten. Dann sollte diese neue Gesetzgebung zur Anwendung kommen, dann würde sie vorgelegt. Und wenn ihr euch über diese Erkenntnisse, die ihr im Laufe der Jahre bekommen habt, eure Gedanken macht, so müsst ihr doch das Wunderbare sehen, das Gott in seiner Liebe und Güte für seine Geschöpfe vorbereiten liess – dass er wahrhaftig seinen eingeborenen Sohn nicht schonte und ihm den Auftrag gab, in die Menschwerdung zu treten.

Die Gesetze, die dazumal [im Volk Israel] herrschten, boten eben die Möglichkeit, Christus wegen Gotteslästerung zu verurteilen. Als er ins menschliche Dasein trat, hatte Luzifer Kenntnis davon: Er wusste, dass man ihm seine Rechte schmälern wollte. Die Engel Gottes hatten aber Gewalt über Luzifer; er konnte nicht schalten und walten, wie er wollte. Denn bei Gott liegt doch das Wort – er hatte seine Engel in die Hölle gesandt, und diese Engel waren für jene Bewohner unsichtbar. Luzifer konnte nicht tun, wie er wollte, denn er wusste, dass er unter Gottes Herrschaft steht – dass er aber verbannt ist. Trotzdem waren ihm noch genügend Möglichkeiten gegeben, überall Unheil zu stiften. Er hatte die Möglichkeit, unter seinesgleichen zu werben, und er tat dies. Er traf auch seine Vorbereitungen ... Mit seinen Helfershelfern, die er hat, besprach er, was zu tun wäre, wenn dieser Jesus gegen ihn auftreten würde. Luzifer machte ihnen seine Versprechungen, übte aber auch Gewalt aus.

Nun, Christus wurde verurteilt und kam ans Kreuz. Er sprach die Worte aus: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Diese Worte werden heute verschieden ausgelegt. Christus hatte ja mit seinem Dasein Licht in die Welt gebracht. Er sprach: “Ich bin das Licht der Welt.” Es wird auch darüber geredet, dass eben Christus das Licht der Welt gebracht habe, dass er aber auch eine Zeit der Dunkelheit ertragen musste. Christus sprach ja diese Worte: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Wenn man darüber nachdenkt, muss man sich doch fragen: Ist es wirklich so? Konnte Gott seinen geliebten Sohn in der Zeit von dessen grösster Not und grösstem Leid verlassen? Christus betonte doch immer seine Liebe, seine Zugehörigkeit zum Vater – er sagte: “Der Vater und ich sind eins: Was mein Vater will, will auch ich; was dem Vater gehört, hat er auch dem Sohn gegeben.” Und nun spricht Christus die Worte: “Warum hast du mich verlassen?”

Gibt denn dies dem Menschen nicht die Möglichkeit, darüber nachzudenken? Welchen Sinn haben diese Worte gehabt? Wahrhaftig war es doch so, und Christus konnte ja diese Worte auch nur aussprechen, da er vorher die Herrlichkeit Gottes geschaut hatte und den Beistand Gottes erlebte, indem die Engel ihm dienten, in seiner Nähe waren, ihn trösteten und ihm Kraft gaben, sein Leid durchzustehen. Welchen Sinn hatte es wohl, dass Christus diese Engel nun nicht mehr sah? Er sah sie wahrhaftig nicht mehr und erlebte das Alleinsein eine Weile, die wohl lange genug war. Und als Christus [in der Hölle] vor Luzifer zum Kampfe bereitstand, konnte dieser Christus Luzifer vorhalten: “Ich habe meine Treue zu Gott bewiesen, als ich allein war – verlassen von den Engeln. Keinen Moment habe ich an meiner Sendung gezweifelt, auch unter den grössten Schmerzen nicht. Als niemand bei mir war, als ich ganz allein da war, bin ich treu geblieben; ich habe nie gezweifelt, dass ich der Sohn Gottes bin.” Dieses Erlebnis, das er hatte, brachte er Luzifer vor.

Christus selbst wusste ja Tage zuvor um seinen Tod. Er wusste, dass er diesen Kreuzestod zu ertragen hatte – er wusste aber auch, dass die Engel in seiner Nähe waren. Es wurde ihm jedoch nicht gesagt, dass er für eine Weile allein gelassen würde. Aber gerade Christus hatte zu seinen Jüngern gesagt: “Ihr seht mich noch eine Weile, dann seht ihr mich eine Weile nicht mehr; und wiederum nach einer Weile werdet ihr mich wieder sehen. Danach aber gehe ich zum Vater.” Er sagte ihnen weiter: “Und dann werdet ihr in Trauer sein.” Die Jünger waren in Trauer, weil sie ihn nicht mehr sahen, weil er nicht mehr unter ihnen war.

Christus selbst ertrug diese Zeit des Alleinseins. So konnte er sagen: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Es waren aber nicht Worte des Vorwurfs oder der Klage. Er wollte sagen: “Wo sind sie, die Meinen?” – denn er stand unter grossen Schmerzen, unter grossem Leid. Und nachdem er es durchgestanden hatte, durfte er es erleben, wie die Scharen des Himmels sich ihm wieder näherten. Er erlebte es wieder, wie sie ihm dienten, indem sie seine Stirn, seinen Leib salbten; sie waren wieder bei ihm. Immer mehr kamen, immer grösser wurden die Scharen, und zwar waren sie diesmal anders gewandet als sonst: Sie waren bereit zum Kampf. Und Christus durfte erleben, wie man ihm für seinen geistigen Leib sein geistig Gewand brachte; Engel Gottes gewandeten ihn ein für den Kampf. Sie waren es, diese Legionen, die mit ihm in den Kampf zogen. Nun konnte er die Worte aussprechen: “Es ist vollbracht” – oder nach dem heutigen Sprachgebrauch: “Meinen Auftrag habe ich erfüllt.”

So zogen diese Scharen von Engeln Gottes mit Christus als dem Sieger voran, hinein in die Hölle. Dort begann der Kampf. Wie es geschah, ist euch schon erklärt worden. Aber was der Christenheit an Wissen im Besonderen fehlt, was sie nicht begreifen und verstehen kann, ist die neue Gesetzgebung, welche ebenso bedeutend ist. Luzifer konnte doch nur auf diese Weise besiegt werden, indem ihm dieses neue Gesetz und die neuen Bedingungen auferlegt wurden. Diese Bedingungen musste er annehmen. Wäre er nicht bereit gewesen, sie anzunehmen, wäre es wohl anders herausgekommen. Aber dieser Luzifer wollte seine Herrschaft behalten; nun musste er einsehen, dass er von diesen Engeln, die mit Christus kamen, mit ihren flammenden Schwertern besiegt wurde.

Was der Christenmensch auch nicht weiss oder worüber er sich keine Gedanken macht, ist, dass Christus selbst gekämpft hatte. Persönlich kämpfte er gegen seinen einstigen Bruder, und beide hatten Spuren an ihren geistigen Gewändern. Es gab wahrhaftig einen Kampf, und Luzifer musste die Bedingungen annehmen – eben folgende: Die Guten sollten emporgehen, auferstehen, so wie Christus es vorher seinen Jüngern gesagt hatte, und jene, die das Böse getan hatten, sollten dem neuen Gericht zugeführt werden. Nun war jenen Bereitwilligen die Möglichkeit gegeben, zu entfliehen: heraus aus dieser Hölle, aus der Herrschaft des Bösen. Und jene, die sich so belastet, da sie in ihrem menschlichen Dasein das Böse getan hatten, mussten ja wieder zurückkehren. Sie wurden aber nun nach dem neuen Gesetz bestraft.

Nun war der Weg frei für alle, die willens waren herauszutreten, und durch das neue Gesetz wurden sie erfasst: Sie wurden je nach ihren Verfehlungen in die entsprechende Aufstiegsstufe eingereiht – dort, wo sie hingehörten. Ihr habt Kenntnis davon, auf welche Art und Weise der geistige Aufstieg vor sich geht und dass es bei den einen rasch vor sich gehen kann, indem sie von einem Leben ins andere hinübertreten – dass es sein kann, dass sie in der Natur nur ein Leben von einigen Tagen zu verbringen haben. Denn in diesen Gesetzen wurde alles festgeschrieben, wie es für die Zukunft sein sollte. Auf das Genaueste sollte für ein jedes Geistwesen der Weg festgezeichnet sein. Das heisst: So viele Möglichkeiten für die Läuterung und für den Aufstieg sind in dieser Gesetzgebung festgehalten worden. Auf das Wunderbarste ist alles gegeben. Ging es doch nach dem Kampfe darum, in der Zeit, als Christus von der Hölle aufgestiegen war, diejenigen Scharen mitzunehmen, die guten Willens waren, um sie in eine andere Geistesebene hineinzuführen. Dort waren sie nun nicht mehr der Herrschaft Luzifers unterstellt. In dieser anderen Welt, die unter der Herrschaft Christi steht, gibt es so viele neu geschaffene Aufstiegsstufen – viele Ebenen oder Sphären. Nun sind die Möglichkeiten gegeben für den weiteren geistigen Aufstieg. Diese Vorbereitungen mussten getroffen werden.

So haben die Getreuen des Himmels ihre Tätigkeit ausgeübt. Sie waren auch schöpferisch tätig, denn es sollten neue Möglichkeiten gegeben werden. Dafür wurden für die Aufsteigenden neue Ebenen geschaffen. Die Menschheit ahnt nichts, was alles in der Geisteswelt, in dieser unsichtbaren Welt, getan wurde; Veränderungen mussten vorgenommen werden – neue Möglichkeiten wurden für den Aufstieg geschaffen. Alles musste so vielfältig geordnet und eingegliedert werden.

Die Getreuen des Himmels hatten wahrhaftig Arbeit genug mit jenen, die vom Herrscherreich Luzifers ins Reich Christi hinübertraten. Sie waren doch geistige Wesen, und von Fall zu Fall bedurfte es für ihren Aufstieg einer Umwandlung. Noch nicht bei allen hatte diese Umwandlung stattgefunden. Dies alles wurde im Gesetz festgehalten. Doch ehe jene geistigen Wesen in die Umwandlung kamen, mussten sie von der Geisterwelt Gottes belehrt werden. Sie sollten über den Heils- und Schöpfungsplan unterrichtet werden; und über den Auftrag, den Christus erfüllte, mussten sie auch im Einzelnen unterrichtet werden.

Der Beistand, der diesen Geistwesen gegeben wurde, diente ja auch dazu, ihre Gesinnung zu verbessern; waren doch so unendlich viele bereit, aus den höllischen Ebenen zu entfliehen – waren sie doch dort in einer Stätte der Bedrängnis. Auch wenn ihre neuen Orte, diese Aufstiegsstufen [im Himmel], nicht diese Bedrängnisse beinhalteten wie die tiefsten Tiefen der Hölle, war es doch kein angenehmes Leben. So mussten diese geistigen Wesen auch das harmonischere Zusammenleben üben. Sie lebten ja zusammen, aber in Frieden zusammenleben ist nicht leicht. Denn jene Geister kamen aus der Bedrängnis, und von ihrer inneren Harmonie war so viel entflohen. Sie lebten wohl in der Hoffnung auf bessere Zeiten, aber über das geistige Licht der Seele war so viel Dunkelheit gekommen; vom Licht der Seele war so wenig zu sehen. Je dunkler die Seele, umso belasteter war das Wesen und entsprechend sein Handeln, denn das, was seine Seele preisgab, gab es auch als geistiges Wesen in seinem Tun preis.

