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Hefte

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Themen
Für jeden Menschen, wo er auch steht, gibt es im Leben Aufgaben zu erfüllen – Der Dienst am Nächsten – Wer mit der Geisterwelt Gottes verbunden ist, fühlt sich nicht allein
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 5/2013 zum Thema Besinnliches für Alleinstehende und Eheleute
Geistige Welt 5/2013
Besinnliches für Alleinstehende und Eheleute
Beschreibung

Mancher Mensch, der im Leben alleine steht, ohne Partner und Familie, fühlt sich einsam und ist traurig, dass sein Leben nicht den Gang genommen hat, den er sich gewünscht hat. Im ersten Vortrag dieses Themenhefts wendet sich die geistige Lehrerin Lene im Besonderen an diesen sich einsam fühlenden Menschen, der sich manchmal sogar schon gefragt hat: “Hat mein Leben überhaupt einen Sinn?”

In einfühlsamer Weise gibt Lene Trost und zeigt auf, dass jeder Mensch, wo er auch steht, seine hohen, bedeutsamen Aufgaben hat. Lene erklärt, an welcher geistigen Quelle auch der Alleinstehende Kraft und Segen für sein Leben schöpfen kann. Sie macht ihm auch Mut und erklärt, dass der Alleinstehende durch seine edle Haltung, durch sein Streben nach den höheren Lebenszielen mehr Bewunderung findet als ein Mensch, der in Gemeinschaft leben kann, weil man weiss, dass es zu seinem Leben mehr Kraft braucht. Dann wendet sich Lene auch an jene Menschen, die in einer Partnerschaft leben, ihrem Ehepartner aber keine Wertschätzung entgegenbringen und nicht bereit sind, Freud und Leid mit ihm zu teilen. Auch diese Menschen erinnert Lene an ihre Aufgaben und führt sie an die geistige Quelle, mithilfe derer sie ihre Probleme überwinden können.

Im zweiten Vortrag und in den Fragebeantwortungen dieses Themenhefts geht es ebenfalls um die Aufgaben, die jeder Mensch – ob alleinstehend oder nicht – im Leben zu erfüllen hat. Geistlehrer Josef geht unter anderem ausführlich auf eine Frage ein, die damals manche Freunde beschäftigte und in Gewissensnot brachte: Welche Verpflichtung hat man gegenüber betagten Menschen, im Besonderen gegenüber den alten Eltern oder anderen betagten Familienangehörigen?

Themenheft 5/2013: Besinnliches für Alleinstehende und Eheleute

Inhalt
Zuspruch für die Alleinstehenden und Ermahnung für Eheleute

Lene, 18. März 1964

Zuspruch für die Alleinstehenden und Ermahnung für Eheleute

Der alleinstehende Mensch hat es in mancher Hinsicht schwerer als jene, die in einer Partnerschaft leben. Er muss mit seinen Sorgen und Problemen alleine fertigwerden. In der Meditation findet er eine wunderbare Quelle, aus der er Kraft und Segen für sein Leben schöpfen kann.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die österliche Zeit ist besonders geeignet, Kraft und Trost zu erhalten von der Geisterwelt Gottes. Ihr werdet an das Leben, an das Leiden und Sterben Christi und an seine Auferstehung erinnert, und auch die Geisterwelt Gottes feiert diese Zeit zu Ehren ihres Meisters. Und wie Jesus Christus erfüllt war von Liebe und Güte, so ist es auch seine Dienerschaft. Auch sie will den Menschen helfen, die um ihren Aufstieg ringen, so wie Jesus Christus geholfen und die Brücke gebaut hat zurück ins göttliche Reich und so allen Geschöpfen die geistige Freiheit wiedergebracht und so die Erlösung gebracht hat.

Nun, liebe Geschwister, Trost brauchen sehr, sehr viele Menschen. Auch meine Freunde brauchen Trost und Hinweise, und ihr kommt ja hierher und möchtet, wenn auch nur für fünfzig oder sechzig Minuten, euch von der Schwere dieses Erdendaseins lösen. Ihr möchtet etwas anderes hören als das Übliche, das ihr von morgens bis abends zu hören habt. Ihr möchtet eine geistige Verbindung haben, ihr möchtet sie lebendig wissen. Ihr möchtet von uns hören; ihr möchtet wissen, wie wir euch betrachten, wie wir euer Leben sehen und wie wir euch beistehen können. Auch möchtet ihr sicher sein, dass ihr, wenn es einmal so weit ist, in die andere Welt begleitet werdet. Ihr glaubt an uns, und ihr dürft auch ganz gewiss sein: Wir werden da sein, wenn es so weit ist, und wir werden euch die Hand reichen, und wir werden sagen: “Das war einer der Unseren.” Wir werden es laut bekennen. Darum ist es gut, wenn man die Treue zu uns auch wirklich hält und es einem auch ernst ist mit dieser Verbindung, wenn man nicht nur irgendwelche Vorteile sucht aus dieser Verbindung, seien sie jetzt menschlicher oder geistiger Art. Es darf keine Berechnung sein in irgendwelcher Art.

Aber nun, liebe Geschwister, ihr solltet doch immer wieder von Zeit zu Zeit über Sinn und Zweck des Lebens nachdenken. Wenn man das tut, dann hört man auch verschiedentlich die Antwort von uns. Man spürt sich begleitet, man hat also nicht das Gefühl des Alleinseins. Und so möchte ich jetzt eigentlich mit euch darüber meditieren. Aber es ist ja so: Ihr seid erstens einmal in eurer Entwicklung sehr unterschiedlich, und dann ist ja auch der Inhalt des Lebens vom einen zum andern ganz verschieden. Und je nach dem Lebensinhalt, den man hat, schreitet man vorwärts und hat seine Einstellung zum Leben.

Jetzt möchte ich aber beginnen bei dem Alleinstehenden, vielleicht darf ich auch sagen bei dem sich einsam fühlenden Menschen, der alleine ist, keine Familie hat, der so im Leben steht und sich auch manchmal gefragt hat: “Hat mein Leben überhaupt einen Sinn? Ich stehe allein.” Und er sagt sich: “Mein Leben hat nicht den Fortgang genommen, wie ich es mir gewünscht, wie ich geplant habe.” Also stellt er die Frage: “Ist mein Leben überhaupt sinnvoll? Was kann ich denn tun im Besonderen, wenn von uns immer wieder verlangt wird, wir müssten Aufgaben erfüllen?” Der einsame oder der alleinstehende Mensch hat es in dieser Beziehung schwerer. Er steht mit seinen wirklichen Sorgen und Problemen mit sich allein, er muss mit sich allein fertigwerden. Er trägt die ganze Schwere seines Schicksals allein, während man in einer Familie dem andern hilft, das Schicksal zu tragen; man kann mit ihm reden, man kann ihn trösten. Wer aber alleine steht, der bekommt diesen Trost nur, wenn er unter seine Freunde geht, wenn seine Freunde ihn verstehen. Aber vielleicht ist er gerade zu jener Stunde, wo er Trost und Beistand brauchen würde, allein in seiner Kammer, steht ganz allein da. Und da fragt er manchmal: “Hat mein Leben wirklich einen Sinn?” Und so wird er unzufrieden, ungeduldig, einseitig eingestellt zum Leben, zu seinen Mitmenschen, ja er wird vielleicht sogar etwas sonderlich. Das mag beim alleinstehenden Menschen eine übliche Erscheinung sein, weil er eben zu viel allein ist und weil er seine Sorgen nicht zu jeder Minute oder zu jeder Stunde mitteilen kann, wie man es in der Familie tun kann, wenn man zusammen ist. Man wird eher vergrämt. Man bekommt also diesen Trost nicht zu der Stunde, wo man ihn braucht.

So kann man einerseits das Leben betrachten, menschlich gesehen, und wir werden selbstverständlich das alles in Betracht ziehen. Wir werden also einem solchen Menschen, der alleinsteht im Leben – oder der glaubt, er stehe allein –, dann auch Verschiedenes, das er falsch macht, gar nicht so anrechnen, weil er aus sich selbst die Kraft finden muss für die Lösung seiner Sorgen und Probleme und weil das nicht jedem zugemutet werden kann. Nicht jeder ist seelisch, geistig, innerlich so stark, um in jeder Position von sich selbst aus die Kraft und den Weg ins Leben zu finden. Also, auch das ist eine Antwort auf diese Fragen, die man sich schon öfters gestellt hat.

Beim andern, der in der Gemeinschaft lebt und dem die Sorgen erleichtert und mitgetragen werden von den andern, da urteilt man auch wieder anders. Er wird strenger beurteilt, wenn er sich verfehlt in dieser Beziehung, also in Bezug auf seine Probleme oder Sorgen, wenn er sich nicht zurechtfindet. Ja man kann ihm das anrechnen. Er findet Trost in der Familie, und nimmt er den Trost nicht an, so ist das nicht richtig, und er kann sich damit sogar belasten.

Aber jetzt sprechen wir ja von dem Alleinstehenden. Nun, im täglichen Leben muss der Alleinstehende genau wie jeder andere seine ganze Kraft und seine ganze Fähigkeit zum Ausdruck bringen, wenn er mit der Zeit, mit den Menschen gehen will, wenn er sich behaupten will. Er muss tun und schaffen wie ein anderer. Es gibt doch eine Quelle, wo auch er schöpfen kann, um Kraft zu finden. Aber diese Quelle findet ja nur der gläubige Mensch, und zum Glauben zwingen kann man niemanden. So haben wir manchmal Freunde, die sozusagen nur mit einem Fuss in der Gemeinschaft sind. Mit dem andern Fuss stehen sie draussen und sind schnellstens bereit, etwas Verlockenderes anzunehmen und dem zuzustimmen, und sie gehen auf und davon. Aber das findet man nicht etwa nur bei den Alleinstehenden, sondern überall, auch bei jenen, die in der Gemeinschaft, in der Familie leben. Das sind jene, die uns nicht ihre ganze Treue geschenkt haben. Aber auch mit dem müssen wir fertigwerden und dafür Verständnis haben, denn wir werden auch jene Menschen nicht verlassen, trotz ihrer Abkehr von uns. Aber es ist schade, wir können dann einmal nicht sagen: “Das war einer der Unseren.” Das ist dann schade.