Dieses Verhalten blieb ja auch, als sie in die Menschwerdung hineingeführt worden waren. Das Licht der Seele hatte sich noch nicht viel geklärt. Als Mensch konnten sie jetzt beweisen, ob sie bereit waren, etwas von ihrem göttlichen Licht durchstrahlen zu lassen. Und bei einem jeden kam zum Ausdruck, was ihm eigen war, wie belastet er war. Der eine, der weniger belastet war, konnte mehr Wohlwollen zeigen und war bereit, dem andern beizustehen, ihm ein gutes Wort zu geben und zu helfen. Dort konnte das Licht herausdringen, herausbrechen. Wer sich aber mit den Gefühlen von Hass und Neid umgab und mit dem Nächsten in der Sprache von Missgunst und Neid redete, aus dem konnte kein Licht hervordringen. So zeichnete sich jedes Wesen selbst durch sein persönliches Wirken.

Die Gotteswelt hatte zu jener Zeit so viel zu tun, als die unendlichen Scharen ins Reich, in die Herrschaft Christi hinübergenommen wurden. So mussten die Engel Gottes diese geistigen Wesen aufklären. Und das, was ihnen gesagt worden war und gesagt werden durfte, war wenig. Aber es war genug, um zu verstehen, dass es eine bessere Gesinnung braucht und dass man nur mit einer besseren Gesinnung aus diesen Beschwerden und Bedrängnissen herauskommen kann, indem man bereit ist, sich der neuen Ordnung anzupassen. So ist ihnen dies offenbar geworden, dass eine neue Zeit begonnen hat. Durch die Erlösung, die Christus vollbrachte, hat sich ein neuer Himmel aufgetan. Eine neue Zeit hat in der Himmelswelt ihren Anfang genommen, indem eben für die aufsteigenden Geister diese Möglichkeiten geschaffen wurden.

Auch für die Menschen auf Erden brach eine neue Zeit an, von jenem Zeitpunkt der Erlösung an nahm eine neue Zeit ihren Anfang. Man fing an, die Jahre nach Christus zu zählen. Für die Welt, für die Menschen war es eine neue Zeit; es gab nun Hoffnung für alle, die in ihrem menschlichen Dasein sind. All dieses Wissen gibt dem Menschen Antwort für sein Dasein und warum er in die Menschwerdung treten musste. Es gibt Antwort, warum der Einzelne Probleme hat, davon nicht verschont wird und weshalb er belastet in ein Dasein kommt. Auch gibt es Antwort, warum einer mit einem Karma ins Dasein kommt. Eine neue Zeit hat also ihren Anfang genommen. Der Menschheit ist offenbart worden, dass es eine Rückkehr gibt. Christus hat seinen Auftrag erfüllt; er hat den Sieg errungen. Christus hat den Kampf ausgefochten mit dem Bösen, und er blieb Sieger. Sein Sieg wird immerdar verkündet werden: bis alles sich erfüllt hat, bis zum Ende der Welt. Es wird aber auch sein Tod verkündet und sein Leiden. So muss den Menschen auf dieser Welt bewusst werden, dass sie dem Reiche Christi zugehörig sind, dass sie ja diesen Namen tragen und sagen, dass sie christlichen Glaubens sind. Sie sind Christus zugehörig.

So hat ab jenem Zeitpunkt des Sieges Christi für die Welt eine neue Zeit ihren Anfang genommen – und auch ein neuer Himmel wurde geschaffen. Manches musste für diesen Himmel anders gestaltet werden. Und die Geister des Himmels, diese hohen Wesen, geben im Auftrage Christi den Schwachen den Beistand und führen sie durchs Leben. Sie haben den Auftrag, da und dort in dieser Welt als Wächter zu stehen. Das war neu: Von jenem Zeitpunkt an, als Christus als Sieger hervorging, hatte auch dies seine Gültigkeit. So hat eine neue Zeit begonnen, und in der göttlichen Welt gestaltete sich auch die Tätigkeit der himmlischen Wesen anders; sie mussten sich doch jetzt jener Legionen von aufsteigenden Geistgeschwistern annehmen, um ihnen den Weg ins Himmelreich hinein und auch den Weg im Himmelreich selbst zu zeigen. Jene aufsteigenden Geister, die gut waren und die sich den Himmel verdient haben, sollten doch von himmlischen Wesen in den Himmel geführt werden. Eine neue Welt hatte sich geoffenbart; ihnen sollte die Herrlichkeit gezeigt werden – gemeinsam durften sie diese erleben.

Dies alles sollte doch ein Christenmensch wissen. So wird stets verkündet werden, dass Christus aus dem Totenreich auferstanden ist. Es soll aber dem Menschen nicht genügen, nur zu wissen, dass Christus auferstanden ist und dass dadurch der Weg ins Himmelreich frei geworden ist. Der Christenmensch soll mehr wissen, denn er muss sich innerlich mehr mit dem Göttlichen verbinden können. Er wird durch dieses Wissen manches besser verstehen und eifriger werden. Er wird sich Mühe geben und gewissenhafter und wohlwollender sein, sodass das, was in ihm noch verschlossen ist, geöffnet wird – dass auch seine Seele ein Licht wird und auch er als Mensch ein Licht der Welt wird. Er soll ein geistiger Führer sein, er soll durch die Wahrheit frei werden im Geiste, um so das Glück und die Seligkeit zu erleben. Er soll wahrhaftig glücklich sein. Glücklich wird er, wenn er weiss, was alles getan wurde, wie viele Wege geebnet sind und wie viele Möglichkeiten gegeben sind, um den Weg zurück zu finden, um wieder eins zu werden mit Christus und mit allen, die mit ihm zusammenleben. Glücklich ist er, wenn er weiss, dass er im Geiste in einer Familie lebt – mit Christus als dem Haupt dieser geistigen Familie. Denn Christus ist ausgegangen, um die Seinen wieder zurückzuholen in sein Reich. So soll der Mensch seine Aufgaben und Pflichten erkennen, die er zu erfüllen schuldig ist und die erfüllt werden müssen.

So ist für jeden der Weg geebnet. Er selbst muss aber die Schritte dafür tun, um in diesen Weg des Lichtes eintreten zu können. Dann wird er von den Engeln des Himmels auf diesem Weg des Lichts heimwärts geführt. Denn für einen jeden kommt die Stunde des Heimgangs. Und jeder sollte von den Heiligen des Himmels heimbegleitet werden. Dann erlebt er auch des Himmels Harmonie und Seligkeit und ist glücklich in dieser himmlischen Welt.

So, liebe Geschwister, möge Gottes Segen euch alle behüten und beschützen. Mögen alle, die krank sind, sei es an Leib oder Seele, durch Gottes Kraft gesunden. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.3.1978 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Das alte und das neue Gesetz

Lene, 20. September 1964 (Ausschnitt)

Das alte und das neue Gesetz

Mit dem alten Gesetz wurden dem Volke die Zehn Gebote gebracht. Dank der Erlösungstat durch Jesus Christus brach für alle Menschen eine neue Zeitepoche an: Die Tore des Himmels öffneten sich.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, im Namen Jesu Christi sind wir mit euch hier versammelt – und so möchte ich euch das Leitwort dieser Woche geben. “In meinem Namen seid ihr versammelt” – im Namen Jesu Christi –, “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stürbe.”

Dieses ist ein herrliches, sinnreiches Wort, das wohl der Geistchrist am besten verstehen kann. “Wer an mich glaubt” – wer an den Erlöser glaubt –, “wird leben, obgleich er stürbe.” Dies heisst doch: Wenn der irdische Tod zum Menschen kommt, dann öffnen sich die Tore zum ewigen Leben – man tritt also wieder ein in das ewige Leben. Man ist aus ihm hervorgegangen und wandelte als Mensch im Erdenreich. Im Erdenleben hatte man viele Aufgaben zu erfüllen. Nun hat man es wieder zurückgelassen, um wieder ins ewige Leben einzugehen. Man wird also wieder aufgenommen, denn die Tore sind geöffnet. Wenn Christus sagte, dass man wieder lebe, obgleich man stürbe, so ist dies doch eine wunderbare Verheissung. Man wird in sein Reich aufgenommen; das Leben geht vorwärts.

Liebe Geschwister, wir machen euch immer wieder auf die wunderbare Ordnung der göttlichen Welt aufmerksam, aber auch auf eure Pflichten – was ihr zu dieser Ordnung Gottes beizutragen habt. In einem geordneten Staate sorgt die Obrigkeit für die Ordnung, sie will, dass das Volk in der Ordnung lebt. Jeder Einzelne soll in Sicherheit leben dürfen. Diese Ordnung muss sein, und wer sich nicht in diese irdische Ordnung fügt, wird vom Gesetz erfasst, bestraft. Im Geistigen ist es auch so.

Ich möchte euch nun einmal auf Folgendes aufmerksam machen: In der Menschheitsentwicklung gab es doch eine Epoche, wo kein Gesetz verkündet wurde. Die Menschen hatten kein Gesetz – sie lebten, wie es ihnen gefiel. Die Schlauen und die körperlich Starken behaupteten sich; man brachte den andern um und wurde dafür nicht bestraft. Man legte nicht viel Wert auf das Leben des Menschen, geschweige denn auf das Leben der Tiere. Da es damals kein Gesetz gab, konnten diese Menschen nicht davon erfasst werden.

Dann aber war die Menschheitsentwicklung so weit vorangeschritten, dass dem Volke von Gott das Gesetz gegeben wurde. Die Zehn Gebote wurden gebracht. Diese Gesetze waren für das irdische Leben bestimmt und andererseits auch für das geistige Leben, denn sie kamen ja von Gott. Und jenes Volk, dem das Gesetz gegeben wurde, nahm es damit genau; es befolgte die Gesetzesordnung. Es gab jedoch auch Menschen, die noch ausserhalb dieser Ordnung lebten. Sie wurden aber auch davon erfasst und kamen langsam auch in die Ordnung hinein. Ganz langsam wurden sie von der Ordnung Gottes erfasst, und so verbreitete sich diese Gesetzesordnung immer mehr.

So wurde das Gesetz Gottes unter den Menschen verkündet. Wer dieses Gesetz nicht befolgte, wurde von den Menschen bestraft. Man duldete das Morden, das Stehlen, den Ehebruch nicht mehr und versuchte die Fehlbaren zu erfassen. Es ging nur langsam mit dieser Ordnung voran; aber von jenem Momente an, als den Menschen diese Gesetzgebung gebracht wurde, waren sie verantwortlich für ihr Leben.