Nun möchte ich doch einen Vergleich geben für diesen Alleinstehenden, der glaubt, sein Leben hätte keinen besonderen Sinn und er werde von den Mitmenschen nicht geachtet, nicht geschätzt, eben weil er alleine ist, weil er vielleicht nicht fähig gewesen ist, etwas Grösseres aufzubauen oder einer Familie vorzustehen und so weiter. Nun, diesem Menschen möchte ich sagen: Wenn du ein gutes Herz und eine fromme Seele hast, dann gleichst du einer prachtvollen Blume, die einzig mitten in einem Garten steht und von den Vorübergehenden ganz besonders bewundert wird. Als einzige Blume blüht sie im Garten, und niemand ist da, der ihr etwas von ihrer Schönheit und Farbenpracht abzusprechen versucht. Man kann also diese einzige Blume bewundern. Und so ist es mit einem alleinstehenden Menschen. Andere, Aussenstehende, können ihn bewundern wegen seiner Haltung, die er zeigt, wegen seiner Einstellung zum Leben und selbstverständlich auch wegen seiner Frömmigkeit und Gerechtigkeit. Er kommt also ins Blickfeld des Mitmenschen, auch wenn er alleine ist. Dieser alleinstehende Mensch kann mehr Bewunderung finden als irgendein anderer, der in der Gemeinschaft lebt, weil feinfühlende Menschen es wohl verstehen, was es bedeutet, ganz allein dazustehen, seine Aufgaben zu erfüllen im Leben, all dem zu trotzen, was an Unangenehmem das Leben bringt, und sozusagen mit sich selbst fertigzuwerden. Der Alleinstehende gleicht also einer Blume, die ganz alleine blüht in einem Garten und die bewundert werden kann. Das soll all jenen, die so allein im Leben stehen, ein Trost sein.

Aber wir empfehlen, darüber zu meditieren und nachzudenken, was der Alleinstehende dem Leben gegenüber schuldig ist, was das Leben von ihm abverlangt. Denn es ist nicht so, wie man glaubt, dass das Leben keinen Sinn oder zu wenig Bedeutung hätte, weil man alleine ist. Nein, durch seine Haltung, durch sein Streben nach den höheren Lebenszielen wird der Alleinstehende mehr Bewunderung finden als ein Mensch, der in der Gemeinschaft leben kann, eben weil man ihn schätzt und weil man weiss, dass es zu seinem Leben mehr Kraft braucht und er seine eigene Quelle sein muss, um sich immer wieder zu stärken, sodass er allem Unangenehmen gegenüberstehen kann. Man kann darüber doch nachdenken, oder ich möchte sagen, jene Freunde, die in der Gemeinschaft einer Familie leben, sollen sich nun einmal vorstellen, wie angenehm es ist, bei allen Problemen sich aussprechen zu dürfen. Und sie sollen einmal nur für kurze Zeit darüber nachdenken, wie es wohl um sie bestellt wäre, wenn sie ganz allein wären. Der eine ist vielleicht krank oder kränklich oder fängt an, krank und alt zu werden – und er müsste nun ganz alleine stehen im Leben und könnte seine Probleme, auch die vielen nichtigen, die ihn doch auch nebenbei beschäftigen, nie mit dem andern besprechen. Denke doch, welche Bewunderung muss man jenem geben, der die Kraft findet, sich auf seine vielen kleinen Fragen selbst die Antwort zu geben. Und wie notwendig ist es für jenen alleinstehenden Menschen, der nach dem höheren Leben zielt, dass man ihm dementsprechend auch seine Achtung gibt.

Und dem Alleinstehenden sei noch einmal gesagt: Es ist gerade die jetzige Osterzeit so wunderbar geeignet, sich zu stärken; denn jetzt strahlt eine heilige Kraft, ein gewaltiger Segen über alle Menschen. Ganz besonders in dieser Zeit sollte es jedem bewusst werden, dass Jesus Christus den Weg geebnet und er so viel getan hat. Es sind ja nicht nur alleinstehende Menschen in Sorgen und Nöten, sondern Menschen überhaupt; und gerade dann, wenn man sich einsam fühlt und krank ist, überhaupt wenn man Hilfe braucht, dann richtet man den Blick nach oben und sucht Hilfe bei Gott und beim Erlöser. Der nach innen gerichtete, fromme Mensch ist bereit, sein Leben, so wie es ist, zu tragen im Gedenken an den Erlöser, weil dieser für die Menschheit so viel getragen hat. Er ist auch bereit, Schmerzen und sonstiges Unangenehmes einfach auf sich zu nehmen, ebenfalls im Gedanken: “Christus hat viel mehr getan. Er ist nicht nur für mich, er ist für die ganze Menschheit gestorben.” So muss der Alleinstehende denken. Kann er das in dieser jetzigen Zeit, dann strahlt ganz besonders über ihn eine heilsame Kraft. Und ich möchte erklären, nur symbolisch gesagt, dass die Geisterwelt Gottes seine Strasse des Lebens beleuchtet und dass er auf dieser Strasse des Lichtes schreiten kann. Er bekennt sich in seiner Seele und in seinem Herzen zum Reiche Jesu Christi, zum Reich Gottes. In diesem Bewusstsein zu leben: “Dir ist mein Leben”, gibt dem Einzelnen eben immer diese Kraft, die er braucht im täglichen Leben, im Alltag. So ist dieses ein Trost und ein Hinweis an meine Freunde. Und es sind derer nicht wenige, die solche Probleme haben, die manchmal an dieser Einsamkeit kranken. Und so habe ich ihnen jetzt gesagt: Ihr gleicht einer Blume, die ganz alleine ihre Schönheit und ihre Farbenpracht zum Ausdruck bringt im Garten; sie wird viel mehr Bewunderung finden, als wenn der Garten voll von blühenden Blumen wäre – da bewundert man alle Blumen, das Ganze wird als Pracht bewundert, und das Einzelne kann nicht so seine Bewunderung finden. Steht man aber alleine da in seiner Schönheit, dann findet dieses Einzelne seine Bewunderung, und man fragt sich: “Warum steht diese Blume allein im Garten und blüht so schön?” Ja, darüber könnte man lange meditieren und viele Antworten vernehmen.

So sei es ein Trost für meine Geschwister, zu wissen, dass in diesen heiligen Tagen eine vermehrte Kraft vorhanden ist. Ihr wisst ja auch, dass geistige Freunde einen besuchen können, die gerade in diesen heiligen Tagen die Erlaubnis erhalten, in die Nähe des Menschen zu gehen. Dies geschieht immer an diesen christlichen Erinnerungstagen. Sie möchten euch so gerne sagen: “Du bist nicht allein. Die Gesellschaft der Menschen, ja sie mag dir Unterhaltung bieten, sie mag dir wohl auch zur Stärkung deiner Seele und deines Lebens dienen, aber vergiss nicht: Wenn du nach dem hohen Leben trachtest, dann hast du auch deine geistigen Freunde. Sie sind bei dir, wenn du arbeitest, und sie sind bei dir, wenn du in Gefahr bist, sie lenken diese ab; und sie sind bei dir, wenn du schläfst, das heisst, wenn der Körper ruht und du im Geiste frei bist und sie sich mit dir unterhalten können. So sind sie also immer bei dir.”

Und nun, ich möchte ja auf keinen Fall meine andern Freunde vernachlässigen. Wenn man in einer Familie lebt, wenn Mann und Frau zusammen sind, so haben sie die Möglichkeit, wie ich betont habe, gemeinsam den Weg nach oben zu schreiten – also vorausgesetzt selbstverständlich, dass man den gemeinsamen Weg geht und nicht nur gemeinsam im Leben steht, Partner geworden ist. Mit geistigen Erkenntnissen sollte man grosse Möglichkeit haben, das höhere Leben zu leben, denn es heisst ja so wunderschön: “Sie sollen werden ein Leib und eine Seele” (vgl. 1. Mos. 2, 24). Und das heisst: Wird eine Hand oder sonst ein Organ krank, dann leidet der ganze Leib. Jetzt müsst ihr das richtig verstehen, wenn ich auf diese Worte hinweise: “Werdet ein Leib und eine Seele.” Wenn eines von beiden krank ist, dann ist alles krank, also beide werden krank. Dies kann sein an Leib und Seele oder vielleicht nur am Leibe oder vielleicht nur an der Seele.

Menschen, die diesen geistigen Weg kennen, sollten die Kraft finden, um das zu verwirklichen, was Gott verlangt – ich spreche jetzt nur von zwei Menschen, die gemeinsam, miteinander durchs Leben gehen. Hat man sich einst gelobt, gemeinsam, miteinander durchs Leben zu gehen in guten und in schlechten Tagen, dann muss man sich diese Worte immer wieder in Erinnerung rufen. Man hat sich zu etwas verpflichtet. Man muss also, wenn man nach dem höheren Leben trachtet, diese Aufgabe erfüllen. Nun aber ist es selbstverständlich, dass das eine wie das andere volle Rücksicht nimmt und versucht, dem andern die Seele zu schmücken. Jedes versucht, dem andern sein Dasein lebensfroh zu gestalten, denn man ist ein Leib und eine Seele geworden, und unüberwindbares Leid soll auch Leid des andern werden. Man soll miteinander das Schöne tragen, miteinander das Leid tragen. Man kann, um dieses zu erreichen, an die göttliche Quelle schreiten. Und wiederum, es ist doch diese Passionszeit, die den Menschen erinnert an das grosse Werk des Erlösers, das er für die Menschheit getan hat, wie er um diesen Aufstieg gerungen. Er ist Gottes Sohn, er hat dieses schwere Leben freiwillig auf sich genommen zur Errettung seiner Geschwister, damit sie dereinst wieder in die Ewigkeit eingehen und froh und glücklich in dieser Ewigkeit leben sollen. Das ist das Trachten nach dem höheren Leben: wenn man sich eben klar wird, um was es geht, welchen Sinn das Leben hat, und dass man nicht vergessen soll, wie es aussehen könnte, würde man allein im Leben stehen. Wenn man dem andern gegenüber so mitteilsam ist, legt man ihm ja auch ein Stück der eigenen Last auf seine Schultern und in seine Seele.