Es war aber noch keine Brücke zum Haus Gottes geschlagen – der Weg gesperrt. Noch lag die Geburt des Erlösers weit entfernt. Niemand konnte ins Haus Gottes hinein, ausser jenen, die vom Reiche Gottes ausgegangen waren. Und jene, die nun selbst verantwortlich gemacht wurden für ihr Unrecht, das sie getan hatten, mussten den Platz in ihrem Reiche – unter der Herrschaft Luzifers – einnehmen. Dort wurden nun von diesem Moment an neue Stufen des Aufstiegs geschaffen. Wer dem Gesetze gerecht wurde, sich Verdienste durch die Folgsamkeit erworben hatte, hatte etwas erreicht; er durfte nun eine bessere Stufe einnehmen. Jene, die das Gesetz nicht befolgten, mussten in die Tiefen zurückkehren. Sie konnten nicht auf diese Stufen des Aufstiegs schreiten – sie mussten sich zuerst um dieses Leben verdient machen.

Die einen hatten jedoch einen starken Glauben an Gott. Dieser Glaube wurde durch Propheten gestärkt. Jene aber, die sich belasteten, die gezeichnet waren, unter der Herrschaft Luzifers zu leben, mussten in sein Herrscherreich zurück. War aber ihr Glaube so stark und ihr Eifer um die Gerechtigkeit gross, nahmen sie die höchste Ebene [Vorhölle] ein; sie waren in den Aufstiegsstufen [der Hölle] an oberster Stelle.

Es waren nicht allzu viele, die vom Gottesglauben und von der Gerechtigkeit Gottes so durchdrungen waren, dass sie diese oberen Ebenen einnehmen durften. Es wurde ihnen dafür Gelegenheit gegeben: Immer wieder mussten sie ins irdische Leben zurückkehren. Und das menschliche Leben dauerte nicht so lange wie heute; man hatte dazumal eine kürzere Lebensdauer. Wohl gab es Ausnahmen, dass bestimmte Menschen ein ansehnliches Alter erleben durften; doch der Aufstieg sollte rasch vor sich gehen. So gab es die Gelegenheit, rasch wieder ins Erdenleben zu kommen, um sich schneller mit dieser Gesetzgebung vertraut zu machen.

So ging die Menschheitsentwicklung während einer gewissen Zeitspanne etwas schneller vor sich. Die Menschen wurden vom Gesetz Gottes erfasst, und dieses Gesetz Gottes wurde ihnen auch in diesen Aufstiegsstufen verkündet. Schon als Geist sollten sie dieses Gesetz kennenlernen, das Gott dem Volke gegeben hat. Aber ehe es jene Geister haben durften, sollte es der Menschheit gegeben werden. Danach verkündete die Geisterwelt es jenen Geistern, die unter der Herrschaft Luzifers standen. Auch im Geiste sollten sie sich mit diesen Gesetzen vertraut machen. Angesprochen wurden jene, die eben schon mit dem Gesetze in Berührung gekommen waren, da sie es als Mensch annehmen mussten. So kam in ihnen immer mehr das Verlangen nach Befreiung. Sie baten Gott, er möge die Gelegenheit rascher herbeiführen, damit man nicht wieder unter die Herrschaft Luzifers kommen müsse. So sahen sie selbst die Vorwärtsentwicklung, den Aufstieg und den Weg, der langsam für sie vorbereitet wurde.

Vom irdischen Gesetz wurden sie schon einigermassen erfasst und zur Verantwortung gezogen. Das geistige Gesetz hatte sie jetzt auch erfasst. Denn bisher waren sie für ihre Verfehlungen nicht bestraft worden. Sie konnten daher keine hohe Stufe einnehmen – sie blieben unten im Herrscherreich Luzifers. Der Gewinn lag jetzt darin, aufzusteigen, einen besseren Platz einzunehmen – und auf das Weitere zu warten: die Erlösung. Jetzt wurde eine Vorbereitung für die weitere bedeutungsvolle Entwicklung gebracht. Der Gottesglaube konnte sich unter dem Volke festigen – hatte sich gefestigt. Dies geschah auf jene Art, wie es damals der Entwicklung entsprechend möglich war. Die Menschen waren nicht so geschult, wie sie es heute sind; sie konnten weder lesen noch rechnen. Es waren ja nur einige, auch diese Schriftgelehrten, die die Macht über die Menschen ausübten. Aber trotzdem festigte sich bei diesen einfachen Menschen der Glaube an Gott. Er festigte sich durch das Gesetz, das verkündet wurde, und er wurde auch im geistigen Reiche gefestigt, wenn die Verstorbenen zurückkehrten. Die Entwicklung war nun so weit fortgeschritten, dass der Erlöser der Menschheit, der Erlöser aller Wesen geboren werden durfte. Auf diesem Gottesglauben sollte der grössere Glaube aufgebaut werden.

So kam die Verkündigung des Erlösers [durch Johannes den Täufer]. Dann kam er selbst zu den Menschen und erklärte ihnen: “Ich bin der Sohn Gottes – mein Vater und ich sind eins. Mein Vater hat mich gesandt, um euch zu befreien – euch zu erlösen.” Doch jene Menschen, die wohl einen Gottesglauben hatten, aber in ihrem Gottesglauben einseitig waren, wollten diesen Verkünder nicht annehmen. Das Licht der Welt, wie es [im Johannes-Evangelium] heisst, wurde nicht angenommen. Sie wollten es nicht – sie glaubten ihm nicht. Und er sprach so viel von seinem Vater. Doch dies alles half nichts.

Christus vermochte jedoch eine Schar von Getreuen um sich zu sammeln. Er brachte dem Volke die Wunder und erfüllte unter den Augen der Menschen die göttliche Botschaft, die er hatte. Er verkündete Gottes heiligen Willen, und er sagte ihnen: “Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst.” Christus erklärte noch weit mehr zu diesem Gesetz, das schon bestand. Er verlangte viel mehr und sagte dazu: “Mein Vater hat mir den Auftrag gegeben, euch dies zu sagen.” So sprach er auch zu ihnen: “Wenn einer dich auf die Wange schlägt, halte ihm auch die andere hin.” Das wollte diesen Menschen nicht in den Sinn. Sie waren so tief im alten Gesetz verankert. Sie ahnten nicht, dass auf dieser Gesetzgebung gründend ein neues, weiteres Gesetz aufgebaut werden sollte – dass dazumal von den Menschen Weiteres verlangt wurde.

Sie waren ja langsam in die Gesetze hineingeführt worden; ganz langsam waren sie für ihr Leben zur Rechenschaft gezogen worden – und nun kam Christus, der sagte: “Ich bin der Sohn Gottes.” Und er gab Zeugnis davon, er heilte Blinde, er sprach so viel vom Vater – er sagte dem Volke, dass er vor Abraham gewesen sei.

Das Volk setzte so viel auf Abraham – die ganze Ehrfurcht gehörte ihm. Und nun kam Christus und sagte: “Ich war, ehe Abraham war.” Sie konnten es nicht verstehen. Wenn heute diese Worte, so wie ich sie spreche, manchem gläubigen Menschen gesagt würden, er würde es ja auch nicht verstehen. Er weiss nichts damit anzufangen, wenn ihm gesagt wird, dass Christus sprach: “Ich war, ehe Abraham war.”

Ja, auch den Menschen von dazumal konnte dieser Schöpfungsplan gar nicht erklärt werden. Darum hatte doch Christus wiederholt darauf hingedeutet: “Der heilige Geist wird euch in dies alles einweihen.” Wie hätte er denn diesen einfach denkenden Menschen plötzlich so viel erklären sollen? Sie glaubten ihm nicht, trotz den Wundertaten, die er ausgeführt hatte. Und er sprach immer wieder vom Vater. Doch es half nichts – sie konnten nicht glauben.

Manchmal meinen Christen: “Würde heute ein Wunder geschehen, so würde sich die Menschheit oder die Christenheit zum Glauben aufraffen.” Nein. – Wenn die Menschen in ihrer Entwicklung noch nicht so weit im Geiste fortgeschritten sind, können sie die Zusammenhänge nicht erkennen. Sie können nicht glauben – auch dann können sie nicht glauben, wenn man ihnen sogar im Einzelnen den Heilsplan erläutert. So dehnte sich dieser christliche Glaube nur langsam aus. Und Christus musste für seinen Glauben an Gott sterben. Er sagte den Seinen, dass er für die Menschheit sein Leben hingeben werde. Doch sie konnten es nicht verstehen; erst viel später sollte die Menschheit erfahren, was es heisst, erlöst zu werden.

So ging doch die Menschheitsentwicklung nur langsam vor sich; der Christenglaube dehnte sich nur langsam aus. Wie viel Schmerz, Tränen und Blut hat er gebracht und gekostet. Wie fest sind diese düsteren Mächte daran gewesen, diesen Glauben zu unterbinden. Sie wollten nicht, dass dieser Christenglaube Fuss fasse. Hatten doch die düsteren Mächte mit ihrem Herrscher in Person selbst diesen Christus in der Wüste versucht: Luzifer hatte Christus so vieles versprochen, ahnte er doch um die Vernichtung seines Herrscherreiches durch seinen königlichen Bruder Christus. So war Luzifer eifrig mit den Seinen daran, den Christenglauben zu unterbinden. Diese düsteren Mächte hatten dazumal schon ihre grossen Auswirkungen. Sie konnten den Menschen umfangen und rissen ihn nieder. Jene Menschen, die in ihrem Gottesglauben, in ihrer Entwicklung noch nicht eine gewisse Höhe einnahmen, sind so schnell zu Fall gebracht worden – so schnell ...

Gleich nachdem Christus zum Vater gegangen war, warteten die Apostel und alle Jünger auf das Ende der Welt. Sie verkündeten es und mahnten, dass es kommen würde und jeder für seine Untaten bestraft und in die Tiefe gestürzt würde. Ja, so verkündeten viele das Weltende. Diese Verkündung hat sich bis heute bei gewissen Menschen forterhalten. Sie ist übernommen worden bis zum heutigen Tag und wird es bleiben über Hunderte von Jahren. Welche werden immer vom Weltende sprechen; es ist eine gewisse Drohung an den Menschen, um ihm Angst zu machen. Woher kommt diese Drohung? Woher kommt dieser Ausspruch vom Weltende – dass es kommen würde und man den Menschen zur Umkehr aufrufen würde?

Christus hatte manchmal eine Sprache gesprochen, die die Seinen nicht verstanden – sprach er doch des Öftern in Bildern und gab Gleichnisse. Er redete so oft vom Widersacher und vom Glanz, von der Herrschaft der Welt. Als er vom Widersacher sprach und vom Glanz der Welt, war doch damit jene Macht gemeint, die Luzifer ausübte. Luzifer hatte eine grosse Tätigkeit ausgeübt, und Christus machte ihm jetzt diese Tätigkeit streitig. Nun kam er, der Erlöser, und in seiner Lehrzeit verkündete er dies. Christus konnte vom Ende der Herrschaft Luzifers sprechen, je mehr die Zeit seines Leidens heranrückte, je näher die Zeit für die Erlösung kam. Er sprach aber nicht vom Untergang der Welt, sondern von dem Beginn des Endes der Herrschaft Luzifers, das kommen werde. Christus sprach also von der neuen Zeit, die gekommen ist. Er meinte damit den Beginn des Endes der Herrschaft Luzifers und nicht den Untergang der Welt, wie es gewisse Menschen auslegen.

Christus legte es den Menschen wie folgt dar: “Ich bin gekommen, um dem Widersacher das Recht streitig zu machen. Ich werde ihm dieses Reich streitig machen – es wird eine neue Zeit beginnen.” Als Christus am Kreuze starb, wurde dies den Menschen oder dem Volke von dazumal durch ein Zeichen verdeutlicht: Der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten. Der Tempel war die Stätte, wo man zusammenkam, die Schriftgelehrten, die Pharisäer, und von Gott sprach – der Tempel, das Heiligtum Gottes, die Gesetzgebung Gottes.

Nun brach eine neue Zeit an: Fortan brauchten keine Tiere mehr geschlachtet zu werden, um in Verbindung mit der Geisteswelt zu kommen; man benötigte nicht mehr das Blut der Tiere, um das Od zu fördern, damit die Verbindung hergestellt werden konnte. Christus ist es, der nun die neue Zeit gebracht hat. Abgeschlossen ist die alte Zeit – zerrissen der Vorhang. Das neue Gesetz, das Christus gebracht hat, ist von grösster Bedeutung. Es gründet auf dem alten Gesetz, ist jedoch sorgfältiger ausgerichtet. Nun wird aber mehr von den Menschen verlangt. Eine neue Zeit ist gekommen, und die Menschen sollten sich auf Christus ausrichten. Er sendete beziehungsweise sendet die Tröster, und durch diese Tröster will er langsam die Seinen unterrichten und ihnen diese Gesetzgebung erklären.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.9.1964 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner an der Meditationswoche 1964 in Braunwald (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Durch sein Gesetz ist Christus bis zum Ende der Welt mit der Menschheit verbunden

Josef, 3. Juni 1978

Durch sein Gesetz ist Christus bis zum Ende der Welt mit der Menschheit verbunden

Das Christuswort “Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt” bedeutet: Das Gesetz und die Ordnung Gottes sind wirksam und bewahren ihre Gültigkeit, bis diese Welt oder die Menschen dieser Welt all ihre Aufgaben erfüllt haben – bis sich diese Welt vergeistigt hat und der letzte von Gott Getrennte den Weg ins Himmelreich zurück gefunden hat.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, der gläubige Christ sollte über die symbolischen Redewendungen Christi aufgeklärt sein. Wer aber klärt den Christenmenschen in der Wahrheit auf? Es gibt so viele christliche Kirchen. In diesen Kirchen wird das Wort Gottes verkündet. Das Wort Gottes, das dem Christenmenschen verkündet wird, sollte ihn beglücken, es sollte ihm Trost und Antwort geben für sein tägliches Leben. Die Wahrheit in der christlichen Lehre – sie ist die Notwendigkeit. Mit der Wahrheit kommt der Christ zum festen Glauben und nicht zu einem nur oberflächlichen Glauben, zu einem Nichtverstehenkönnen, zu einem konsequenten Ablehnen dessen, was da in der Kirche oder aus den Evangelien verkündet wird.

Es geht doch darum, den Menschen in seinem Glauben zu stärken. Er muss sich im täglichen Leben geführt wissen. Er muss stark werden im Glauben, denn dadurch wird er sich manches in seinem Leben besser überlegen. Durch geistige Erkenntnisse wird er grössere Verantwortung auf sich nehmen können, weil er durch diese Erkenntnisse den Weg weiss, Probleme lösen kann – es wird ihm im Leben leichter gemacht. Es wäre nämlich so wunderbar, wenn alle Menschen die Nähe Gottes spüren könnten. Die Natur, in der sie leben, hat dem Menschen doch so viel zu geben. Sie kann den Menschen beglücken. Und die Natur, die der Mensch bewundert, ist keineswegs ohne Worte – nur der Mensch als solcher kann dieses Sprechen nicht wahrnehmen. Aber es wäre wahrhaftig beglückend für ihn, den tiefen Sinn der Schöpfung zu erfassen. Es würde ihn nicht nur beglücken, sondern in der Schöpfung wie in der christlichen Lehre ist etwas Faszinierendes, etwas, das den Menschen wirklich glücklich machen kann. Aber eben, diesen Weg zu finden, ist nicht leicht. Man muss das Auge dafür haben und die Ohren, die es braucht, um diese stille Sprache zu verstehen.

Nun versuche ich ja, gerade das zu erklären, was dem Christenmenschen bis anhin doch zum grössten Teil verschwiegen oder ganz anders ausgelegt wird. Und warum wird es dem Menschen falsch ausgelegt? Warum hat er nicht das Verlangen nach wirklicher Verbindung zum Göttlichen? Der Glaube, die Glaubenslehre, wie sie ihm bis anhin dargelegt wurde, konnte ihn nicht fesseln. Denn die Gespräche, die Christus geführt hatte, werden so verschieden ausgelegt. Der eine Seelsorger oder Priester, wie ich ihn auch bezeichnen will, legt es so aus, wie er es empfindet, der andere auf seine Weise. Dabei gibt es nur eine Auslegung. Wohl kann man es mit verschiedenen Worten darlegen und besser ausschmücken, der Sinn aber ist ein und derselbe. Denn es gibt nur eine Wahrheit – und nur einen Weg, der sicher zum Göttlichen führt.

So versuche ich, euch diese Worte Christi zu erklären, die doch auch von manchem nicht verstanden werden; und ich möchte auch erklären, warum es zu falschen Auslegungen kommt. Christus sagte: “Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt” (Mat. 28, 20). Da sind die einen der Auffassung, dass es ein Weltende, einen Weltuntergang, geben müsste. Auf diesen Weltuntergang wartet man noch – man hat ihn schon prophezeit, er hätte schon längst stattfinden müssen ... Und immer wieder gibt es eine Zeitwende, wo so viel vom Weltuntergang gesprochen wird. Ja freilich kann man heute sagen, es ist so vieles in die Hände des Menschen gelegt, was er zur Förderung und was er leider auch zur Vernichtung dieser Welt tun kann. Aber alles liegt doch noch im Willen Gottes, und er vermag einzuschreiten.

Von den Worten Christi “Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt” gibt es auch Auslegungen, die besagen, dass Christus zur gleichen Zeit überall wäre. Er throne im Himmel, und zur gleichen Zeit wäre er überall in dieser Welt. Das versuchte man dem Menschen, sage ich einmal, glaubhaft zu machen. Aber auch dem höchsten Geist, den es gibt, ist es nicht möglich, zur gleichen Zeit überall zu sein. Es gibt Gesetze, im Geistigen wie im Irdischen, nach denen alles vor sich gehen muss; und es gibt eine Ordnung, und nach dieser Ordnung richtet man sich aus.

Angesichts der Auslegung, Christus könne zur gleichen Zeit überall sein, kommen bei gewissen Menschen mit Recht doch auch Zweifel. Denn heute ist ja eine andere Zeit. Heute kann man den Christenmenschen nicht mehr zwingen zu glauben. Heute ist es der Christenmensch selbst, der sagt, was er glauben will und was er versteht. Folglich kann man heute den Gläubigen nicht mehr davon überzeugen, dass Christus oder Gott allgegenwärtig wären. Ob es Christus ist oder Gott: Jeder ist für sich eine Persönlichkeit und ist niemals zur gleichen Zeit überall gegenwärtig, sondern thront in den Himmeln, oder der hohe Geist bewegt sich von seinem Platz oder von seinem Thron in einen andern Himmel. Aber von einer Allgegenwärtigkeit kann man nicht sprechen – es ist nicht wahr, es stimmt nicht. Solches aber wurde dem Christenmenschen glaubhaft zu machen versucht. Dabei gibt es eine ganz einfache Erklärung für die angeführten Worte Christi “Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt”. Aber diese einfache Erklärung kann nur gegeben werden, wenn man den Christen auch über anderes, was notwendig ist, aufklärt, wenn man darüber spricht und er sich dann damit auseinandersetzt – aufgrund dessen, worüber er bis anhin unterrichtet wurde.

Wenn ich nun die Erklärung für dieses Christuswort geben will, kann ich es eigentlich mit wenigen Sätzen tun: Das Gesetz Gottes und die Ordnung Gottes sind wirksam in dieser Welt, bis diese Welt all ihre Aufgaben erfüllt hat. Das heisst: Die Gesetze, die gegeben sind, die gegeben werden mussten, werden ihre Gültigkeit bewahren, bis diese Welt oder die Menschen dieser Welt ihre Aufgaben erfüllt haben. Oder ich könnte auch sagen: bis diese Welt sich vergeistigt hat oder bis der letzte von Gott Getrennte den Weg zurück gefunden hat. “Ich bin bei euch alle Tage” heisst: Christus hat diese Gesetze geschrieben, für diese Gesetze gekämpft, er ist in diese Menschwerdung gekommen, was eine Notwendigkeit war. Er hat sich als den Gottessohn bezeichnet, der er war und ist, und die Menschen erkannten ihn nicht, sie nahmen ihn nicht an. Er bewahrte das Wort, er sagte: “Ich bin der Sohn Gottes”, dafür wurde er verurteilt wegen Gotteslästerung.

Es ist für den Christenmenschen aber auch notwendig zu wissen, dass dieser Menschwerdung Christi etwas vorausgegangen ist, dass es eine Notwendigkeit geworden war, diese Menschheit wieder zurückzuführen – so wie auch erklärt wird: “Durch Christus ist die Menschheit mit Gott versöhnt worden” (vgl. 2. Kor. 5, 18 f.). Ich habe dies öfters erklärt; man versöhnt sich nur, wenn vorher ein Streit vorausgegangen ist, sonst braucht es keine Versöhnung mit dem andern. Also komme ich immer wieder auf ein und denselben Punkt zurück: Christus ist nach seinem Tode hinabgestiegen zur Hölle, und dort hat er seine Bedingungen gestellt, diese neue und letzte Gesetzgebung gebracht, eine Gesetzgebung, die ihre Gültigkeit haben sollte in alle Zeiten hinein. Und das ist es, was er auch betont hat: “Himmel und Erde mögen vergehen” – auch dies ist symbolisch gemeint, erhärtet aber meine Erklärung –, “meine Worte aber werden nicht vergehen. Es wird kein Strich und kein Punkt geändert an dem, was in diesen Gesetzen steht” (vgl. Mat. 5, 18 und 24, 35). Und das ist es; diese Gesetze sind und bleiben wirksam, bis alles sich erfüllt hat, wie es geplant ist, bis zum Weltende.