Für uns ist es sozusagen etwas Furchtbares, Menschen zu sehen, die zusammen im Streit und Unfrieden leben. Es ist furchtbar, zu sehen, wie das eine oder andere nicht fähig ist, dem Lebensgefährten einen Liebesdienst zu tun – und man ist Christ –, und wenn man diese Ehe nicht als das betrachtet, was sie im höheren Sinne ist, wenn sie für den einen oder andern nur eine Versorgung fürs Leben ist und das eine oder andere nicht fähig ist, das Leben des andern zu erleichtern. Ich betone immer: das eine oder das andere. Denn meine Worte sind nicht an einen einzelnen Menschen oder an einen bestimmten Fall gerichtet – es sind so viele, denen ich ins Herz sprechen muss. Es ist entweder das eine, oder es ist das andere, das schuldig ist. Aber meine Worte treffen in die Mitte des Herzens, wo ich gehört werden muss.

So belastet sich ein Mensch, wenn er nicht fähig ist, in dieser Gemeinsamkeit in Liebe und Nachsicht zu leben, wenn er nicht Verständnis hat für den andern, wenn er um nichtige Dinge streitet, die es nicht wert sind, ein Wort darüber zu verlieren. Solche Menschen haben den Sinn des höheren Lebens nicht erfasst. Denn bedenkt, um was es ging, als Jesus Christus diesen schweren Leidensweg ging. Mag man denn wegen nichtiger, unbedeutender Dinge seine Seele verletzen, seinen Aufstieg hindern, während Christus diesen schweren Weg auf sich nahm, um den Menschen zu helfen, und er noch, als man ihm so viel Leid antat, sprach: “Vater, vergib ihnen; sie wissen nicht, was sie tun”? Und ein Mensch, von dem man annehmen kann oder dem zugemutet werden kann, dass er einen gesunden Verstand hat, kann um nichtige, unbedeutende Dinge einen grossen Streit auslösen, wo doch alles Irdische vergänglich ist. Rost und Motten können alles vernichten. Aber ein Wort des Verständnisses, der Güte, der Liebe, das kann nicht vernichtet werden. Mit Worten des Verständnisses und der Güte schmückt er seine Seele; denn dieses ist unvergänglich, es kann nicht vernichtet werden. Die Liebe blüht in seiner Seele, und diese Pracht wird sich zeigen, wenn er seinen ersten Schritt in die Jenseitswelt macht, wenn er seine Augen geöffnet hat und es ihm klar geworden ist, wo er steht und um was es geht. Dann ist aber auch mancher voller Selbstvorwürfe und fragt sich: “Warum konnte ich nur um so nichtige, bedeutungslose Dinge streiten!” Schade darum. Es ist doch viel besser, um des Friedens und des höheren Lebens willen viel Unangenehmes auf sich zu nehmen und nach der Unvergänglichkeit zu trachten. Der wahrhaftige Geistesmensch trachtet nach dieser Unvergänglichkeit. Es ist ihm doch ganz bedeutungslos, wenn irgendwelche irdischen Gegenstände entzweigebrochen sind oder irgendwelchen materiellen Schaden genommen haben. Dies ist ihm gleichgültig; er will dabei nur seinen Frieden bewahren. Damit möchte ich aber nicht falsch verstanden werden, dass der Mensch den irdischen Dingen oder Verpflichtungen gegenüber gleichgültig sein soll. Das ist nicht gemeint. Sondern es geht um den Frieden und darum, dass man nicht dem Vergänglichen die grösste Bedeutung zumisst und dabei das Unvergängliche beschädigt, ihm gleichgültig gegenübersteht und seine Seele belastet.

Man braucht kein Lebenskünstler zu sein, um zu einer solchen Einstellung zu kommen, sondern man braucht nur ein Gott suchender, liebender Mensch zu sein, der zuerst den höheren Zielen dienen möchte. Und das kann man in der Gemeinsamkeit. Man kann diesen höheren Zielen dienen. Und wie schön muss es klingen, wenn solche Menschen dann die Schwelle des Jenseits überschritten haben, von den Engeln Gottes zusammengeführt und begleitet werden, wenn ihnen die Hände ineinandergelegt werden und die Engel sagen dürfen: “Sie haben ihre Aufgaben in ihrem Leben erkannt, sie haben nach dem hohen Ziel des Lebens gelebt. Und so sollen sie belohnt werden, denn sie haben ihr Leben geteilt in guten und in schweren Tagen. Jeder hat Anteil genommen am Glück und am Leid des andern.” Das erleben jene, die eine glückliche Gemeinsamkeit hinter sich gelegt haben. Und sie dienen in der Geisteswelt vielen andern, die im Aufstieg sind, als Vorbild. Ihr Leben wird herausgegriffen, den andern vorgeführt, um zu zeigen, wie sie es getan haben. Sie werden Vorbilder im Heils- und Schöpfungsplane Gottes.

Man wird mir entgegnen: “Ja, es gibt eben in diesem Lebenskampf so vieles, was man fast nicht überwinden kann und das eben das Unangenehme auslöst”, und das eine oder andere wird sagen: “An mir liegt es nicht, sondern am andern.” Ja, es mag sein; wenn es so ist, sieht es Gott und sehen wir es alle. Dann, wenn man mit dem besten Willen nicht gemeinsam nach dem hohen Lebensziel schreiten kann, muss das eine oder das andere aus seiner ganzen Kraft heraus das tun, was möglich ist zu tun, um so seinen eigenen Aufstieg nicht zu behindern. So mögen vielleicht dem einen oder andern grosse Hindernisse in den Weg gelegt werden zum Aufstieg. Wenn es aber um Freunde geht, die unserer Gemeinschaft angehören, die uns angeschlossen sind, da möchte ich sagen, es gibt keine Entschuldigung für sie, es gibt keine Entschuldigung, sondern es gibt nur eines: Man lernt, man befolgt das, was gesagt wird, man schreitet nach den hohen Zielen, und man ist und bleibt mit uns verbunden. Sonst ist es nur eine scheinbare Verbundenheit und so, als stehe man ausserhalb des Gartens Gottes und gehe nur dem Zaun entlang – aber miterleben wie die, die drinnen sind im Garten Gottes, das kann der Aussenstehende nicht, er ist nur scheinbar mit uns verbunden. Das ist auch schade. Schade darum.

Nun, jedem Menschen wird immer wieder Gelegenheit zur Einsicht gegeben. Und wir geben ja auch die Hoffnung nie auf. Bis zur letzten Stunde seines Lebens warten wir auf die Veränderung, auf die Einsicht. Und kommt sie dann doch noch, dann wollen wir alle beglückt sein. Und kommt sie nicht, dann wird der Betreffende enttäuscht sein über uns, weil wir dann genauso kühl und abweisend sind mit ihm, wie er oder sie es im Leben mit dem Ehekameraden auch war. Jeder wird gerade das empfangen, was er verdient hat. Hatte er im Leben ein Herz voll Güte und Liebe, wird ihm in der Jenseitswelt unendlich viel an Gefälligkeiten, an Diensten erwiesen. Liebe, Güte dringt im Überfluss auf ihn ein. Denn das ist das geistige Gesetz. Was er im Leben gegeben hat, wird er tausend- und tausendfach – dies ist vielleicht etwas übertrieben, aber ich spreche dies ja symbolisch – von uns zurückbekommen. Und wer eben mit diesem Verständnis, mit dieser Güte und dieser Liebe geizig war, wird denselben Geiz von uns erhalten.

Ja, man kann über das Leben des Erlösers wunderbar meditieren, über sein Leiden, über seine Auferstehung, über die Bedeutung der Erlösung der Menschheit. Wenn man sich zu Christus bekennt, dann sollten einem eben die geistigen Belange viel bedeutender sein als das Irdische, das Vergängliche, und man soll alles tun, um den Frieden zu wahren, den Frieden zu pflegen, zu fördern. In dieser Gemeinsamkeit ist man verpflichtet, dem andern immer wieder Freude zu bereiten. Man ist verpflichtet, von der Last, die der Lebenskamerad trägt, etwas auf sich zu nehmen, mitzutragen, mitzuverstehen. Es krankt die ganze Menschheit an dieser Krankheit im Zusammenleben in dieser Gemeinsamkeit.

Liebe Geschwister, wenn ihr sagen könnt: “Wir sind mit euch verbunden, es sind nur unsere Schwächen, es ist nur unser Straucheln, dem wir nicht gewachsen sind; wir sind euch aber treu ergeben”, so ist euch ja immer wieder Gelegenheit geboten, in eurer Seele Ordnung zu schaffen. Es gibt immer wieder die Möglichkeit, die Seele aufzuräumen und so wieder von vorne zu beginnen, mit neuem Eifer dem andern in Liebe beizustehen, ihn in jeder Situation zu verstehen. Kann man das, dann ist man ein wahrer Christ.

Es gibt viele, die glauben fromm zu sein, nur weil sie einen bestimmten christlichen Glauben tragen. Menschen machen Bestimmungen, sie tun es, und diese Bestimmungen erklären sie zum Teil als allgemein verbindlich, besonders was religiöse Dinge betrifft. Betrachtet das Christentum, wie es einst war zur Zeit, als Jesus Christus gelebt hat. Es war die Sonnenzeit des christlichen Lebens. Die Quelle war klar und rein, denn der König der Geisterwelt lebte auf Erden, lebte das Leben vor, erklärte es den Menschen. Und betrachtet diese christliche Lehre, wie sie heute ist: Was haben die Menschen daraus gemacht! Und denkt, was würde Christus, der Herr, sagen, wenn er heute kommen würde. Bestimmt würde er traurig die Worte sagen: “Was habt ihr aus mir gemacht! Was habt ihr aus dem Christentum gemacht!”

Manchem würde es guttun, die Kirchengeschichte zu studieren. Es ist dies kein Vergehen. Man ist ja sonst so peinlich genau in der Wissenschaft, alles abzuklären, Falsches auszusondern, Richtiges nachzuweisen. Warum ist man dann in dieser Beziehung nicht so exakt? Es sind noch viele, viele Beweise vorhanden, es sind noch genug Schriften vorhanden, die den Beweis jenes Christentums liefern würden, das die wahre Sonnenzeit war. Nun, alles wird wieder dahin zurückkehren müssen, es wird wieder die Zeit kommen, wo die Menschen wieder zu dem Glauben zurückkehren, wie er einst war, wenn man den Weg der Vollkommenheit schreiten will und wenn alles diesem Aufstieg entgegengehen will. Freier werden die Menschen im religiösen Leben, noch freier, als es ein grosser Teil der Menschheit schon jetzt erfahren darf. Noch freier müssen sie werden, um selbst zu entscheiden. Und näher müssen sie einander kommen, zusammenrücken, denn es gibt nur einen Vater. Und wessen Glauben man auch hat, man hat nur einen Vater. Dieser Vater liebt alle seine Kinder, und keiner wird gefragt, wenn er die Schwelle des Jenseits überschreitet: “Zu welcher Religionsgemeinschaft gehörtest du?” Keiner wird gefragt. Christus ist für alle gestorben, welchen Glauben sie auch haben. Bei einer jeden Seele wird nachgeschaut, ob sie so gelebt hat, wie es der Himmel vorgeschrieben. Dem Menschen wurden die Gesetze Gottes gegeben, damit er nach den Geboten lebe. Und Christus ist gekommen und hat die Gebote noch erweitert. Er hat noch mehr von Liebe gesprochen, mehr noch vom Vater erklärt. Er hat so viel den Menschen gegeben. Er hat ihnen das ewige Leben zurückgegeben. Für die Seligkeit im ewigen Leben muss aber jeder selbst besorgt sein.

Nun, liebe Geschwister, ich kehre zurück, und Gottes Segen behüte euch, begleite euch durchs ganze Leben. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.3.1964 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Dienst am Nächsten – Geistige Heimkehr eines Missionars

Josef, 27. Januar 1962

Dienst am Nächsten – Geistige Heimkehr eines Missionars

Wo ein Mensch auch steht, überall gibt es für ihn Aufgaben zu erfüllen, sei es in der Familie oder sei es im Dienst am Nächsten. Der Vortrag berichtet von der Heimkehr eines Missionars, der für Gott und den Erlöser gewirkt und sich für seine Mitmenschen aufgeopfert hatte. Durch seine innige Verbundenheit mit der göttlichen Welt fühlte er sich nie einsam und allein. Sowohl aufsteigende Geistgeschwister als auch Geister Gottes sorgten für sein leibliches Wohl, beschützten ihn auf seinen gefahrvollen Wegen und stärkten ihn mit geistigem Trank und unsichtbarer Speise.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, zur Einleitung dieses Abends möchte ich einige Probleme erläutern und einige Fragen beantworten. Ihr wisst, wir sehen euer Denken, euer Wollen; wir haben Kontakt mit euch, und wir sehen euch den Problemen des Lebens gegenüberstehen. Wir hören euch zu und möchten euch so gerne eine deutliche Antwort geben. Das, was ich jetzt sage, habe ich eigentlich des Öftern schon erklärt, vielleicht nicht so ausführlich.

Der Vater im Himmel ist der Gott der Ordnung, in seinen Gesetzen ist Ordnung. Menschen selbst sind sehr oft in gewissen Dingen fanatisch eingestellt, es ist also nicht mehr von einer Ordnung zu sprechen. So haben die Menschen ihre verschiedenen Probleme, und von uns aus gesehen muss alles in Harmonie gelöst werden; es soll in Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit vor sich gehen. Nun geschieht es aber sehr oft, dass sich ein Mensch sagt: “Meine Lebensauffassung, die ich habe, ist die richtige”, und mit dieser Lebensauffassung, die ja seine persönliche Auffassung ist, will er andere sozusagen unterjochen, er will ihnen seine Anschauung aufzwingen – er meint, was andere glauben, wäre falsch. Mit einem Fanatismus geht er ans Werben; das kann sich auf eine religiöse Anschauung beziehen, es kann aber auch irgendetwas anderes sein. Zum Beispiel behauptet der eine, es wäre nicht gut, Fleisch zu sich zu nehmen, und er will die anderen Menschen sozusagen mit Gewalt davon überzeugen. Ein anderer will mit Gewalt dem Nächsten erklären, dass es notwendig wäre, Fleisch zu essen, und man unbedingt welches zu sich nehmen müsse. Also: Weder der eine noch der andere hat recht, denn jedem soll man das lassen, was ihm beliebt. Jeder soll sich aus freien Stücken entscheiden. Wenn sich der eine wohlfühlt, vegetarisch zu leben, dann soll er es tun; und wenn der andere findet, dass der Fleischgenuss ihm keinen Schaden zufügt, dann kann er Fleisch essen. Denn auch hier kommen die Worte zur Geltung: “Nicht das, was in den Mund hineingeführt wird, verunreinigt den Menschen, sondern vielmehr das, was aus ihm herauskommt, verunreinigt den Menschen” (Mat. 15, 11). So ist man fanatisch eingestellt, und diesen Fanatismus bekämpfen wir überall, auf der ganzen Linie.

Es ist aber noch eine andere Frage zu beantworten, mit der sich verschiedene Freunde der Gemeinschaft sehr beschäftigen und die sie gerne abgeklärt haben möchten, denn sie sind sozusagen in einer Gewissensnot. Sie sind gerechte Menschen, möchten ihre Aufgaben erfüllen, doch sie wissen nicht: “Erfülle ich nun meine Aufgabe, oder habe ich sie vernachlässigt, oder kann ich sie überhaupt nicht in Erfüllung bringen?” So beschäftigen sich viele Freunde der Gemeinschaft mit dieser Angelegenheit – gemeint ist jetzt zum Beispiel die Betreuung eines Menschen, sagen wir eines Familienmitgliedes, es kann Vater oder Mutter sein, die alt geworden sind, gebrechlich, hilfsbedürftig. Und nun ist die Frage: “Erfülle ich an dieser Person meine Aufgabe?” Diese Frage steigt ja nur dann auf, wenn man ein unsicheres Gefühl hat; vieles ist eben nicht in Ordnung. Wenn jemand zum Beispiel einen Menschen pflegt, sei es ein Familienmitglied oder ein Freund oder sei es von Berufes wegen, so spricht man in dieser Gemeinschaft von Aufopferung, von Geduld, von Liebe. Und dieses ist richtig. Aber alles muss richtig angewandt werden. Wenn man einem Menschen gegenübersteht – sei es ein enger Verwandter, ein Freund oder sonst jemand –, und es ist einem nicht mehr möglich, ihn zu betreuen, dann muss die Frage geklärt werden: “Wenn mir die Betreuung dieses Menschen nicht mehr möglich ist, was geschieht dann mit ihm?”

Unsere Antwort ist: Man kläre ab, ob diesem hilfsbedürftigen Menschen ein Dach über dem Kopf gegeben ist, ob er genügend Brot besitzt, ob er die notwendigen Mittel zum Leben hat. Ist dies alles vorhanden und braucht der Pflegebedürftige einen Menschen, der ihm zu Diensten steht, dann muss er diesem Menschen gegenüber auch den Respekt und die Achtung geben, wie es nach dem göttlichen Gesetze überall bestimmt ist. Wenn dem Gebenden – damit meine ich denjenigen, der den Kranken und Gebrechlichen betreut – die Pflege dieses Hilfsbedürftigen nicht mehr zugemutet werden kann, weil dieser egoistisch, rücksichtslos und frech wird, dann darf man die ganze Angelegenheit auf andere Wege führen; denn die Gutmütigkeit, der Eifer an Aufopferung sollen geachtet und nicht missachtet werden. Wenn nun dem betreffenden Menschen das tägliche Brot gesichert ist und er ein Dach über dem Kopf hat, dann kann man ihm sagen: “Ich finde es besser, wenn deine Pflege in andere Hände gegeben wird.” Man belastet sich dadurch nicht, im Gegenteil. Wenn Menschen zusammenleben und sich ständig ärgern, belastet sich ein jedes; und dieses muss einmal in der jenseitigen Welt wieder abgetragen werden. Ich sage aber ausdrücklich: Es ist zuerst abzuklären, ob der Pflegebedürftige ein Dach über dem Kopfe und genügend Mittel zum Leben hat, das heisst, ob er anderswo, bei jemand anderem, genauso gut oder vielmehr besser weiterleben kann. So machen sich so viele Freunde ein Gewissen und sagen: “Ich habe meine Aufgabe nicht erfüllt, ich bringe die Geduld nicht auf.” Die Gutmütigkeit, die Aufopferung sollen geachtet und respektiert werden, und man darf auch vom Nehmenden verlangen, dass er sich an die göttlichen Gesetze hält. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man ihm in allen Dingen nachgibt. Man soll es ihm klarmachen und sagen: “Wir finden es besser, wenn wir die Verhältnisse ändern.”

Anders aber ist es jenen Menschen gegenüber, sagen wir zum Beispiel bei Eltern, die alt geworden sind und kein eigenes Haus, keine Mittel zum Leben haben. Hier darf man nicht sagen: “Suche dir anderswo einen besseren Aufenthalt.” Wer ohne Mittel ist, wer pflegebedürftig ist, dessen muss man sich annehmen; hier muss man grosse Opfer aufbringen. Aber auch diesen Menschen gegenüber darf man zum Ausdruck bringen, dass man die Liebe, die man ihnen schenkt, nicht als eine Selbstverständlichkeit hingibt und man für diese Liebe doch auch Anerkennung sehen möchte. Nun aber möchte ich betonen: Nicht überall sind Menschen, die ohne Mittel sind, so egoistisch. Sehr oft sind sie sehr dankbar für jeden Dienst, den man ihnen tut. Und solche Menschen zu pflegen, die dankbar das Gegebene entgegennehmen, ist etwas Schönes, das von der himmlischen Welt belohnt wird. Ihr sollt also sehen: Alle Dinge müssen abgeklärt werden. Es wird euch Menschen nicht Unmögliches zugemutet. Von jedem Menschen wird Achtung und Respekt gefordert. Also überall soll eine gewisse Harmonie, etwas Ausgeglichenes im Wesen des Menschen zum Ausdruck kommen. Und so braucht man sich kein Gewissen zu machen, wenn die Dinge in dieser Weise gelöst werden, sofern durch die Veränderung, die man vornimmt, niemand in Not kommt, weder materiell noch geistig. Sehr oft glaubt man, den kranken Menschen gegenüber jeden Wunsch erfüllen zu müssen. Aber auch hier muss man immer von einem Fall zum andern gesondert prüfen und das Urteil abgeben.