Und auch da muss der Mensch wissen, was mit diesem Weltende gemeint ist – nämlich nicht der Untergang der Welt. Die Welt wurde für den Menschen geschaffen, auf dass er hier seine Prüfungen bestehe und den Weg zurück zu Gott wieder finde. Diese Welt ist eine Zwischenstation auf dem Weg nach oben. In dieser Welt soll er als Mensch beweisen, dass er wieder würdig geworden ist, seinen ursprünglichen Platz im Himmel einzunehmen. Und diese Ordnung und diese Gesetze, die Christus gebracht hat, sie bleiben bestehen, daran gibt es nichts zu ändern. Das ist der Sinn dieser Worte: “Ich bin bei euch bis zum Weltende.” Er hat diese Gesetze der Welt gegeben, und so ist und bleibt er durch dieses geistige Recht mit den Menschen dieser Welt verbunden. Die Menschen sollten diese Gesetze und diese Ordnung achten und sich mit Christus verbunden fühlen, an ihn glauben. Denn dieser Glaube an Christus spielt beim Aufstieg des Einzelnen nämlich auch eine bedeutende Rolle. Christus hatte doch die Menschen sozusagen bei jeder Gelegenheit gefragt: “Glaubst du an mich?” Oder er sagte auch: “Dein Glaube hat dir geholfen.” Christus musste darum kämpfen, angenommen zu werden. Der Glaube an ihn und die Verbundenheit mit ihm fördern den inneren Menschen in seinem Aufstieg. Dieses ist doch auch wahrhaftig eine Notwendigkeit. Und so ist es ganz klar und einfach zu begreifen und zu verstehen, was mit diesen Worten gemeint ist. Christus war es daran gelegen, die Seinen wieder für sich zurückzugewinnen. Er wollte sie wieder in sein Reich zurückhaben, und dafür brachte er diese Gesetze. Die Menschen sollten sich nach diesen Gesetzen und dieser Ordnung ausrichten, danach leben. Nach diesen Gesetzen soll der ganze Aufstieg geschehen; nichts mehr soll an ihnen geändert werden.

Wenn ihr etwas vom Aufstieg von der niedersten bis zur höchsten Entwicklungsstufe kennt, dann könnt ihr euch eine Vorstellung davon machen, wie genau und wie vielfältig und reich die Gesetze sind – wie ausgedehnt all diese Dinge sind, auf dass sie sich erfüllen. Mit dieser Ordnung und mit diesen Gesetzen ist es so festgelegt, wie Christus es sagte: “Ich bin bei euch alle Tage.” Das heisst also: Diese Rechte, die er sich durch sein Leiden und seinen Kampf erworben hatte, kann ihm niemand mehr streitig machen. Kein Luzifer kann kommen und diese Gesetze verwerfen. Jenes Handeln, das Luzifer einst [beim Abfall] ausgeführt hatte im Reiche Gottes, kann nicht mehr möglich werden. Obwohl der freie Wille, die freie Willensentscheidung des Einzelnen, viel bedeutet, kann niemand kommen und diese Gesetze, die Christus gebracht und Luzifer vorgelegt hat, umstossen. Es kann niemand kommen und dieser Welt andere Gesetze geben. Dafür ist gesorgt worden. Und das ist es, was Christus mit diesen Worten sagen will: “Seid ohne Sorgen. Ich stehe hinter euch, ich bin bei euch. Sorgt euch nicht um das Heute, um das Morgen – ich habe die Gesetze gebracht, und nach diesen Gesetzen wird gehandelt. Und sie können nicht verändert werden.”

So vieles wäre noch dazu zu sagen, denn so reich ist die Menschheit beschenkt worden. Sie ahnt es nicht. Es muss dem Christenmenschen auch vor Augen geführt werden: Bevor Christus seinen Auftrag erfüllte, übte Luzifer, der Herrscher des Bösen, uneingeschränktes Recht aus auf dieser Welt. Schrecklich war seine Herrschaft. Heute ist es nicht mehr so, denn durch das Gesetz, das Christus gebracht hat, sind Luzifers Rechte eingeschränkt. Wohl habt ihr, liebe Geschwister, auch heute noch viel Schweres zu ertragen; ihr hört und erlebt viele Dinge, von denen ihr euch fragt, warum und wieso sie geschehen. Doch das, was sich heute ereignet, geschieht durch die freie Willensentscheidung des Menschen. Wohl können Luzifer und seine Helfershelfer in dieser Welt als Störenfriede auftreten, aber sie können die Gesetze nicht umstossen. Sie können die Ordnung Gottes nicht verändern. Und ich wiederhole – dies zum Troste vielleicht –, was ich schon mehrmals gesagt habe: Es ist nicht heute, nicht morgen, nicht nächstes, nicht übernächstes Jahr, aber das Recht wird seinen Sieg erringen, das geistige wie das irdische Recht. Es wird wieder eine Zeit kommen, wo Menschen etwas mehr – etwas mehr – Ruhe haben werden. Mancher von euch denkt: “Ja das ist ein schwacher Trost. Ich lebe jetzt, und ich habe Angst. Es sollte jetzt schon besser werden.” Was ich euch sagen kann, ist: Vertraut auf Gott. Sein Wille geschieht im Himmel und überall. Wenn es notwendig ist, wenn er es an der Zeit findet, einzugreifen, wird er es tun. Man soll auch die Antwort kennen auf die Frage “Warum lässt Gott so viel Unheil zu?”.

Der kommenden Zeit, die für den Menschen mehr Frieden bringt, geht manches geistige Gespräch voraus mit jenem, der seine Werkzeuge für sein übles Tun aussucht. In diesen geistigen Gesprächen wird ihm dargelegt: “Du hattest die Möglichkeit, die schwachen Menschen zu erfassen, die sich von Gott abgewandt und ohne Glauben gelebt haben. Gott hat nicht eingegriffen. Man hat dir gewisse Zugeständnisse gemacht, in dieser Welt die Menschen zu verführen, in Versuchung zu bringen. Du hattest die Gelegenheit dafür. Sie ist dir gegeben worden, und du hast sie reichlich ausgenutzt. Du sollst jetzt nicht behaupten, du wärst nicht zum Zuge gekommen, weil ja nur die gute Geisteswelt gewirkt hätte. Jetzt wird ebenso viel Recht der guten Geisteswelt zugestanden, um zu wirken.” Und ihm wird die Möglichkeit dann geschmälert, zu wirken. Aber solange es einen Luzifer gibt, so lange wird es immer Unglück und Kriege geben auf dieser Welt.

So soll dieser Luzifer keine Werkzeuge mehr finden, die willens sind, ihm Gehorsam zu leisten. Menschen müssen das höhere Ich in sich entdecken und wissen, wer sie sind. Sie müssen sich der Bedeutung ihres Menschseins bewusst werden – dass die Menschwerdung doch eine Aufgabe, eine Prüfung ist und dass es anderseits doch ein grosser Vorteil ist, hier als Mensch leben zu können. Denn in diesem seinem Menschsein kann er etwas leisten, um seinen Aufstieg zu fördern.

So vermag man die symbolische Redewendung von Christus “Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt” zu verstehen, wenn man weiss, dass die Gesetze, die er gebracht hat, unverändert wirksam bleiben, wie er es gesagt hat, und dass er durch das Gesetz, durch sein Wort, das er gegeben, mit der Menschheit verbunden bleibt. Ich kenne die Gedanken von Zuhörern, die sich sagen: “Nun, es gibt ja schliesslich nicht nur Christen auf dieser Welt.” Ja, es gibt verschiedene Weltreligionen, und es heisst: “Keiner kommt zu Gott ausser durch Christus.” Und das heisst: Christus ist für alle gestorben, auch für jene, die ihn nicht annehmen wollen als den Sohn Gottes. Es wird für sie eine Zeit kommen, und diese Zeit muss kommen, wo sie es auch erkennen werden.

Wenn ich dazu nur einen kleinen Hinweis geben darf: Die Christenheit ist ja unter sich geteilt. Die Christen haben verschiedene Auffassungen, und sie haben sich in früheren Jahrhunderten sogar bekämpft. Heute ist man einander einen kleinen Schritt nähergekommen, indem man versucht, untereinander das Gespräch zu finden. Auch wenn man nicht willens ist, seine Glaubenssatzung zu verändern, so versucht man aber, miteinander ins Gespräch zu kommen, statt sich wie früher zu bekämpfen. Dieses ist ein Anfang, oder ich möchte sagen: Das Rad [der Entwicklung] dreht sich nach oben. Es muss sich ja alles mit der Zeit den geistigen Höhen zubewegen, und so wird dereinst auch eine Zeit anbrechen, wo man mit den Angehörigen anderer Religionen ins Gespräch kommt. Ihre Propheten, die sie verehren, sind ja Bindeglieder zu Gott, und so wird es die Zeit ebenfalls mit sich bringen, dass es auch mit ihnen zu einem Gespräch kommen wird. Aber dies liegt noch in weiter, weiter Ferne. Doch im Plane Gottes ist es festgezeichnet. Denn es muss eine Einheit geben im Glauben, eine Einheit mit Christus; denn Christus ist in seinem Reiche König – und er ist auch ihr König, er ist König über alle Propheten. Zu dieser Erkenntnis müssen auch jene Menschen kommen. Noch ist es lange nicht so weit. Ich wollte jedoch auf dieses Gespräch hinweisen, das bereits unter den Christen stattfindet. So wird es zu einem späteren Zeitpunkt auch zu einem Gespräch mit Andersgläubigen kommen.

Ein weiteres Christuswort lautet: “Du wirst leben, obwohl du stirbst” (Joh. 11, 25). Je nach seiner Zuhörerschaft sprach Christus dies in der Einzahl oder in der Mehrzahl; er gab die Antwort je nach den Fragen, die an ihn gestellt wurden. Was Christus mit diesen Worten sagen wollte, verstanden die Menschen seinerzeit nicht. Wenn man heute einen Christenmenschen fragt: “Verstehst du das? Kannst du mir erklären, was es heisst ‘Du wirst leben, obgleich du stirbst’?”, so wird er kaum die richtige Antwort geben können. Diese Worte sprach Christus, bevor er seinen Auftrag erfüllte, bevor er als Mensch gestorben ist und diese letzte Gesetzgebung gebracht hat – bereits da vermochte er diese Worte zu sagen. Er hatte jeweils gefragt: “Glaubst du? Glaubst du an mich?” Und so, je nach der Antwort des Betreffenden, je nach seinem Verhältnis oder der Situation, konnte Christus ihm sagen: “Du wirst leben, obgleich du stirbst.” Und damit deutete er ja auch schon seinen geistigen Sieg an.

Mit diesen Worten gab er auch zum Ausdruck, dass bereits vor seinem Tode, schon während seiner Lehrzeit die geistigen Ebenen [für den weiteren Aufstieg der Gefallenen] vorbereitet wurden. Ja die Vorbereitungen für den Sieg Christi wurden schon begonnen, als er in das menschliche Dasein trat. In der grossen Hoffnung, dass er Sieger werde, sind bestimmte Vorbereitungen getroffen worden. Es heisst: “Bei Gott sind tausend Jahre gleich einem Tag.” Was heisst es da schon, wenn man zur selben Zeit, als Christus in die Menschwerdung trat, gleich damit anfing, in der geistigen Welt die Vorbereitung für den Aufstieg anzuordnen. Ging es doch auch darum, geistige Ebenen zu verändern und neu zu gestalten.