Nun wenn ich schon bei der Behandlung dieser Probleme bin, so möchte ich noch etwas deutlicher werden, denn dieses alles hängt zusammen. Wenn man den Bund fürs Leben geschlossen hat und einander Treue gelobt, dann muss man diese Treue halten. Und wenn im Laufe der Zeit Uneinigkeiten diese Ehe überschatten und, wie man sagt, dem einen oder andern nicht mehr zugemutet werden kann, zu verweilen, dann ist unser geistiger Standpunkt folgender: Jeder Ehepartner hat sich zu fragen: “Habe ich alles getan, um das Glück meiner Ehe zu erhalten?” Man soll aber ehrlich sein und diese Frage in Bezug auf alle Dinge beantworten können: “Habe ich alles getan?” Ist man einsichtig geworden und gibt zu: “Dieses und jenes habe ich unterlassen”, dann versuche man es nachzuholen und von sich aus das Beste zu tun. Doch geht es wiederum nicht, und man streitet und belastet sich, jedes auf seine Art, dann ist es wohl gut, wenn man auseinandergeht. Das Auseinandergehen heisst aber nicht, gleich eine neue Ehe einzugehen. Ich möchte hier richtig verstanden werden: Es heisst nicht, dass man schon frühzeitig umherblickt, welches der geeignete Partner für die nächste Ehe sein könnte, oder dass man schon längst ein Verhältnis hat. Das wird von Gott bestraft. Wer nämlich dieses Treuegelöbnis bricht und Ehebruch begeht, der hat sich vor Gott zu verantworten. Man darf voneinandergehen in der Absicht, den Frieden für sich zu wahren; denn man geht vielen Schwierigkeiten und Belastungen aus dem Wege. Auch hier muss wieder von einem Fall zum andern geurteilt werden. So muss jeder Teil in der Ehe das Äusserste dafür tun, um am gemeinsamen Glück aufzubauen. Denn man baut sich selbst sein geistiges Glück auf, oder man zerschlägt es. Man ist für den eigenen Frieden wie für den Frieden des Partners verantwortlich. So will es Gott, dass man gemeinsam, miteinander durchs Leben geht, in Frieden, in Achtung, in Respekt voreinander. Wenn man dieses kann, dann erfüllt man auch eine grosse und schöne Aufgabe im Leben. Ich hoffe, dass ich durch die Beantwortung dieser Probleme zu ihrer Klärung beitragen konnte.

Liebe Geschwister, ihr wisst, Gott belohnt alles Gute, das der Mensch leistet. Und so möchte ich jetzt von einem Missionar erzählen, der den Entschluss gefasst hatte, sein Leben Gott zu geben. Er wollte unter den grössten Anstrengungen und unter grösster Aufopferung für Christus und für Gott leben. Und so geschah es auch. Als Missionar kam er nach Afrika, und dort hatte er Gelegenheit, sein Versprechen zu erfüllen. Er hatte kein leichtes Leben, er musste hart arbeiten und litt Hunger und Durst. Aber dies alles zählte für ihn nicht, er stellte sein Leben in den Dienst Gottes und in den Dienst des Nächsten. Er verkündete das Wort Gottes, und er musste grosse Wege machen, um diese verschiedenen Dörfer zu erreichen, musste durch Busch und Wälder ziehen. Und wenn er nach gewissen Zeiten wieder zurückkam in sein Haus, das er noch mit anderen Missionaren teilte, mussten sie feststellen, dass dem Hause Schaden zugefügt worden war, Schaden, wo es nur ging. Das durfte keinem von ihnen zum Ärgernis werden – unter mühseligen Arbeiten hatten sie etwas aufgebaut, und durch Böswilligkeit wurde ihnen vieles zerschlagen. Aber sie hatten sich in den Kopf gesetzt: “Was auch kommen mag, wir werden es in Geduld ertragen; und wir wollen diesen Menschen das Wort Gottes verkünden.” Und so haben sie zum Teil auch ihre Freuden erlebt. Aber vielen Gefahren waren sie ausgesetzt, auch dieser Missionar, von dem ich spreche. Wenn er die weiten Wege unternahm, so umfasste er jeweils das Kreuz an seiner Brust, hielt es fest in seinen Händen und sagte sich:

“O Du Erlöser, Du bist mein Schutz. Unter Deinem Schutze wandere ich, und für Dich will ich leben.”

So erfüllte dieser Mensch seine Aufgaben, und als sein Leben seinen Abschluss fand, waren die geistigen Werke gross, die er sich erworben hatte. Und als er die Schwelle der jenseitigen Welt überschritt, kam sein Schutzgeist auf ihn zu. Voller Freude begleitete er ihn und sagte ihm: “Du hast ein schweres Leben abgelegt, aber du hast für deinen Erlöser gelebt – und nicht nur für ihn, du hast auch für Gott gewirkt, für die ganze Geisteswelt; an ihrem Aufbau hast du vieles geleistet. Und für deine guten Taten, deine Aufopferung, deine Liebe und Geduld wirst du hier in deiner neuen Heimat Belohnung finden.” Doch der einzige Wunsch des Heimgekehrten war: “Oh lasst mich ihm begegnen!” – er meinte Christus –, “und wenn ich ihn nur von Weitem sehen kann, will ich zufrieden sein.” Und man sagte ihm: “Warte noch etwas, du wirst ihm bestimmt begegnen.”

Nun, schön und hell war die Welt, in die er gekommen war. Nicht nur der Schutzengel stand vor ihm, es kamen immer mehr Wesen zu ihm heran. Nun sah er seine Eltern, die ihn voller Freude begrüssten, und er sah Heimgekehrte, die er als Mensch betreut hatte, denen er in der letzten Stunde ihres Lebens beigestanden hatte. Und so hatte er seine Erlebnisse in dieser neuen Welt. Er sah nicht nur seine weissen Geschwister, er sah auch die andern, für die er sich aufgeopfert, für die er gelebt und gewirkt hatte, auch sie begegneten ihm. Viele kamen zu ihm, um ihn zu begrüssen, sich bei ihm zu bedanken, und er freute sich darüber, dass auch sie da waren. Sie mussten sich aber schnell wieder von ihm verabschieden, denn sie hatten nur zur Begrüssung kommen dürfen.

Der Engel, der ihn in dieser neuen Welt begleitete, ging mit ihm zu einem Flusse hin und sagte: “Wir nehmen ein Schiff und fahren zur andern Seite.” Und so war es: Es kam ein Schiff daher mit Engeln Gottes, und sie überquerten diesen Fluss. Auf der andern Seite sah es viel herrlicher aus, wunderbar war es, es war ein gewaltiger Garten Gottes. Es waren nicht viele Häuser zu sehen, ganz vereinzelt sah man ein schlossähnliches Gebäude; aber alles lag in einem schönen Grün und in bunter Farbenpracht der Blumen. Und er musste nur staunen und fragte: “Wir haben doch nur diesen Fluss überquert, warum ist es auf dieser Seite viel schöner?” Und der Engel sagte: “Später kläre ich dich darüber auf. Nun geniesse zuerst einmal dieses Stück Himmel. Es ist ein Stück Himmel, das du dir verdient hast. Und später suchen wir dann ein Haus für dich.” Er war nicht müde, er fühlte sich frisch. Er war begeistert von der Herrlichkeit, die er sehen durfte, denn alles war neu für ihn. Und nun sah er aufs Herrlichste gekleidete Engelwesen gruppenweise zusammenstehen, zusammensitzen und miteinander reden. Und der ihn begleitende Geist sagte: “Siehe, alle, die da sind, tun nichts anderes, als am Aufbau des Erlösungsplans zu wirken. Das heisst, die einen sprechen über die Geschwister, die hier angekommen sind, andere reden über jene, die in den düsteren Sphären sind – wie man ihnen Hilfe bringt und welcher Trost wohin gesandt werden soll. Und wieder andere sprechen von den Menschen auf Erden, und der eine spricht davon, dass er einem ganz bestimmten Menschenkinde einen besonderen Schutz zu geben habe. Und so werden so vielseitige, reichhaltige Gespräche geführt.” Der Engel erläuterte es ihm, und so gingen sie von den einen zu den andern hin, und überall wurden sie begrüsst, als wären sie längst Bekannte. Man freute sich, man winkte ihnen zu, und es kam ihm gar nicht so vor, als sei er erst vor kurzer Zeit in diese neue Welt eingegangen, sondern er hatte das Gefühl: “Es ist mir alles so altbekannt, so vertraut.”

Neben diesen schönen Engelwesen sah er in diesem herrlichen Garten aber auch den Vögeln zu, wie sie hüpften und flogen von einem Baum, von einem Ast zum andern. Und er sah nicht nur Vögel. Da, auf einer Anhöhe – er staunte und öffnete seine Augen weit, um sich wirklich nicht zu täuschen –, da sah er ein Löwenpaar, das sich neben einem grossen Rudel Rehe zu sonnen schien, und alle waren so friedlich nebeneinander. Der Engel sagte ihm: “Schau nur recht hin, du wirst noch manches zu bestaunen haben.” Zuerst war der menschliche Gedanke in ihm aufgestiegen: “Nehmen denn die einen nicht Schaden von den andern?”, doch dann dachte er gleich: “Ich bin ja im Himmel. Im Himmel ist Friede, Friede bei den Tieren, Friede und Harmonie überall. Nur in der Welt, wo die Menschen leben, ist ein Kampf um das Dasein. Ich bin ja jetzt in der gehobenen Welt, ich bin ja bei Gott, hier gibt es keinen Kampf mehr um das Dasein.” Und der Engel sagte: “Hier leben sie alle im Frieden nebeneinander”, und er machte ihn aufmerksam: “Sieh dort drüben jene Tiere, von denen du sagtest, sie seien die wildesten auf Erden. Hier sind sie so ruhig, so friedlich, und du hast Gelegenheit, an sie heranzugehen und sie zu streicheln.”