Und so wurden solche geistigen Ebenen vorbereitet. Ich nenne sie auch Vorhimmel. So konnten solche Menschen, die – sagen wir – an Christus glaubten, sich mit ihm verbunden fühlten, aber vor ihm starben, in diesen Vorhimmel geführt werden. Ich möchte es jetzt bei diesem Wort “Vorhimmel” belassen, ich könnte aber auch sagen “in eine Vorstufe der Hölle” – ich möchte diese Ebenen jetzt aber lieber als Vorstufe zum Himmel bezeichnen. Noch konnten diese Menschenseelen nicht in den Himmel zurück, noch waren für sie die Tore zum Himmel nicht geöffnet. Diese wurden erst dann aufgetan, mit Halleluja, mit Paukenschlag, mit Musik und Gesang, als Christus als Sieger von der Hölle wieder aufgestiegen war. Da konnten die Tore geöffnet werden, jetzt war für diese Geistwesen der Weg frei zur Rückkehr. Aber dieser Zeitpunkt musste zuerst kommen. Und jene, die an diesen Christus glaubten, sich mit ihm verbunden fühlten und vor ihm gestorben waren, sie waren in diesen Vorhimmel gekommen und warteten auf den Zeitpunkt, wo ihnen das Tor geöffnet wurde und sie in jene Ebene hineinschreiten konnten, wo es ihnen für die Zukunft ermöglicht wurde, jetzt den weiteren Aufstieg zu beschreiten und zurückzukehren zu Gott – freilich nur Stufe um Stufe.

Darum konnte Christus solche Worte sprechen “Du wirst leben, obgleich du stirbst”. Er deutete doch auf das ewige Leben hin. Im Gespräch mit seinen Zuhörern sprach er doch viel vom ewigen Leben, vom Leben nach dem Tode. Von diesem Leben nach dem Tode spricht man heute nicht mit dieser Kraft und mit der Überzeugung, wie man es sollte. Doch nur diese Überzeugung gibt die Gewissheit der Rückkehr und stärkt den Menschen im Glauben an Gott. Gott ist eine Person, so wie Christus eine Person ist und so wie jeder Mensch, der stirbt, seine Persönlichkeit bewahrt und in das Reich der Geister zurückkehrt. Doch über dieses Fortleben nach dem Tode, über dieses bewusste geistige Leben, wie es ist, wird einfach geschwiegen. Oder man versucht es etwas ‘einzuhüllen’; man kleidet es in solche Worte, dass man es auf unterschiedliche Weise auffassen kann.

Aber die Wahrheit liegt offen da – Christus hatte die Wahrheit offenbart. Er sprach vom ewigen Leben, denn Gott ist der Vater des Ewigen, des Lebendigen. Während jene, die einst mit Luzifer aus den Himmeln gestürzt wurden [und sich noch nicht auf dem Weg der Rückkehr befinden], im Reich der Toten sind. Sie sind geistig tot. Und geistig lebendig muss der Mensch sein und bleiben. Heute kehrt er nach seinem irdischen Tod in das lebendige Reich Gottes ein. Dieses war vor Christus nicht möglich. Vor dem Sieg Christi, vor seiner Erlösungstat, kehrten die Verstorbenen in das Reich der Toten zurück. Darum hört man auch heute noch dann und wann die Redewendung: “Man soll die Toten nicht befragen” (3. Mos. 19, 31). Auch ich würde wahrhaftig niemandem empfehlen, die Toten zu befragen – aber man soll wissen, wer diese Toten sind [nämlich die Geistwesen aus dem Reiche Luzifers]. Die Lebendigen hingegen geben Antwort und dürfen Antwort geben.

So sind in der christlichen Lehre von den Gesprächen, die Christus geführt, so viele symbolische Redewendungen überliefert, über deren Sinn sich der Einzelne nicht klar ist. Aber Christus hatte ja versprochen, den Geist der Wahrheit zu senden, der Aufklärung gibt. Denn dazumal wäre es nicht möglich gewesen, jenen Menschen die ganze Wahrheit zu sagen. Und hätte Christus die ganze Wahrheit gesagt, hätte man sie nicht angenommen, und sie wäre nach allen Richtungen gedreht worden.

Jetzt möchte ich noch eine Frage beantworten, eine Frage eines Freundes, und sie ist zugleich auch die Frage anderer Zuhörer und Leser der Schrift [“Geistige Welt”], die herausgegeben wird.

Man ist sich nicht im Klaren darüber, warum Christus am Kreuz zu jenem Schächer sagen konnte: “Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein” (Luk. 23, 43). Denn man ist der Auffassung, dass einer, der solche Verbrechen begangen hat, sich doch niemals mit Christus im Paradiese treffen könne. Was Christus mit diesem Paradies gemeint hat, versuche ich zu erklären. Es ist eben der vorhin erwähnte Vorhimmel, diese Ebene, in welcher christusgläubige Menschenseelen Aufnahme fanden und die zum Himmel führt. Christus wusste: “Heute tritt bei mir der Tod ein, wie bei diesem Schächer”, und dieser Schächer sagte zu Christus: “Ich bin schuldig und verdiene diesen Tod. Du aber bist unschuldig und verdienst diesen Tod nicht. Ich bitte dich: Wenn du in deinem Reiche bist, denke an mich.” Und Christus konnte ihm doch aufgrund dieser Worte die Offenbarung machen: “Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.”

Das Wort “Paradies” hat für den heutigen Menschen wie schon damals in jener Zeit eine besondere Bedeutung. Ich versuche absichtlich dieses Wort so wenig wie möglich oder gar nicht zu verwenden, um nicht falsche Vorstellungen zu wecken. Denn unter dem Wort Paradies verstand man damals und versteht man noch heute den Himmel offen in seiner Herrlichkeit und in seinem Glanz. Als Christus dem Schächer diese Worte sagte, war es jedoch nicht so gemeint, dass dieser nach seinem Tode in Gottes Herrlichkeit eintreten würde. Aber er würde jetzt doch auch zu jenen gehören, denen Christus Erlösung und Befreiung bringt aus der Herrschaft des Bösen, aus der Herrschaft Luzifers. Christus konnte diesem Schächer, der ihn als unschuldig Verurteilten erkannte und an ihn glaubte, jetzt zu diesem Zeitpunkt vor ihrem Tode doch diese Offenbarung geben – obwohl dieser Schächer sie nicht verstanden hat. Verstanden hat er sie erst, als er in jenem Paradies angelangt war, in jener Vorstufe des Himmels – als er nicht, wie es ihm von seinen Glaubenslehrern glaubhaft gemacht worden war, vom Satan empfangen wurde. Das war also nicht der Fall; und das erlebte er, er blieb in diesem Vorhimmel. Dies heisst aber nicht, dass er nicht seinen Strafen entgegensehen sollte. Denn wer als Mensch Unrecht tut, muss dies alles wiedergutmachen. Er ist geistig dafür gezeichnet. Dieser Schächer aber stand jetzt auf jener Geistesstufe, wo ihm die Möglichkeit gegeben wurde, sich weiterzuentwickeln. Er wurde nicht vom Satan in Empfang genommen, sondern er wurde in diesen Vorhimmel geführt, um ihm die Möglichkeit des weiteren geistigen Aufstiegs zu geben.

Von dem Zeitpunkte an, wo Christus seinen Auftrag erfüllt hatte und die Tore der Himmelswelt geöffnet waren, da gingen die Geister Gottes aus und holten sich jene im Aufstieg Begriffenen und führten sie an ihren Platz. Diese Wesen waren schon verschiedentlich in einem menschlichen Dasein gewesen, doch bis anhin konnten sie ja nicht in diese Himmelswelt hinübertreten; sie wurden immer wieder in die Herrschaft Luzifers eingeteilt, weil es noch keine Erlösung und keine Befreiung gab. Ihre geistige Entwicklung und Geisteshaltung war indes unterschiedlich. Daher konnten sie jetzt, nach der Erlösung, nicht alle in ein und denselben Himmel hineingeführt werden. Aus diesem Grund waren ja eben diese verschiedenen Aufstiegsstufen geschaffen worden, und die Engel gingen aus, um diese Wesen an ihren Platz zu führen, und je nach der geistigen Entwicklung des Einzelnen wurde der eine auf eine etwas erhöhte Ebene geführt, und ein anderer stand auf der untersten Sprosse dieser geistigen Stufenleiter. Das war die Aufgabe der Geister Gottes, und sie ist es heute noch. Wenn ein Mensch stirbt, kommt es doch darauf an, was er geistig erworben hat. Hat er geistige Gewinne erzielt, hat er sich geistig bereichert, ist seine Seele geläutert worden in diesem seinem menschlichen Dasein, ist mehr Licht in seine Seele gekommen, dann wird er dementsprechend hinaufgeführt – wenn nicht, wird er in dieselbe Ebene wieder eingegliedert, von der er ausgegangen ist. Denn auch dieses ist im geistigen Gesetze fest verankert: Ein Zurücksinken in der geistigen Entwicklung soll es nicht geben. Ausnahmen sind solche Fälle, wo Menschen auf dieser Erde sich derart belastet, so viel Böses getan und dem Menschen viel Leid zugefügt haben. Solche können wieder in die nächste Nähe Luzifers geführt werden – für lange, lange Zeit oder auch vorübergehend. Darüber entscheidet die Geisterwelt Gottes. Aber das ist nichts Allgemeines.

So ist es dem Menschen überlassen, das Seinige zu leisten, um baldmöglichst in die Herrlichkeit und in die Seligkeit des Himmels einzugehen. Je nach der Gestaltung seines Lebens wird er diese Herrlichkeiten und Seligkeiten erleben. Es gibt ein ganz bescheidenes Glück, und es gibt auch etwas überaus Grosses, wofür es keine Worte gibt, um diese Herrlichkeit, dieses Glücksempfinden zu erklären. Es ist nur zu wünschen, dass es die Menschen schnellstens erleben. Und dafür haben sie das Ihrige zu leisten und zu tun.

Und so, liebe Geschwister, ist es meine Aufgabe, euch diese Erklärungen zu geben. Wenn ihr wiederholt hierherkommt und mir zuhört, werdet ihr erkennen, dass das Ganze ein Gebilde ist und nichts davon abbröckelt, sondern dass es um eine Einheit geht in diesem Glauben, in dieser Wahrheit, in dieser christlichen Lehre. Es ist so schade, dass nicht alle gläubigen Christen von dieser Wahrheit erfasst werden, dass sie nicht selbst anfangen zu denken und zu überlegen. Denn es gibt nur einen Weg, es gibt nur eine Wahrheit, und diesen Weg sollte man beschreiten. Selbstverständlich ist es so, dass man durch verschiedene Wege zur Wahrheit gelangen kann. Es kann zur geistigen Entwicklung des einen gehören, dass er durch verschiedene Wege schreiten muss, bis er den wahren Weg des Lichtes gefunden hat.

So, liebe Geschwister, ziehe ich mich zurück. Ich wende mich aber von euch nicht ab. So wird ja nun eine gewisse Pause [wegen der Sommerferien] eingeschaltet, und ich weiss um jene Freunde, die die Wochen jetzt schon zählen, wann sie wieder hierherkommen können. Sie aber werden von den Geistern Gottes begleitet werden durchs Leben. Vergesst nicht die Worte, die ich euch erklärte: “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Weltende.” Durch das Wort, durch das Gesetz seid ihr mit Christus und seinem Reich verbunden. Durch das Wort, das euch gegeben ist, sollt ihr diese Verbundenheit fühlen und wissen: “Ich bin nicht verlassen. Ich stehe unter dem Gesetz Gottes. Und mein Schutzgeist wacht über mich, über mein Haus und über alle, die mit mir zusammen sind.” So sollt ihr eurerseits Gott die Ehre geben, ganz im Stillen, und die Engel werden mit euch verbunden bleiben. Sie werden mit euch verbunden sein bis zu jenem Zeitpunkt, wo auch euer geistig Auge sich auftut. Da werden sie sich zu erkennen geben und euch begleiten in eure Welt oder in euer Paradies hinein.

So möge Gottes Segen euch behüten und beschützen. Und so mögen alle, die krank sind, sei es an Leib oder Seele, in Christi Namen gesunden. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 3.6.1978 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Das Letzte Gericht brachte die neue Ordnung für den Aufstieg aller Geschöpfe

Fragebeantwortungen aus Vorstandssitzungen mit Geistlehrer Josef

Das Letzte Gericht brachte die neue Ordnung für den Aufstieg aller Geschöpfe

Lieber Josef, bezüglich des Letzten Gerichts gestatte ich mir die Frage: Wie weit hat Gott Gericht gehalten und wie weit Christus?

Josef: Ja, ich muss etwas weit ausholen, um es euch richtig verständlich zu machen. Und wenn ich es euch dann erklärt habe, müsst ihr sagen: “Ach, das hätten wir ja auch wissen sollen.” Durch die jahrelangen Erklärungen, die euch gegeben wurden, hättet ihr selbst auf die richtigen Gedanken kommen können.

Als nach dem Geisterfall Gott mit Christus zusammen war, ging man gleich daran, für die Errettung, für die Rückführung der Gefallenen zu wirken oder einen Plan auszuarbeiten. So wurde doch ein erster Plan aufgestellt. Man gab einer bestimmten Gruppe von [gefallenen] Geistern die Möglichkeit, zu zeigen, dass sie fähig seien, den gestellten Auftrag zu erfüllen, diesen Gehorsam zu leisten. Das war also der erste Plan. Der Vater hat ihn mit dem Sohn besprochen, und der Sohn hat dann den Auftrag gegeben, das geistige Paradies in der Weise aufzubauen, dass es bewohnt werden konnte von aufsteigenden Geistern, von solchen, von denen man erhoffte, sie würden ihren Auftrag erfüllen, Gott den Gehorsam leisten und so zum Wegweiser werden für die ganze Geisterschar. Das war der erste, einfache Plan, der gemacht wurde – er sah den Aufstieg über das Paradies vor. Ich brauche es nicht länger oder näher zu erklären, dass dieser Weg, den man zuerst den Gefallenen angeboten hatte in der Hoffnung und im Glauben, dass es gelingen möge, der einfachere Weg gewesen wäre. Daraus, dass dieser Plan nicht gelang, sollt ihr erkennen, dass eben der freie Wille der Geister schon dazumal eine bedeutende Rolle spielte und Gott und Christus – dies mag für euch vielleicht fremd klingen – es ja nicht zum Vornherein wissen konnten, ob diese Wesen den Auftrag, diesen Gehorsam erfüllen würden. Wenn Gott es gewusst hätte, wenn er das Resultat schon von allem Anfang an erkannt hätte, hätte er sie ja gar nicht in dieses Paradies führen müssen. Doch Gott macht nichts, was überflüssig ist.

Das ist einmal eine besondere Antwort darauf, was es mit dem freien Willen auf sich hat, den Gott den Geschöpfen gegeben hat. Nebenbei bemerkt: Diesen freien Willen besass ja auch Luzifer. Daher kam es ja einstmals so weit – er zeigte Gott gegenüber Ungehorsam, er stand gegen Christus auf. Gott hätte ja eingreifen können. Er hat es nicht getan. Für die Zeiten, wie lange dieser Aufruhr gegangen ist, habe ich keine Zahlen, um es zu benennen.

Also dieser erste Plan, der von Gott und Christus zusammen ausgedacht wurde, ging nicht in Erfüllung. Ich möchte jetzt aber etwas erwähnen: Die Erklärung, die ich euch jetzt gebe, mag euch vielleicht nicht genügen. Ich bin aber dahin unterrichtet, dass unsere Geistschwester Lene [in der bevorstehenden Meditationswoche] über das Verhältnis von Gott und seinem Sohne sprechen wird, sofern man es sich nicht mehr anders überlegt ... Also auch da könnt ihr sehen, dass Geister frei sind in ihrem Wirken. Ich versuche jetzt auf meine Art, die Erklärung zu geben, die notwendig ist und Klarheit bringt.

Der erste Plan war also gescheitert. Nun ging man daran, einen neuen Plan aufzustellen. Dieser Plan war viel komplizierter, auch viel härter – es ist eben derjenige Plan, der heute umgesetzt wird: Der aufsteigende Geist wird in einen materiellen Leib eingekleidet, und er muss in einer materiellen Welt leben. Dies ist für ihn eine härtere Prüfung [als es ein Aufstieg oder ein Dasein im geistigen Paradies gewesen wäre]; denn mit diesem materiellen Leib und in dieser materiellen Welt ist er weit von Gott entfernt. Es kommen ihm hier wohl Botschaften zu, die von Christus gegeben wurden, aber er hat nicht den persönlichen Kontakt von Geist zu Geist; denn er ist Mensch. Nur Geist und Geist können miteinander in Verbindung treten, miteinander reden.

Dieser zweite Plan wurde gemeinsam von Gott und Christus aufgebaut. Der erste Gedanke kam von Gott. Das Verhältnis von Gott und von Christus kann ich euch jetzt nicht in seinen hohen Werten, in seiner Wirklichkeit erklären. Dies möchte ich lieber unserer Schwester Lene überlassen. Was ich aber betonen will und um was es geht, ist: Christus war über alles unterrichtet, was Gott wünschte, dass es geschehe. Sie sind eins, wie es heisst; und was der Vater will, das will auch der Sohn. Und so haben sie diesen schweren Plan zuerst miteinander durchdacht und aufgestellt, Christus und Gott zusammen. Erst später – wenn ich dieses Wort verwenden darf – haben sie andere hohe Geister und Fürsten hinzugezogen, damit diese mithelfen an diesem Plane. Christus hat von Gott den Auftrag erhalten, diesen Aufbau zu gestalten, und ihm zur Seite durften hohe Geister stehen und auch ihre Anregungen machen. Denn es ging ja um diese Erde, um das Leben auf dieser Erde, um das Wachstum und das Gedeihen – um alles, was notwendig ist für diese Welt. Man musste um eine Ordnung dieser Welt besorgt sein. Das war eine Aufgabe, eine Tätigkeit der Geister Gottes über eine lange, lange Zeit hinaus. Das ist einmal ein Punkt, was die Schöpfung anbelangt. Es heisst, es ist alles durch Christus geworden – alles, was ist, ist durch Christus geworden. Gott hat doch die schöpferischen Fähigkeiten seinem Sohne vererbt.

Aber jetzt zur Frage hinsichtlich des Gerichts. Zuerst musste doch die Möglichkeit geschaffen werden für ein Leben auf dieser Welt. Die gefallenen Geister bewohnten die Finsternis, sie bewohnten das Totenreich, und ihr Herrscher war Luzifer. So ging man doch daran, jene Gefallenen wieder zurückzuführen. Dazu brauchte es auch seine [gesetzlichen] Bestimmungen. Da Luzifer ja als Geist den Geist Christi bekämpft hatte, konnte es ja auch jetzt nur einen Kampf geben von Geist zu Geist.

Christus trat in dieses menschliche Dasein. Er sagte, wer er war, er sprach von seinem Auftrag, den Gott ihm gegeben hatte. Christus wusste nun auch, dass er – so er seinen Auftrag als Mensch erfüllte – eine Abrechnung halten sollte mit diesem seinem Bruder Luzifer. Von Geist zu Geist sollten sie sich gegenüberstehen. Für diese Abrechnung waren Gesetze aufgestellt worden: Es wurde für alle Stufen der gefallenen Geister der Weg [ihres Aufstiegs] gezeichnet – denn die gefallenen Engel waren doch nicht alle in gleicher Weise belastet. Die einen sollten härter bestraft werden, andere weniger. Also auch das war schon in den geistigen Gesetzen und in der geistigen Ordnung vermerkt. Christus wusste also um den Aufstieg, der zustande kommen musste. Er wusste auch darum, dass er es als Mensch nicht leicht haben würde. Als Christus noch als Geist beim Vater war, kannte er die Gesetzgebung, die sie gemeinsam, miteinander aufgestellt hatten. Für diese Gesetzgebung waren Impulse von Gott gekommen, und Christus hatte sie für die Auswirkung weiter entfaltet, ausgedehnt. Er hat – könnte ich sagen – das Äusserste getan bei der Festlegung der Gesetze für das kommende Gericht, das gehalten werden musste.

Als Christus dann als Mensch auf Erden lebte, hatte er durch Inspiration, durch Hellhören, durch Hellsehen Verbindung mit Gott und mit hohen Geistern. Er suchte doch jeweils die Stille auf, die Ruhe, um mit dem Vater zu reden. Als hohes Wesen, als hoher Geist hatte er doch als Mensch die Möglichkeit, hellsehend oder hellsichtig in seine himmlische Heimat hineinzuschauen. Er war auch hellhörend. Engel hatten ihm jeweils den Willen des Vaters oder die Wünsche des Vaters mitgeteilt. Gespräche führte Christus selbst mit dem Vater. Ihr könnt Christus – was euch eben schwerfällt – nicht vergleichen mit einem üblichen Menschen und dessen Fähigkeiten. Christus war geistig so innig verbunden mit seinem Vater. So konnte er damals auch sagen: “Jetzt wird Gericht gehalten” – und zwar nicht morgen, nicht heute, nein, gerade jetzt –, weil er das Wort des Vaters hörte: “Das Gesetz ist jetzt vollendet.” (Vgl. Joh. 12, 31.) Denn in der Zeit, in der Christus als Mensch lebte, wurde in der göttlichen Welt noch weiter gearbeitet am Gesetz für das Gericht, das er nach seinem Tode halten sollte; es wurde noch weiter ausgedehnt. So hatte Christus als Mensch wahrgenommen, was der Vater sagte; er hat es auch gesehen, und so wusste er eben in diesem Moment: “Jetzt ist das Gesetz vollendet, jetzt ist es unabänderlich. Und so werde ich das Gericht halten mit diesem Gesetz, so wie es mir jetzt der Vater übergibt.” Der grösste oder der allergrösste Teil dieser Gesetze war von Christus selbst aufgebaut worden – durch Impulse des Vaters. Und nun als Mensch hat Christus wahrgenommen, dass dieses Gesetz vollendet war. Kurz vor seinen letzten Stunden war es so weit.