So hatte er nur Bewunderung dafür, und der Engel liess ihn in vollen Zügen all das Neue geniessen, das auf ihn zukam. Aber dann sagte er: “Ich habe noch Weiteres mit dir zu besprechen; wir haben später noch Zeit genug, um all das Herrliche und Neue zu betrachten und zu bewundern. Nun aber möchte ich dir etwas zeigen; ich möchte dir doch erklären, auf welche Art und Weise du in deinem menschlichen Leben behütet und beschützt worden bist.” Ja, das nahm ihn wunder, auf welche Art und Weise dies geschehen war. Nun führte ihn der Engel an einen Teich hin, und sie setzten sich nieder in das schöne Grün. Vor seinen Augen erlebte er nun ein Stück seines gelebten Lebens, aber er erlebte, was damals für ihn unsichtbar um ihn geschehen war. Jetzt sah er sich selbst durch den Busch gehen, durch die Wälder streifen, durch die Sümpfe gehen, und er fühlte noch die Angst, die er dazumal hatte; denn es war ganz menschlich, dass man Angst empfand in jener grossen Einsamkeit, in jener neuen Welt, die voller Gefahren war. Aber er sah auch, wie seine Hand fest das Kreuz umklammerte.

Und nun sah er die vielen, vielen Gestalten neben sich – und es waren keine weissen Brüder, es waren Wesen von derselben Hautfarbe wie jene, die er betreuen wollte, denen er das Wort Gottes verkünden sollte. Es waren Geistwesen, die nach ihrem Erdenleben in die jenseitige Welt gekommen waren, die auf einer bestimmten Entwicklungsstufe standen und deren Aufgabe es war, Menschen zu betreuen, sie im Leben zu behüten und zu begleiten. Nun sah er sie neben sich, und man zeigte ihm, dass eine gewisse Vorhut vorausging, um den Weg zu ebnen, um Nachschau zu halten, ob tatsächlich keine Gefahren vorhanden waren. Und diese kleine Schar von Geistwesen, die kannte ihr Land; sie waren mit den Gefahren vertraut, und sie konnten diese Gefahren ablenken. Sie gingen hin zu jenen Menschen und lenkten sie ab, sie führten auch gewisse Tiere weg vom Weg, sie machten die Strasse frei, durch die er zog. Und so gaben sie jeweils Kunde den andern, was geordnet worden sei und wo sie durchkommen sollten und was anzufinden sei. Und diese anderen begleiteten diesen Menschen, und er selbst, dieser Missionar, hatte keine Ahnung von der Schar, die bei ihm war. Er war nur im grossen Vertrauen zu Gott und zu Christus, und er wusste: “Mein Schutzengel steht neben mir und geht mit mir diesen Weg.” Nun sah er etwas, was er doch als Mensch nicht geahnt hatte: Er war von diesen Geistwesen begleitet und beschützt worden. Sie hatten ihn zu seinen Aufgaben hingeführt und hatten ihm diesen Schutz gegeben.

Er sollte aber noch Weiteres sehen. Auf seinen Wegen hatte er manchmal etwas Proviant bei sich, doch es reichte manches Mal nicht aus, und man war angewiesen auf die Eingeborenen, dass sie einem etwas zu essen und zu trinken gaben. Nun zeigte ihm der Engel Gottes auch wieder, auf welche Art und Weise man von geistiger Seite aus seinen ermatteten Körper gestärkt hatte. Er sah nun, wie ein Engel da in dieser Umgebung, in diesem herrlichen grossen Garten, in dem er sich jetzt selber befand, durch die Beete ging und ganz bestimmte Pflänzchen und Blumen an sich nahm, sie in den Arm legte und dann an einen Platz ging, wo er alle diese Blumen und Zweige von Sträuchern sorgfältig ausbreitete. Dann nahm dieser Engel aus seiner Tasche ein Gefäss und ging zu einem der vielen Brunnen in dieser schönen Welt Gottes und füllte das Gefäss mit diesem heiligen Wasser, ging zurück zu seinen Pflanzen, zu seinen Blumen, nahm sorgfältig eine nach der andern und schwenkte sie in diesem schönen, klaren Wasser, nahm sie jeweils wieder heraus und setzte sie wieder in die geistige Erde; dann ging er mit seinem Gefässe fort. Und unser heimgekehrter Bruder sah wohin: Der Engel kam aus diesem Garten heraus zu ihm auf Erden, hin an jenen Ort und jene Stelle, wo er als Mensch seine Aufgaben zu erfüllen hatte; der Engel begegnete ihm auf seinem Wege und gab ihm von diesem Wasser zu trinken – und er nahm in vollen Zügen. Doch er staunte; er erinnerte sich gar nicht daran, das erlebt zu haben. Und der Geist Gottes musste ihn aufklären: “Auf diese unsichtbare Weise kann ein Mensch gestärkt werden, wenn die Gotteswelt es notwendig findet, wenn sie den Menschen stärken will. Wenn er seine Aufgabe zu Ende zu führen hat, wird sie ihm unsichtbar diesen Trank zuführen.” Und der Bruder sah, wie jener Engel mit dem Rest des Wassers seine Hände benetzte und ihm die heisse Stirn befeuchtete.

Er musste staunen und fragte: “Warum lässt Gott den Menschen dieses nicht wissen und sehen?” Und der Geist Gottes antwortete: “Menschen müssen um dieses Wissen und Sehen kämpfen, dann werden sie es auch spüren. Sie werden es erleben, wenn ihnen der Becher zum Munde geführt wird. Sie werden die kühlende Hand spüren, wenn ein Geist Gottes über ihre Stirne fährt; oder sie werden die wärmenden Hände spüren, die über ein Glied des Körpers gleiten. Und es ist gut so”, sprach der Engel, “dass es auf diese Art und Weise geschieht. Den Würdigen wird es gegeben, jenen, die der Hilfe Gottes bedürfen, da, wo die Geisteswelt Gottes will, dass dieser Mensch auf Erden lebt und gestärkt wird in seinem Leben und Wirken, damit er seine Aufgabe zu Ende führt oder damit er zur Einsicht kommt und ein besserer Mensch wird. Die Geisteswelt Gottes versucht, dieses Erlebnis dem Menschen nahezubringen. Aber sein Denken, sein Fühlen ist nicht von so feiner Art, dass er es ohne Weiteres aufnehmen kann, und ganz besonders dann nicht, wenn er in Angst und Bange ist – da vermag er es nicht zu spüren. Ist der Betreffende zur Ruhe gekommen oder wirkt ein Geist Gottes beruhigend auf ihn ein und will, dass dieser Mensch dieses geistige Erlebnis in sein Bewusstsein trägt, dann wird es geschehen – wenn die Geisterwelt Gottes es für gut befindet.”

Als nun der Bruder dies alles sah, sprach er: “Ich hätte ja als schwacher Mensch niemals meine Aufgabe erfüllen können, wenn ihr mir nicht beigestanden hättet.” Und der Engel musste ihm sagen: “Wenn ein Mensch uns die Hände reicht, dann reichen wir ihm die unseren. Wenn ein Mensch von sich aus nach seinen besten Kräften gibt und er Gott wohlgefällig wirkt und lebt, dann werden wir von der Gotteswelt geben, was zur Verfügung steht, um ihn zu stärken und ihm mehr als in gewöhnlicher Weise beizustehen; mit geistiger Speise und geistigem Trank, für den Menschen unsichtbar, kann er gestärkt werden. Dies wird umso mehr möglich, je mehr der Einzelne seine Seele zu Gott erhebt. Wenn er wirklich Gottes Willen erkannt hat, seine Gesetze, seinen Frieden, sein Recht, dann gibt die Geisteswelt Gottes auch.”

Und so ist dieser Beistand nicht etwas, was nur bei diesem Missionar geschah, was nur ihm gegeben wurde. Denn so oft wird in ähnlichster Weise auch sonst einem Menschen ein himmlischer Beistand gebracht, und er ahnt nichts davon. Erst wenn er in die Seelenwelt eingegangen ist, wird er aufmerksam gemacht auf all das, was der Himmel ihm gegeben hat. Man freut sich über das, was er als Mensch dem Himmel geschenkt hatte, aber man zeigt ihm auch das, was der Himmel gegeben hat.

So, liebe Geschwister, findet jeder Mensch seine Führung; es kommt auf seine Gesinnung an, auf seine Ehrlichkeit in jeder Beziehung, auf sein gottgefälliges Leben. Und dieses Wort “gottgefällig” wird so leichtfertig von vielen Menschen aufgenommen; doch es braucht viel zu einem gottgefälligen Leben. Man kann es aber anstreben und sich bemühen, gottgefällig zu sein.

So soll es auch mit euch allen werden: Gottgefällig sollt ihr alle leben. So wird der Himmel euch geben, und der Himmel spendet seinen Segen unsichtbar für euch Menschen. Aber gerade dieses Unsichtbare hat seine wunderschöne Entfaltung, wenn man dieses geistige Geschenk zu würdigen, zu schätzen versteht und nicht alles, was im Leben ist, als eine Selbstverständlichkeit betrachtet.

Nun, liebe Freunde, zeigte ich euch die Wege; ich versuchte Probleme zu erklären, um euch zu helfen, euch beizustehen. Und damit sollt ihr wissen: Wir begleiten euch, wir sehen euch in eurer inneren Not und bringen euch auf diesem Wege Trost und Beistand.

So möge Gottes Segen euch alle umfangen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 27.1.1962 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1949, 1951, 1952, 1957, 1960 und 1970

Fragen und Erläuterungen

Lieber Josef, eine Krankenschwester, die früher einmal vier Jahre hinter Klostermauern gelebt hat, sehnt sich wieder dorthin; sie musste aus dem Kloster austreten infolge eines Unfalls. Nun bittet sie um Rat, ob sie wieder ins Kloster zurückkehren soll.