Die Engelswelt hatte ihre Vorbereitungen getroffen für seine Heimkehr. Es gab in der Zeit, als Christus als Mensch lebte, in der himmlischen Welt eine grosse Tätigkeit, eine grosse Entfaltung an geistigem Wirken – für seine Einkehr war es bestimmt. Und eben dieses Letzte Gericht – diese Gesetze waren aufs Äusserste exakt aufgebaut, und Christus war über alles orientiert. Er hatte die Verbindung zum Vater. So hat er doch am Kreuze gerufen [als er weder seinen Vater noch seine himmlischen Geschwister mehr sah]: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Diese Worte bestätigen doch, dass dieser Christus eben diese Verbindung gehabt hatte. Er war hellsehend, hellhörend. So konnte er als Mensch in seine himmlische Heimat hineinschauen und seinen Vater und die Geister Gottes hören. Als er im Garten Gethsemane war, hat er den Vater auch gebeten: “Lass doch diesen Kelch an mir vorübergehen.” In dieser Zeit, als er betete, war er in Verbindung mit dem Vater und mit den hohen Geistern. So hatte er das eine Mal den persönlichen Kontakt mit seinem Vater, ein anderes Mal waren es die Diener Gottes, die zu ihm kamen und ihm den Beistand gaben. Er wurde während seiner ganzen Leidenszeit von Geistern Gottes gestützt. Denn Christus war in seiner Gestalt feingliedrig, empfindsam, und er hätte wohl kaum all das Leiden durchgestanden, wäre er nicht gekräftigt worden von den Geistern Gottes. Es musste eine Erfüllung des Auftrages geben, und es gab eine Erfüllung. Christus hat seinen Auftrag erfüllt.

Jetzt, als er gestorben, kamen ihm seine Geschwister entgegen und brachten ihm die Gesetzgebung für das Letzte Gericht. Nur als Geist konnte er dem Geist Luzifer gegenüberstehen und ihm die Bedingungen und Bestimmungen auferlegen. Christus war also zeit seines Lebens mit der Gotteswelt verbunden, und in der letzten Zeit seines Wirkens war es eine ganz besonders innige und enge Bindung zum Vater. Versucht einmal, euch vorzustellen, was es für Christus bedeutete, diesen Kampf auszufechten, vor den Menschen dazustehen. Die Menschen jener Zeit konnten so grausam sein – das hat Christus ja an seinem irdischen Leibe erfahren müssen. Und da er den Menschen in allem gleich geworden, hatte er auch Angst. Er ist hervorgetreten, er hat diesen Pharisäern, diesen Schriftgelehrten Antworten gegeben, die ein gewöhnlicher Mensch nicht hätte geben können. Nur weil er von Gott gekräftigt wurde und er mit seinen Augen und mit seinem Fühlen auch in der himmlischen Welt war, konnte er die richtige Antwort geben. Er konnte Bescheid geben.

Es ist also nicht falsch, wenn es heisst, dass die Gesetze von Gott sind – und es ist nicht falsch, wenn es heisst, sie seien von Christus. Beide gemeinsam haben diese Gesetze aufgestellt. Zum grössten Teil und in die Einzelheiten hinein hatte sie Christus aufgebaut. Sonst hätte er nicht in die himmlische Welt hinübersehen und sagen können: “Jetzt wird Gericht gehalten.” Das war der Zeitpunkt, wo die Gesetzgebung vollendet war und wo Gott gesagt hat: “Jetzt wird nichts mehr geändert.” Und so ist es geschehen. Christus trug seine und des Vaters Gesetze hinunter in das Totenreich und hielt Abrechnung mit Luzifer, von Geist zu Geist. Als Mensch hätte Christus nicht mit Luzifer abrechnen können; er konnte es nur als Geist. Ich hoffe, dass ich jetzt verstanden worden bin.

(Vorstandssitzung vom 31.8.1977)

Lieber Josef, du hast uns kürzlich die Bibelstelle erklärt, wo Christus sagte: “Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn wiedererstehen lassen” (Joh. 2, 19). Jetzt habe ich mich mit diesen drei Tagen beschäftigt. Hat das damit zu tun, dass innert diesen drei Tagen dieses Letzte Gericht, diese Rechtsprechung, stattgefunden hat?

Josef: Es ist die Zeit, wo Christus dort im Totenreich war, und da hatte eben die Rechtsprechung stattgefunden.

Ihr dürft euch doch die Worte vom Aufbau des Tempels innert drei Tagen nicht wörtlich vorstellen; das ist doch sinnbildlich gemeint. Es ist eben der grosse Fehler der Menschen, dass sie nicht fähig sind, die Worte Christi geistig zu verstehen. Sie sind doch geistig gemeint. Christus hatte also innerhalb dieser Zeit im Geiste den Tempel niedergerissen und etwas Neues aufgebaut – die christliche Lehre. Stellt euch doch vor, wie viel Unwahres damals in den Synagogen verkündet wurde oder in der jüdischen Lehre verankert war. Das wollte er doch vernichten und dann etwas Neues aufbauen. Und der Aufbau dieses Neuen hat wirklich stattgefunden im Letzten Gericht, in dieser geistigen Gesetzgebung. Die geistige Rechtsprechung ist ja vorbereitet worden in den Himmeln, bevor Christus sein Leben hingab, bevor er gestorben ist, bevor er seine Aufgabe als Erlöser erfüllte. Man hat die Vorbereitungen im Himmel längst getroffen für den Fall des Sieges. Und so konnten auch diese Bedingungen ihre Anwendung finden. Denn es ist ja so vieles, was dort, in diesem Letzten Gericht, dargelegt wurde. Dieser Luzifer war der Besiegte, und er musste zu allem einfach Ja sagen. Da konnte das Gesetz eben noch so gross und erweitert sein, er musste Ja sagen dazu. Es sind ihm noch so viele Rechte zugestanden worden, die mehr als genug sind.

(Vorstandssitzung vom 10.3.1976)

Lieber Josef, in den Evangelien wird an mehreren Orten überliefert, dass Christus zu einem Menschen gesagt hat: “Deine Sünden sind dir vergeben.” Welche Sünden sind damit gemeint? Da das Letzte Gericht damals noch nicht stattgefunden hatte, nehme ich an, dass damit nicht die Sünde des Abfalls gemeint ist, sondern jene Verfehlungen, die den Menschen seit der Gesetzgebung durch Mose als Sünden angelastet wurden. Kannst du uns darüber etwas sagen?

Josef: Ja, liebe Geschwister, Gott hatte Christus die Macht gegeben, Sünden zu vergeben. Dieses hat er zum Ausdruck gebracht. Diese Macht der Sündenvergebung, die Christus von Gott erhalten hat, ist oder war nicht einer Begrenzung unterworfen. Christus hatte vom Vater die Macht bekommen – doch musste immer wieder vom einzelnen Menschen aus beurteilt werden. Bevor Christus seinen Auftrag erfüllte, hatten die Geistwesen die Möglichkeit, sich zu bessern, also aufzusteigen. Sie kamen aus der Vorhölle in ein menschliches Dasein, in dem sie zeigen konnten, ob sie zu besserer Gesinnung gekommen sind. Diese Geschwister waren gezeichnet je nach der Schwere der Belastung, die sie vom Abfall her mitgebracht hatten. Es waren nicht alle in gleicher Weise belastet. Die einen hatten sich beim Fall sehr belastet. Unter ihnen gab es solche, die dann besonderen Eifer zeigten und sich Mühe gaben, sich zu bessern. Anderseits gab es aber auch solche, die sich keine Mühe gaben und so ihren geistigen Stand auch durch ein irdisches Dasein nicht verbessern konnten. Sie waren also nicht nur durch ihre Belastungen vom Abfall her gezeichnet; sondern von dem Zeitpunkte an, als es die Gesetzgebung [durch Mose] gab, wurden sie auch für die Sünden ihres irdischen Lebens karmisch gezeichnet. So hatte Christus die Möglichkeit, ihnen diese Sünden, die ihnen nach der Gesetzgebung [Mose] als Sünden angerechnet worden waren, zu vergeben.

Nun war es ja eben so, dass einer, je nach seinem geistigen Stand, eben schon eine belastete Seele trug, viel schwerer oder mehr verwundet war in der Seele. In solchen Fällen hatte Christus die Möglichkeit, den Betreffenden die Sünden zu vergeben oder nicht in dem Masse anrechnen zu lassen, dass es einer schweren Wiedergutmachung bedurfte. Es wurde also immer von Fall zu Fall besonders geurteilt oder beurteilt. Darum war es ja so verschieden, was er den Einzelnen sagen konnte. Dem einen konnte er sagen: “Deine Sünden sind dir vergeben.” Einem andern musste er dies ja nicht sagen, sondern er sprach zu ihm: “Steh auf und gehe”, oder: “Dein Glaube hat dir geholfen.” Also die Umstände waren jeweils vom einen zum andern verschieden, und Gott gab Christus die Macht, so zu urteilen, wie es eben dieser oder jener Fall bedurfte. So ist es zu verstehen.

(Vorstandssitzung vom 9.2.1977)

Lieber Josef, in Joh. 5, 28 f. heisst es bezüglich des Letzten Gerichts: “Denn die Stunde kommt, in welcher alle, die in den Gräbern [in den Höhlen des Reichs Luzifers] sind, seine Stimme hören und hervorgehen werden, die das Gute getan haben, zur Auferstehung für das Leben, und die das Böse verübt haben, zur Auferstehung für das Gericht.” Wie ist das gemeint?

Josef: Diejenigen, die das Böse verübt haben, wurden verurteilt. Sie müssen den langen Weg, den schweren Weg des geistigen Aufstiegs [durch die verschiedenen Naturreiche] durchschreiten. Es mussten ja nicht alle, die von den Tiefen emporgestiegen sind, ein und denselben Entwicklungsweg durchschreiten. Die einen konnten doch gleich in höhere Stufen eintreten und – sagen wir – in ein menschliches Leben treten. Sie haben verschiedene Stufen übersprungen, sie standen also nicht in dieser Verurteilung; es wurde ihnen ermöglicht, den schnelleren Weg nach oben zu machen. Während die andern verurteilt wurden – so wie bei euch jemand, der etwas Unrechtes tut, verurteilt wird und soundso lange ins Gefängnis muss. Wenn er die Gefängnisstrafe durchgestanden hat, ist er wieder frei, er kann es wieder verlassen. So ist es auch im Geistigen: Wenn einer verurteilt wird, hat er den längeren Weg zu durchschreiten, der für ihn eine Bedrängnis ist. Es ist also eine Verurteilung.

Und das Gericht ist – wie ich es immer wieder betone – nichts anderes als die Gesetzgebung, die für alle Zeiten gültig ist. Also, das Gesetz verurteilt jenen, der das Falsche tut, der Unrechtes tut.

(Vorstandssitzung vom 14.3.1979)

Heft 2/2011
Preis USD 4.00
25 Seiten, 21 × 29,7 cm