Josef: Was ich hier zu sagen habe, ist, dass du deine Aufgabe erfüllen musst an diesem Platze, wo du jetzt stehst [also in der Pflege der Kranken]. Wenn du diese Aufgabe in Liebe voll und ganz erfüllst, kannst du dir die grösseren Früchte einsammeln; denn du kannst dir mit dieser Arbeit die schönsten Blumen und Früchte in dein geistiges Feld setzen. Es ist in der heutigen Entwicklung so: Wenn ein Mensch für den Nächsten arbeitet, für ihn sorgt, ihn pflegt und ihm Liebe gibt, bringt ihm dieses die schöneren Früchte ein, als wenn er in die Stille geht und doch nur für sein eigenes Seelenheil beten will und nur gelegentlich einmal andere Menschen in sein Gebet einschliesst.

Dies ist bei so vielen Menschen anzutreffen: Sie beten, aber sie beten nur für sich selbst, dass es ihnen gut gehen soll; und mit ihrem Gebet möchten sie sich dann einen Platz in der geistigen Welt erkaufen. Aber dass sie je eine arme Seele oder einen Nachbarn in dieses Gebet einschliessen würden, das liegt ihnen fern. Solche Gebete haben keinen Anschluss an die göttliche Welt, sie verlassen nicht einmal das Haus.

Christus hatte doch aber gesagt: “Was du dem Nächsten tust und was du dem Nächsten gibst, das gibst du mir” (vgl. Mat. 25, 40). Darin besteht dieses Gebot: die ganze Liebe zu verbreiten und nicht für sich selbst einzusammeln, sondern Liebe zu geben, zu dienen, für etwas auf dieser Erde zu sein. Der Mensch soll sich bewusst sein: “Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen auf dieser Erde.” Denn es sind noch so viele Aufgaben an jeden Menschen gestellt, die er nicht kennt und folglich auch nicht erfüllen kann. Aber er kann solche Aufgaben erfüllen, die dem Nächsten dienen und die immer nur Harmonie in jeder Beziehung geben. Denn ich kann euch nicht genug zurufen: Froh werdet ihr sein um eure geschmückte Seele! Es wird die Stunde kommen, wo ihr froh seid um diese geschmückte Seele.

Also empfehle ich hier in diesem Fall: Geh deinen Weg, wie du ihn bis jetzt gegangen bist, und gib viel Liebe; denn du erhältst dafür unendlich viel Kraft, wenn du bewusst diese Liebe gibst. (1949)

Lieber Josef, welchen Zweck verfolgt die geistige Welt, oder welche Hoffnung verbindet sie damit, wenn eine Seele in mehreren Menschenleben, sagen wir in zwei oder drei Inkarnationen, allein durchs Leben gehen muss? Ist das karmisch?

Josef: Nein, das, was du sagst, ist niemals karmisch; du kannst doch auch nicht mit Bestimmtheit sagen, dass ein Geist zwei oder drei Erdenleben allein durchs Leben geht; das kann man auch nicht so sagen. Ganz bestimmt hat ein Mensch in jedem Leben eine Aufgabe zu erfüllen, auch wenn er alleine ist. Menschen glauben manchmal, man hätte nur eine Aufgabe, wenn man in einer Familie lebt oder wenn man verheiratet ist. Mancher, der verheiratet ist, möchte es lieber nicht sein ...

Ich möchte sagen: Jeder Mensch, wo er auch steht – und wenn er nichts anderes tun muss als eine ganz einfache manuelle Tätigkeit –, hat an seinem Platz genauso eine grosse Aufgabe wie ein anderer Mensch. Wenn er in die jenseitige Welt zurückkommt, wird Gott es dann beurteilen. Er muss seine Aufgabe nach seiner Kraft, die ihm zur Verfügung gestanden ist, erfüllt haben. Ist einer schwach, wird von ihm nicht viel verlangt; aber seine Leistungen, die er vollbracht hat, werden eben auch sondiert und beurteilt. Und derjenige, der sich geistig stark gefühlt hat und stark fühlt, von ihm wird auch viel mehr verlangt, und er wird anders beurteilt. (2.11.1960)

Lieber Josef, in den Botschaften aus der göttlichen Welt, die Pfarrer Johannes Greber erhalten hat, findet sich der Satz: “Die Familiengründung ist ein Auftrag Gottes, und niemand kann sich ihm ungestraft entziehen.” Können aber nicht viele Menschen infolge eines Schicksals, beispielsweise wegen einer Behinderung oder einer Krankheit, an der Ehe verhindert werden?

Josef: Ja, liebe Seele, das kann der Fall sein. Aber wenn es dort so geschrieben steht, so ist dies vielleicht etwas hart ausgesprochen. Doch ihr wisst, liebe Freunde, dass ein jeder Mensch im Heilsplan Gottes mitzuwirken hat, und in der Ehe sind eben mehr Möglichkeiten gegeben, dass sich soundso viele Geister wieder inkarnieren können. Es gibt aber immer wieder Zeitabschnitte, wo wieder weniger Geister inkarniert werden; dann gibt es wieder Jahre, wo sehr viele Inkarnationen stattfinden. Es kommt doch immer auf den geistigen Fortschritt an und darauf, wer bestimmt ist, wiedergeboren zu werden. Denn es muss die Entwicklung einmal dahin gelangen, wo jede Seele so weit ist, dass sie nicht mehr wiederzukommen braucht.

Freilich ist es aber eine Belastung für den Menschen, dessen Verhältnisse gesund sind, wenn er aus Bequemlichkeit keine Ehe eingehen will, weil er keine Sorgen, keine Aufgaben auf sich nehmen will. Ich möchte in diesem Sinne nicht gerade von Strafe sprechen, aber dies zeichnet eine Belastung in das geistige Feld eines solchen Menschen.

Es gibt aber auch sogenannte Milderungsgründe, Fälle, die nicht in dem Sinne bestraft werden oder wo sich der Mensch nur leicht belastet und nur leicht gezeichnet wird. Bedenkt doch, liebe Freunde, dass es auch Menschen gibt, die in so ärmlichen Verhältnissen leben, dass sie kaum für sich selbst das Notwendigste besitzen. Wenn sie dennoch eine Ehe eingehen und ihnen Kinder gegeben werden, müssen sie ihren ganzen Willen daransetzen, zu arbeiten und gut zu sein und sich zu bemühen, die Sorgen zu meistern und in ihrem Leben vorwärtszukommen. Und da sagt sich eben manch anderer – beispielsweise einer, der in der Stadt lebt und die vielen schönen Dinge sieht, die man haben kann –: “Wenn ich eine Ehe eingehe, kann ich mir dieses und jenes nicht mehr leisten; Kinder kosten so viel!”

Ja glaubt ihr, liebe Freunde, dies sei in der Gerechtigkeit Gottes, dass nun ein solcher Mensch nicht gezeichnet würde oder sich nicht belasten würde, wenn er aus Bequemlichkeit keine Ehe eingeht und nicht mithelfen will am Heilsplan Gottes, weil er geniessen will? Ja, hier wird ein Mensch gezeichnet; aber ich betone immer, dass sich nicht jeder in jedem Falle gleich verschuldet. (1952)

Lieber Josef, letztes Mal wurdest du über die Ehe befragt. Dabei habe ich vermisst, dass du dich zur Ehelosigkeit als einem aus religiösen Motiven bewusst gewählten Stand geäussert hast.

Josef: Ja, liebe Freunde, ich muss schon sagen, oftmals müsste ich euch Worte geben, die ihr nicht verstehen und nicht begreifen könntet, sodass es dann vorsichtiger ist, wenn ich diese Worte umgehe.

Denn, liebe Freunde, ich sage und betone es: Ein jeder Mensch, wo er steht, hat in seinem Leben seine Aufgaben zu erfüllen, und er kann sie erfüllen an seinem Posten, da, wo er steht. Vielleicht habe ich einmal Gelegenheit, diese Frage näher zu beantworten, heute aber möchte ich es nicht tun. (1952)

18 Jahre später ging Geistlehrer Josef ausführlicher auf eine entsprechende Frage ein:

Lieber Josef, in der heutigen Zeit wird in der katholischen Kirche darüber gesprochen, ob das Zölibat abgeändert oder aufgehoben werden soll oder nicht. Ist das eine Frage, die die geistige Welt auch interessiert?

Josef: Eigentlich ja, dies interessiert die geistige Welt auch. Denn im Grunde genommen sind die Priester dieser Kirche zur Ehelosigkeit gezwungen worden; dies war doch früher nicht so.

Und dazu möchte ich doch Folgendes sagen: Einerseits ist man so streng auf die Bibel bedacht, und man zitiert genau die Bibelstellen. Aber warum zitiert man denn nicht jene Bibelstellen, wo es heisst, dass der Bischof verheiratet sein soll (1. Tim. 3, 2; Tit. 1, 6)? Dazumal hatte der Name “Bischof” einen andern Sinn als heute; seine Funktion war nicht die eines heutigen Bischofs, der sozusagen über einer Anzahl von Priestern steht.

Bei den ersten Christen wählte und bestimmte die geistige Welt die Person, die sich um die Gemeindeglieder zu kümmern hatte, und diese Person war gewöhnlich auch ein medialer Mensch. So konnten ihm die Sorgen, die es dazumal genauso gab wie heute, vorgetragen werden, und er sollte dann – da er ja medial war – geistig so inspiriert sein, um einem Ratsuchenden eben die richtige Antwort zu geben. Er sollte ihn, wenn es notwendig war, zurechtweisen, oder er sollte ihn trösten; er sollte aber auch dafür besorgt sein, wenn ein Gemeindeglied Not und Hunger litt, dass dieses Unterkunft und Brot erhielt. Das waren dazumal die Verhältnisse. Es sollte also eine führende Person in der Gemeinde sein, die sich um den Einzelnen, der in einer Notlage war, kümmerte. Diese Person sollte aber auch die Aufsicht über die ganze Gemeinde haben, über eine Gemeinschaft, sagen wir, wie ihr es seid. Einer solchen Gemeinde stand also auch ein von der geistigen Welt erwählter Mensch vor, der medial war und sich nun dieser Gemeinschaft annehmen musste.

Nun hiess es ja gerade in diesem Fall: Wer ein solches Amt ausübt, der sollte – wie es in jener Sprache hiess – eines Weibes Mann sein, ehrlich, zuverlässig, gastfreundlich, kein Zecher, kein Prahler und so fort (vgl. 1. Tim. 3, 1–7; Tit. 1, 5 – 9). Wenn er eine Familie hat, muss er in der Familie den Beweis erbringen, dass er diese Familie führen kann, dass er sie umsorgen kann und er Verständnis für die Not und für die Probleme aufbringt, die es in jeder Familie gibt, dass er sich damit auseinandersetzt und die Familie führt. Wenn er ein gerechter Mann ist, dann soll er auch die Fähigkeit haben, die Gemeinschaft zu verstehen, auch ihre Probleme lösen zu helfen und auf diese Art und Weise die Gemeinschaft eben zu führen. Aber diese Fähigkeit sollte er ja in erster Linie einmal in der eigenen Familie zum Ausdruck bringen, indem er seine eigene Familie führen, leiten, für sie sorgen und ihre Probleme lösen konnte. Und dann sollte er grösseres Verständnis haben und aufbringen können für die grössere Gemeinschaft und für die Not und die Sorgen der einzelnen Menschen in der Gemeinde. So war es dazumal gemeint.

Und warum ist denn die Kirche dazu gekommen, diese Ehe abzuschaffen? Das könnt ihr euch ja leicht vorstellen. Zum einen wollte man diese führenden Menschen ganz im Besitz, unter dem Zwang, unter der Herrschaft jener Kirche und ihrer Gewalten haben. Und dann wollte man auch die Gelder. Denn dazumal, gerade in den ersten Jahrhunderten, hatten dieses Priesteramt sehr oft Adelige eingenommen. Und die Kirche war sehr auf das Vermögen jener bedacht. Und so konnte sie diese Vermögen eben einkassieren. Wäre aber eine Familie da gewesen, wäre die Kirche nicht zu diesen Vermögen gekommen. Auf eine schlaue Art und Weise ist es eben – wie vieles andere – gemacht und getan worden. (Vorstandssitzung vom 14.1.1970)

Lieber Josef, wie wird von der geistigen Welt aus das Leben eines Eremiten beurteilt, der sich vielleicht schon in jungen Jahren in die Einsamkeit zurückgezogen hat?

Josef: Meine lieben Freunde, seht, auch zur Zeit Christi und der Apostel wurde den Menschen gesagt, dass sie Busse tun und beten sollen. Es wurde ihnen diese Anweisung gegeben, weil die Entwicklung demgemäss war. Ich möchte aber auch daran erinnern, dass doch Christus der Vorwurf gemacht wurde, dass seine Jünger nicht fasteten und sich auch nicht im Besonderen kasteiten wie zum Beispiel gewisse andere Juden. Und so hatte ihnen doch Christus geantwortet, dass sie solche Dinge nicht notwendig hätten, solange der Bräutigam bei ihnen sei. (Mat. 9, 14 –15.)

Ich sage euch: Dieser Bräutigam, Christus, ist mit allen Menschen, die Verlangen nach ihm haben, die ihn als das erkennen, was er ist, und seine Aufgabe kennen, die er hier erfüllt hat. Wenn Menschen ihn und die geistige Welt anerkennen, so ist er in Verbundenheit mit ihnen, mit all seinen Dienern, die mit ihm sind.

Wenn nun Menschen glauben, dass sie für ihre Seele nur dann wirken können, wenn sie in die Einsamkeit gehen, dann winden sie sich – sofern sie nicht von geistiger Seite dazu aufgefordert wurden – dadurch keine Kränze und Blumen. Denn der Mensch kann in seinem täglichen Leben im Umgang mit dem Mitmenschen, wenn er so vielen Anfechtungen und Gefahren gegenübersteht, beweisen, wessen Geistes Kind er ist. In diesen Prüfungen, in denen er steht, muss er den richtigen Weg herausfinden. Er muss den Nächsten ein Vorbild sein; sie müssen an seinem Leben erkennen, was richtig ist und dass er ein wahrhaft guter Mensch ist.

Wenn Frauen oder Männer zum Beispiel in ein Kloster gehen, so weichen sie wohl vielen Sünden aus, oder ich möchte sagen, es kommen dort nicht besonders grosse Gefahren an sie. Sie haben sich abgeschlossen, sie haben sich nicht einmal mehr um ihr Brot zu kümmern; das wenige, das sie brauchen, wird ihnen gegeben. Richtiger aber wäre, wenn solche Menschen, die sich dazu berufen fühlen, nur recht viel zu beten, zu fasten und der Sünde auszuweichen wo nur möglich, sich trotzdem in den Dienst des Nächsten stellen würden. Und das heisst, sie sollten von Zeit zu Zeit zu Menschen gehen können und ihnen beispielsweise in ihren Krankheiten beistehen oder sie davon befreien. Denn wenn ein Mensch fühlt, dass ein Leben in der Abgeschlossenheit für ihn das Richtige sei, so muss er sich bewusst sein, dass er trotzdem eine Aufgabe zu erfüllen hat. Wenn er dann mit dem Hause Gottes so verbunden ist, so müssen auch zu ihm die Tröster kommen. Und so können es solche Tröster sein, die ihm die Kräfte des Heils verleihen, sodass andere Menschen zu ihm in die Einsamkeit kommen und sich von ihm heilen lassen könnten.

Aber so seht ihr wiederum, liebe Freunde, auch dieses In-die-Einsamkeit-Gehen, dieses Sich-Abschliessen, muss einen Sinn haben; es muss in den Dienst des Nächsten gestellt werden, wenn es ein Verdienst sein soll für die Seele selbst und für die ganze Menschheit. Solche Dinge haben aber keinen Wert und Sinn, wenn sie dem Nächsten nicht dienlich sind. Sie müssen dem Nächsten dienen.

Wenn du für eine Woche in diesem Raume bleibst und die Türe verschliesst, können die Gefahren vielleicht – ich betone: nur vielleicht – weniger an dich herankommen. Aber du hast dadurch auch weniger Verdienste. Verdienste erwirbst du dir, wenn du die Liebe aussendest, wenn du dem Nächsten hilfst, wenn du bereit bist, nicht nur Gott zu dienen, sondern auch den Menschen zu helfen. Und dies wird in der Seele des Menschen eingezeichnet und hat Bedeutung für jeden einzelnen. (1951)

Lieber Josef, vor ihrer Inkarnation versprechen viele Geistwesen, als Mensch eine Aufgabe zu erfüllen. Wie kann der Mensch dann erfahren, was für ein Versprechen er abgegeben und welche Aufgabe er zu erfüllen hat?

Josef: Wer einst ein solches Versprechen gegeben hat, wird eines Tages als Mensch getrieben, danach zu suchen, wie er in seinem Leben etwas Besonderes erfüllen könnte. Er wird erkennen, dass es nicht genügt, nur so dahinzuleben wie bisher, sondern dass er nach Höherem, nach geistigen Dingen trachten muss. Dann wird er in die Stille gehen, um zu meditieren und zu suchen. Und aus dieser Stille heraus wird sich etwas anbahnen, etwas ereignen, das ihm den Weg zu einer solchen Aufgabe weist.

Denn es ist so: Die Geistwesen Gottes betrachten dann die Fähigkeiten des Menschen, beobachten ihn und versuchen, ihn auf dem Weg zu seinem einst gewählten Ziele zu fördern. Es gelingt den Geistern Gottes nicht immer, einen solchen Menschen genügend zu inspirieren; es kommt ganz auf sein Leben und Wirken an. Neigt er dazu, das Geistige aufzunehmen, ist er sensibler Natur und vermag er alles von der göttlichen Seite Herkommende zu bejahen, dann ist es für sie leichter, ihn auf seine Aufgaben hinzulenken und ihn ans Ziel zu führen.

Das will also heissen: Wenn Menschen ihre Aufgaben nicht zu erkennen glauben, sollen sie noch viel mehr an sich arbeiten und danach suchen. Wenn sie zur Ruhe gehen, sollen sie darüber meditieren – wenn auch nur eine Viertelstunde – und sich immer wieder fragen: “Worin besteht meine Aufgabe? Was habe ich einst versprochen?” Wem es wirklich ernst damit ist, eine Aufgabe zu erfüllen, dem wird die Erkenntnis auch auf irgendeine Art zuteil.

Oft ist es aber auch so, dass der Mensch schon längst an seine Aufgabe geführt wurde und sie erfüllt. Vom einen wird viel erwartet, vom andern weniger. Denn jedem Geist wird für sein Erdenleben nur so viel zugemutet, wie er mit seiner Kraft bewältigen kann. Ein Geist aus den untersten Stufen der Entwicklung wird niemals nach Dingen streben, die nicht in seinen Kräften liegen. Er wird seine Wünsche ihnen anpassen, und die Engelswelt wird ihn belehren, im Falle er mit seinen Wünschen doch zu weit gehen sollte, und ihn gar nicht da hineinführen. Erkennt die Engelswelt aber, dass ein Geist schon durch verschiedene Leben gegangen ist und im göttlichen Sinne Verschiedenes erreicht hat, so wird sie ihm mehr zumuten und sagen: “Er soll höhere Aufgaben erfüllen.” Und wenn dann die Engel Gottes ihm im Leben zur Seite stehen und ihn an die einst gewünschte Aufgabe heranführen, dann wird er sie zu erfüllen trachten – ich möchte sagen, oft ohne zu wissen warum.

Oftmals ist es auch so, dass ein Mensch in irgendeiner Richtung etwas Grosses zu erreichen sucht. Er empfindet irgendeinen Drang und kämpft und kämpft. Vielleicht erreicht er selbst gar nicht das gewünschte Ziel; aber vielleicht bahnt er für andere an und macht jenen, die nach ihm kommen, den Weg frei. Dann hat auch er das Seinige getan. Die andern, die nachkommen, können dann das Gebäude fertig erstellen. (1957)

Heft 5/2013
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm